Kurz vor dem Schulstart: GEW kritisiert Gebauer für Abkehr von Inzidenzwerten

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Vor dem Start ins neue Schuljahr hat die Lehrergewerkschaft GEW die Abkehr der Landesregierung von den Inzidenzwerten kritisiert. «Das Schulministerium hat nicht die medizinische Expertise, um die RKI-Empfehlungen zu ignorieren und die Inzidenzwerte zu missachten», sagte die GEW-Landesvorsitzende Ayla Çelik am Montag in Düsseldorf. Den Präsenzunterricht losgelöst von der Inzidenz umzusetzen sei waghalsig. «“Augen zu und durch“ ist als Motto nicht geeignet.»

Neue Landesvorsitzende der GEW in Nordhein-Westfalen: Ayla Çelik Foto: Shutterstock

«Lüften und Frieren können nicht die Lösung sein», sagte Çelik. Die Ankündigung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP), bei einem Corona-Fall nur noch die unmittelbaren Sitznachbarn in Quarantäne zu schicken, stieß bei der GEW ebenfalls auf Ablehnung: «Die Quarantäne an der Sitzordnung fest zu machen ist realitätsfremd. Kinder sind agil», sagte Çelik. Sie sprach sich für ein Fortführen der Regelungen des vergangenen Herbstes aus.

Die Corona-Pandemie habe die soziale Ungleichheit in den Schulen verschärft. «Wir sind nicht da, wo wir sein könnten», sagte sie und sprach sich erneut für den flächendeckenden Einsatz von Luftfiltern aus. Die Sicherheit in den Schulen dürfe nicht vom Geldbeutel der Kommunen abhängen.

Der Sanierungsstau für die Schulgebäude Nordrhein-Westfalens betrage zehn Milliarden Euro. In vielen Klassenräumen in NRW reagiere immer noch der Overhead-Projektor. «Ich kann Eltern nicht erklären, warum in einer Pandemie ein funktionierendes Waschbecken im Gebäude schon fast Luxus ist», sagte Çelik.

«Die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems darf nach Corona nicht fortgesetzt werden»

Der Lehrkräftemangel an den Schulen sei mittlerweile chronisch. Im Grundschulbereich habe die Hälfte der ausgeschriebenen Stellen nicht besetzt werden können. NRW sei im Bundesvergleich bei der Bildungsfinanzierung abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. «Gewinner stehen nicht auf dem letzten Platz. Wer beste Bildung propagiert, muss beste Bedingungen schaffen. Die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems darf nach Corona nicht fortgesetzt werden», sagte Çelik.

Rund 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler starten am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen trotz Corona-Pandemie grundsätzlich im Präsenzunterricht ins neue Schuljahr. Dabei werden entschärfte Quarantäne-Regeln greifen. Die Gesamtschullehrerin Ayla Çelik aus Köln war Ende Juni zur neuen Landesvorsitzenden der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gewählt worden. News4teachers / mit Material der dpa

Gebauer weicht Quarantäne-Regelung für Schüler auf – trotz Warnung des RKI

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15 KOMMENTARE

  1. Lockerungen bei steigenden Infektionszahlen waren noch nie eine gute Idee. Um das zu erkennen, müsste man aber zu Fehlern der Vergangenheit stehen oder sich zumindest mal die Mühe machen, sich die Auswirkungen vergangener Entscheidungen anzuschauen.

    Die Ansätze „Inzidenzen sind egal“ und „wir schicken nur noch die Sitznachbarn in Quarantäne“ sollen dem KURZFRISTIGEN Ziel „mehr Präsenz“ dienen. Im Ergebnis werden sie aber LANGFRISTIG zu „weniger Präsenz“ führen, denn damit startet man eine fatale Entwicklung, die zwangsläufig zu einem erneuten monatelangen Lockdown mit Schulschließungen führt. Wie üblich wird der kurzfristige Gewinn dem langfristigen Nutzen vorgezogen.

    „In vielen Klassenräumen in NRW reagiere immer noch der Overhead-Projektor.“

    Da ist ein „a“ zuviel… das Relikt aus der Steinzeit regiert… reagieren kann es eher nicht.

  2. Stupid as … Diese Schulpolitik, zusammen mit anderen Öffnungsschritten, machen uns alle – mal wieder- zum Teil eines großen Experiments, will heißen, erkranken vielleicht doch nicht so viele schwer genug, dann kann man es ja laufen lassen. Also werden wir sehen, wie viele long-covid Fälle es unter Schülern gibt, wie viele Impfdurchrüche, und wie weit die Zahlen insgesamt steigen werden.

    Gut möglich, dass das dann alles wieder aus dem Ruder läuft und wieder dicht gemacht wird. Es scheint, als ob – mal wieder – man dachte, die Zahlen gingen nicht mehr nennenswert nach oben. Jetzt tun sie es doch und die Reaktion erinnert an Vogel Strauß. lar, auf alle Zeiten alles dicht halten geht nicht aber ein sinnvoller Mittelweg jetzt mit Delta und so wäre doch vielleicht besser. Egal…

  3. Es wird keine Schulschliessungen mehr geben! Selbst wenn die Inzidenzen wieder explodieren sollten werden die SuS zur Durchseuchung in die Schule müssen, Präsenzunterricht über alles.
    Nachdem jetzt so viele geimpft sind und seit heute auch eine Empfehlung der Stiko für SuS ab 12 vorliegt, werden die Kumis die Schulen nicht mehr schliessen.

    Selbst im letzten Schuljahr wurde Präsenz wo immer möglich durchgezogen.
    Abschlussklassen und Abiturienten z.B. waren in NRW so gut wie nie in Distanzunterricht.

    Auch die Quarantäneregeln sind nicht neu, schon das gesamte letzte Jahr wurde hier in Düsseldorf genau so verfahren, wer weiter weg als 1,5m saß oder wenn die Abstandsregeln weniger als 15min (am Stück! mehrfaches Köpfezusammenstecken den ganzen Tag über zählt nicht) unterschritten wurden kam niemand in Quaratäne! Genausowenig, wenn alle eine Maske getragen haben (was ja laut Hygieneregeln dauernd der Fall sein sollte), faktisch kann man sich ja mit Maske NIEMALS infizieren.

    Selbst Geschwister nachweisslich infizierter SuS mussten erstmal weiter zur Schule, erst wenn sie selbst positiv getestet wurden kamen sie auch in Quarantäne.

  4. Eilmeldung!!!
    Neues Hygiene-Konzept an allen Schulen der BRD.
    Die KMK hat für das neue Schuljahr die 3T Regel beschlossen.
    Toi-Toi-Toi

  5. In Thüringen gibt es nicht mal mehr Tests. Und auch nicht flächendeckend Luftfilter, wenn die Kommunen das nicht wollen. Ist das nur Naivität oder schon Dummheit? Wieso darf ein Ingenieur für Bauwesen über die Gesundheit aller in den Schulen und Kitas entscheiden? Und die Schulen waren nicht für alle zu. Im Januar sind wir mit Inzidenz knapp unter 500 mit den Abschlussklassen gestartet ohne Impfung, Maskenpflicht und Abstand. Das, was er im Interview äußert, kann ich nur so verstehen, dass es ihm egal gewesen wäre, wenn bei offenen Schulen viele LuL, Eltern und SuS erkrankt wären, es noch mehr Tote gegeben hätte, sicher auch unter den vielen alten LehrerInnen. Fast 50 % der LuL in Thüringen sind in der gefährdeten Altersgruppe. Ich bin fassungslos. Inzwischen ist ja erwiesen, dass Schulschließungen zu den wirksamsten Mitteln der Pandemiebekämpfung gehören. Hat man ja mit der Hamburger Studie erst mal unter den Tisch gekehrt. Holter hat scheinbar in den letzten Monaten nichts dazugelernt, weder über Delta noch über Infektionen bei doppelt Geimpften noch über die Gefahr noch gefährlicherer Virusvarianten bei hohen Infektionszahlen. Was für ein Wahnsinn, dass man sowas ausgeliefert ist.

    „[…]ZEIT ONLINE: 13 Prozent sind aber nicht ausreichend, um die Schülerschaft wirklich vor einer Ansteckung zu schützen. Sie haben schon vor den Sommerferien die Testpflicht in den Schulen abgeschafft. Warum? Riskieren Sie damit nicht, dass sich das Virus unbemerkt wieder in den Schulen verbreitet?

    Holter: Ich orientiere mich bei dieser Entscheidung an dem aktuellen Infektionsgeschehen und den Herbstempfehlungen des wissenschaftlichen Beirats, symptom- bzw. anlassbezogen zu testen. Zurzeit sind die Zahlen niedrig, warum sollte man dann alle Schüler zwingend testen? Mir ist wichtig, dass alle Kinder wieder zur Schule kommen. Würde ich an der Testpflicht festhalten, hieße das auch: Bestimmte Schüler werden nicht zum Unterricht erscheinen. Das möchte ich nicht.

    ZEIT ONLINE: Von wie vielen Kindern sprechen wir hier?

    Holter: Es sind vielleicht rund 1.500, die sich nicht testen lassen wollen oder bei denen die Eltern die Tests ablehnen. Manche sagen, die Anzahl sei vernachlässigbar. Aber ich sehe das anders. Für mich hat oberste Priorität, dass der Unterricht wieder stattfindet, und zwar für alle.

    ZEIT ONLINE: Das heißt also: Schüler und Schülerinnen, die in Thüringen ab dem 6. September wieder im Klassenraum sitzen und womöglich in einem Hochrisikogebiet Urlaub gemacht haben, müssen sich nicht testen lassen. Ist das nicht fahrlässig?

    Holter: Nein, überhaupt nicht. Es gibt ja Schutzmaßnahmen, die vorgeschaltet sind. Laut Auflage der Bundesregierung müssen Reisende bei der Einreise nach Deutschland einen Impfnachweis, einen Nachweis über Genesung oder einen negativen Test vorweisen. Außerdem besteht in unseren Schulen direkt nach den Ferien das Angebot, sich testen zu lassen – und ich gehe davon aus, dass die meisten das auch annehmen.

    ZEIT ONLINE: Zwei Wochen nach Schulbeginn möchten Sie das Testen in den Schulen dann ganz abschaffen. In anderen Bundesländern fährt man genau den gegenteiligen Kurs: Es wird mehrmals die Woche verpflichtend getestet, in manchen Ländern experimentiert man mit den verlässlicheren PCR-Pool-Tests. Warum dieser thüringische Sonderweg?

    Holter: Meine Entscheidung, das Testen in den Schulen abzuschaffen, ist ein Paradigmenwechsel in der Pandemiebekämpfung, dessen bin ich mir bewusst. Für mich ist die grundlegende Frage im Sommer 2021: Was muss in den Schulen passieren, um die Kinder zu schützen, und was außerhalb? Kinder, die Symptome haben, können zum Arzt gehen und sich dort testen lassen – das muss nicht in der Schule stattfinden.

    ZEIT ONLINE: Sind Sie bei den Auflagen auch deshalb so zurückhaltend, weil Sie den Zorn der Eltern fürchten? In Thüringen haben Eltern immer wieder sehr lautstark gegen Corona-Einschränkungen protestiert. Vergangenen Herbst wurde ein Rektor bedroht, der einen Schüler nach Hause geschickt hatte, der keine Maske trug. Und auch Sie persönlich wurden von wütenden Eltern attackiert.

    Holter: Den Zorn fürchte ich nicht. Ich habe mich den Diskussionen mit den Eltern gestellt. Zugleich ist für mich die Meinung der Eltern natürlich schon wichtig: In einer Umfrage des MDR haben über 70 Prozent der Befragten angegeben, dass sie gegen das Testen an den Schulen sind. Das ist für mich schon eine wichtige Information.

    ZEIT ONLINE: Eine weitere Strategie, die Schüler vor einer Infektion zu schützen, sind mobile oder eingebaute Luftfilter. Wie viel Prozent der Schulen in Thüringen sind mit Luftfiltern ausgestattet?

    DAS BESTE AUS Z+:
    Corona

    Corona und Schule:
    „Das kommende Schuljahr wird kein normales“
    Holter: Das kann ich Ihnen nicht sagen. Das Land Thüringen hat fünf Millionen Euro für Corona-Maßnahmen an den Schulen bereitgestellt. Die Schulträger nutzen diese Mittel zum Beispiel, um CO2 -Ampeln oder Luftfilter anzuschaffen. Wir stützen uns insgesamt auf die Aussage des Umweltbundesamtes: Luftfilter sollen besonders in den Räumen eingesetzt werden, die schlecht zu lüften sind – das beste Mittel ist und bleibt aber immer noch das Lüften.
    […]

    ZEIT ONLINE: Gibt es einen Inzidenzwert, an dem Sie die Schulen wieder schließen würden?

    Holter: Ich möchte die Schulen gar nicht schließen – unabhängig davon, wie hoch der Inzidenzwert ist. Wenn er wie in Spanien zurzeit bei 400 oder 500 liegt, kann man über Wechselunterricht nachdenken, über Masken im Unterricht oder über das Lernen in festen Gruppen. Aber die Schulen sollen unter allen Umständen offen bleiben.
    […]

    ZEIT ONLINE: Würden Sie heute anders entscheiden?

    Holter: Damals hatten wir alle die Bilder von Bergamo vor Augen. Und niemand wollte diese Verhältnisse in Deutschland. Im März 2020 war es deshalb eine konsequente Entscheidung. Heute aber würde ich sagen: Wir hätten die Schulen offen lassen sollen. Länder wie zum Beispiel Frankreich haben gezeigt, dass es auch hätte anders gehen können. Rückblickend war es die falsche Entscheidung.“

  6. „[…]Biontech
    Etwas schlechter als Moderna schnitt in der neuen US-Untersuchung das Vakzin von Biontech/Pfizer ab. Den Forschern zufolge verhinderte es zwischen Januar und Juli 2021 Hospitalisierungen um 85 Prozent. Eine Infektion verhinderte der Impfstoff um 76 Prozent. Im Juli, dem Delta-Zeitraum, lag die Wirksamkeit den US-Wissenschaftlern zufolge nur noch bei 42 Prozent.[…]

    Astrazeneca
    Auch zur Wirkung des Oxford-Vakzins von Astrazeneca wurden bereits mehrere Untersuchungen veröffentlicht. Im Juni hatten Forscher der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) diese analysiert und als Preprint veröffentlicht. Demnach soll der Infektionsschutz gegen die Delta-Variante bei rund 60 Prozent liegen, sofern zwei Impfdosen verabreicht wurden. Das Risiko für einen schweren Verlauf sei hingegen um 92 Prozent reduziert.
    Eine andere, im „New England Journal of Medicine” publizierte Studie, ermittelte bei zwei Dosen mit dem Astrazeneca-Vakzin eine Schutzwirkung von 67 Prozent.“

    https://www.focus.de/gesundheit/news/wirkt-moderna-besser-als-biontech-welcher-impfstoff-sie-am-besten-vor-delta-schuetzt_id_15869558.html

    Na, da können ja auch die doppelt geimpften LuL und EuE schon mal davon ausgehen, dass sie eine große Chance haben, sich bei der hohen Viruslast, die in den Unterrichtsräumen herrschen wird, um eine Infektion nicht herumkommen werden. Aber das ist den Dienstherren ja egal. In Thüringen ab der dritten Woche nach den Ferien wird nicht mal mehr getestet. Und auch direkt nach den Ferien ist keine Testpflicht. Nur Empfehlung. Damit auch alle Testverweigerer in den Präsenzunterricht kommen können. Super. Zugeständnisse an Coronaleugner und AfD- Anhänger. Anders ist das doch nicht zu erklären. Fast alle anderen Bundesländer verschärfen die Schutzmaßnahmen zum Schuljahresbeginn, in Thüringen entscheidet der KM, ein Ingenieur für Bauwesen was anderes. Ich bin nur noch wütend. Erholung in den Ferien ist mit dem Wissen, was uns zum Schuljahresbeginn erwartet, fast nicht möglich.

    • Tja, wir haben heute in NRW per Schulmail erfahren, dass die Schulen von der Inzidenz abgekoppelt werden. Das bedeutet keine Schulschließungen – no matter what. Welche rechtlichen Befugnisse haben Gebauer und Co., über solche Dimensionen zu entscheiden??? Ich fasse es nicht…

      • Zudem gilt: solange geimpfte Lehrkräfte symptomlos sind, gehen sie nicht in Quarantäne. Hä? Haben die noch nichts davon gehört, dass auch symptomlose Leute ansteckend sein können? Will man damit vorweg nehmen, dass mal wieder die Erwachsenen das Virus in die Schulen tragen?

    • Dann werden die Schulen halt wegen Lehrermangel geschlossen. Zahlreiche kurz- und langfristige Ausfälle verkraften zumindest die Grundschulen nicht mehr. Allerdings gibt’s dann auch keinen Digitalunterricht mehr……

  7. Die Abkehr von den „reinen“ Inzidenzwerten ist richtig und vernünftig und hat viele Fürsprecher unter den „Kennern der Materie“, weil angesichts massenhafter Impfungen und einer entspannten Situation in den Krankenhäusern der reine Inzidenzwert einen falschen Eindruck vermittelt! Das müsste doch jetzt jedem klar sein inzwischen.

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