Neue News4teachers-Podcast-Reihe: „Schulschwatz! Der Bildungstalk“ – erste Folge: Warum Lehrkräfte jetzt einen Sokratischen Eid ablegen sollen

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DÜSSELDORF. Der Pädagogik-Professor Klaus Zierer hat unter News4teachers-Leserinnen und -Lesern eine hitzige Debatte ausgelöst – mit seinem Vorstoß, Lehrkräfte sollten einen „Sokratischen Eid“ ablegen, der als Grundlage für ein gutes Berufsverständnis dient. Wir wollten genauer wissen, was er damit meint – und haben ihn einfach mal gefragt. Zu hören ist das Gespräch in „Schulschwatz! Der News4teachers-Bildungstalk“, der neuen News4teachers-Podcast-Reihe* mit Herausgeber Andrej Priboschek und Professorin Ines Oldenburg von der Uni Oldenburg. Deren erste Folge ist jetzt erschienen.

*Die News4teachers-„Doppelstunde“ läuft selbstverständlich weiter – im Wechsel.

Wie viel Sokrates muss in einer Lehrkraft stecken? Die Diskussion darüber ist hitzig. Illustration: Shutterstock
  • „Die traurige Tatsache ist die, dass Lehrerinnen und Lehrer eben keine absolut frustresistenten Superhelden, sondern normale Menschen sind.“
  • „Die Punkte, die er beschreibt, sind für mich als jemand, der mit Kindern arbeitet, selbstverständlich. Sonst hätte ich den falschen Beruf gewählt.“
  • „Je mehr man von den Lehrern verlangt, desto schwieriger wird es, geeignete zu finden. Postulieren ist leicht, aber alle Anforderungen in Kombination zu erfüllen, ist nicht so leicht.“

Das sind Statements von News4teachers-Leser*innen – allesamt Lehrkräfte –, die sich an der regen Diskussion über Zierers Idee eines „Sokratischen Eids“ für Lehrkräfte beteiligt haben (hier nachzulesen).

Warum habe ich mich für den Lehrerberuf entschieden und was macht für mich die Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern aus? Diesen Fragen geht die erste Folge unserer neuen Podcast-Reihe „Laberfach! Der News4teachers Bildungstalk“ nach. News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek und Professorin Ines Oldenburg, das Moderatoren-Duo der neuen Podcast-Reihe, sprechen darin mit Klaus Zierer, der selbst einmal Grundschullehrer war und heute als Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg lehrt, über das Grundverständnis des Lehrerdaseins. Ines Oldenburg ist ebenfalls vom Fach: Die ehemalige Grundschullehrerin und -leiterin lehrt am Institut für Pädagogik an der Universität Oldenburg.

„Der Lehrerberuf ist sehr dynamisch, weil sich die Lernenden und die Gesellschaft ständig verändern“

Im Mittelpunkt der Podcastfolge steht Klaus Zierers neues Buch mit dem Titel „Der Sokratische Eid: Eine zeitgemäße Interpretation“. Der lautet nach Zierer: „Als Lehrperson verpflichte ich mich, all mein Fühlen, Denken und Handeln im Beruf auf das Wohl der mir anvertrauten Kinder hin auszurichten.“ Der Pädagogik-Professor betont im Gespräch, dass das Bildungssystem heute mit vielen Herausforderungen konfrontiert sei – von der Corona-Pandemie bis zum Ukrainekrieg. Die Lehrkräfte sind Zierer zufolge die wichtigsten Akteure im Bildungssystem und müssen, um erfolgreich zu sein, von der gesamten Gesellschaft und dem Bildungssystem selbst unterstützt werden.

Ein „Sokratischer Eid“, der auf das Berufsethos zielt, sei dabei nicht als geschworenes Versprechen gegenüber dem Staat zu verstehen, sondern als Selbstreflexion und Besinnung auf die Aufgaben als Lehrkraft. „Gerade in solchen Krisenzeiten muss die Gesellschaft zusammenstehen, damit die Kinder ein lebenswertes Leben haben“, betont auch Ines Oldenburg. Die von Zierer erwähnte Selbstverpflichtung der Lehrkräfte sei eine Selbstverständlichkeit, wenn man sich für diesen Beruf entscheide.

Zierer erläutert, dass er den „Eid“ nicht als Voraussetzung für den Lehrerberuf verstehe, also nicht als Schwur, den man vor Berufsantritt ablegen müsse. Dieses in seinem Buch dargestellte Bekenntnis sei eher als Vision und pädagogischer Kompass für den Berufsalltag gedacht und könne somit als Orientierungshilfe für die Lehrkräfte dienen. „Der Lehrerberuf ist sehr dynamisch, weil sich die Lernenden und die Gesellschaft ständig verändern. Mit dem Sokratischen Eid als Reflexionsgrundlage können sich die Lehrkräfte auf die pädagogischen Grundaspekte fokussieren“, betont Zierer.

Die fachliche, pädagogische und didaktische Kompetenz sei wichtig, so Zierer, aber noch wichtiger sei die Haltung der Lehrkräfte, also ihr Verständnis von Lehren und Lernen. Dieser Aufruf zur Selbstverpflichtung gilt Zierer zufolge aber nicht nur für die Lehrkräfte, sondern richtet sich ebenso an die Lernenden, Eltern und das Bildungssystem selbst. Die Bildung müsse ins Zentrum gerückt werden und sei ein Zusammenspiel aller zuvor genannten beteiligten Akteure.

„Junge Menschen müssen positive Erlebnisse in Schulen haben, damit wir mehr junge Menschen für das Lehramt begeistern können“

Um die aktuellen Probleme lösen zu können, müsse es einen Dialog auf Augenhöhe zwischen Lehrkräften, Eltern und den Schüler*innen geben, erklärt Klaus Zierer im Gespräch. Ines Oldenburg stellt klar, dass sich die gesamte Gesellschaft, einschließlich der Kultusministerkonferenz, auf einen Sokratischen Eid verpflichten müsse, um die Schulen in der Krise bestmöglich auszustatten. Die Gefahr besteht, das Bildungssystem zu überfordern. Deshalb müssten die Lehrkräfte Missstände aufzeigen, um die Bildungspolitik zu verändern, damit gute Rahmenbedingungen für den Unterricht geschaffen werden können, so Klaus Zierer. „Junge Menschen müssen positive Erlebnisse in Schulen haben, damit wir mehr junge Menschen für das Lehramt begeistern können.“

Einigkeit herrscht darüber, dass die Motivation für den Lehrerberuf und die Gesundheit der Lehrkräfte wichtige Anliegen sind. Gerade das Thema Gesundheit muss in der Lehrerausbildung stärker thematisiert werden. Ein überbordender Perfektionismus schadet dabei allerdings. Ein positives Feedback hingegen sei für die Gesundheit der Lehrkräfte und einen guten Unterricht zentral. Viele Lehrkräfte seien sich nicht bewusst, wie wichtig die Beziehungsarbeit mit den Schülerinnen und Schülern für erfolgreichen Unterricht ist und welchen Einfluss sie als Lehrpersonen auf die Kinder und Jugendlichen haben. „Wir als Lehrkräfte müssen die Schülerinnen und Schüler motivieren und für die Unterrichtsinhalte begeistern können“, meint Zierer.

Am Ende der Podcastfolge hält Ines Oldenburg ein Plädoyer für die Leidenschaft im Lehrerberuf. „Ich appelliere an die Leidenschaft in der Beziehungsarbeit. Die Lehrkräfte sollten eine Leidenschaft haben für das Lernen und Lehren sowie für den Umgang mit Menschen.“ News4teachers

Weitere Folgen:

Den Podcast finden Sie auch auf

 

Berufsethos: Bildungsforscher Zierer verlangt Lehrkäften einen „Sokratischen Eid“ ab

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28 Kommentare
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Ron
13 Tage zuvor

Einen pädagogischen Podcast finde ich gut. Miteinander ins Gespräch kommen, Neues erfahren, eigene Standpunkte kritisch hinterfragen. Entscheidend ist aber, inwieweit die Bandbreite der Meinungen Berücksichtigung findet. Wenn ich den ÖRR betrachte, sehe ich, wie schnell es zu einer völligen Verengung des Meinungskorridors kommen kann und wie unausgewogen solche Formate dann werden. Bei privaten Medienangeboten kommt hinzu, dass man auf Werbende und Sponsoren angewiesen ist, die ungern unter Ihrer Produktvorstellung Kritik sehen, hören oder lesen. Damit laufen solche Angebote schnell Gefahr, dass eher selten wirklich Betroffene eines Systems zu Wort kommen. Statt Schüler und Lehrer einzuladen, ist man dann schnell beim „Bildungsexperten“, der universitär, ministeriell oder als Lobbyist der interessierten Wirtschaft daherkommt.

Last edited 13 Tage zuvor by Ron
Riesenzwerg
12 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Das ist bestimmt gut ausgewogen.

Aber dass Politiker was von Schule verstehen, ist mir neu 😉

Ich lasse mich gern überraschen!

(Das konnte ich mir nicht verkneifen – böses Riesenzwergy!)

Schattenläufer
13 Tage zuvor

Schule hat das selbe Problem wie Fußball.

Jeder war mal in der Schule, jeder hat in seinem Leben mal gegen einen Ball getreten.

Deutschland ist voll von Experten. Wer noch Lücken in einem der beiden Gebiete hat zieht eben die Bildzeitung zu Rate.

Mit Kollegen, Schülern, Schulleitungen und Politikern würde ich ja gerne diskutieren.

Wenn ich aber hier im Forum bin, dann sehe ich, dass die Kollegen sich zu 75% relativ einig sind oder eben auf Grund von Erfahrungen sachlich diskutieren
.
Ein großer Teil der Kraft geht aber dafür drauf Besserwissern, die eine Schule mal von außen gesehen haben, zu erklären, dass Schule nicht so funktioniert wie sie sich das in ihrem Kopf zurecht gelesen haben.
Ein zweiter Quell der Freude sind die unverschämten und unsachlichen BILD-Standpunkte.
Äh, ihr faulen LuL, schafft erst mal was bevor ihr hier jammert.
In der Wirtschaft würden ihnen ihre Wünsche ganz schnell vergehen.
Lehrer sind doch die Besserverdiener mit Dienstzeit von 8-12 Uhr.
Wer noch die Kraft hat zu jammern ist noch nicht richtig ausgelastet. Ha, Ha, Ha.

Diskussion in allen Ehren, nach vielen Corona-Schlachten im Forum ist mir meine Lebenszeit dafür einfach zu schade.

Fußballer müssen halt bei so was ran. Die verdienen ja auch Millionen durch die Fan-Experten. Als Lehrer können mir die Außenstehenden egal sein. Solen die doch ihr Bild von Schule pflegen.
Manchmal hat es eben auch Vorteile ein Lehrer zu sein.

Schattenläufer
13 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

BeispielBei den Kommentaren zum Bericht-Fleischmann kritisiert Wegfall der Isolationspflicht in Schulen als „halbgare Regelung“- hier bei N4T
https://www.news4teachers.de/2022/11/fleischmann-kritisiert-wegfall-der-isolationspflicht-in-schulen-als-halbgare-regelung/

Einer der oben erwähnten schulfremden Diskussionspartner, der liebe Dirk, hat in den Kommentaren zum Bericht gerade dargelegt, dass Personen die freiwillig eine Maske tragen, eben damit rechnen müssen gemobbt zu werden, wenn sie so sehr aus der Reihe tanzen.

Das ist schriftlich schon nur schwer zu ertragen.
Als verbale Diskussion muss ich mir das nicht geben.
Ohne die Schreib-Verzögerung zum Runterkommen würde das schlimm ausgehen.

Ich möchte aber niemand beleidigen, auch eine solch ekelhafte Person nicht.
Eigentlich möchte ich nicht mal wissen, dass solche Menschen die gleiche Luft atmen.

Dann haue ich mir lieber mir dem Hammer auf den Daumen und genieße das Gefühl wie langsam der Schmerz nach lässt.

Mika
13 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Geht mir genauso. Und solange der „sokratische Eid“ nicht ergänzt wird um die Schlussformel: „Soweit die Vorgaben meines Kultusministeriums, das Engagement das Schulträgers und die Gegebenheiten vor Ort dies zulassen.“ kann sich der Herr Zierer diese Sprechblase an den Spiegel stecken und sich jeden Tag fragen, woran das Schulsystem in D krankt.

Sissi
13 Tage zuvor
Antwortet  Mika

Geht mir auch genauso.
Ich hätte zusätzlich gerne – bei manchen Eltern – einen Unterstützungseid, der dann auch umgesetzt wird.

GriasDi
12 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Wären Außenstehende so viel besser, müssten die Länder mit den meisten Quereinsteigern ja am besten bei Vergleichstests abschneiden.

Hornveilchen
13 Tage zuvor

„Schulschwatz“ finde ich aber einen sehr gelungenen Titel und ganz ohne Englisch! Toll.

Lehrer Heschke
13 Tage zuvor
Antwortet  Hornveilchen

Stimmt! Gelungener erster Podcast.

Lehrer Heschke
13 Tage zuvor
Antwortet  Hornveilchen

P.s. beim Ton sicher noch Luft nach oben, aber ist ja erst der Anfang… 😉

447
13 Tage zuvor

Ich (und jeder andere verbeamtete Lehrer) HAT bereits einen (im übrigen im Gegensatz zu Politiker-, „Bildungsforscher“ – und Lobbyschreiber-Eiden JUSTIZIABLEN) Eid geschworen.
Auf die Demokratie, das Grundgesetz und unsere höchsten Werte, inklusive der „sorgfältigen Führung“ unserer Amtsgeschäfte!

Statt mit nudging und framing weiter zu versuchen Lehrkräfte psychlogisch in die „Kellner“, „Servicepersonal“ und „Rechtfertigungshaltung“ zu drängen – brauchen wir würdige Schulgebäude, Zeit und echtes(!) Lehrpersonal!!!

Danke und tschüss, sokratischer Eid!
Würde ich den ablegen und ernst nehmen, müsste ich erstmal darauf hin wirken, ca. 2 bis 3 % der Eltern ihre Kinder zu entziehen… eine absurde Vorstellung!

Trinkflasche
13 Tage zuvor
Antwortet  447

Was, Eltern sollen ihrer Iinder erziehen? Welch dreiste Fotderung von dir!

Leiste gefälligst noch einen Eid und übe Lohnverzicht.

447
12 Tage zuvor
Antwortet  Trinkflasche

Ja, ich sehe meine unbunte Unhaltung ein. Zur Buße erkläre ich mich bereit, spaßfrei bis zur Pension im homeoffice zu darben, wobei ich im Distanzunterricht die jeweils aktuelle Armbinde trage und/oder mir den Mund zuhalte. 😀

Julia
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Bravo!

Sophie
13 Tage zuvor

Es klingt bestechend, aber diesen integren und altruistischen Menschentypus bringt die Gesellschaft kaum mehr hervor. Die wenigen Exemplare kommen auch schnell unter die Räder, leider.

Realist
13 Tage zuvor

Und ich fordere für Bildungsforscher den Eid der Minverva, der dazu verpflichtet, kein dummes Zeug zu schwurbeln und nur das zu propagieren, was empirisch als wirksam nachgewiesen und auskömmlich finanziert und mit Ressourcen ausgestattet ist.

Und für Paketboten fordere ich den Eid des Hermes, der dazu verpflichtet, selbst bei Hagel, Sturm und Orkan, die Pakete immer pünktlich zu liefern. Natürlich zum Mindestlohn.

Und für alle, die nicht in der Schule beruflich tätig sind, und diese nur aus ihrer eigenen, mehr oder weniger erfolgreichen Schulzeit kennen, fordere ich den Eid des Olaf, der dazu verpflichtet, zu schweigen, wenn man sowieso nichs sinnvolles zu sagen hat oder kann.

Marion
12 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Und ich dachte, der Eid des Olaf verpflichtet zum Vergessen.

mama51
11 Tage zuvor
Antwortet  Marion

…haha! Auch gut! Nehme ich!

TaMu
12 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Wunderbar!

Michael
12 Tage zuvor

Mit jedem Satz, den Herr Zierer von sich gibt, wird deutlich, wie sehr er sich von der Arbeitswirklichkeit von Lehrerinnen und Lehrern entfernt hat oder wie wenig Ahnung er davon hat.

Carsten60
12 Tage zuvor

Auch bei dem berühmten Eid der Ärzte ist die Sache längst aufgeweicht oder gar ausgehöhlt. Krankenhäuser sind gewinnorientierte Unternehmen, und Chefärzte werden zu Zielvereinbarungen gezwungen, dass bestimmte Operationen soundso oft gemacht werden müssen. Und dann werden halt mehr Operationen als nötig durchgeführt, nur wegen des schnöden Mammons. Die Patienten werden zur finanziellen Manövriermasse. Dem Eid entspricht das eigentlich nicht. Im Fernsehen wurde mitgeteilt, dass Krankenhäuser Patienten länger als nötig beatmen, nur um von den Krankenkassen erheblich mehr Geld zu kassieren. Sogar Geburten werden früher eingeleitet, weil auch Frühgeburten mehr Geld bringen.

Bei der Digitalisierung von Schulen ist ähnliches denkbar: Schulleitungen müssen Knebelverträge unterschreiben, dass sie digitale Geräte nur von einem bestimmten Hersteller ordern und in einer gewissen Mindestzahl und mit einem Wartungsvertrag. Oder sie müssen sich anderen Dingen unterwerfen, die sie eigentlich gar nicht haben wollen. Dazu könnten auch standardisierte Tests gehören. Ein solcher Eid würde da gar nichts nützen.

Riesenzwerg
12 Tage zuvor

‚“Gerade in solchen Krisenzeiten muss die Gesellschaft zusammenstehen, damit die Kinder ein lebenswertes Leben haben“, betont auch Ines Oldenburg.‘

Das gilt auch und vor allem für die Wirtschaft und die Erziehungsberechtigten.

Allein alles auf die Lehrys abzuwälzen – mit oder ohne Eid – klappt nicht.

Das setzt nur noch mehr unter moralischen Druck.

Davon haben wir schon mehr als genug. Zusätzlich zu dem Frust und Wissen, dass wir das alleine nicht schaffen k ö n n e n! (Das hat nichts mit ‚wollen‘ zu tun!) Geht einfach nicht.

Realist
12 Tage zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

„moralischen Druck“

Genau darum geht es bei diesem „Eid“ ja.

GriasDi
12 Tage zuvor

Wenn ich für jedes Telefonat 20 Euro abrechnen kann („Beratung auch telefonisch“) gerne.

PaPo
12 Tage zuvor

Ich wiederhole, was ich bereits im Rahmen der ersten Diskussion dieses Eids hier bei N4T kritisierte (zu finden im obigen Link zum Ausgangsartikel): Dieser Eid konterkariert m.E. Sinn und Zweck von Schule!

Spoiler

Aber das ist ja auch überhaupt nicht Sinn und Zweck von Schule. Schule ist keine Wohlfühlveranstaltung für die Schüler.

Die Metafunktion von Schule ist die Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu eigenverantwortlichen (d.h. mündigen, selbstreflexiven, integren etc.) und gemeinschaftsfähigen (d.h. kooperations- und partizipationsfähigen etc.) demokratischen Staatsbürgern – die Existenzberechtigung des Schulsystems insg. und jedes einzelnen Unterrichtsfachs ist nicht arbiträr, gewiss keine autotelische, sondern eine autopoiesische Berechtigung. Mithin soll jede schulische Bildung diesem Ziel dienen, denn nur der gebildete Bürger ist wirklich partizipationsfähig, mündig, selbstreflexiv, integer etc. (alles Attribute in reziproker Interdependenz).

Um es wenig diplomatisch auszudrücken (und mir empörte Reaktionen zu garantieren):
Bürger – und damit am Ende ihres schulischen Bildungsweges auch Kinder resp. Jugendliche – müssen gewissermaßen funktionieren! Und hierbei geht es nicht um „Gehorsamkeit oder Gefügigkeit“, wie hier eine anonyme Mutter am 04. April in einem von kontraproduktiver Gefühligkeit geprägten Kommentar unterstellte, basierend auf einer hyperindividualisierenden Freiheitsillusion, die den Pflichtanteil jeden Bürgers am Funktionieren von Gesellschaft negierte, zumindest ignorierte und glaubte, Freiheit sei ein Zustand, der nicht der konstanten Erarbeitung bedürfe (s. „‚Liebes Schulsystem, wir müssen reden!‘ Eine Mutter tritt eine Grundsatzdebatte los“), ganz im Gegenteil:

Der Rahmen dieser Funktionstüchtigkeit der Bürger ist ein enorm weiter, aber abermals nicht arbiträrer. Der Rahmen wird durch unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und ihre immensen Freiheiten gesteckt. Um im Rahmen dieser Grundordnung navigieren zu können, Gesellschaft zu erhalten und Bürger zu befähigen, an dieser partizipieren zu können, muss man (a) diese Grundordnung und ihre Reglements kennen und verstehen und (b) entsprechende Kompetenzen vermitteln, damit die Bürger auch partizipieren können. Und „Kompetenzen“ meint hier ein Zusammenspiel aus konkreten Inhalten einerseits und Methoden und Techniken zur Realisierung der hier skizzierten Bildungs-, Gesellschaftserhaltungs- und Partizipationsziele andererseits.

Selektion und Allokation sind aus den skizzierten Gründen Kernaufgaben von Schule: Schule soll Menschen auf eine mögliche Rolle in dieser pluralistischen, freiheitlich-demokratischen Grundordnung als eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige demokratische Staatsbürger vorbereiten, der gesellschaftlichen Nichtpartizipationsfähigkeit von Bürgern (die diese Bezeichnung dann nicht mehr verdient hätten) einerseits und damit anomischen Gesellschaftstendenzen andererseits vorbeugen. Deshalb geschieht all das auch „ungefragt“ – es ist systemrelevant, kann nicht zur Disposition stehen. Aus dem Unverständnis dieser Funktion ggü. entstammt mglw. auch der naive Ansatz zur Demokratieerziehung, wie er in schulsystemkritischeren Kommentaren oft durchscheint.

Ungenommen dieser Einwände ist es natürlich legitim und angemessen, bspw. über konkrete Lehrinhalte zu diskutieren.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Nicht die Kompetenzorientierung ist das Problem, vorausgesetzt man realisiert, dass pragmatisches Wissen, Methoden und Techniken, dass das „know how“ nicht isoliert von inhaltlichem Fachwissen (Daten, Fakten etc.) existiert. Das eigtl. Problem ist die Orientierung an Lern- statt an Lehrzielen.

Man ist zu sehr darauf bedacht, dass am Ende bei allen auch alle Lernziele zwingend ankommen, da gibt es dann scaffolding, wird über die Schwelle getragen, wird das Niveau gesenkt, als sei jeder zu allem in der Lage, würde er nur entsprechend unterstützt, geleitet etc. – eine an Naivität kaum zu überbietende Idee: Jeder Lehrer dürfte (eine Variante) einer sehr bekannten Karikatur kennen, in der eine Reihe von Tieren (Vogel, Affe, Elephant etc.) vor einem Lehrer aufgereiht steht und letzterer instruiert: „Zum Ziele einer gerechten Auslese lautet die Prüfungsaufgabe für Sie alle gleich: Klettern Sie auf dem Baum!“ Hier wird genau das gerade Kritisierte insinuiert, alle müssten auf die Spitze des Baumes befördert werden, ansonsten wäre die Aufgabe ungerecht… dabei hat der karikaturist ja shcon unbedacht selbst das problem dargestellt: Es sind nicht alle gleich, es haben nicht alle die selben Fähigkeiten und auch nicht dieselben Potenziale, dieselben Ziele zu erreichen. Deshalb ja die Selektion und Allokation…

Wichtig wäre damit also eine Rückbesinnung auf Lehrziele: Der Lehrer vermittelt Kompetenzen (im oben skizzierten Sinne)… und die die Schüler kommen damit zurecht oder nicht (d.h. nicht, dass es nicht Hilfestellung etc. gibt, wir dürfen ja auch nciht in das Extrem verfallen zu glauben, jeder könnte alles auf Anhieb richtig oder eben nicht), denn nur darauf kann Selektion und Allokation überhaupt basieren.

Von daher ksnn ich diese Rede von zurückgelassenen Kindern nicht (mehr) hören. Man muss sich auch mal von der Illusion lösen, dass auch noch für den größten Minderleister mit den niedrigsten kognitiven Kompetenzen, für den größten Leistungsverweigerer mit der niedrigsten sozialen Kompetenzen etc. rosige Zukunftsperspektiven warten und deren Lehrer zu Schmieden ihres Glücks werden

Schule darf natürlich eine Wohlfühlveranstaltung sein, ungenommen… sie muss es aber bicht sein.

Und auf die restlichen Unterstellungen, die diesem „Kodex“ inhärent sind, mag ich gerade gar nicht eingehen.

Mal gucken, ob ich Zeit und Lust habe, auch auf die konkreten Äußerungen im Podcast einzugehen. 😉

Gabriele
9 Tage zuvor

Idee eines „Eides“ empfinde ich wirklich nur als puren Aktionismus, Ablenkungsmanöver.
Überhaupt nicht zielführend für noch bessere Unterrichtsqualität.

Denn, wer ein hohes Berufsethos sowieso nicht verinnerlicht hat, den bringt auch ein „Eid“ nicht dazu.

Nur „Innere Berufung“, echte Freude und tiefe Befriedigung beim Arbeiten mit jungen Menschen, Fördern, Fordern und Wissenvermittlung mit Leidenschaft, als alleinige Triebfeder zählt, ist ausschlaggebend für eine erfolgreiche LehrerInnenpersönlichkeit.

Wenn ich „Vereidigung“ höhere, kommt mir neben „auf unsere Verfassung“ als LandesbeamtIn, oder Hippokrates leider auch eine unselige, die der Wehrmacht auf die Person Hitlers im NS, in den Sinn.

Zeiten jeglichen „Kadavergehorsams“ wegen eines Eides auf eine Person sind gottseidank ja obsolet.
Aber auch ein „Eid“ löst nicht die vielfältigen Probleme an den Schulen und Herausforderungen im Bildungswesen, auch nicht den eklatanten LehrerInnenmangel!

Fazit: Abstruse, unsinnige Scheindiskussion ausgelöst. Ein „Eid“ ist unnötig wie ein Kropf!