Nach langem Hin und Her: Lehrkräfte in Berlin werden wieder verbeamtet

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BERLIN. Lange wehrte sich der Berliner Senat dagegen, Lehrkräfte zu verbeamten. Im Wettbewerb um Fachkräfte mit anderen Bundesländern habe die Hauptstadt nun keine andere Wahl, glauben SPD, Grüne und Linke. Der Philologenverband begrüßt den Schritt – die GEW hatte im Vorfeld dagegengehalten.

Hatte sich frühzeitig für eine Verbeamtung von Lehrkräften ausgesprochen: die Spitzenkandidatin der Berliner SPD, Franziska Giffey. Foto: SPD Berlin / Jonas Holthaus

Wegen des Fachkräftemangels an Berliner Schulen wollen SPD, Grüne und Linke Lehrkräfte wieder verbeamten. Darauf verständigten sich die drei Parteien bei ihren Koalitionsverhandlungen. «Wir haben uns klar ausgesprochen für eine Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern», sagte die SPD-Landesvorsitzende Franziska Giffey am Mittwoch.

Für die Hauptstadt sei es ein extremer Standortnachteil, wenn alle Bundesländer außer Berlin Lehrkräfte verbeamteten. Zwar könne ein solcher Schritt nicht der einzige sein, um gegen den Mangel an Lehrkräften vorzugehen. Es müsse aber verhindert werden, dass weiterhin jedes Jahr 700 Lehrerinnen und Lehrer in andere Länder abwanderten. Giffey sprach von einem «wichtigen Großprojekt in dieser Legislatur».

Berlin hatte die Lehrerverbeamtung vor rund zwei Jahrzehnten abgeschafft. Giffey zufolge ist nun geplant, ab dem Schuljahr 2023/24 wieder mit dieser Praxis zu beginnen. Ein entsprechendes Angebot sollen dann neue Lehrerinnen und Lehrer erhalten, aber auch Bestandslehrer, soweit sie die Altersgrenze von derzeit 45 Jahren noch nicht überschritten haben.

Allerdings gibt es in dem Zusammenhang noch einige offene Fragen, die die Koalitionäre in spe nach den Worten Giffeys dem neuen Senat mit auf den Weg geben. Geklärt werden muss demnach, ob die Altersgrenze für eine gewisse Zeit erhöht werden könne und wie ein Nachteilsausgleich für Lehrkräfte aussehen könne, die nicht verbeamtet werden können oder wollen. Eine weitere Frage sei, ob ein Pensionsfonds eingerichtet werden müsse. Bei Beamten fallen hohe Pensionslasten an.

«Wir müssen gucken, was wir an den Hochschulen tun können, um Lehrkräfte bedarfsgerecht auszubilden»

Die drei Parteien, die bereits seit 2016 zusammen regieren, gehen Giffey zufolge davon aus, dass zwischen 14.000 und 17.000 Berliner Lehrkräfte für eine Verbeamtung in Frage kommen. Um die 7000 könnten nicht verbeamtet werden.

Grünen-Verhandlungsführerin Bettina Jarasch nannte weitere Vorhaben im Kampf gegen den Personalmangel an Schulen: «Wir müssen gucken, was wir an den Hochschulen tun können, um bedarfsgerecht auszubilden.» Dazu sei es in einem ersten Schritt zunächst nötig, den Bedarf einmal zu ermitteln. Außerdem müsse untersucht werden, warum an den Hochschulen so viele Lehramtsstudierende ihre Ausbildung abbrechen.

Auch andere Bundesländer neben Berlin hatten zwischenzeitlich auf eine Verbeamtung von Lehrkräften verzichtet – unter anderem mit Blick auf hohe Pensionslasten. Angesichts des Fachkräftemangels setzen inzwischen alle Bundesländer außer Berlin wieder auf das Instrument. Lehrkräfte mit Beamtenstatus haben – bezogen auf das gesamte Berufsleben – höhere Einkünfte und Altersbezüge als angestellte Lehrer.

Der Deutsche Philologenverband und sein Landesverband Berlin/Brandenburg nehmen nach eigenem Bekunden den Plan der Berliner Koalitionsparteien, die Verbeamtung von Lehrkräften nach rund zwei Jahrzenten in der Bundeshauptstadt wieder einführen zu wollen, „erfreut“ zur Kenntnis. „Wir haben lange angemahnt, wie wichtig die Verbeamtung von Lehrkräften für eine funktionierende und attraktive Bildungslandschaft ist“, sagte die Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing den Beschluss von SPD, Grünen und Linken in Berlin. „In den vergangenen Jahren wurde das Schulsystem in Berlin kaputtgespart. Es fehlen hunderte qualifizierte Lehrkräfte.  Stattdessen wurden massiv Quer- und Seiteneinsteiger eingestellt. Für Lehrkräfte war Berlin kein attraktiver Dienstherr“, ergänzte die Landesvorsitzende Kathrin Wiencek. Die Verbeamtung sei ein wichtiger Baustein, um die Berliner Schulbildung wieder auf Kurs zu bringen.

Die GEW sieht das anders: Sie hatte davor gewarnt, dass die Verbeamtung zu Unfrieden in vielen Kollegien führen wird, weil die von Giffey angeführten 7.000 Lehrkräfte  die Voraussetzungen nicht erfüllen (etwa aus Altersgründen) – und deshalb unberücksichtigt bleiben, wenn ihnen nicht zumindest ein Ausgleich gezahlt werde.

Die Koalitionsverhandlungen zwischen SPD, Grünen und Linken hatten am 22. Oktober begonnen und gehen so langsam dem Ende entgegen. Am Mittwoch standen die Themen Innere Sicherheit und Modernisierung der Verwaltung auf der Agenda, am Donnerstag sollen Haushalt und Finanzen drankommen. Am Freitag schließlich wollen die Spitzen der Parteien über noch offene Punkte reden und den gesamten Koalitionsvertrag fertigstellen. Gelingt das, soll er am Samstag der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Danach müssen die Parteigremien und im Falle der Linken die Mitglieder dem Regierungsprogramm noch zustimmen. Ist das geschehen, will sich Giffey am 21. Dezember im Abgeordnetenhaus zur Regierenden Bürgermeisterin wählen lassen. News4teachers / mit Material der dpa

Lehrer verbeamten? GEW warnt vor Ungerechtigkeiten – und Streit im Kollegium

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39 KOMMENTARE

  1. Klar – die kann man ja auch drangsalieren und in die Krisengebiete (Schulen) schicken.

    Die dürfen nicht streiken, machen wenig Ärger, da weisungsgebunden, und halten die Wirtschaft am Laufen, da sie systemrelevant sind.

    Und sie sind Lebenslängliche.

    Im Gegensatz zu Angestellten – die dürfen streiken und kündigen.

    Das ist keine Menschenfreundlichkeit – das ist Panik und Notwendigkeit.

    Da brauchen wir uns nichts vorzumachen.

    Und ihr uns auch nicht.

    • Dann lass dich eben nicht verbeamten! Ich sehe das Problem nicht. Das ist nur eine OPTION, keine Pflicht. Und diese Option sorgt aber dafür, dass der Wettbewerbsnachteil von Berlin im Kampf um Lehrkräfte entschieden gemindert werden kann. Natürlich bietet der Beamtenstatus nicht nur Vorteile, aber das darf ja jeder für sich abwägen.
      In meinen Augen ein ganz wichtiger Schritt für Berlin!

      • Vielleicht nicht in Berlin, in Bayern schon.
        Zumindest noch vor 20 Jahren.
        Verbeamtung oder raus aus dem Lehrerberuf hieß es da.

      • Die meisten jungen Lehrer drängen auf Verbeamtung. Die meisten älteren Lehrer hassen die Verbeamtung. Das Problem ist, dass sich die Jungen kaum bewusst sind, was dieses ‚lebenslänglich‘ bedeutet! Es scheint verheißungsvoll, ist aber tatsächlich ein Gefängnis, aus dem man nicht wieder herauskommt. Genau das ist derVorteil der Länder. Einmal gefangen, kein Erbarmen. Kein Streik, keine Kündigung, eben lebenslänglich gefangen. Das zeigt sich aber erst in der Lebenserfahrung. Leider!

  2. Haha, ein Schlag ins Gesicht der Berliner GEW. Gut.

    Jetzt muss das Land nur noch vernünftig Bezahlen und die Arbeitsbedinungen verbessern und das könnte glatt wieder ein interessanter Arbeitsort werden.

    • Was sollen die Lehrer davon haben, wenn die Gewerkschaften schwach sind? Bitte klären Sie uns auf!

      Was hat der Beamtenbund je für die Lehrer getan/durchgesetzt und vor allem wie?

    • Ich hab da ein kleines kognitives Problem. Hurra, es schwächt die GEW (die mich auch oft genug nervt) und dann hoffen wir auf einen netten AG? Hat in welchen Branchen bisher geklappt? Wahrscheinlich lese ich nur linksgrüne böswillige Horrorgeschichten, da verliert man eben das reale neoliberale Arbeitnehmerparadies etwas aus den Augen.

  3. Da können sich die Betroffenen freuen. Glückwunsch!

    Die Argumentation ist leider immer noch falsch und ich bin erschrocken, dass politisch verantwortliche Spitzenpolitiker sie nach wir vor verbreiten („jährlich 700 Lehrer verlieren“). Es war so oft hier zu lesen, dass keiner weiß, warum die weggehen und dass darunter zuletzt sogar über 200 Beamte waren, aber anscheinend liest niemand n4t. Schade.

    Nun bin ich mal gespannt, wie es für die Tausenden Berliner Lehrer ausgeht, die trotz allem nicht verbeamtet werden können (Altersgrenze oder Ausbildung). Es sollen ja nur „grundständig ausgebildete Lehrer“ verbeamtet werden können und derzeit nur bis 45.

    • Und wenn nun diese Tausenden Berliner Lehrer über 45 und ohne „grundständige Lehrerausbildung“ mit Abwanderung drohen oder gar wirklich abwandern??? Tausende???

      Warum gilt da dieses Argument nicht mehr?

      • Die können gerne zu uns kommen! Wir brauchen jeden, der nicht bei 3 auf dem Baum ist! Und die Lebenshaltungskosten incl. Mieten sind auch noch billiger als in Berlin!

  4. Echt jetzt? Der Bedarf an Lehrkräften soll in einem ersten Schritt erst einmal ermittelt werden?
    Tipp:
    Mal bei der Bertelsmann Stiftung anfragen!
    Oder im Einwohnermeldeamt?
    Oder mal ausrechnen lassen, wie viele LK demnächst in Rente gehen?

  5. „Außerdem müsse untersucht werden, warum an den Hochschulen so viele Lehramtsstudierende ihre Ausbildung abbrechen.“
    Die Politik tut ja ihr Möglichstes, um den Beruf, (bei einer 7 – jährigen Ausbildungszeit) so unattraktiv wie möglich zu machen! Und es geht dabei KEINESWEGS nur um Gehalt und Aufstiegschancen! Es ist eine Frage der Wertschätzung!
    Nach dem Langzeitpraktikum an der Schule entscheiden sich viele Studenten um! Willkommen in der Wirklichkeit!

    • Ich kann das Gefasel von der „Wertschätzung“ nicht mehr hören. Fast immer geht es dabei genau um nur das: Geld.

      Selbst Sie bleiben ja jeglichen Hinweis schuldig, was Sie denn anderes meinen als Geld und Aufstiegschancen?!?

      • Richtig, den Geld und Karrierechancen sind in der sozialen Marktwirtschaft das Äquivalent für die – Achtung: bei Angestellten bereits im Laufe des Monats – erbrachten Leistungen.
        Um die Leistung allerdings messen zu können, bedarf es zunächst einmal einer Arbeitsplatzbeschreibung. Diese wird aber vom Arbeitgeber gar nicht erst erstellt. Infolgedessen wird halt pauschal gezahlt, die Wochenstundenzahl wird pauschal vergütet, wobei alle anderen erbrachten bzw. zu erbringenden Leistungen aus Sicht der AG damit ebenfalls abgegolten sein sollen.

        Nehmen wir einmal den Bereich Schüler- und Leistungsdatenverwaltung. Die Mitarbeit an der Datenbankadministration wird an Schulen der SekI im besten Falle Grundlage für eine Beförderung auf E13/A13. An GY gibt es für die gleiche Tätigkeit E14/A14 oder die Aufgaben werden auf die Stufenkoordinatoren übertragen und mit A15 vergütet.

      • @Megalodon

        Ich kann nur für mich sprechen – habe aber die Vermutung, dass sich viele andere Lehrkräfte hier wiederfinden werden – ob nun verbeamtet oder nicht.

        a) Die Klassen sind zu voll (wird auch durch Verbeamtung nicht anders)
        b) Die Schüler:innen sind mehr als verhaltenskreatief (ich meine ausdrücklich nicht alle!)
        c) Die Aufgaben oben drauf nehmen kein Ende.

        Ach, ich hab einfach keine Lust mehr, all das zu wiederholen, was schon so lange bekannt ist und nie geändert wurde.

        Wir brauchen Menschen in der Schule, die Zeit haben, sich mit den Kindern alleine auch nur zu unterhalten!
        Wir brauchen Übersetzer.
        Wir brauchen Psychologen und Schulsozialarbeiter – an jeder Schule.
        Wir brauchen …. ganz viel.

        Wir kriegen – Arbeit oben auf.
        Wir haben – das Gefühl, auf ganzer Linie zu versagen, weil wir allen Kindern helfen wollen, es aber nicht können.
        Wir wissen, wie es warum in vielen Familien aussieht – und haben keinen Einfluss darauf; teilweise nicht mal das Recht (ein Nachbar dürfte es!), uns einzumischen.

        (Natürlich sind nicht alle über meinen Kamm geschoren worden – es gibt immer Ausnahmen unbekannter Menge und Größe, für die das Geschriebene nicht güldet).

    • Endlich dürfen dann auch die verbeamteten Lehrer vor der Schule kiffen und müssen nicht mehr im Lehrerzimmer saufen, um diesen ganzen Wahnsinn auszuhalten. Danke Ampel!

  6. Als älterer Lehrer fände ich eine Verringerung der Stundenzahl den besten Ausgleich für die Nicht-Verbeamtung. Es ist eben doch eine Belastung, die man von Jahr zu Jahr stärker empfindet.

  7. Ohne Beamtenstatus ist es schon viel schwerer. Man bekommt keine Termine für Fachärzte (wir müssen in der Regel 6 Monate warten) und für notwendige Untersuchungen im Krankenhaus (da darf ich gar nicht daran denken). Und die Rentenunterschiede erst! Das sind schon richtig gute Pluspunkte, die man bei allen großen Schwierigkeiten auch sehen sollte!

    • Das hat gar nichts mit dem Beamtenstatus zu tun, also nicht notwendigerweise. Wenn Sie entsprechend verdienen, können Sie auch als angestellter Lehrer aus der GKV in die PKV wechseln. Berliner Lehrer kommen mit einer vollen Stelle über die entsprechende Grenze !!!

  8. Oh mein Gott, ihr Jammertante und Jammeronkel und GEW. WAS GEHT EUCH AN???!!!
    Ich verstehe einfach euer Problem nicht. Was ist denn euer Problem! Was ist denn so schlimm, Anderen eine Option zu verleihen. Lasst doch die Leute selbst entscheiden, ob sie die Verbeamtung wollen.
    Nieman zwingt dich zur Verbeamtung. Ihr könnt weiterhin in eurer GEW bleiben und streiken.

    Zur GEW: IHR SEID EGOISTISCHE …
    Ihr seht nur eure Geldtasche. Nun kassiert euren Fehler. Hahahahahaha

    • @ Rico, das ist doch Unsinn. Man kann auch als Beamter in der GEW bleiben und die Streikenden unterstützen. Gewerkschaftsabschlüsse gelten zunächst einmal auch nur für Gewerkschaftsmitglieder. Sie werden nur auf alle Beschäftigten übertragen (sonst würden die ja alle Gewerkschaftsmitglieder werden).

      Warum ist es egoistisch, wenn Gewerkschaften stark sein wollen, um in Tarifauseinandersetzungen stark zu sein? Warum ist es nicht egoistisch, wenn sich manche da herausstehlen, aber die erstreikten Gehaltserhöhungen auch haben wollen (siehe 1. Absatz)?

      Wer soll Gehaltserhöhungen u.a. erstreiken, wenn es keine Gewerkschaftsmitglieder mehr gäbe?

    • Ähm, wieso sind denn die egoistisch, die an die Gemeinschaft denken (bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne usw.) und dafür Mitglieder brauchen, die streiken dürfen? Sind nicht eher die egoistisch, die nur an ihren eigenen Vorteil denken (Beamtentum) und nicht an die Gemeinschaft? Wobei ich es niemandem verdenke, Beamter werden zu wollen und die schönen Seiten nutzen zu wollen, das ist doch normal, mir geht es nur um die Argumentation von „Rico“, der Egoismus denen vorwirft, die die Gemeinschaftsinteressen vertreten.

      • Die Gemeinschaft? Wer denn? HabenALLE dir Bescheid gegeben?
        Lies noch Mal richtig durch! Meine Äußerung heißt: was geht die GEW an, wenn viele Kollegen die Verbeamtung wollen! Dir auch gute Besserung

      • Die Gemeinschaftsinteressen?? Wer hat die Interessen bestimmt? Von der Gemeinschaft der GEW oder von allen Lehrern und Lehrerinnen, oder von der Mehrheit? Wenn die GEW euch vertreten kann, dann sollt die GEW die Klappe halten und aufhören, für alle Anderen Meinungen zu vertreten und äußern. Ihr (auch Beamte) könnt weiterhin in der GEW bleiben.
        Die Wahrheit ist aber, dass die GEW davor Angst hat, Mitglieder zu verlieren. Weniger Mitglieder, weniger Geld für die GEW.
        „Verbeamtung löst die Lehrermangel nicht. Stattdessen brauchen wir mehr Lehrer und kleinere Klassen“. Was Ähnliches hat die GEW erwähnt.
        Blablabla, das wissen wir doch seit Jahrzehnten. Kleinere Klassen und mehr Lehrer. Äh???? Vielleicht soll es heißen: kleinere Klassen und NOCH MEHR Lehrer. Aber woher denn???? Die GEW kann noch 1000000 Demos organisieren, aber sie kann keine Lehrer zaubern. Hmm, vielleicht doch durch ihre Gendersprache (Lehrerbildung wird dort Lehrer*innenbildung gendert, Lehrermangel zu Lehrer*innenmangel), denn alle soll einbezogen werden.
        Also, viel gelabert, immer noch Lehrermangel. Was machen wir nun? Wir probieren was anderes und wer weiterhin in der GEW bleiben will, viel Spaß. Tschüss.

  9. Ich möchte auf einen Punkt hinweisen, der, soweit ich gesehen habe, hier völlig untergegangen ist:
    Was bedeutet Lehrkraftsein im Angestelltenverhältnis? Wir in Berlin können streiken (was man aktuell eh nicht so gern tut, bei der Personallage, Herbstkrankheiten, Corona etc.). Zum Ausgleich an das Beamtengehalt bekommen wir die Erfahrungsstufe 5 ausgezahlt. Über die Jahre ist das noch immer deutlich weniger als bei Kolleg_innen aus den anderen Bundesländern.
    Weitere Unterschiede gibt es nicht! Das heißt, ich werde genauso behandelt, gefordert, in die Pflicht genommmen wie die verbeamteten Kollegen, die aufgrund ihrer Urkunde fette Bankkredite bekommen. Ich will damit sagen, dass es de facto keine Freiheiten für angestellte Lehrer_innen gibt. Man kann auch keine Stundenpläne, Aufgaben etc. anders verhandeln. Ich weiß nicht mit wie vielen Referendaren ich geredet habe, die dachte sie könnten ähnlich wie bei Unternehmen nach belieben die Schule wechseln. Die angestellten Lehrer werden für Versetzungen aufgrund der Personallage auch nicht freigestellt!
    Ja, man kann kündigen. Aber mal ehrlich: Und dann? Wer sucht den bitte nen ehemaligen Gymnasiallehrer für Deutsch und Bio? Dieses Gehaltsgefälle, wenn man mit Mitte 40 ein Volontariat in einem Verlag machen will o.ä., muss man sich erst einmal leisten können! Dass die Leute richtig ihren Job aufgeben, habe ich hier noch nicht gehört oder wenn nur vom Hörensagen. Was ich aber immer wieder mitbekommen habe: Kollegen (vor allem männliche) sind reihenweise gegangen, um sich in Brandenburg (oder vor Jahren auch einige in Hamburg) verbeamten zu lassen. Manche sind auch mit Verbeamtung wieder zurückgekommen.
    Ich bin Mitte 30 und für mich war klar, ich würde Berlin in dieser Legislatur verlassen, würde sich bzgl. Verbeamtung nichts ändern. Ich bin halt ungebunden. Hamburg ist auch schön.
    Ich habe die Argumentation der GEW als unehrlich und nur auf den eigenen Vorteil bedacht empfunden. Ich war nicht mehr bereit für eine Gewerkschaft zu zahlen, die nicht meine Interessen vertritt und bin ausgetreten.

    Bitte überlegt bei der ganzen hitzigen Debatte: Wieso will eigentlich WIRKLICH NIEMAND mehr Lehrer werden? Ich kenne keine Person, die auf Parties gesagt hat: Ich wollte unbedingt einen Studienplatz in Lehramt, habe aber keinen bekommen. Nein, man hört immer nur, dass jemand abgebrochen hat oder nach der Dissertation doch in die Schule musste, weil Kinder gekommen sind. Mir hat man mal gesagt: „Du machst Lehramt? Bei dir lief es doch gut!“

    Bei der aktuellen unbeliebten Jobperspektive sollte man sich überlegen, ob der Unterricht der Jugend nicht doch zur hoheitlichen Aufgabe avanciert.

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