Start Aus den Verbänden “Sündenböcke”: Wachsende Gewalt gegen Lehrkräfte – Verbände fordern Schutzkonzepte

“Sündenböcke”: Wachsende Gewalt gegen Lehrkräfte – Verbände fordern Schutzkonzepte

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BERLIN. Die Zahl der Übergriffe auf Lehrkräfte steigt – und mit ihr der Druck auf die Bildungspolitik. Verbände und Gewerkschaften sehen in den aktuellen Daten der Polizeilichen Kriminalstatistik eine Entwicklung, die nicht mehr mit Einzelfalllogik zu erklären sei. Es handele sich um ein strukturelles Problem. Umso unverständlicher, dass  Schutzkonzepte fehlen. Im Zentrum steht damit eine politische Frage: Wie lange kann sich der Staat leisten, seine Beschäftigten im Bildungsbereich weniger zu schützen als andere Berufsgruppen?

“Gesamtgesellschaftliches Versagen”: VBE-Chef Tomi Neckov. Foto: BLLV

Die Reaktionen auf die jüngsten Zahlen zur Gewalt gegen Lehrkräfte fallen deutlich aus. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) sieht in der Entwicklung eine Bestätigung langjähriger Warnungen. „Jetzt bestätigt auch die PKS, was wir längst belegen: Gewalt gegen Lehrkräfte ist kein Randphänomen, sondern Realität“, erklärt der Bundesvorsitzende Tomi Neckov. Schulen seien dabei keine abgeschlossenen Räume, sondern Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. „Wir beobachten vermehrt, dass Eltern oder schulfremde Personen Lehrkräfte als Sündenböcke für ihre Wut nutzen. Das ist kein Problem der Schulen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Versagen.“

„Die Zahlen sind alarmierend und bestätigen, was viele Lehrkräfte seit Jahren erleben: Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit“

Der VBE verweist zugleich auf strukturelle Defizite im Umgang mit Gewaltvorfällen. „18 Prozent der Schulleitungen berichten, dass Meldungen von Gewaltvorfällen seitens der Schulbehörden nicht gewünscht seien“, so Neckov. „Das ist kein Einzelfall – das ist strukturelle Verweigerung von Hilfestellung!“ Der Verband fordert gesetzliche Änderungen, niedrigschwellige Meldewege und eine bessere personelle Ausstattung der Schulen. Lehrkräfte seien Beschäftigte des öffentlichen Dienstes und hätten Anspruch auf vergleichbaren Schutz.

Auch der Deutsche Lehrerverband bewertet die Entwicklung als alarmierend. Präsident Stefan Düll erklärt: „Die Zahlen sind alarmierend und bestätigen, was viele Lehrkräfte seit Jahren erleben: Gewalt, Bedrohungen und Respektlosigkeit.“ Zugleich verweist er auf die gesellschaftliche Dimension der Entwicklung. „Wer Lehrkräfte angreift, greift die Schule als zentralen Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts an.“ Daraus leite sich ein klarer Handlungsauftrag ab: „Das dürfen wir nicht hinnehmen: Lehrkräfte haben ein Recht auf einen Arbeitsplatz ohne Gewalt.“

Der Verband fordert verbindliche Schutzkonzepte, die Prävention, Intervention und Nachsorge umfassen. Dazu gehörten eine klare rechtliche Rückendeckung für Lehrkräfte, ein konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht sowie der Ausbau schulischer Unterstützungssysteme. Düll spricht sich zudem für stärkere präventive Maßnahmen aus, etwa durch polizeiliche Ansprache im Klassenverband nach Vorfällen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Nordrhein-Westfalen mahnt ebenfalls zu konsequentem Handeln, verbindet dies jedoch mit dem Hinweis auf begrenzte Aussagekraft der Statistik. Die PKS bilde nur das sogenannte Hellfeld ab, also angezeigte Straftaten. „Viele Vorfälle – insbesondere verbale und psychische Gewalt – werden nicht erfasst“, heißt es. Die Landesvorsitzende Ayla Çelik erklärt: „Die aktuellen Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen deutlich: Gewalt gegen Lehrkräfte ist ein ernstes und zunehmendes Problem. Jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel.“

„Ziel muss es sein, (…) dafür zu sorgen, dass Schule ein Ort der Beziehung, Teilhabe und Unterstützung bleibt“

Zugleich fordert die GEW ein einfacheres und rechtssicheres Meldesystem für Gewaltvorfälle sowie mehr Ressourcen für Prävention. Schulen müssten in die Lage versetzt werden, Konflikte professionell zu bearbeiten und deeskalierend zu wirken. „Ziel muss es sein, über klare Interventionskonzepte, flächendeckende Fortbildungen zu Deeskalation sowie eine bessere Ausstattung von Schulsozialarbeit und Schulpsychologie dafür zu sorgen, dass Schule ein Ort der Beziehung, Teilhabe und Unterstützung bleibt“, so Çelik.

Auch der VBE verbindet seine Kritik mit konkreten politischen Forderungen. Neben gesetzlichen Änderungen zum besseren Schutz von Lehrkräften dringt der Verband auf den flächendeckenden Einsatz multiprofessioneller Teams, um Schulen im Umgang mit Konflikten und Gewalt zu entlasten. Dazu gehörten insbesondere Schulsozialarbeit, Schulpsychologie und externe Fachkräfte. Zugleich fordert der Verband niedrigschwellige und verbindliche Meldewege, damit Übergriffe systematisch erfasst und bearbeitet werden können. Entscheidend sei zudem eine unmittelbare Unterstützung betroffener Lehr- und Fachkräfte nach Vorfällen. Neckov macht deutlich, dass es aus Sicht des VBE nicht bei punktuellen Maßnahmen bleiben dürfe: Lehrkräfte bräuchten „nicht einfach nur einen netten Händedruck hin und wieder, sondern echten Schutz“.

Hintergrund: Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt für die vergangenen zehn Jahre einen deutlichen Anstieg der Gewalt gegen Lehrkräfte (News4teachers berichtete). Die Zahl der Fälle vorsätzlicher einfacher Körperverletzung stieg bis 2024 auf 1.283, nachdem sie zuvor zwischen 717 und 1.017 Fällen pro Jahr gelegen hatte. Auch schwere Gewalttaten nahmen zu: von 268 Fällen im Jahr 2015 auf 557 Fälle im Jahr 2024, mit einem zwischenzeitlichen Rückgang während der Corona-Jahre. Erfasst werden dabei nur Taten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit stehen. News4teachers 

Gewalt gegenüber Lehrkräften: Polizeigewerkschaft sieht Erziehungsdefizite – „Daher muss man an die Eltern ran, an das Zuhause“

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Mario
1 Monat zuvor

Weder Gewalt gegen Lehrkräfte noch gegen andere SchülerInnen darf geduldet werden! Ich habe auch gespielt und mich gefetzt, aber nie hätte ich eine Lehrkraft beleidigt! Ich hätte auch keine Toiletten zerstört, Scheiben eingeworfen, andere abgerippt oder ähnlichen Mist! In was für einer Pumuckl- Gesellschaft hausen wir eigentlich seit Jahrzehnten? Gehe ich zu SPD-Veranstaltungen, dann habe ich inzwischen das beklemmende Gefühl, dass wachsende Teile der ja so bösen Grünen da inzwischen erwachsener sind!
Arreste, Notfalls körperliches Dazwischenschreiten der Zuständigen, Abschiebungen völlig unintegrierbarer Personen, Senkung der Alters der Strafmündigkeit! Polizei und Ordnungsämter haben Wege zur Schule notfalls zu sichern, Konsequenzen spüren lassen!
Bevor jetzt gemault wird, ich wähle seit ich es darf immer links, beim Thema Gewalt verliere ich aber seit meiner Kindheit den Humor!
Kein Fußbreit der Alltagsgewalt!

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Mario

Die von (nicht nur) Ihnen seit Jahren ausgewählten Bestellungen (Täterverstehertum, Relativismus gegenüber Ordnung und Strukturen, Abschaffung von “Autorität”, konsequent betriebenes Untergraben und Aushöhlen der Lehrerrolle zum devoten “Servicemitarbeiter”, “Strafen nützen nix”-Mentalität usw.) trudeln als Ergebnisse im Alltag ein.

Ihre Reaktion:
“Ich will das weiter so bestellen, nur halt gratis, ohne Rechnung! Wieso ist das so teuer?!?!?!”.

¯\_(ツ)_/¯

(Und nein, natürlich ist ein reines und ausschliessliches Zurückdrehen der Uhr alleine keine Komplettlösung)

kanndochnichtwahrsein
1 Monat zuvor

Viel zu lange ist Schule “Abstellraum” der Gesellschaft!
Kinder hinbringen, im besten Fall mit Abi wieder abholen.
Die Lehrer werden alles richten.

Solange Kinder mit schlechtesten/ohne jegliche Bildungsvoraussetzungen in die Schule kommen, übernächtigt, durch unverdaulichen Tiktok-Kram u.a. belastet, ohne altersgemäße Entwicklung, dann in angesichts dieser Voraussetzungen viel zu großen Klassen mit viel zu wenig Personal hocken, ist Gewalt eigentlich vorprogrammiert.
Der eine richtet sie gegen sich selbst, der andere nach außen, gegen Mitschüler oder Lehrkräfte, verbal oder körperlich.

Wir sehen dies seit vielen, vielen Jahren!
Wir sagen es auch seit vielen Jahren!

Will die Gesellschaft es hören?

Wem wird jetzt wieder die Verantwortung für die Entgleisungen zugeschoben – damit es möglichst wenig kostet?

Gute Schule – auch zur Prävention von Gewalt – würde für mich heute heißen:
Kleinere Klassen, mehr Beziehungsarbeit, mindestens Doppelbesetzung in vielen/allen Stunden, Ausweichmöglichkeiten, individuelle Lösungen, die den Kindern gerecht werden. Sozialarbeit. Lernen mit Kopf, Herz und Hand – digital ist zumindest in den ersten Jahren verzichtbar, wenn nicht gar schädlich.
Außerdem braucht es viel mehr Unterstützung für die Familien, die alleine nicht klarkommen und Einschränkung des Einflusses “sozialer” Medien, stattdessen mehr Miteinander und Bezug zur Realität.
Das alles kann in Schulen nicht geleistet, schon gar nicht repariert werden.

Jede Form von Gewalt muss im Ansatz sanktioniert sein.
Nicht als Strafe, sondern als Folge antisozialen, sozial nicht konstruktivem Verhaltens.
Dazu fehlt uns oft die Unterstützung; wir können nicht ausreichend konsequent sein.
Lerneffekt bei immer mehr Schülern: geht doch… morgen geht mehr… übermorgen zeig ich es allen, die mir quer kommen… (leider oftmals mit ausdrücklicher Unterstützung der “Erziehungsberechtigten”)

Was also passiert jetzt aufgrund dieser Statistik?
Weiter wie immer??

Wenn nichts passiert, wird es bald keine Lehrer mehr geben.
Ältere Lehrer schaffen es nicht mehr; neue Lehrer haben Alternativen!

TaMu
1 Monat zuvor

Leider baden auch die anständigen Kinder und Jugendlichen diese Zustände mit aus. Ihnen gegenüber geht auf jeden Fall unter diesen Umständen Bildungsgerechtigkeit verloren.

Mario
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Genauso ist es
Alltagsgewalt hat praktisch nur VerliererInnen, deshalb konsequent bekämpfen

447
1 Monat zuvor

Sie schreiben:
“Jede Form von Gewalt muss im Ansatz sanktioniert sein.”

Diese Drohne durchwühlt den Speicher und wundert sich:
Würde das etwa heissen *schockiertes Einatmen* -Lehrer sollten wieder Lehrer sein und konkret was zu sagen haben – statt tausend freche Widerspruchs- und Aufmuckerrechte?
– Ordnungsamt/Polizei genau so, denn logischerweise würde bei einer “Kehrtwende” hin dazu, Zivilisationsgrundwerte gegen offen angreifende Unzivilisierte “auf einmal” durchzusetzen erstmal massives Austesten und Rebellieren dagegen auslösen (“bisher ist doch auch nur Gelaber gekommen”) ?
– Schul- und Jugendr(straf)echt vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen ?

Denn das alles wäre nötig, um Ihre zitierte Forderung in der zitierten Qualität umzusetzen.

Irgendwie habe ich da so leeeeeiiiiiiichte Zweifel, dass die Zustände dafür schon flächendeckend als schlimm genug gesehen werden.

¯_(ツ)_/¯

Mario
1 Monat zuvor

Ich habe irgendwo im letzten Jahr gelesen, dass sich die Polizei in einem Ort in NRW weigerte, Jugendliche auf dem Weg zur Bahn vor einer Jugendbande zu schützen! Diese Fackkräfte für Mist-Bauen werden es aber nicht anders lernen! Sollen deutsche und ausländische Betroffene erst Selbstjustiz ausüben, also echt!?
Ich bin bei Demokratie leben aktiv! Unser inzwischen pensionierter Bürgermeister erwähnte als Gast bei uns im Beirat, inzwischen Bündnis, dass es teilweise Ärger abends in der Stadt auf der Straße mit lauten RotationseuropäerInnen und wohl judenfeindlichen Äußerungen bei manchen Geflüchteten gibt, worauf der leitende Sozialpädagoge und vor allem eine grüne Dame sehr, sehr in die Luft hüpften und praktisch beim Bürgermeister und einem eher konservativen Mitglied von uns mehr oder weniger direkt Diskriminierung oder gar so etwas wie Rassismus erblickten!
Widerlegt wurde natürlich nichts, im Gegenteil sollte es wieder gegen Rechts und die AFD gehen! Wie gesagt, die Rechten sind ein gewalttätiges Problem in vielen Teilen Europas, desintegrierte MigrantInnen aber leider auch!!

Eisblume
29 Tage zuvor
Antwortet  Mario

Es ist leider ganz oft so, dass “Pädagogen” sich wegducken und sagen; “Klärt das unter euch!”. Dann klären die Kinder und Jugendlichen das unter sich, aber eben mit Gewalt (Faustrecht) und dann ist es auch wieder nicht gut und sie bekommen zu hören: “Warum habt ihr euch nicht an einen Pädagogen gewendet?!” Ein Teufelskreis.

Mario
26 Tage zuvor
Antwortet  Eisblume

Gestern habe ich mit einer erfahrenen Lehrerin an einer Förderschule gesprochen! Sie erzählte, dass SchülerInnen ab und an so aufsticken, dass sie ihre MitschülerIn gegen die Wand hämmer, die Treppe runterschubsen usw. Dies ist ein zu 0 Prozent akzeptables Verhalten und die Zuständigen sollten sich neue Wege der Beschulung für diese SchülerInnen überlegen!
Früher scheint es zumindest nicht diese Anzahl von Kindern mit extremen Hilfebedarf gegeben zu haben oder die Hilfe war einfach nicht da!

Eisblume
1 Monat zuvor

Na, zu diesem Thema passt wohl auch folgende Meldung bei “Jurafakten.de”:

// Der Pädagoge hatte zuvor mit den Kindern gespielt. Als er ihnen allerdings mehrfach mitteilte, dass die Spielzeit vorbei sei, griffen die Erstklässler ihn „aus Spaß“ an und begannen, ihn zu schlagen und zu bespucken. Nachdem der Mann einem der Jungen schließlich eine Ohrfeige verpasst hatte, beendeten die restlichen Kinder ihren Angriff. Das Oberlandesgericht Düsseldorf sah die Ohrfeige durch die Notwehrsituation gemäß § 32 StGB gerechtfertigt, da dem 48-Jährigen kein anderes milderes Mittel zur Verfügung gestanden habe, um die Situation zu beenden. Der Mann wurde nicht strafrechtlich belangt (OLG Düsseldorf, Beschl. v. 02.06.2016 – III – 1 Ws 63/16). //”

Mich erstaunt allerdings, dass ein Lehrer von Erstklässlern geschlagen und bespuckt wurde. Was sind das für Erstklässler? Was ist das für ein Lehrer (48 Jahre alt)?

Eisblume
29 Tage zuvor
Antwortet  Eisblume

Das Urteil ist von 2016 übrigens, also auch schon wieder 10 Jahre her.

Palim
29 Tage zuvor

“Der Verband fordert verbindliche Schutzkonzepte, die Prävention, Intervention und Nachsorge umfassen. Dazu gehörten eine klare rechtliche Rückendeckung für Lehrkräfte, ein konsequentes Eingreifen der Schulaufsicht sowie der Ausbau schulischer Unterstützungssysteme.”

Nachsorge für Lehrkräfte,
dazu Ansprechpartner:innen bei der Landesschulbehörde (neben der SL), die die rechtliche Position der Lehrkräfte vertreten,
sowie die Möglichkeit zur Supervision oder zum Coaching.

Den “Ausbau schulischer Unterstützungssysteme” fände ich auch gut, WENN das gleichbedeutend damit ist, dass mehr Personal in die Schulen kommt.

Es reicht nicht, den Schulen (=Kolleg:innen) aufzutragen, ein Konzept zu verfassen.