Kultusminister beschließen: Alle Schulen bleiben im neuen Schuljahr offen

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BERLIN. Nach dem zu Ende gehenden Ausnahme-Schuljahr sollen die Schulen nicht noch einmal von Schließungen betroffen sein. Wohlgemerkt: alle Schulen. Das vereinbarten die Kultusminister der Länder. Einen zusätzlichen Gesundheitsschutz für die – wohl größtenteils ungeimpften – Schüler wird es aber offenbar nicht geben. Von Luftfiltern ist jedenfalls keine Rede.

Die Kultusminister fahren – mal wieder – einen riskanten Kurs. Illustration: Shutterstock

Monatelange Schulschließungen wie in diesem Jahr soll es im nächsten Schuljahr nicht mehr geben. Die Kultusminister der Länder vereinbarten am Donnerstag bei einer Videoschalte, dass alle Schulen nach den Sommerferien «dauerhaft im Regelbetrieb (…) mit allen Schulfächern und Unterrichtsstunden» besucht werden sollen. Das geht aus einem Beschluss hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Regelbetrieb bedeute, dass Unterricht in der Schule ohne weitere Einschränkungen erteilt und das schulische Leben wieder ermöglicht werde. Auch außerschulische Angebote wie Schulfahrten würden wieder in «vollem Umfang» ermöglicht, heißt es in dem Beschluss weiter. «Wir werden alle für einen dauerhaften Regelbetrieb und die Vermeidung weiterer Schulschließungen kämpfen», hieß es aus Teilnehmerkreisen. Der Schulbetrieb soll dabei nicht daran geknüpft werden, ob Schülerinnen und Schüler geimpft sind oder nicht.

Nicht ausgeschlossen wird allerdings, dass auch im neuen Schuljahr weiterhin Masken getragen werden müssen. Jeder wolle davon so schnell wie möglich weg, sagte ein Teilnehmer der Beratungen. Grundsätzlich müsse aber der Einsatz von Mitteln zur Eindämmung der Pandemie, wie Tests und Masken, weiter in Betracht gezogen werden, da die weitere Entwicklung unklar sei. «Aber auch eine Maskenpflicht ist immer noch absolut vorzugswürdig gegenüber einer neuerlichen Schulschließung.»

«Die Pandemie darf die Bildungswege unserer Schülerinnen und Schüler nicht noch einmal so stark beeinträchtigen»

Mehrere Kultusminister hatten sich schon vor den KMK-Beratungen optimistisch gezeigt, dass es nach den Sommerferien mit voller Klassenstärke weitergehen wird. «Die Pandemie darf die Bildungswege unserer Schülerinnen und Schüler nicht noch einmal so stark beeinträchtigen», sagte Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP). «Trotzdem bleiben wir weiter vorsichtig.» Die Vorgaben für Hygiene und der Infektionsschutz mit Corona-Tests «werden uns noch eine Zeit lang begleiten». Von Luftfiltern für Klassenräume, wie von immer mehr Elterninitiativen bundesweit gefordert, ist keine Rede.

Aktuell normalisiert sich der Schulbetrieb angesichts sinkender Corona-Zahlen wieder. Einige Länder lockern bereits auch die Maskenpflicht in den Einrichtungen. Ob es mit dem «dauerhaften Regelbetrieb» im nächsten Schuljahr wirklich klappt, bleibt aber unklar. Das wird auch davon abhängen, ob Corona-Maßnahmen wie Schulschließungen weiter an die Entwicklung der sogenannten Inzidenz – also die Ansteckungszahlen in der Gesamtbevölkerung – gekoppelt werden. Saisonbedingt dürften die Zahlen im Herbst wieder steigen. Sachsen hatte die Kopplung an die Inzidenz für seine Schulen im Frühjahr aufgehoben. Die dann beschlossene Bundes-Notbremse hatte diese Pläne durchkreuzt. Sie läuft allerdings am 30. Juni aus und soll, wie News4teachers berichtete, nicht verlängert werden.

… und dann wandten sich die Kultusminister einem neuen Thema zu: Antisemitismus

Die Kultusministerinnen und Minister beschlossen am Donnerstag auch eine gemeinsame Empfehlung der KMK, des Zentralrats der Juden in Deutschland und der Bund-Länder-Kommission der Antisemitismusbeauftragten zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule. In der Videokonferenz zugeschaltet waren der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und die Vorsitzenden der Bund-Länder-Kommission, Felix Klein und Samuel Salzborn.

In der Empfehlung, die der dpa vorliegt, sind unter anderem Hilfestellungen für Lehrkräfte enthalten. So werden Unterschiede zwischen politischem, sozialem, religiösem und rassistischem Antisemitismus erklärt. Empfohlen wird in dem Papier auch, dass neben der zwingend nötigen Thematisierung des Holocaust im Geschichtsunterricht «das Judentum im Unterricht nicht auf die Themen der Verfolgung und Schoah sowie die Opfer-Perspektive reduziert wird». Schülerinnen und Schülern sollten demnach Begegnungen mit Jüdinnen und Juden ermöglicht werden, etwa über Austauschprogramme und Partnerschaften mit Schulen in Israel.

In der Lehrerbildung wird zudem eine intensivere Vermittlung von Kenntnissen zu Antisemitismus, Judentum und jüdischer Geschichte und Gegenwart gefordert. Antisemitische Äußerungen und Vorfälle müssten an Schulen als solche benannt werden und dürften nicht bagatellisiert, relativiert, verschwiegen oder ignoriert werden, heißt es in der Empfehlung außerdem. Am Freitag (12.00 Uhr) sollen die Ergebnisse der KMK-Beratungen bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden. News4teachers / mit Material der dpa

Die Kultusminister schaffen es immer wieder, noch einen draufzusetzen: Jetzt erklären sie Corona in Schulen für beendet!

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16 KOMMENTARE

  1. „Antisemitische Äußerungen und Vorfälle müssten an Schulen als solche benannt werden und dürften nicht bagatellisiert, relativiert, verschwiegen oder ignoriert werden,“

    Meine Rede und ich ergänze noch „nicht aufgebauscht“. Ich bin gespannt, ob das alles in jedem Fall tatsächlich und in aller Deutlichkeit durchgezogen wird.

  2. Besonders bemerkenswert: Diese absolut leichtsinnige und vollkommen überstürzte Strategie beschließen sie auf einer VIDEOKONFERENZ. Warum treffen die sich denn nicht in Präsenz, wenn die Pandemie angeblich vorbei ist? Als Politiker sind die KM vermutlich schon lange geimpft und der Versammlungsort hat sicher eine RLT und dazu Luftfilter.

    Oder hatten sie keinen Raum? Da hätte bestimmt irgendeine Schule eines der sicheren Klassenzimmer (das mit den kaputten Fenstern direkt neben dem Klo, auf dem es immer so stinkt) zur Verfügung stellen können.

    • Danke sehr für diesen Kommentar! Musste echt lachen, obwohl es echt traurig ist…. Wie können Kultusminister bitte jetzt – Monate, bevor das neue Schuljahr überhaupt begonnen hat, sicher behaupten, dass es keine erneuten Schließungen geben wird??!!
      Also egal was passiert, egal welche Mutante sich nach den Sommerferien, im Herbst, oder vielleicht erst im Winter unter den Kindern ausbreiten wird, die Schulen bleiben offen? Macht es, aber nur unter der Voraussetzung dass die Präsenzpflicht aufgehoben wird.

      • @Alina

        Ich musste auch ordentlich lachen.

        Und als die Rede war vom dem stillen Örtchen mit dem olfaktorischen Non-stop-Verwöhnprogramm sah ich sie direkt vor mir:
        Die KMs, die selbstverständlich (!) sicher behaupten, dass es keine erneuten Schließungen geben wird.
        Etwas selbstverständlich behaupten und feste daran glauben können auch kleine Kinder (und ich wette, wir waren früher alle so, nur haben sich viele seitdem weiterentwickelt): „Nein, nein, neeeeiiiinnnn, keine Windi an Popo will. Mach besssstimmt kein Stinki in Hose.“
        Und wir haben alle ganz fest daran geglaubt, dass das auch klappt.
        Naja.
        Hat ja in der Regel – trotz gutem Willen (,den unterstelle ich allen kleinen Kindern in diesem Punkt,) nicht sofort im ersten Anlauf geklappt.
        Allerdings war der entstandene Schaden viel harmloser.

        Warum haben die in den Ministerien bloß diese Luftfilter? – Darüber muss ich noch mal nachdenken … 😉

        • Pit 2020- Gibt es eigentlich Erhebungen darüber, wieviele dieser Geräte in den Ministerien, Landtagen u.ä. aufgestellt wurden? Wo kann man das erfragen? Landesrechnungshof? Wieviel Geld ist für Plexiglas und Luftfilter in öffentlichen Behörden geflossen? Das wäre doch mal spannend zu erfahren.

          • @Die Elfe

            Und weil es spannend wäre das zu erfahren werden wir es nicht erfahren!
            Getreu des Mottos: „Haha, mein Kind! Du darfst (fast) alles essen – aber du musst nicht alles wissen.“
            Ich denke, mit den Erhebungen verhält es sich so wie mit den Daten zur Berufszugehörigkeit bei Menschen, die an Corona erkrankt oder daran gestorben sind. Besser nix erfragen – oder noch blöder – schriftlich fixieren, da hat man später immer nur Ärger.
            DA ist eine Linie drin.
            Oder wie man im Polit-Dumpfsprech sagt: „Ein starkes Signal!!!“ (Und dabei aufpumpen wie der Frosch im Teich.)

  3. „Und dann wandte man sich einem neuem Thema zu…“

    Ich mag da mal einen Bekannten Perückenträger zitieren „ja ne… is klar…“

    Ignorieren wir mal wie das vielleicht dann doch (wenn gleich unwahrscheinlich) werden könnte im Herbst. Die Schulen bleiben auf. Hugh.

    So nächstes Thema zum ablenken?
    Wer hat was?
    Gendern?
    Ne ist doof … Mhmm …
    Hey wart mal super Idee! Antisemitismus! Hatten wir noch nie! Kauen wir mal eine Weile darauf herum. Dann vergessen die Leute ja sicher wie unflexibel wir auf Kriesen reagieren können.

    Ich hab echt meinen Beruf verfehlt.
    Hätte Kumi werden sollen. Aber da fehlt mir wohl das Peter Pan Syndrom „ich will jetzt aber, dass das so ist!“

  4. Ich antworte auf diesen Beschluss mit James Bond:

    „Sag niemals nie“

    Geniale Strategie – aus einer Zeit, in der das eine große Problem noch nicht mal umfänglich in den Griff bekommen worden ist.

    Die haben offensichtlich wirklich ne Kristallkugel, in die alle gestiert haben, anstatt sich mit handfesten Realitäten zu befassen.
    Die KMK weiß also ganz genau, was uns im Herbst und überhaupt in Zukunft erwartet….?? Ne, wissen sie nicht, ABER sie wissen offenbar, dass sie – egal was das Leben bringen wird – sie völlig unbeeindruckt nicht darauf reagieren werden – lediglich der eigene Starrkopf gibt die Marschrichtung vor.
    Früher nannte man solche direktivistischen Entscheidungen, die quasi als eherne Regeln formuliert wurden „Doktrin“…. ein Einhalten dieser Doktrin gehörte zur Staatsräson (Truman-Doktin, Monroe-Doktrin und hier in Deutschland jetzt „immer auf und niemals zu-Doktrin“)

    Entscheidungen – abgekoppelt von jeglicher Realität – egal, wie diese sich entwickeln mag – sind als Größenwahn zu benennen und entstammen i.d.R. einer ganz erheblichen Hybris.
    Passt also super zu den Luftpumpen aus der KMK.

  5. Ich warte noch auf die Mutante, die uns dann schließlich in Zombies á la The Walking Dead verwandelt…

    Entweder würden sich die KuMi dann in ihren bestimmt schon vorbereiteten und luxuriös ausgestatteten Bunker verschanzen und die Sache einfach aussitzen, während die große Masse draußen sich mit den wahren Verhältnissen auseinandersetzen darf oder sie hätten vielleicht endlich ihr Ziel erreicht. Eine hirnlose Masse an seelenlosen Dummbratzen, die nur dem nächsten Wesen mit einem Bröckchen Hirn im Schädel nachrennt, auch wenn das Bröcken noch so klein ist.

  6. Das darf doch alles nicht mehr wahr sein
    Ich hoffe jedes Elternteil das sein Kind liebt, lässt es zuhause wenn möglich und ich hoffe das weiterhin Beurlaubung möglich ist oder wir das Recht haben diese Tests zu verweigern, damit das Kind zuhause bleiben kann und somit vor dem ganzen Wahnsinn geschützt ist…..

    Keiner weiß wirklich, wie sich Corona auf unsere Kinder auswirkt aber dennoch müssen sie an forderster Front???
    Schickt man heutzutage im Krieg auch die Kinder vor???
    Kämpft für eure Kinder Gesundheit geht über alles!!!!

    Und baut mal endlich überall Luft Filter ein!!!!

  7. Also, Corona hat Schulverbot – das finde ich gut. ich hoffe, die Viren können den Beschluss der Kultusminister lesen und halten sich dran. Und da die Schulen eh offen bleiben, braucht man doch auch keine Luftfilter – werden eh überbewertet. Ich würde aber auch noch die Tests weglassen. dann kann ich wenigstens ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, ob meine Schüler*innen Corona haben. Und selbst wenn – es gibt ja immer noch (Kinder)Ärzte die meinen, der Virus trifft die Kinder nicht…

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