Seiteneinstieg in den Lehrerberuf: Erste Nicht-Akademiker haben Zusage erhalten

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MAGDEBURG. Es ist ein weiteres Mittel im Kampf gegen den Lehrermangel: Mit einer Ausschreibung im Juni hatte Sachsen-Anhalt erstmals auch Nichtakademiker für bestimmte Fächer an Sekundarschulen gesucht. Die ersten Zusagen für Einstellungen sind erteilt.

Herzlich willkommen im Schuldienst. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Technik, Hauswirtschaft, Kunst und Musik sollen an Sachsen-Anhalts Sekundarschulen künftig auch Nichtakademiker unterrichten können (News4teachers berichtete). Auf die erste derartige Ausschreibung in diesem Sommer gingen 170 Bewerbungen ein, wie das Bildungsministerium in Magdeburg auf Nachfrage mitteilte. Die Bewerberinnen und Bewerber kämen überwiegend aus dem Bereich Handwerk und Gastronomie. Auch pädagogische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die schon an Schulen tätig seien, hätten sich beworben. Gefragt sind Frauen und Männer, die eine Qualifizierung auf dem sogenannten DQR6-Niveau besitzen, also beispielsweise Fachwirt oder Meister sind.

Von den 170 Bewerbern sind den Angaben zufolge etwa die Hälfte für die Tätigkeit als Lehrkraft in den ausgewählten Fächern geeignet, wie es hieß. Die anderen erfüllten die formalen Einstellungsvoraussetzungen mit den gefragten Abschlüssen nicht oder seien im Auswahlgespräch als ungeeignet eingeschätzt worden.

Derzeit lägen 20 Zusagen für Einstellungen vor. «Es werden nahezu täglich weitere Angebote auch an diesen Personenkreis unterbreitet», so ein Sprecher des Bildungsministeriums. Die Einstellungen erfolgten im ganzen Bundesland, regionale Schwerpunkte gebe es nicht.

Die Öffnung für Quereinsteiger ohne Studium ist für das Land ein weiterer Weg, gegen den Lehrkräftemangel anzugehen. Insbesondere an Sekundarschulen fehlen viele Lehrerinnen und Lehrer. Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) hatte zur Ausschreibung erklärt: «Mit dem Anwerben von Seiteneinsteigenden, zu denen nun auch bestimmte Nichtakademiker gehören, fördern wir aktiv eine praxis- und lebensweltorientierte Vorbereitung der Kinder auf ihr Leben nach der Schule.» Allen Lehrkräften könne ein maßgeschneiderter, gut bezahlter und sicherer Job im Landesdienst angeboten werden. News4teachers / mit Material der dpa

Wozu noch auf Lehramt studieren? Geht auch ohne: An Schulen unterrichten bereits 60.000 Quer- und Seiteneinsteiger

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17 Kommentare
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Realist
9 Monate zuvor

Es geht voran!!!

Prognose: In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts reicht ein Abitur… alternativ eine Ausbildung in einem (beliebigen) Berufsfeld.

Gen Z:
„Lehramt? Ich bin doch nicht blöd!“

Kevin Stein
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Prognose: In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts reicht ein Abitur… alternativ eine Ausbildung in einem (beliebigen) Berufsfeld.

Sie meinen also eine Qualitätssteiegerung?! Denn ganz offensichtlich haben diese „Eingestellten“ nicht einmal das…

Wombatlover
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

An Berufsschulen in Hessen finden sich seit mindestens 21 Jahren Lehrer ohne Abitur und ohne Referendariat.

Ale
9 Monate zuvor
Antwortet  Wombatlover

Das sind dann aber oft Meister o.Ä., oder?

Wutbürger
9 Monate zuvor
Antwortet  Wombatlover

Was Sie verschweigen ist, dass diese Leute bereits einen Meistertitel haben. Schlimmer noch, Sie behaupten die Unwahrheit, denn selbst diese Leute durchlaufen ein Referendariat.

Kann man gerne auch noch einmal hier durchlesen:
https://lehrkraefteakademie.hessen.de/ausbildung-von-lehrkraeften/paedagogischer-vorbereitungsdienst/fachlehrerausbildung-fuer-arbeitstechnische-faecher

Und was Sie auch verschweigen ist, dass die eben auch keinen klassischen Unterricht halten, sondern mit den Auszubildenden in den Werkstätten, oft neben den Fachlehrern, klassische Ausbildung, wie in einem Betrieb, betreiben (ergo: in den Werkstätten an den Geräten ausbilden). Das wird in Hessen arbeitstechnischer Unterricht genannt.

Karl Heinz
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Sie wirken zunehmend wie Cato der Ältere

Realist
9 Monate zuvor

Uups: Ausbildung reicht ja jetzt offensichtlich schon… so schnell geht’s…

Riesenzwerg
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Na, bei deeen Fächern!

Nein, das meine ich tatsächlich ironisch.

Ich unterrichte Kunst fachfremd – das ist eine Menge Arbeit, zumal ich die Techniken selbst ausprobieren und üben muss.

Jeder vom Fach oder in diesem Bereich ist mir da überlegen.

Da fehlen eher Päd. und Didaktik. Seien wir ehrlich – viel davon in Theorie gelernt – in Praxis mussten wir noch viel, viel mehr dazu lernen.

Technik, Kunst, Musik und Hauswirtschaft.

Wer Musik beruflich macht, kann mehr als unsereins fachfremd ohne Instrument.

Technik – es fehlt ja alkeine der Maschinenschein, abgesehen von Kenntnissen, wie etwas warum funktioniert oder halt auch nicht.

Das ist ohne Pauken meinerseits nicht einfach zu wuppen – meine Fächer sind andere.

Hauswirtschaft gibt es in SH nicht mehr – neumodisch ist das Verbraucherbildung und leider auch sehr papierlastig geworden. Dabei brauchen die Kids Praxis, Praxis, Praxis.

Warum soll das nicht klappen – mit Quereinsteigern vom Fach?

lehrer002
9 Monate zuvor

Unfassbar!

ABC
9 Monate zuvor
Antwortet  lehrer002

Ein hausgemachtes Problem der Kultusministerien, die jahrzehntelang das Nachrechnen versäumt haben. Warum gibt es eigentlich noch berfristete Zeitverträge für grundständig ausgebildete LuL???
Alles nur noch traurig für die SuS!

Riesenzwerg
9 Monate zuvor
Antwortet  ABC

Das ist eine verdammt gute Frage!

Jen
9 Monate zuvor

Verstehe die Aufregung nicht so ganz. Dieses Konzept nennt sich in Ba-Wü Fachoberlehrer und ist vollkommen normal. Vor allem die Leute aus dem Handwerk oder wirkliche Musiker können diese Fächer wahrscheinlich viel viel besser unterrichten, als ich fachfremd. Ich finds super! Unsere SuS lernen von sehr erfahrenen Praktikern und die Qualität ist hoch! Schade, dass das noch nicht in ganz Deutschland umgesetzt wird. Die Fachlehrer müssen hier im Übrigen ebenfalls eine pädagogische Grundbildung und ein Referendariat durchlaufen und mit A10 eingestellt. Ich finds gut gelöst!

Berufspädagoge
9 Monate zuvor

Es ist etwa eine Dekade her, da wurden selbst Referendare/innen, die Sachsen-Anhalt selbst ausgebildet hat, nicht eingestellt. Und nun wird diese Kurzsichtigkeit mit fragwürdigen Methoden versucht zu beheben. Wenn wir so arbeiten würden, dann gebe es aber reichlich Ärger. Das Kultusministerium aber feiert sich als „Feuerwehr „. Schande!

Lisa
9 Monate zuvor

Ein gestandener Handwerker, ein Musiker von einer Band, ein Ingenieur, der in seinem Beruf schon gearbeitet hat, das kann doch gut funktionieren. Das entspricht der Offenen Schule, in der Schüler auch von Erwachsenen außerhalb was lernen können. Was mir mehr zu denken gibt: Die Hälfte aller Bewerber war ungeeignet. Mich würde interessieren, warum genau.

Thomas E.
9 Monate zuvor
Antwortet  Lisa

Wie viele der bestehenden Lehrer würden denn bei Neubewertung als geeignet eingestuft werden? ich gehe davon aus, dass es auch hier Ausschuss geben würde.

Ich_bin_neu_hier
9 Monate zuvor
Antwortet  Thomas E.

@Thomas E.: Sie haben selbstverständlich das Recht auf eine eigene, nicht durch Fakten untermauerte Meinung. Ich gehe allerdings zuversichtlich davon aus, dass nicht einmal Kultusministerien und Kultusminister:innen es derzeit als Priorität ansehen werden, die Zahl der grundständig ausgebildeten Lehrkräfte weiter zu verringern.
Insofern, mal angenommen (und nur angenommen), Sie hätten wirklich, tatsächlich und unbestreitbar Recht mit Ihrer Meinung… wäre diese Meinung immer noch bedeutungslos, weil sie (selbst wenn korrekt) keinerlei praktische Konsequenzen nach sich zöge.

Das ist natürlich nur meine unmaßgebliche persönliche Meinung und Sie dürfen mir gerne widersprechen…

Dil Uhlenspiegel
9 Monate zuvor
Antwortet  Thomas E.

Definiere „geeignet“ unter Beachtung des vorherrschenden Zeitgeistes, gesellschaftlichen Bedarfes in jeglicher Hinsicht und pädagogisch-didaktischen Oberwassers im gegebenen Moment der Betrachtung.