Kinder mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie: „Schule ist für sie oftmals mit schmerzlichen Niederlagen verbunden“

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BERLIN. Der heutige 30. September ist der Tag der Legasthenie und der Dyskalkulie – Anlass für den VBE-Bundesvorsitzenden Udo Beckmann, von der Politik zu fordern, sie solle Schulen personell so ausstatten, dass Lehrkräfte ihre Schüler individuell fördern können. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) und die Deutsche Kinderhilfe richten den Fokus auf das rechtliche Durcheinander, das bei dem Thema herrscht. Verlangt werden bundesweit einheitliche Nachteilsausgleiche für betroffene Kinder und Jugendliche über die gesamte Schulzeit.

Legasthenie und Dyskalkulie können Kinder überfordern, wenn die Schule darauf nicht eingeht. Illustration: Shutterstock

„Mehr als zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen haben Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Schule ist für sie oftmals mit schmerzlichen Niederlagen, zum Beispiel durch schlechte Noten oder Demütigungen, verbunden. Viele der betroffenen Schüler:innen leiden infolgedessen unter psychischen Belastungen“, sagt VBE-Chef Beckmann.

Er betont: „Das hohe Maß an individueller Förderung, das notwendig wäre, um ihnen zu helfen, ist angesichts des dramatischen Lehrkräftemangels, der Folgen der anhaltenden Coronapandemie oder den Herausforderungen bei der Integration geflüchteter ukrainischer Kinder und Jugendlicher, kaum leistbar. Auch im frühkindlichen Bereich mangelt es an Personal, sodass betroffenen Kindern bereits vor dem Eintritt in die Schule die notwendige Mehrförderung verwehrt bleibt. Die daraus resultierenden Lernrückstände prägen die gesamte Bildungsbiografie und sie können ihr Recht auf Bildung, unabhängig von der Herkunft oder etwaigen Erkrankung oder Lernschwierigkeiten, nicht wahrnehmen.“

„Die Gewinnung neuer und zusätzlicher Lehrkräfte und Erzieher:innen muss höchste Priorität haben“

Auch dies mache deutlich, dass die Politik alles Erdenkliche unternehmen müsse, um diese gravierende Bildungsungerechtigkeit abzubauen und endlich die Rahmenbedingungen zu schaffen, die unabdingbar seien, damit Lehrkräfte individuelle Bildungsangebote für jede Schülerin und jeden Schüler bereitstellen können. Beckmann: „Die Gewinnung neuer und zusätzlicher Lehrkräfte und Erzieher:innen muss höchste Priorität haben. Darüber hinaus müssen Lehrkräfte aber auch Erzieher:innen über entsprechende Fort- und Weiterbildungen besser für eine möglichst frühe Diagnostik geschult werden, damit eine möglichst zeitige Förderung gewährleistet werden kann. Außerdem braucht es Unterstützung durch den Einsatz multiprofessioneller Teams. Sie können dabei helfen, auf die jeweilige Problemlage zugeschnittene Angebote zu konzipieren, die nötige Unterstützung bei psychischen Belastungen anbieten und somit einen wertvollen Beitrag für mehr Bildungsgerechtigkeit für betroffene Schüler:innen leisten.“

„Wir sind fassungslos, mit welcher Willkür man Kindern mit Legasthenie und Dyskalkulie in unserem Schulsystem Steine in den Weg legt“, beklagt Rainer Becker, Ehrenvorsitzender der Deutschen Kinderhilfe. „Jedes Kind, das in unserem Schulsystem benachteiligt ist, braucht unsere Unterstützung und einen Nachteilsausgleich, um es erfolgreich auf Ausbildung oder Studium vorzubereiten“, fordert Becker. In jedem Bundesland gibt es unterschiedliche schulrechtliche Regelungen bei einer Legasthenie und Dyskalkulie. Mehr Zeit bei Klausuren, technische Hilfsmittel oder persönliche Assistenzen können helfen, Wissen barrierefrei aufzunehmen und in Prüfungen darzulegen.

„Für Eltern ist das absolut unverständlich und für ihre Kinder ungerecht, dass jedes Bundesland seinen eigenen Weg geht. In einigen Bundesländern verschlechtern sich die Rahmenbedingungen aktuell sogar. Die Bildungschancen sind in Deutschland davon abhängig, wo die Eltern wohnen. Das entbehrt doch jedem gesunden Menschenverstand“, sagt Tanja Scherle, Bundesvorsitzende des BVL.

„Einem Brillenträger würde man auch nicht verbieten, seine Brille in der weiterführenden Schule zu tragen“

Insbesondere für Schülerinnen und Schüler mit einer Dyskalkulie sei es schwierig, gut durch das Bildungssystem zu kommen, da es in vielen Bundesländern noch gar keinen Nachteilsausgleich gebe (oder er ende mit der Grundschulzeit). „Das ist unglaublich. Einem Brillenträger würde man auch nicht verbieten, seine Brille in der weiterführenden Schule zu tragen. Eine Brille ist ebenfalls als Nachteilsausgleich zu verstehen, für den niemand kämpfen muss, da es selbstverständlich ist, eine Sehschwäche auszugleichen“, sagt Scherle.

Ein Nachteilsausgleich stelle keine Bevorzugung oder Vereinfachung dar, jeder Schüler müsse die gleiche Leistung erbringen. Es lägen ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse zur Legasthenie und Dyskalkulie vor, die zeigten, wie man Menschen mit diesen Beeinträchtigungen am besten individuell unterstützt und wie demzufolge ein Nachteilsausgleich gestaltet werden sollte.

Eltern müssten immer wieder aufs Neue dafür kämpfen, dass ihrem Kind ein Nachteilsausgleich gewährt wird. Häufig erführen sie Ablehnung in der Schule, da man unterstelle, es dem Kind einfacher machen zu wollen. „Kinder bewusst zu diskriminieren, keinen Nachteilsausgleich zu gewähren und einfach wegzuschauen, wenn sie im Bildungssystem scheitern, das muss der Vergangenheit angehören. Die Bildungspolitik muss sich ihrer Verantwortung stellen und das bundesweit einheitlich, sonst schaffen wir es nicht, gut qualifizierte Fachkräfte auszubilden, die uns bereits heute fehlen“, fordert Rainer Becker.

In der Ausbildung und im Studium gewähre man Menschen mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie einen Nachteilsausgleich, in der Schule in den meisten Fällen nicht, so Scherle. Unser Bildungssystem müsse hier dringend nachbessern, um für einheitliche Bildungsperspektiven zu sorgen. „Stärken stärken und Barrieren abbauen, das ist der einzig richtige Weg für mehr Chancengleichheit“, betont die Verbandsvorsitzende. News4teachers

Legasthenie und Dyskalkulie: An den Rand gedrängt – warum Teilleistungsstörungen zu wenig Beachtung finden

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J.Urban
2 Monate zuvor

Man sollte sich wirklich mal langsam überlegen, warum man Kinder und Jugendliche immer diesem Stress aussetzt, in die allgemeine Form zu passen. Warum kann das nicht normal gefördert werden? Normal damit umgegangen werden. Jeder Mensch ist unterschiedlich, und Kinder und Jugendliche sind Menschen! Mehr loben, mehr motivieren, dann macht Schule für alle mehr Spaß. Stattdessen: Noten, die keine Freude machen, Lehrer, deren Willkür man ausgesetzt ist. Ich finde es furchtbar. Ich habe zwei Kinder, der eine am unteren Limit, weil zu langsam, der andere am oberen, weil zu schnell. Schule ist ein Spießrutenlauf. Es könnte alles viel entspannter sein.

Soso
2 Monate zuvor
Antwortet  J.Urban

Ich schlage vor: Schule und überhaupt das gesellschaftliche Leben abzuschaffen, in dem jeder „dem Stress aussetzt, in die allgemeine Form zu passen“. Das ganze Leben mit seinen Klippen, Nackenschlägen und Zensuren ist eine einzige Zumutung und ein einziger Spießrutenlauf. Dabei könnte es viel entspannter sein und mehr Freude machen, wenn jeder mehr motiviert und für das, was er tut, gelobt würde. Stattdessen herrscht überall die Willkür von Erwartungen.
Man sollte sich mal überlegen, ob das so weitergehen kann. Warum kann jeder Mensch, egal ob klein oder groß, nicht „normal“ leben, „normal gefördert“ werden statt ständig nur gestresst und gefordert?
Es müsste Berufe geben, die dafür sorgen, dass die Menschen gerne leben und nicht nur unter Qualen. Bei Kindern müssten es vor allem die Lehrer sein, bei Erwachsenen die Arbeitgeber. Das Leben könnte so viel besser sein, wenn die Menschen nicht ständig in eine grausame Form von Erwartungen und Geboten gepresst würden.
Ist doch so, Herr oder Frau Urban, oder?

mama51
2 Monate zuvor
Antwortet  J.Urban

Im Kern haben Sie Recht!
Aber:
Ganz ehrlich?
Beschwerden sind am besten bei IHREM „Zuständigen“ (wer auch immer das sein mag) der #Glorreichen 16# einzureichen!

„Warum kann das nicht normal gefördert werden?“ <– heißt jetzt was genau?

Walter
2 Monate zuvor
Antwortet  mama51

Was unter „normal gefördert werden“ zu verstehen ist, frage ich mich auch.
Wahrscheinlich erhellen das die weiteren Aussagen des Kommentars und die kann ich absolut nicht teilen, auch nicht „im Kern“.

447
2 Monate zuvor
Antwortet  J.Urban

Und wenn SIE dann davon betroffen sind, dass…
– der „geförderte“ (=durchgewunken, darum geht es doch!) Jurist ihr Urteil versemmelt
– die „geförderte“, dyskalkulierende Architektin IHR Haus über Ihnen zusammenkrachen lässt

ist das dann immer noch so?

Denn genau darauf läuft ihre Forderung letzlich hinaus: Erst heisst es Teilhabe, dann Nachteilsausgleich, dann heisst es „Was an der Schule gilt muss doch an der Uni auch möglich sein“ usw. usf.

Ich gebe Ihnen 100% Recht, dass man Schüler nicht stressen und schon garnicht für Umstände ausserhalb ihres Einflusses herabsetzen darf.

Selbstverständlich soll jeder Schüler respektvoll behandelt werden, das ist doch völlig klar.

Das ist aber etwas völlig anderes als die *Leistungs*bewertung!

Wer nicht rechnen kann (egal warum), kann halt einfach kein Buchhalter oder Steuerberater werden – aber vielleicht ein toller Schreiner, Landschaftsgärtner, Künstler, Sportler…

Cornelia
2 Monate zuvor
Antwortet  447

Eine Abiturientin mit Dyskalkulie wird sicher nicht Architektur oder Mathematik studieren wollen. Aber vielleicht wird sie eine gute Deutsch- und Englischlehrerin?
Und vielleicht geht es gar nicht immer um die Hochschulreife, sondern einen mittleren Bildungsabschluss? Wie soll der gelingen, wenn man ein ausgeprägter Legastheniker ist? Wie überhaupt schafft man es in manchen Bundesländern mit diesem Handicap auf die Realschule? Das ist doch das ganz praktische Problem!

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Cornelia

Bei uns schaffen auch ausgeprägte Legastheniker den MSA – alles eine Frage der Ausgleiche, Absprachen und des Verständnisses.

Es besteht die Möglichkeit, die Rechtschreibleistungen aus der Deutschnote herauszunehmen – das steht dann im Zeugnis bis Klasse 7 einschließlich.

Ab Klasse 8 wird entschieden, ob und welcher Hinweis auf LRS im Zeugnis erscheint. Die Entscheidung treffen die Eltern nach Rücksprache mit uns.

Wieso sollte ein Abschluss – auch Abi – mit LRS nicht möglich sein?

Die Kids sind nicht doof oder dumm, sie können nur nicht gut lesen und schreiben.

Bei Klassenarbeiten haben sie das Recht, dass ihnen der Text und die Aufgaben vorgelesen werden – Ziel ist natürlich, dass sie das später auch alleine können. Zurücklehnen und ausruhen ist in dem Sinne natürlich nicht, da sie vom Arbeitgeber auch nicht erwarten können, dass ihnen der Arbeitsvertrag vorgelesen wird.

Bei Klassenarbeiten bekommen sie – auch ohne NTA – mehr Zeit. Bei einzelnen Schülys wurde vereinbart, dass sie nur einen reduzierten Umfang von 75% bearbeiten müssen. Oder ein Mischmasch daraus. Immer mit dem Blick – Erfolg ist wichtig. Sie sollen merken, dass sie den Aufgaben insgesamt gesehen gewachsen sind.

Und ja – liebe Eltern. Wenn ein Kind sich entscheidet, noch eine halbe Stunde länger zu schreiben, suchen wir einen leeren, ruhigen Raum und ggf. eine Lehrkraft, der Fragen gestellt werden können. Manchmal nehmen wir sie mit in den nächsten Unterricht oder setzen sie dort vor die Tür, damit sie bei Fragen ein Ansprechpartnery (entgendern) haben.

Das alles muss nebenbei gewuppt werden und es gibt nicht immer einen freien Raum.

Bei drei Kids werden drei freie Räume benötigt – da auch schon einmal drüber nachgedacht?

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Ja, in SH kriegen wir das ganz gut hin.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Ein „Prinzip“-roter Daumen oder Neid, weil ein anderes BL?

Wir kriegen das wirklich (ganz) gut hin. In SH.

Schreibt auch DerechteNorden! 😉

Cornelia
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Offensichtlich unterrichten Sie in einem anderen Bundesland. Sie wissen genau, dass es nicht überall gleich ist.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Cornelia

Bei uns in SH und an meiner Schule läuft es ziemlich gut.

Mir ist klar, dass das in anderen BLs anders ist – es lebe der Föderalismus Halleluja! – und auch bei uns gibt es innerhalb des Kreises starke Unterschiede.

Wo ein Wille…. auch ein Weg.

Die Absprachen sind sinnvoll und durchaus leichter zu „bewältigen“ und umzusetzen als die ganze Inklusion mit keiner Hilfe und jeder Menge fehlender Unterstützung.

Das Schöne ist – win-win auf beiden Seiten.

(Dann macht’s auch wieder mehr Spaß 😉 )

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Cornelia

Ja, könnte sie werden. Warum auch nicht?

Extrem ausgeprägte Legastheniker bekommen ihren MSA wohl so wie sehr, sehr viele andere SuS (mit anderen, teils genau so großen Problemen) auch – indem sie mit ausreichend guten Vornoten dann ZPs ablegen, die dafür mindestens (wortwörtlich) ausreichen.

Darin werden sie nach Möglichkeit so gut es geht von uns als L unterstützt.

Mangelt es für eine (wenigstens ansatzweise so zu nennende) „optimale“ Förderung bzw. Abmilderung an – wie üblich- allem von Personal über FoBi bis Räume?
Ja, natürlich.

Last edited 2 Monate zuvor by 447
Sabine
2 Monate zuvor
Antwortet  J.Urban

An den Antworten hier sieht man ja, wo das Problem liegt. Anscheinend ist nicht jeder Lehrer und jede Lehrerin auch für den Beruf geeignet. So sad.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Sabine

Danke für diese nette Rückmeldung. Kurz und knapp – so liebe ich das.

Ich freue mich immer, wenn mir jemand, der mich nicht kennt, attestiert, dass ich ungeeignet bin.

Vielleicht sind Sie so nett mit und teilen das dem KuMi mit. Dann habe ich vielleicht die Chance, trotz Verbeamtung eine andere Laufbahn ergreifen zu können.

Sie würden mir wirklich eine große Freude machen – raus aus den unwilligen Schülys, weg von Elterngesprächen, die nichts bringen, weg von den Infos über Kids, die zu Hause vernachlässigt, geschlagen, links liegen gelassen werden…. kein Kopfkino mehr vor dem Einschlafen, keine Dauerteamsitzungen an nahezu jedem Tag in der Woche, keine Klassenarbeiten vorbereiten und hinterher nach laaaaangem Üben im Klassenraum (Hausaufgaben und Üben zu Hause werden ja nur von einigen angefertigt und ALLE sollen mitkommen (können) ), kein Nachfragen mehr, wie weit Hans mit den individuellen Aufgaben ist, kein Erstellen von individuellen Aufgaben über die Woche für Susi – die sie selbstverständlich nicht macht – Mama hat sie von dieser Schikane „freigesprochen“ …… Sie bieten mir das Paradies!

Mariechen
1 Monat zuvor
Antwortet  Sabine

An den Antworten sieht man, dass Lehrer und Lehrerinnen jeden Tag sehen, welcher enorme! Leistungsabfall stattfindet und wie sich dieser schon bald auf unser Gesellschaftssystem auswirken wird. Man sieht es ja jetzt schon überall und da ich an einer GS arbeite, weiß ich, es kommt noch schlimmer. Zumindest wenn nicht dagegen gesteuert wird. Und danach sieht es nicht aus. Ich gewähre den Nachteilsausgleich, kann aber nicht verstehen, warum dies nicht im Zeugnis vermerkt werden soll mit dem Zusatz: die Leistung wurde differenziert erteilt. Und warum muss jedes Kind auf das Gymnasium und studieren? Wenn ich nicht gut lesen und schreiben kann, wird das schwer…

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  J.Urban

Bei uns wird das gefördert und wir gehen auch alle normal damit um.

Und jetzt zur individuellen Förderung:

Auch Eltern müssen ihre zwei, drei oder mehr Kinder differenzieren: Paul kann etwas, Susi nicht. Wer braucht Hilfe und Unterstützung? Susi. Sie MUSS zu Haus auch Förderung erhalten. Dabei ist es völlig egal, ob es um Lesen, Rechnen, das Packen des Schulranzens, … geht. Diese Unterstützung ist NOTWENDIG, sonst klappt das in der Schule nicht und führt dauernd zu Unterrichtsstörungen – die Zeit kann sinnvoller genutzt werden. Zum Beispiel zum Lesen. Aber nein, erst wird organisiert, dass auch Susi einen Stift hat, Klebe hat, eine Schere…..

Und sie müssen auf die Reihe kriegen, dass genau diese Kinder mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit erhalten müssen. Bei den meisten Eltern „laufen sie so mit“ – was uns LuL ja ständig vorgeworfen wird.

Und davon gibt es leider sehr viele Schülys und Familien.

Zum Lesen generell:
Auch „Regel“-Schülys (entgendern) erhalten diverse Förderungsaufgaben – die allerdings als oft als Schikane betrachtet werden oder als Strafaufgaben. Und damit werden sie zu Hause nicht gemacht und von den Eltern oft davon „freigesprochen“.
So soll zum Beispiel im Rahmen der Leseförderung zu Hause 20 Minuten gelesen werden – am besten vorgelesen. Tja – passiert nicht.

Da auch die Hausaufgaben nicht gemacht werden – auch von „Regel“Schülys – wird das alles nichts, denn wir arbeiten ja nun auf Wunsch der FDP-zugewandten kommerziellen Digi-Hersteller mit der neuen Sau – digital. Papiepönt – würde aber die Rechtschreibung und dem Schriftbild wie der Seitengestaltung sehr gut tun. Die wenigsten können nämlich ein Format von der Tafel übertragen.
So wird das mit dem Lesen nichts – Ehrenwort. Da „lesen“ die Kids alleine vor sich her, klicken irgendwas an, Zufallstreffer sind möglich und damit tatsächlich auswertungsverfälschend, aber – wen interessiert das? Außer uns Lehrkräfte?

WARUM kriegen wir nicht (übrigens ist das Interesse am Lesen bereits seit, nun, 20 Jahren stark rücklaufend…. vor Corona, vor den ukrainischen Flüchtlingskindern, …. ). Filme gucken sich halt leichter als die Buchstaben in der richtigen Reihenfolge zu entziffern und den Inhalt verstehen zu müssen. (Wobei ich stark daran zweifele, dass ein Film mit mehr als einem Handlungsstrang verstanden wird – ohne Begleitung. Ist halt ne nette Berieselung, mehr aber meist auch nicht.).

Schule ist kein Spießrutenlauf – wenn alle ihren Job erledigen.

Und nur zur Sicherheit – dazu gehören Lehrkräfte, Eltern und die Schülys.

Wir Lehrkräfte verzweifeln, weil eben nicht alle ihren Job erledigen.

Zumindest ist das bei mir so!

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Papiepönt ist ein hübsches Wort, sollte aber heißen – Papier ist verpönt.

Danke für rote Daumen. Einen habe ich mir gerade selbst verpasst – wegen zu viel Realität.

Lera
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Richtig so!

Diese verdammte Wirklichkeit muss mal wieder ordentlich zurecht evaluiert werden!

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Bin dabei!

Bilden wir einen BL-übergreifenden Arbeitskreis? 😉

Pit2020
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

@Riesenzwerg

„Papiepönt“ … Ich schmeiß mich weg, so niedlich! 😉
Aber mal ehrlich: Das hätte der olle Goethe sich nicht so drollig ausdenken können und da kann man froh sein, dass die Digidingsbums erfunden wurde. 🙂

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Pit2020

😉 Der olle Goethe ist nix gegen das Riesenzwergy 🙂

Saskia
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Geht ein Daumen, egal ob grün oder rot, für sich selbst überhaupt?

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Saskia

Offensichtlich – ich habe mit meinen breiten Fingern da irgendwie draufrumgehauen und schon leuchtete es rot….

Zarenthin
2 Monate zuvor

Leider werden Legasthenie und LRS (Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit, so neuerdings) immer munter durcheinander geworfen. Es ist nicht das Gleiche, vor allem im schulischen Kontext. Ich sage mal, vielleicht 1% aller LRS-Kinder sind Legastheniker.

Das muss bitte auch dieser Verband unterscheiden mit seinen Forderungen. Dass Nachteislausgleiche nicht gewährt werden, finde ich an den Haaren herbeigezogen. Da hätte ich gerne mal Fakten. Ich erlebe, dass das völlig problemlos jedem zuerkannt wird, bei dem eine LRS (nicht Legasthenie) diagnostiziert wird.

447
2 Monate zuvor
Antwortet  Zarenthin

So ist es. Wird an vielen Schulen mittlerweile nicht nur einmal, sondern mehrfach ausführlich getestet und selbstverständlich wird auch NA gewährt, wo es angemessen ist.

Georg
2 Monate zuvor
Antwortet  Zarenthin

Ich frage mich aber, weshalb es so viel mehr LRS als Dyskalkulie gibt. Allerdings unterscheide ich sehr hart zwischen nicht gekonnt und nicht gelernt. Ob das beim LRS-Test auch geschieht, weiß ich nicht, habe aber Zweifel.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Georg

Vor dem Test wird das Zeugnis angeschaut. Wenn die Noten schlecht sind (4en und 5en in Massen – eigentlich darf keine Note schlechter als drei sein), wird das Kind nicht zur Testung zugelassen.

Nach Corona handhaben wir das mit einem Sonderantrag anders.

Bei den Tests wird auch der Intelligenzquotient ermittelt. Da gibt es eine Grenze, die nicht unterschritten werden darf, um die Anerkennung zu erlangen.

Dadurch soll mehr oder weniger gewährleistet werden, dass zuviele Kids eine falsche Diagnose bekommen.

Viele lernen ja schon mal generell nicht, schreiben und lesen weder in der Schule noch zu Hause – und die Eltern sind meist froh, wenn das Kind eine Diagnose bekommt. Dann sind die Eltern aus der Verantwortung und das Kind kann ja schließlich nichts dafür.

Und deswegen brauchen wir KLEINE LERNGRUPPEN (homogen!) und/oder deutlich MEHR LEHRKRÄFTE.

Viele gehen „verloren“, weil sie sich selbst im Weg stehen und es zu Hause einfach nicht klappt – die Gründe sind zu vielschichtig, als sie hier zu erwähnen.

Und auch dann, mit kleinen Klassen und mehr Lehrkräften sind wir noch lange nicht bei der von unkundigen Politikerys (entgendern) ständig seit Jahren mit um sich gehauten Begriffen wie Chanchengleicht bei gleichen Chancen.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Rotes-Daumen-Gebery….

Text gelesen oder nur den Namen?

Bitte doch gerne mal die Mühe machen, eine Antwort zu verfassen.

Kritik ist gut und wichtig.
Rote Daumen …. sinnentleert.

Last edited 1 Monat zuvor by Riesenzwerg
Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Vor dem LRS Test sollen Kinder nicht lernen genauso wie vor dem Leistungstest. In der Regel ist es aber so dass eine gewisse Kompetenz auch im Unterricht vermittelt werden soll. Es geht ja auch darum, dass gewisse Muster erkannt werden die für LRS sprechen.
Meine Kinder haben viele Stunden nach der Schule mit dem Üben verbracht doch leider liegen sie da sehr hinter den Leistungen der anderen Kinder (was ja in der Schule sehr relevant ist).
Dennoch hört mein Kind, du musst nur üben ständig aber daran merkt man eben auch wie unterschätz das Problem ist.
Selbst ich finde es verletzend dass ständig unterstellt wird das nicht geübt wird und man es sich als Eltern leicht macht. Wie sollen sich dann erst meine Kinder fühlen??

Cora
2 Monate zuvor

LRS und Legasthenie kann nicht mal eben in der Schule in einer (eh ständig ausfallenden) Zusatzstunde Gruppenübung behandelt werden. Und was bzgl. des Nachteilsausgleich sinnvoll und passed für ein Kind ist, ist individuell sehr verschieden, hängt vom Fach ab und muss durchaus im Laufe eines Schuljahres auch verändert und angepasst werden. Ich habe zusätzlich zu meinem Beruf als Logopädin ein Studium zum Trainer für LRS und Legasthenie gemacht und arbeite mit betroffenen Kindern nun seit 15 Jahren. Was ich hier bereits an familiären psychischen Katastrophen erlebt habe, ist wirklich nicht lustig (von Schulangst mit Dauererbrechen bereits in Klasse 1 bis schwere Depression bei Kind und Eltern). Und ein Nachteilsausgleich ist leider auch nicht immer möglich. In wirklich schweren Fällen muss die alternative Leistungsbemessung her. Extrem viel Arbeit für die Lehrenden in der Schule. Ich habe das Glück, hier meist auf sehr interessierte, engagierte Lehrpersonen zu treffen, die sich regelmäßig zu den betroffenen Schülern mit mir austauschen – natürlich abends bei für beide Seiten unbezahlten langen Telefonaten in der Freizeit oder am Wochenende… Auch hier ist – wie bei so vielen Themen – einfach strukturell der Wurm drin. LRS- und Legasthenierisiko können bereits im Vorschulalter recht sicher festgestellt werden durch sorgfältige Anamnese und Abtesten der Basiskompetenzen für den Schriftspracherwerb. Und diese können auch gezielt gefördert werden. Aber wer macht sowas? Logopäden. Und ist ein Kind verbalsprachlich recht unauffällig, bekommt es einen solchen nie zu sehen. Und falls doch muss eine definierte logopädische Störung vorliegen (i.d.R. phonologische Störung oder AVWSt), damit das Kind solche Hilfe in Anspruch nehmen kann. Denn Probleme beim SCHRIFTspracherwerb können in Deutschland nicht auf Rezept behandelt werden, obwohl Logopäden dafür absolut geeignet und ausgebildet sind ( mit entsprechender Weiterbildung sowieso). Im europ. Ausland ist es vielerorts völlig selbstverständlich, dass LRS und Legasthenie von Logopäden behandelt werden und diese auch eng mit den Schulen zusammenarbeiten. Hier in Deutschland hängt alles vom Engagement der Lehrpersonen und Therapeuten ab. Und bei all dem, was Lehrkräfte und Erzieher heutzutage sonst noch zusätzlich von oben aufgehalst kriegen (bin mit einem Gymnasiallehrer verheiratet, Nachbarin Erzieherin, enger Freundeskreis 2 GSlehrerinnen), verstehe ich jeden, dessen Engagement irgendwann flöten geht…

GS in SH
2 Monate zuvor
Antwortet  Cora

Bei uns gibt es VHS Kurse zu LRS. Sie sind kostenlos und die Gruppen bestehen aus max 8 SuS. Dazu gibt es ein LRS Institut dass allerdings privat ist. Jedes Kind kann aber einen Gutschein bekommen (die Summe, die der VHS Kurs kosten würde), so dass die Eltern nur 5 bis 8€ pro Stunde dazuzahlen müssen.

Spezielle LRS AGs direkt in der Schule gibt es kaum noch wegen des Lehrermangels.
Nachteilsausgleiche werden großzügig gewährt, allerdings werden auffällige Kinder schon sehr früh im Rahmen der Prävention Klasse 1/2) von der FL einzeln oder zu zweit gefördert, auch einige Apps für das häusliche Üben bringen gute Fortschritte. Eine Überprüfung beim Kinderarzt (Hören) und Logopädie wird früh empfohlen.
Es gibt auch Methoden des Schriftspracherwerbs, die LRS besonders fördern. Da liegt es dann an der Fachleitung Deutsch, geeignete Leselehrgänge/ Zusatzübungen zu finden.
Lesen durch Schreiben ist sowieso verboten, aber auch normale Lehrgänge können durch zusätzliche andere Übungen LRS Kinder unterstützen.

So bleiben bei uns nur noch sehr wenige Kinder übrig, die dann wirklich unter Legasthenie leiden und mehr Zeit brauchen.

Für Dyskalkulie gibt es Lerntherapeuten, die, wenn sie rechtzeitig unterstützen, erstaunliche Erfolge erziehlen.

Es hängt aber auch sehr vom Elternhaus ab, ob Übungen/Apps wirklich auch zu Hause bearbeitet werden. Die allermeisten Eltern, auch mit Migrationshintergrund, sind aber sehr dahinter her!

Geeignete Methoden, frühes Eingreifen bei Verdacht, professionelle Unterstützung von Anfang an auch durch Logopäden und Lerntherapeuten und Eltern die darauf achten, dass die häuslichen Übungen durchgeführt werden, können den Leidensweg vieler Kinder deutlich verkürzen!

Lera
2 Monate zuvor
Antwortet  GS in SH

„Es gibt auch Methoden des Schriftspracherwerbs, die LRS besonders fördern. Da liegt es dann an der Fachleitung Deutsch, geeignete Leselehrgänge/ Zusatzübungen zu finden.“

Hier fragt sich der geneigte Leser, warum Sie nicht wenigstens einen dieser geeigneten Lehrgänge nennen.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Fun fact: Habe an einem solchen Lehrgang bei einem bundesweit extrem nachgefragten (und teuer bezahltem) Experten (diverse Fachbücher dazu veröffentlicht) teilgenommen.

Die Schnittchen waren klasse, der Mann hat sich auch wirklich bemüht… nur war das Problem dann am Ende des Tages (ich verkürze extrem und breche es rein auf HANDLUNGSRELEVANZ für LEHRKRÄFTE runter):
1. Es gibt keine Heilung – und wenn kommt die Jahrzehnte später und ist unerklärlich. (Hatte er Videos von einer tollen Frau dabei, die von Mega-LRS bis zur erfolgreichen Autorin sich hochgekämpft hat)
2. Ursache(n) sind faktisch unbekannt.
3. Es gibt eigentlich nix, was nachweisbar ernsthaft hilft.
4. Empathie, Ermutigung, immer wieder gut zureden, dranbleiben, Übungsarsenal einsetzen.

Ok.
Wir fuhren zurück nach der FoBi.
Experte super, Schnittchen gut, KuK nett gewesen.
Was können wir als Lehrkräfte jetzt konkret tun, was auch was bringt (AUSSER den eh bekannten Sachen & Zuwendung, was sich als Lehrkraft eh von selbst versteht)?

Leider: Praktisch fast nix.

Last edited 1 Monat zuvor by 447
potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Mich würde besonders interessieren, was die Ursachen für LRS und Dyskalkulie sind und warum die Zahl der Kinder mit diesen Problemen zunimmt. Ich glaube nicht, dass es nur daran liegt, das mehr diagnostiziert wird. Mein Eindruck (nach 40 Dienstjahren als Sonderschullehrerin) ist, dass diese Störungen tatsächlich immer mehr werden. Eine vermutliche Ursache (meine persönliche Meinung): die Kinder nutzen immer weniger ihre Hände im Kleinkindalter, denn gerade Mathe muss man im wahrsten Sinne „begreifen“. Beim Basteln und Bauen „begreifen“ Kinder Begriffe wie „mehr und weniger“, „leicht und schwer“, „dazulegen und wegnehmen“ usw. Es müsste also schon in den Kitas und zu Hause mehr in die Prävention investiert werden und es müsste vor der Einschulung schon Tests geben, um die Kinder rechtzeitig zu unterstützen. (In der bösen DDR gab es solch einen Test für LRS) Nachteilsausgleiche usw. sind zwar schön und gut, lösen aber die Probleme nicht. Besser sind (wo möglich) Prävention und frühestmögliche Therapie durch Fachkräfte. Mit Fachkräften meine ich Menschen, die speziell dafür ausgebildet sind. Nicht Lehrer, die man schnell mal zu irgendeiner WB (s. o.) geschickt hat und die dann eine LRS-Randstunde anbieten können (wenn die nicht wegen Vertretung ausfällt).

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Bin ganz bei Ihnen.

Im Ref hieß es (vor gefühlten 100 Jahren – ächz und stöhn):

be-greifen durch er-greifen – das denke ich heute mehr denn je.

Viele der notwedigen Kompetenzen, die auf Motorik, aber auch Denken, Sprechen und Kopfkino basieren, haben keine Basis mehr.

Und bitte – das ist keine Kritik an der Arbeit in den KiTas. Das ist schlicht der Ist-Zustand.

Tigrib
2 Monate zuvor
Antwortet  Cora

Seh ich auch so. Es krankt an der Förderung der Kids, nicht an der Schule selbst. Es bringt nichts, Nachteilsaugleiche zu schaffen ohne die Ursache anzupacken.
Aber dafûr gibt es viel zu wenig Angebote. Im Übrigen wie auch bei anderen Schwierigkeiten, man nehme nur die Wartezeit bei Psychologen..

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Tigrib

Ich gebe seit Jahren LRS-Unterricht bei uns an der Schule – es krankt ja auch an dem Platz der Unterrichtsstunde.

Wir haben derzeit in der siebten Stunde Unterricht. Noch sind Begeisterung und Interesse da – aber das gibt sich immer im Frühjahr/Sommer, wenn das Wetter besser ist und alle anderen nach Hause gehen können.

Nach sechs Stunden Unterricht sind die Kids einfach platt – da kann der Unterricht (Eigenlob – ach ne, ich bin ja per se unfähig (s.o.)) noch so lebhaft, interessant, vielseitig gestaltet werden.

Cornelia
2 Monate zuvor
Antwortet  Cora

Auch an Sprachheilschulen gibt es, soviel ich weiß, die Möglichkeit einer ausführlichen Diagnose durch Fachleute, sowie ambulante Therapien für Schüler an Regelschulen.

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Cora

Ich habe es in 20 Jahren nicht erlebt, dass es in der Schule dafür Förderstunden gegeben hätte, schon gar nicht in dem Umfang, dass Kinder mit LRS oder Dyskalkulie wirklich aufgefangen werden könnten.

Ein Rezept für eine Therapie zu erhalten, ist hier eher schwierig, die Eltern laufen von Arzt zu Arzt. Logogpäd:innen behandeln vorrangig Aussprache, die Plätze sind rar. Lerntherapeut:innen – woher die Bezeichnung oder Ausbildung dann auch immer kommt – gibt es regional so gut wie keine.

Die Kinder können einen Nachteilsausgleich bekommen, eine Förderung ist aber etwas vollkommen anderes.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Stimmt – mit einer Stunde LRS-Förderumg in der Woche (ein sehr unglücklich gewähltes Wort…. ) sind wir bei Flickwerk, aber nicht bei einem echten Lernen und nachhaltigem Verankern und selbstständigen Anwenden.

Last edited 1 Monat zuvor by Riesenzwerg
Carsten60
2 Monate zuvor

Wenn das so ist, wie im Artikel beschrieben, was soll dagegen sprechen, die betroffenen SuS in gesonderten Klassen (oder Lerngruppen) zusammenzufassen, wo sie dann diesem Stress nicht mehr ausgesetzt sind, aber dennoch in anderen Bereichen gute Leistungen bringen können?
Beim Sport lässt man diejenigen mit Handicap ja auch nicht gegen die Gesunden und Starken antreten. Dort ist das ein Gebot der Fairness.

klm
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Zu Ihrer Frage: Dagegen spricht die Krankheit unserer Zeit, die Hypermoral. Wichtiger als Hilfe und spezielle Förderung ist, die Kinder nicht „auszusondern“, nicht „abzuschieben“ und angeblich nur zu „beschämen“.
Was durch unterlassene, gesonderte Hilfeleistung angerichtet wird, ist unwichtig. Hauptsache, die Willkür einseitiger Moral und persönlichen Hochmuts hat gesiegt.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Inklusion – Lehrermangel – …

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Carsten60

Ich möchte auch eine Klasse für alle, die nicht über den Kasten springen können.
Und eine, die nicht Radfahren können, weil sie am Verkehrsunterricht nicht gleichermaßen teilnehmen können.
Dazu eine für Farbenblinde, damit sie in allen Fächern farblos unterrichtet werden können.
Und bitte eine mit absolutem Gehör, damit sie nicht länger die Schräglagen erfahren müssen, sondern von Wohlklang umgeben sein können.
Für Linkshänder und Beidhänder sollte es gleich getrennte Schulen geben, in denen die Architektur angepasst ist.
Eine weitere Überlegung ist, ob Menschen, die kleiner als 1,70 m sind, nicht generell auf der Grundschule verbleiben, bis sie endlich die passende Länge für die weiterführende Schule erlangen, alternativ braucht es Schulen für kurze, mittellange und besonders hoch gewachsene Menschen.

Es braucht dann aber auch Klassen für kurze, farbenblinde Schüler:innen und andere für Linkshändige mit absolutem Gehör, neben fahrradfahrenden Beidhändern.

Mika
2 Monate zuvor

Die Gewährung eines NTA in Form von mehr Zeit oder geringerem Aufgabenumfang o.ä. hilft zwar den Betroffenen, ersetzt aber keine Therapie. Und hier gibt es in meiner Region nichts für die SuS – das soll die Schule richten. Ja wie denn? Wir sind Lehrer, fürs Unterrichten ausgebildet – nicht fürs Therapieren! Gerade für Dyskalkulie ist es nahezu unmöglich, den Kindern fachgerechte therapeutische Unterstützung zukommen zu lassen. Fahrstrecken von bis zu 100km machen regelmäßige Therapie nahezu unmöglich, die einzige innerhalb von 30km erreichbare (allerdings nicht auf Dyskalkulie spezialisierte) Therapeutin ist hoffnungslos überlaufen, so dass Wartezeiten von über einem Jahr vorliegen.
Und langsam könnte ich nur noch schreien, wenn ich „multiprofessionelle Teams” höre. Falls es irgend jemand da oben noch nicht mitbekommen hat: Es gibt viel zu wenig Therapeuten und Psychologen, um von denen regelmäßig welche in die Schulen zu schicken – und dann müssten die das auch wollen und zeitliche Kapazitäten dafür haben. Nö, haben die nicht, die haben Wartezeiten von zum Teil über einem Jahr! Es gibt einige wenige Sonderpädagogen, die einige wenige Inklusionskinder in wenigen Stunden an vielen Schulen gleichzeitig fördern sollen, und das war’s!

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Mika

Danke für den Beitrag. So ist es hier auch seit Jahren – einschließlich der Fahr- und Wartezeiten bei Fachärzt:innen und Therapeut:innen.

Walter
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Es gab nie so viele Hilfen und Anlaufstellen für Suchende wie heute. Gleichzeitig gab es noch nie so viel Gejammer über z.B. „viel zu wenige Therapeuten und Psychologen“ wie heute.
Ich bin in der Nachkriegszeit aufgewachsen, wo es wirklich noch an allen Ecken und Enden fehlte. Und was soll ich sagen? Es herrschte weitgehende Zufriedenheit und Zuversicht statt endloses Gejammer über das, was noch alles fehlte oder fehlen könnte. Wir erwarteten auch kaum etwas vom Staat, sondern setzten auf Eigenleistung und Hilfe untereinander. Die Gemeinschaft und der Gemeinsinn florierten. Heute ernährt er sich von Appellen, weil Staatsgläubigkeit an seine Stelle getreten ist.

Für mich ist schwer nachzuvollziehen, worüber man sich heute alles aufregt, wie missmutig die Menschen schon seit Jahren sind, wie neidisch auf andere, weil diese mehr verdienen, ein schickeres Auto fahren, eine bessere Stellung haben oder Kinder, die eine höhere Schule besuchen.

In Erinnerung an meine Jugend möchte ich sagen: Je größer der allgemeine Wohlstand ist, je ausgiebiger der Sozialstaat und je betonter das, was man heutzutage als „soziale Gerechtigkeit“ bezeichnet, desto mehr Trübsinn, Klagen, Wehleidigkeit und Neiddebatten gibt es überall.
Und Abhilfe wird immer vom Staat verlangt, der allerdings auch selbst an dieser Erwartungshaltung schuld ist. Politiker lieben es geradezu, wenn Menschen sich so abhängig von ihnen fühlen. Sie selbst suchen sogar gern noch nach Missständen, weil sie dann Hilfe durch ihre Partei versprechen und bei Wahlen gut abschneiden können.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Walter

Und was hat Ihr Beitrag mit der Tatsache zu tun, dass es für etliche SuS mit Therapiebedarf in Sachen Dyskalkulie bzw. LRS keine Therapieplätze gibt?
Meine Eltern gehören scheinbar zum gleichen Jahrgang wie Sie, und ich glaube, Sie betrachten die Nachkriegszeit verklärend in Ihrer Erinnerung, weil Ihre erwachsenen Bezugspersonen es geschafft haben, Ihnen das Leid dieser Zeit vom Leib zu haben. Im Unterschied zu heute wurden Dinge, die Erwachsene zu regeln haben, auch nur von Erwachsenen diskutiert. Insofern haben Sie vermutlich viel Schweres einfach nur nicht mitbekommen. Zum Glück!

Schattenläufer
2 Monate zuvor

Nachteilsausgleiche sind sicher gut für das Kind und dessen Entwicklung.

Sie lösen aber das Problem nicht. Sie beheben nicht die Tatsachen. Leider!

Wenn die Schule irgendwann endet, dann wird die betroffene Person eben doch größere Probleme mit dem Schreiben oder dem Rechnen haben.
Wie geht es dann weiter?

Nachteilsausgleich auch beim Arbeitgeber?
Die Wirtschaft wird begeistert sein.

Daher sollte man den Nachteilsausgleich nicht übertreiben. Betroffene müssen lernen mit den Defiziten zu leben.
Sorry, manchmal gibt das Leben einem eben Zitronen. Dann muss man sich an den Geschmack gewöhnen.

Ein zweiter kritischer Aspekt ist die Tatsache, dass es leider tatsächlich immer wieder Eltern gibt, die ihren schulisch einfach schwachen Kindern, ohne wirkliche Erkrankung einen Nachteilsausgleich wegen angeblicher Erkrankung verschaffen wollen.

Schon als junger Lehrer wies mich mein damaliger Schulleiter darauf hin, dass ich hier ein Attest erhalten hatte, aus dem nur hervor ging, dass der SuS ein bedeutend schlechteres Lese- und Schreibvermögen als der Durchschnitt der Bevölkerung aufweist.

Von den Ursachen dafür war in dem Attest jedoch keine Rede.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Schattenläufer

„Wenn die Schule irgendwann endet, dann wird die betroffene Person eben doch größere Probleme mit dem Schreiben oder dem Rechnen haben.
Wie geht es dann weiter?“

Zumal sie das, was ihnen schwer fällt, ja auch nicht machen.

Erfolg bei LRS stellt sich erst ein, wenn tatsächich daran gearbeitet wird. Das Lesen wird mit der Zeit deutlich besser, auch das Textverstehen.

Und für`s Schreiben haben wir doch – den PC und die Rechtschreibkorrektur. 😉

Manche meinen, damit sei alles klar – ist es aber nicht.

„Nachteilsausgleich auch beim Arbeitgeber?
Die Wirtschaft wird begeistert sein.“

Da gibt es inzwischen viele Ausbildung, die theoriereduziert sind. Weniger lesen und schreiben.

Aber es ist ja schon bei einem Mietvertrag oft schwierig. Da helfen google und Konsorten leider auch nicht mehr.

Es gibt aber tatsächlich Lesestifte, mit denen hochgradige Legasthenikys (entgender) sich den Text „vorlesen“ lassen können. Der kleine Knopf im Ohr ist kaum sichtbar und bei uns darf er eingesetzt werden. Das ist von allem KuKs und SuS vollkommen akzeptiert.

„Betroffene müssen lernen mit den Defiziten zu leben.“

Das ist etwas, was in unserem derzeitigen Anspruchsverhalten nicht mehr vorgesehen ist.

„Schuster, bleib bei denen Leisten“ soll es zwar nicht mehr sein, aber wenn ich nicht gucken kann, kann ich auch nicht Piloty (entgendern) werden. Auch als Kapitäny kriege ich keine Ausbildungsstelle.

Nicht umsonst wird bei den Praktikumsbewerbungen besondere Beachtung auf die Stärken gelegt und die Schwächen (kann nicht gucken, zu hohe Dioptrienzahl) berücksichtigt. Jemand, der im Chaos untergeht, ist nicht unbedingt das geborene Organisatory (entgendern).

„Die Wirtschaft wird begeistert sein.“

Grins, das ist sie. Stichwort – Fachkräftemangel weil unzureichend vorbereitete Azubis.
Da fehlt es an vielen Ecken und Enden. Übersicht, Pünktlichkeit, Struktur, Zuverlässigkeit, Lesen, Schreiben, Rechnen, Handy weglegen….. wobei der letzte Punkt DER Wirtschaft ja noch zu Gute kommt – bringt Geld.

„Ein zweiter kritischer Aspekt ist die Tatsache, dass es leider tatsächlich immer wieder Eltern gibt, die ihren schulisch einfach schwachen Kindern, ohne wirkliche Erkrankung einen Nachteilsausgleich wegen angeblicher Erkrankung verschaffen wollen.“

Das stimmt leider. Hier wäre es doch durchaus sinnvoll, wenn die Eltern ihre Kids einfach mal so akzeptieren würden, wie sie sind. Sie mit einer Diagnose künstlich „krank zu machen“ und sich und das Kind damit aus der LERN-Verantwortung zu stehlen und zu befreien, sollte nicht das Ziel sein.

Wie heißt es so schön: Wir alle haben noch viel zu lernen. Gehen wir es an!

(Ach ne, ich bin ja ein Lehrkrafty – entgendern – das völlig fehl in seinem Job ist – s.o.)

Dann bin ich raus aus der Nummer – JUBEL.

(Ironie an einigen Stellen – lesen, suchen, prüfen)

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Da isser ja wieder – das kleine Rotes-Daumen-Gebery 😉

Wie gesagt – ….

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Dann müsste der NA an die Verpflichtung zur Aufarbeitung gekoppelt sein, was er von der Formulierung her sogar ist, aber wenn in der Schule dafür das Angebot fehlt, hilft das wenig.

Ron
2 Monate zuvor

In diesem Land können Eltern mittlerweile ohne ärztliches Attest oder gutachterliche Prüfung selber – und verbindlich für die Schule – festlegen , dass ihr Kind unter Dyskalkulie oder Legasthenie leidet. Sie können dadurch erzwingen, dass für ihr Kind ein Nachteilsausgleich stattfindet.

Stellen wir uns einfach mal vor, dass Lehrer mit selbstdiagnostizierter Legasthenie ebenfalls einen Nachdeilsaußgleich in Vorm eihner Stuntenermeßigung bekomen wüden…

Mankannesnichtfassen
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

Ich weiß nicht, von welchem (Bundes-?)Land Sie reden. In NRW wird ein NTA nur nach Vorlage einer entsprechenden Diagnosebescheinigung gewährt und muss auch für jedes Schuljahr neu beantragt werden.

Anne
2 Monate zuvor

Das stimmt so nicht. „In Nordrhein-Westfalen ist es nicht notwendig, dass Dein Kind einen Test macht oder von einem Sozialpädiatrischen Zentrum oder anderen getestet wird. Ausreichend ist alleine, dass Dein Kind über mehrere Monate hinweg eine unterdurchschnittliche Leistung im Bereich Lesen bzw. Rechtschreiben erbringt. Dies stellt wie bereits erwähnt die Deutsch-Lehrkraft fest. Natürlich hast Du weiterhin die Möglichkeit Dein Kind auch außerhalb der Schule auf LRS testen zu lassen. Eine Pflicht dazu besteht aber nicht.“ ( https://schule-in-deutschland.de/der-nachteilsausgleich-bei-lrs-in-nordrhein-westfalen/). Für Dyskalkulie gibt es gar keinen offiziellen NTA.

Mein_Senf
1 Monat zuvor

In Hessen stellen entweder die Eltern den Antrag oder die Klassenkonferenz stellt ihn fest. Das geht ohne Bescheinigung.

Georg
1 Monat zuvor

In der Oberstufe darüber hinaus nicht für Dyskalkulie und im Abitur nur nach nachgewiesenen Nachteilsausgleichen während der gesamten Oberstufe.

Palim
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

In NDS braucht es keine Diagnosebescheinigung, allerdings wird der Nachteilsausgleich in einer Klassenkonferenz festgelegt. Die Eltern können es beantragen, die Entscheidung trifft die Konferenz auf Grundlage der Leistungsentwicklung.

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

Nein. Können sie nicht.

Lanayah
2 Monate zuvor
Antwortet  Ron

Es ist anders herum. Die Klassenkonferenz kann einen Nachteilsausgleich beschließen, auch wenn keine offizielle Diagnose besteht. Eltern können das nicht erzwingen. Den Nachteilsausgleich beschließt die Klassenkonferenz oder sie beschließt ihn eben nicht. Nachteilsausgleich heißt ja auch nicht bessere Benotung, sondern z. B. Zeitvorteil, Bereitstellen von Anschauungsmaterial usw. und ggf. einen Teilbereich (beispielsweise Rechtschreibung) nicht für die Gesamtnote eines Faches zu bewerten. Dann setzt sich die Note aber immer noch aus den anderen Teilbereichen zusammen. Der Nachteilsausgleich muss halbjährlich neu beschlossen werden, was dann praktischerweise bei den Zeugniskonferenzen gemacht wird.

Katrin
2 Monate zuvor

Man hört von Fachleuten immer wieder, dass diese entsetzt sind. Allerdings kommt das in Deutschland, bei den Lehrern unserer Kinder nicht an.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die zuständigen Behörden nicht sehr hilfreich sind und oft gesagt wird die Schule ist zuständig.
Die Schule vergibt Nachteilausgleiche willkürlich und definiert nur einen sehr allgemeinen Nachteilsausgleich, der dann als wohlwollend angesehen wird … so dass man als Eltern wiederum nicht viel ausrichten kann.
Von den Eltern und dem Kind wird verlangt, dass man jeden Tag lesen schreiben und rechnen soll mit dem Kind. Sie müssen da am Ball bleiben ist ja ihr Kind. AUL & Ergo dann bitte auch noch.
Denn schließlich haben die Klassen viele Kinder, dass die individuelle Förderung wiederum in der Schule nicht ermöglicht werden kann.
Die Lehrer selbst greifen dann zu dem Mittel, dass sie zu dem Kind sagen es müsse sich nur mal richtig konzentrieren.

Was dann zu Schulangst & Prüfungsangst führt und man dann wieder alleine gelassen wird wenn es dem Kind schlecht geht.

Häufig wird dann mit der Anwesenheitspflicht im Rahmen der Schulpflicht gedroht.

Das ist jetzt meine Erfahrungen aber ich weiss dass es nicht nur uns so geht.

Ich bin ein großer Verfechter von Wissenstransfer und Bildung aber doch bitte nicht so… und sein wir mal ehrlich eine gewisst Basis reicht um in der digatlisierten Welt gut zu leben. Geistiges Eigentum kann auch diktiert werden. Matheunterricht entspricht zum Teil auch nicht mehr der Lebenswirklichkeit, wer nutz in seinem alltäglichen Leben die Rechenwege die in Schule vermittelt werden?
Es ist ok , dass in dem Bereich leistungsfähige Kinder, so beschult werden aber wir müssen aufhören, den Kindern zu sagen, dass es Problematisch ist das nicht zu können. Dieses bewertende, defizitorientierte Verhalten macht Menschen behindert die eigentlich gut leben könnten.

Bitte befreit meine Kinder von der Schulpflicht anstatt zu sagen, dass es in der Schule keine Kapazität zur Förderung gibt. Ich kann aber nicht von meinen Kindern verlangen, dass sie nach der Schule noch weiter üben müssen um den Unterricht, der nicht für sie angepasst ist zu kompensieren.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Im Einzelfall mag so eine dramatische Geschichte vorkommen, der Regelfall ist aber, dass sich ein Kind notfalls unter Zwang der Eltern auf seinen Hintern zu setzen und zu üben hat. Das gilt auch für den Nachmittagsbereich in der Schule. Das Angenehme (Sport mit den Freunden oder Daddeln) muss der Pflicht (Üben) weichen.

Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Genau!
und das ist das Problem es wird davon ausgegangen, dass Eltern eben nicht mit den Kindern lernen und dass LRS mal eben so zu kompensieren ist, wären die Eltern nur engagierter.

Es ist total traurig …

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

„Die Schule vergibt Nachteilausgleiche willkürlich und definiert nur einen sehr allgemeinen Nachteilsausgleich, der dann als wohlwollend angesehen wird … so dass man als Eltern wiederum nicht viel ausrichten kann.
Von den Eltern und dem Kind wird verlangt, dass man jeden Tag lesen schreiben und rechnen soll mit dem Kind. Sie müssen da am Ball bleiben ist ja ihr Kind. AUL & Ergo dann bitte auch noch.“

Nein. Die Schule verteilt die NTAs nicht willkürlich. Dagegen verwehre ich mich.

Was spricht dagegen, dass Sie zu Hause in einer ablenkungsfreien, ruhigen Umgebung, die Konzentration möglich macht, mit Ihrem Kind (ich weiß nicht, wie alt es ist, deswegen bitte die Idee passend und individuell auf Ihr Kind übertragen) vor dem Schlafengehen 10 Minuten abwechselnd laut zu lesen?

Das Andere – AUL und Ergo – erfordern Termine machen und hinbringen sowie abholen. Da wird sich sehr individuell um Ihr Kind (1 zu 1) gekümmert. Besser geht nicht.

Für diese Ideen sollten Sie dankbar sein – werden sie doch während unbezahlter Mehrarbeitszeit gegeben und ganz deutlich machen, dass Lehrkräfte in den Bereichen keine Vollprofis sein können in einer 1 – 30 Beziehung. Im Alleinunterricht mit Ihrem kriegen die meisten von uns das hin. In der Massenkindhaltung aber nunmal nicht leistbar.

„Bitte befreit meine Kinder von der Schulpflicht anstatt zu sagen, dass es in der Schule keine Kapazität zur Förderung gibt. Ich kann aber nicht von meinen Kindern verlangen, dass sie nach der Schule noch weiter üben müssen um den Unterricht, der nicht für sie angepasst ist zu kompensieren.“

Welche Antwort hätten Sie denn gerne? Es ist fie Eahrheit – keine Kapazität! Möchten Sie von uns auch noch angelogen werden? Reicht es nicht, dass das die KuMis in Dauerschleife machen?

Lesen Sie mit Ihrem Kind abends vor dem Einschlafen oder am Wochenende vor dem Kamin mit Kakao und Keksen.

Machen Sie bitte einen umsetzbaren Vorschlag für einen an Ihr Kind angepassten Unterricht. Bitte beachten Sie die gegebenen Rahmenbedingungen, die sich nicht ändern lassen.

Und wenn Sie schon dabei sind – bitte planen Sie auch den angepassten Unterricht für diee anderen 29 Schüler:innen.

Klappt nicht?

Aber das ist möglich:

Gehen Sie für Ihr Kind auf die Straße und demonstrieren Sie für Ihr Kind für kleinere Klassen und mehr Lehrkräfte.

Vielleicht die einzige Chance.

Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Oh, das ist interessant und genau das blasierte Verhalten was ich von der Schule kenne.
Ich lese mit meinen Kinder ich habe ihnen auch schon von der einschulung jeden Abend vorgelesen. Ich übe auch regelmäßig mit ihnen und ja lange Intervalle mit AUL und Ergo haben meine Kinder auch schon hinter sich, alles zu den regelmässigen Hausaufgaben, aber es ist leider zu viel weil die Schule eben so wie sie ist nicht effektiv ist und alles nebenher läuft.

Diese komische pampige Art was ich von der Schule erwarte, kann ich nicht nachvollziehen!
Nichts erwarte ich von der Schule aber wenn ich doch schon gezwungen werde meine Kinder mindestens von 8-13 Uhr in die Schule zu schicken dann erwarte ich schon einen größerem Effekt als das Selbstwertgefühl zu zerstören.

Sry Leute ich weiss, dass es sehr engagierte Lehrer gibt aber leider kenne ich auch die andere Seite und die eigenen Kinder so zu sehen ist hart…

Was auch immer KuMis sind verschonen sie mich bitte mit sonem Quatsch 🙂

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Katrin, ich behaupte, dass es sehr unterschiedlich ist innerhalb Deutschlands.
Ziehen Sie einfach nach SH!

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich bleibe dabei. Es ist sehr wohl unterschiedlich. Daran ändern auch die roten Daumen nichts.
Einige fühlen sich andauernd auf den Schlips getreten. Egal, ob es auf sie zutrifft oder nicht.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Kumi steht für Kultusministerium bzw. Kultusminister/in. Dort werden die Stellenzuweisungen für die Schulen gemacht. Sie haben aus meiner Sicht recht damit, dass eine LRS – Therapie nicht nach einem langen Schultag stattfinden sollte. (Wobei 8-13 Uhr für mich jetzt nicht lange wäre). Das Problem ist, dass es so gut wie keine Therapeuten an den Schulen dafür gibt. Lehrer sind ein knappes Gut, und werden, falls sie eine diesbezügliche Zusatzqualifikation haben, primär zur Abdeckung des Regelunterrichts eingesetzt. Der Hinweis auf das Kultusministerium erfolgt deshalb, weil die Lehrkräfte nichts mit der Stellenzuweisung zu tun haben. Wir sollen es richten, haben aber weder die Mittel noch die Zeit dafür. Ich verstehe Ihren Frust absolut – die Lehrer sind hier jedoch in den seltensten Fällen die Verantwortlichen für diese Misere.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Bitte nicht böse sein….Aber

„Was auch immer KuMis sind verschonen sie mich bitte mit sonem Quatsch “

Bester Satz e v e r!

Schade, Karin, dass Sie mit dieser Abkürzung nichts anfangen können und auch nicht wollen – für uns Lehrkräfte ist dieser ungewollte Satzwitz von Ihnen zum Wegschmeißen.

Danke für den Lacher am Abend! 🙂 🙂

Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Dann macht das hier doch wenigstens Sinn… gerne geschehen 😉
Leider denke ich, dass die KUMIs sich weder für Eltern wie für Lehrer so wirklich interessierten in Zeiten leerer Kassen.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Bei uns in SH ist das alles aber doch kein Problem. Ich kann uns in Katrins Schilderungen nicht wieder finden.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Aha, jetzt werde ich schon wieder nur aufgrund meines Nicks downgevotet.
Sie sind reichlich unfair. Lehrkaft-unwürdig.
Give me more red thumbs down! Yeah.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Ich schließe mich Riesenzwerg an.

Warum sollte man die Schulpflicht aufheben, wenn es schon als Zumutung empfunden wird, eine Therapie zur Hilfe in Anspruch zu nehmen?
Wie will man dann zu Hause die Beschulung über alle Schuljahre quer durch alle Fächer gewährleisten?

Ich wäre dafür, dass es an Schulen entsprechende Angebote gibt, dazu muss man aber Schulen entsprechend ausstatten und kann nicht immer erwarten, dass Lehrkräfte das zusätzlich übernehmen. Vom Arzt erwartet auch niemand, dass er gleichzeitig Logopäde ist und die Therapie übernimmt. Übernehmen Lehrkräfte die Förderung, müssten diese Stunden zur Verfügung stehen und voll angerechnet werden, aber es gibt nicht einmal genug Lehrkräfte, um die Pflichtstunden zu besetzen.

Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Ich finde es schwierig dass noch nach der Schule alles laufen zu lassen. Das Kind hat dann nur noch Termine (wir hattenauch schon AUL das war nicht günstig btw. )

Wenn Lehrer es doch nicht schaffen meine Kinder adäquat zu beschulen, was sie ja auch nicht wollen und können, wie ich ihrer aussage entnehme. Warum muss ich meine Kinder dann hinschicken. Jetzt mal ehrlich die könnten Ergo und AUL doch vormittags machen und in der Schule fällt so viel aus. Die kinder sitzen doch aktuell stundenlang vor irgendwelchen Heften oder machen Anton und werden von einer Lehrkraft für 2 Klassen betreut.
Es sieht aktuell nicht so aus als würden hilfen definiert.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Wenden Sie sich an den SEB Ihrer Schule, vernetzen Sie sich! Eltern haben Macht.
Wir Lehrkräfte sind gerade am Ende. Und auf uns hat noch jemand gehört, aber alle (auch Sie) dreschen auf uns ein.

Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ja, das tut mir Leid. Ich sehe es auch ein, dass der Schulalltag für Lehrer nicht leicht ist. Für mich wäre es halt einfach eine Erleichterung wenn ich meine Kinder mal rausnehmen könnte. Ich würde das ganze gar nicht als dramatisch ansehen wenn da nicht der ständige Vergleich, das ständige Beurteilen und der Druck wäre.
Fast jedes andere europäisches Land ermöglicht dies.

Ich bin total auf Zinnen weil ich sehe was das mit meinen Kindern macht und ich will das so nicht…

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Ich musste nachschlagen, was AUL ist – offenbar eine zusätzliche Förderung, die dem Kinder Unterstützung geben soll. Was ist daran schlecht? Ich verstehe es nicht.

Ich unterrichte in einem anderen Bundesland. Hier bekommen die Eltern nichts, nicht einmal ein Rezept für Logopädie, jedenfalls nicht wegen einer LRS. Wenn man ein Rezept hat, sind die Wartezeiten immens. Weitere Förderung gibt es auch an den Schulen nicht.
Das Modell aus SH, das die VHS etwas übernimmt, finde ich interessant – zumindest eine Möglichkeit, Kindern Förderung zu gewähren.

Wenn die Kinder in der Schule fehlen, müssen sie im Nachgang auch noch anderen Unterrichtsstoff aufholen.
Ob ihre Schule derart schlecht versorgt ist, kann ich nicht beurteilen, es ist vorstellbar, ich habe am WE ähnliches aus Ihrem BL gehört und selbst gleiches hier erlebt. Der Lehrkräftemangel bewirkt seit Jahren, dass an der Förderung gespart wird.

Zweischneidig ist, wie Sie stattfinden Unterricht empfinden. Es ist durchaus möglich, Förderung über das Bearbeiten von entsprechenden Aufgaben (auf Arbeitsblättern oder in Arbeitsheften) und über gezielt gewählte Anton-Aufgaben zu gewähren, gerade, wenn es keine zusätzlichen Unterrichtsstunden für LRS gibt.

Was stellen Sie sich denn vor? Die Lehrkräfte beurteilen Sie schlecht, die intensive Förderung über Logo und AUL passt Ihnen auch nicht.

Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

AUL kostet mindestens 65 pro Stunde, wenn man einen günstigen Platz findet, sonst werden auch Preise bis 120 Euro aufgerufen. In HH ist der Behörde die Stunde nur 30 Euro wert.
Die Differenz zahlen die Eltern.

Wenn Anton und Hefte ausfüllen so hilfreich ist, dann kann man das doch auch zuhause machen.
Btw. eine KI löst sicher auch den Lehrermangel. Es gibt weitaus besser optimierte Programme als Anton.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Katrin

Wo leben Sie denn? In SH ist das nicht so, wue Sie es beschreiben. Das weiß ich, weil ich selbst sehr viele Legis unterrichte.

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Oh Mann, ich frage mich, was ihr eigentlich für komische Menschen seid.

Katrin
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

In Hamburg. Hier ist es leider sehr unterschiedlich.

Mein_Senf
1 Monat zuvor

Das Problem sind nicht Corona, die Flüchtlingskinder oder der Lehrermangel. Das Problem ist, dass gefühlt jedes Jahr die genehmigten Stunden für Förderkinder sukzessive heruntergesetzt werden. War ich vor 15 Jahren im „gemeinsamen Unterricht“ noch ca.15Std doppelt besetzt bei 4 Fö-Kindern, bin ich heute froh, wenn der FöLehrer noch 3-4 Stunden in die Klasse kommen kann – auch bei 4FöKindern + den Kindern, deren Förderbedarf keinerlei FöLehrerstunden mehr zugesprochen bekommt (zB Sprachheilkinder). Und btw…Dyskalkulie existiert ja laut KMK ab Klasse 5 nicht mehr…hat sich scheinbar ausgewachsen….

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Mein_Senf

Dyskalkulie, LRS etc. word an Grundschulen zwar anerkannt. Aber es gibt es auch hier keine Förderstunden dafür.

ysnp
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

In Bayern werden nur Lese – und Rechtschreibstörungen anerkannt und dafür gibt es Nachteilsausgleich bzw. Notenschutz. Für Dyskalkulie gibt es nichts dergleichen. Der Verband für Legasthenie- und Dyskalkulie setzt sich schon jahrelang für die Anerkennung von Dyskalkulie in irgendeiner Form von Erleichterungen ein, bisher stieß er im KM auf taube Ohren.

Last edited 1 Monat zuvor by ysnp
Animah
1 Monat zuvor

Unsere Erfahrung mit einem Legasthenie Kind
Unsere Tochter hat eine diagnostizierte Lesestörung, d.h. in ihrem Fall, dass sie sehr langsam liest und das sinnentnehmende Lesen fast unmöglich für sie ist. Sie liest trotzdem gern Bücher, sehr langsam, wenige Seiten am Stück. Es ist anstrengend für sie, aber sie liest freiwillig. Sie ist auch sehr wissbegierig. Sachbücher mit kurzen Texten wurden regelrecht aufgesaugt und es konnte auch alles von ihr wiedergegeben werden.
In der 3. Klasse wurden die zu bearbeitenden Texte länger. Also hat sie immer sehr aufmerksam im Unterricht zugehört und konnte sich so sehr viel erschließen. Wir kamen dann aber mit der Grundschullehrerin überein, mit der Sozialpädagogin Termine zu machen und eine schulische Förderung anzustreben, allerdings auch das Schulamt einzuschalten, wegen eines möglichen Förderbedarfs.
Dank Corona verzögerte sich alles. Die Zensuren waren weiterhin prima, nur das Thema Lesen bereitete immer mehr Sorgen. Trotzdem gab es eine Gymnasialempfehlung.
Also haben wir Eltern, mit unserer Tochter, einen Termin am Gymnasium gemacht. Das Handicap wurde besprochen, der Aufnahme stand nun nichts mehr im Wege. Gleichzeitig wurden Tests beim Augenarzt, Psychiaterin, Pädaudialogen und Ohrenarzt gemacht. Diagnosen: Lesestörung (sinnentnehmendes Lesen gestört), visuelle Wahrnehmungsstörung und V.a. Aufmerksamkeitsstörung.

Zu Beginn der 5. Klasse kam eine Sonderschulpädagogin Fachbereich „Sehen“ in die Schule, um zu schauen, welche Probleme unsere Tochter hat und wie man ihr helfen kann. Die Brille mit 4 Dioptrien war super eingestellt, die Diagnosen wurden bestätigt, ein Sonder-Förderbedarf fiel weg. Eine LRS wurde auch von dieser Seite bestätigt und sollte in einem NTA münden. Als Hilfe wurde ein Gerät mit Vorlesefunktion vorgeschlagen, in Klassenarbeiten eine Zeitzugabe und Rechtschreibung sollte rausgenommen werden. Mit diesen Tests verging das erste halbe Schuljahr wir im Flug. Jeder (Schülerin, Eltern, Lehrer und Unterstufenleiter) wußte nun was zu tun ist. Plötzlich gab es nur noch die Zeitzugabe in drei Fächern, Rechtschreibung wurde nur in Deutsch rausgenommen, von der Vorlesefunktion nichts mehr zu hören.

Nun ging es mit Distanzunterricht weiter. Eher sporadisch, meist kamen Arbeitsblätter über Teams. Der Supergau für unsere Tochter schlecht kopierte, digitale Arbeitsblätter in altdeutscher Schrift, davon mal ab, wurde das im Unterricht vorher noch nie behandelt. Antwort von der Lehrerin hier: „Ich hab euch ein Buchstabenblatt in Teams hinterlegt, da könnt ihr nachschauen, welcher Buchstabe wie geschrieben wird und euch den Text so erschließen.“
Gut, ich kann die altdeutsche Schrift sehr gut lesen, kam aber bei den schlechten digitalen Kopien auch an meine Grenzen. Die Monate vergingen, es gab wieder Präsenzunterricht, Gespräche führten zu nichts. Neuen Lehrern wurde der NTA und das Handicap von dem Klassenleitungsteam nicht mitgeteilt, obwohl es so abgesprochen war. Wir Eltern haben dies sehr gern übernommen.

Unter den Deutsch Klassenarbeiten befanden sich immer mehr Zurechtweisungen wie: „Ich habe das Gefühl, dass Du dir den Klassenarbeitstext nicht richtig durchliest und einfach nur etwas machst, von dem du denkst, dass es so richtig sein wird. Niemand wird dir das Lesen abnehmen in deinem Leben, du musst mehr daran arbeiten.“ Unsere Tochter war immer hochmotiviert, hatte Spaß an der Schule, freute sich über kleine Schritte und dann das.
Reden mit der Lehrerin half nicht, es wurden Ausflüchte gesucht, warum solche Dinge unter den Klassenarbeiten standen. Übergang in die 6. Klasse. Zeugnisnotendurchschnitt lag bei 2,3.

Elterngesprächstermine zum Handicap in der 6. Klasse wurden immer schnell beendet, es wurden Vertretungen geschickt, Ideen wie man unterstützen könnte wurden zur Seite gefegt.
Klassenarbeitsnoten schwankten zwischen 1-5. Zeitzugabe in drei Fächern waren immer noch bei 20 Minuten, Rechtschreibung in Deutsch rausgenommen. 2 Monate vor den Sommerferien gab es das letzte Elterngespräch. Die Noten lagen zwischen 1 und 4. Englisch und Deutsch bei der Note 4/4-. Dort wurde uns und unserer Tochter nahe gelegt, eine Schule zu suchen, die den Neigungen (!) besser entspräche. Da kam auch das erste Mal die Aussage, dass unsere Tochter ja keine diagnostizierte LRS hat. Berichte lagen aber der Schule seit knapp zwei Jahren vor. Dazu die Frage, worüber wir uns seit zwei Jahren unterhalten. Wir waren etwas irritiert. Zwei Wochen später bekamen wir die Aussage der nicht vorhandenen LRS schriftlich von einer Klassenlehrerin. Als unserer Tochter ein Punkt bei einem Rechtschreibfehler abgezogen wurde, bei ihrer Zwillingsschwester, sowie bei vielen anderen Klassenkameraden bei dem selben Fehler nur ein halber Punkt abgezogen wurde.

Was ich hier einfach nur sagen möchte ist, dass man sich in unserem Zeitalter, egal auf welchem Wege, Wissen aneignen kann. Nur weil man ein Handicap hat, ob Legastheniker, blind, taub usw. ist man nicht dumm. Der richtige Eingangskanal ist wichtig und ich denke, dass viele Kinder mit Handicap offener, sozialer und rücksichtsvoller sind, als manch Gleichaltriger.