Start Praxis Mehr Geld für Schulleitungen – doch Lehrerverbände sehen neue Ungerechtigkeiten

Mehr Geld für Schulleitungen – doch Lehrerverbände sehen neue Ungerechtigkeiten

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DÜSSELDORF. Vier Jahre nach der Einführung von A13 für alle Lehrämter legt die nordrhein-westfälische Landesregierung nach: Schulleitungen größerer Grund- und Hauptschulen, ihre Stellvertretungen sowie Fachleitungen in der Lehrkräfteausbildung sollen künftig besser bezahlt werden. Das Kabinett hat die Eckpunkte für den Haushalt 2027 beschlossen und spricht von einem zweiten Besoldungspaket für die Schulen. Lehrerverbände begrüßen zwar, dass offensichtliche Schieflagen korrigiert werden sollen. Gleichzeitig warnen sie jedoch davor, das Paket als Lösung zu verstehen. Denn aus ihrer Sicht entstehen an anderer Stelle neue Ungerechtigkeiten – und viele Beschäftigte gehen erneut leer aus.

m Geldregen? (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Die angekündigten Änderungen sind eine direkte Folge der A13-Reform, die die schwarz-grüne Landesregierung kurz nach ihrem Amtsantritt auf den Weg gebracht hatte. Mit ihr wurde die Bezahlung der Lehrkräfte an Grundschulen und in der Sekundarstufe I schrittweise auf das Besoldungsniveau der Gymnasiallehrkräfte angehoben. Zum kommenden Schuljahr 2026/27 ist dieser Prozess abgeschlossen.

Damit verschwand zwar eine seit Jahren kritisierte Ungleichbehandlung zwischen den Lehrämtern. Gleichzeitig schrumpften jedoch die Gehaltsabstände zwischen Lehrkräften ohne besondere Funktionen und denjenigen, die als Schulleitungen, Stellvertretungen oder Fachleitungen zusätzliche Verantwortung übernehmen. Genau diese Entwicklung soll das neue Besoldungspaket nun teilweise korrigieren.

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Nach den Plänen der Landesregierung sollen Rektorinnen und Rektoren von Grund- und Hauptschulen mit mehr als 360 Schülerinnen und Schülern künftig eine Amtszulage erhalten. Das bedeutet nach Angaben des Schulministeriums ein monatliches Plus von mehr als 250 Euro. Gleichzeitig soll die Besoldung der Konrektorinnen und Konrektoren dieser Schulen von A13 mit Zulage auf A14 steigen.

Darüber hinaus will das Land die Leitungsstrukturen an zahlreichen Schulen ausbauen. An Grund-, Haupt- und Realschulen soll bereits ab einer Schülerzahl von 480 statt bislang 540 Kindern und Jugendlichen eine zweite Konrektorenstelle eingerichtet werden. Auch Förderschulen sollen profitieren: Dort sind erstmals zusätzliche Stellvertretungen vorgesehen. Selbst kleine Förderschulen mit bis zu 60 Schülerinnen und Schülern sollen künftig grundsätzlich eine Konrektorenstelle erhalten. Damit hätte nach den Plänen der Landesregierung erstmals jede Förderschule eine stellvertretende Schulleitung.

Verbessert werden soll außerdem die Bezahlung der Fachleitungen, die angehende Lehrkräfte in den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung begleiten. Ihre Stellenzulage soll auf 350 Euro monatlich steigen und sich damit mehr als verdoppeln.

Für das Paket sind nach Angaben des Finanzministeriums im Haushaltsentwurf 2027 zunächst rund vier Millionen Euro vorgesehen. Ab 2028 sollen die jährlichen Kosten bei rund zehn Millionen Euro liegen. Insgesamt will die Landesregierung die Ausgaben für den Bildungsbereich auf 44,4 Milliarden Euro erhöhen – rund 800 Millionen Euro mehr als im laufenden Haushalt. Seit 2022 seien die Bildungsausgaben um 8,6 Milliarden Euro beziehungsweise gut 24 Prozent gestiegen.

„Die wichtigste Investition in die Zukunft unseres Landes ist die Investition in unsere Kinder und jungen Menschen“

Schulministerin Dorothee Feller (CDU) bezeichnet das Paket als weiteren Schritt zur Gewinnung von Personal für die Schulen. „Die Landesregierung arbeitet weiter konsequent daran, zusätzliches Personal für die nordrhein-westfälischen Schulen zu gewinnen“, erklärte sie. Wertschätzung für Schulleitungen und Lehrkräfte zeige sich auch in ihrer Bezahlung.

Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) verweist auf die bildungspolitische Priorität des Haushalts. „Die wichtigste Investition in die Zukunft unseres Landes ist die Investition in unsere Kinder und jungen Menschen“, sagte er. Trotz angespannter Haushaltslage setze die Landesregierung deshalb zusätzliche Mittel gezielt im Bildungsbereich ein.

Tatsächlich kommt die Initiative zu einem Zeitpunkt, an dem Nordrhein-Westfalen erhebliche Probleme hat, Führungspositionen an Schulen zu besetzen. Anfang des Jahres waren nach Angaben der Landesregierung rund 1.200 Schulleitungsstellen unbesetzt. Gerade Grund- und Hauptschulen gelten seit Jahren als besonders schwer zu besetzen. Schulleitungen verweisen regelmäßig auf die hohe Arbeitsbelastung, wachsende Verwaltungsaufgaben und die vergleichsweise geringe finanzielle Attraktivität der Leitungsämter.

Hier setzt das Besoldungspaket an. Ob die vorgesehenen Verbesserungen ausreichen, um Leitungsfunktionen attraktiver zu machen, bezweifeln jedoch die Lehrerverbände.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) spricht von einem „Schritt in die richtige Richtung“. Vorsitzender Stefan Behlau erinnert daran, dass der Verband seit Einführung der A13-Besoldung eine Weiterentwicklung der Funktionsstellen gefordert habe. Die nun angekündigten Verbesserungen stärkten Schulleitungen, Stellvertretungen und Fachleitungen und erhöhten die Attraktivität dieser Aufgaben.

Der Verband weist jedoch zugleich auf eine erhebliche Einschränkung hin. Von der höheren Besoldung der Schulleitungen profitierten letztlich nur rund 15 Prozent der Grund- und Hauptschulen, weil die Regelung erst ab einer Größe von mindestens 360 Schülerinnen und Schülern greife. Gerade kleinere Schulen gingen weiterhin leer aus. Deshalb bestehe bei weiteren Beförderungsämtern und Entwicklungsmöglichkeiten nach wie vor erheblicher Handlungsbedarf.

„Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt und Engagement nicht mehr gewürdigt wird, droht Stillstand“

Noch deutlicher fällt die Kritik des Verbands lehrer nrw aus. Vorsitzender Sven Christoffer spricht von einem Besoldungspaket, das „neue Ungerechtigkeiten“ verursache. Zwar begrüßt auch sein Verband die frühere Einrichtung einer zweiten Konrektorenstelle sowie die Besoldungserhöhung für Schulleitungen an Grund- und Hauptschulen.

Unverständlich sei jedoch, dass vergleichbare Funktionsstellen an anderen Schulformen der Sekundarstufe I von den Verbesserungen ausgeschlossen blieben. „Das wirkt willkürlich“, kritisiert Christoffer.

Als besonders problematisch bezeichnet der Verband die Situation bei den ersten Beförderungsämtern. Durch die vollständige Einführung von A13 erhielten Lehrkräfte im Einstiegsamt künftig dieselbe Besoldung wie Kolleginnen und Kollegen im ersten Beförderungsamt. „Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt und Engagement nicht mehr gewürdigt wird, droht Stillstand“, warnt Christoffer.

Auch die Erhöhung der Fachleiterzulage bewertet lehrer nrw nur als Teilerfolg. Zwar sei die Verdoppelung grundsätzlich zu begrüßen. Dennoch bleibe eine erhebliche Besoldungslücke gegenüber Fachleitungen der gymnasialen Oberstufe bestehen, obwohl diese nach Auffassung des Verbandes vergleichbare Aufgaben erfüllten.

Ähnlich argumentiert die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Landesvorsitzende Ayla Çelik begrüßt ausdrücklich, dass die Landesregierung die besondere Verantwortung von Schulleitungen und Lehrkräften mit Funktionsstellen anerkenne. Viele der angekündigten Maßnahmen korrigierten Fehlentwicklungen, die erst durch die notwendige Einführung von A13 entstanden seien.

Nach Auffassung der GEW reicht das Paket jedoch nicht aus. „Was uns jedoch fehlt, sind endlich echte besoldungsrechtliche Entwicklungsperspektiven“, erklärt Çelik. Wertschätzung erschöpfe sich zudem nicht in höheren Gehältern. Ebenso wichtig seien eine verlässliche Personalausstattung, weniger Bürokratie und ausreichende Entlastung. Gerade Schulleitungen erlebten seit Jahren, dass ihre Aufgaben ständig zunähmen, ohne dass die notwendigen Ressourcen entsprechend mitwüchsen.

Positiv bewertet die Gewerkschaft die zusätzlichen Konrektorenstellen sowie die geplante Stellvertretung an allen Förderschulen. Auch die höhere Zulage für Fachleitungen sei sinnvoll. Langfristig fordert die GEW jedoch eine Gleichbezahlung aller Fachleitungen unabhängig von der jeweiligen Schulform sowie eine umfassendere Modernisierung des gesamten Besoldungssystems. Unberücksichtigt blieben weiterhin zahlreiche Beschäftigtengruppen, darunter Werkstatt- und Fachlehrkräfte sowie viele weitere Funktionsstellen. News4teachers 

A13-Reform: Verdienen Schulleitungen bald nicht mehr als einfache Lehrkräfte?

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15 Kommentare
Fräulein Rottenmeier
1 Tag zuvor

Glückwunsch, davon profitieren in unserer Stadt ganze 4 von 42 SLs…..und es sind nicht zwingend Schulen in herausfordernder Lage….

Schotti
1 Tag zuvor

Die ersten Beförderungsämter werden in diesem Entwurf nicht einmal erwähnt. Auch von Laufbahngruppenwechsel ist keine Rede. Der gesamte Entwurf ist rechtlich betrachtet absolut nicht nachvollziehbar.

Lera
23 Stunden zuvor

SL muss – egal wo – mindestens A15 sein (und braucht dazu deutlich weniger Deputat). Dann können Funktionsstellen A14 bekommen. Zack, fertig.

Oooder man eiert mit ein paar Zulagen für große Schulen rum. Löst das Problem zwar überwiegend gar nicht, aber man kann immerhin behaupten, etwas getan zu haben.

Fräulein Rottenmeier
21 Stunden zuvor
Antwortet  Lera

Und das Beste ist ja, dass kolportiert wird, dass dies eine Maßnahme sei, um die aktuell 1200 SL Stellen dadurch besser besetzen zu können….ja, ist klar…..dazu müsste es mehr Schulen geben, die mehr als 360 Schüler haben….wie gesagt, bei uns sind 4 von 42 Schulen…..in anderen Städten oder Kreisen wird es maximal ähnlich aussehen….ländliche Schulen gucken sowieso in die Röhre….

dickebank
21 Stunden zuvor

Ist doch ein super Anreiz für interkommunale Schulverbünde, um im ländlichen Raum Schulen mit entsprechender Größe über Gemeindegrenzen hinweg zu schaffen. Braucht dann auch weniger Leitungsstellen.

Fräulein Rottenmeier
1 Stunde zuvor
Antwortet  dickebank

Win-win……

Walhai
20 Stunden zuvor

Und was ist mit der „Gleichstellung“ der angestelllten Lehrer mit den Beamten? Lohnt sich da das Engagement von GEW und VBE nicht, weil das nicht die Mehrheit ist?

vhh
20 Stunden zuvor
Antwortet  Walhai

Danke für den Einwand, aber die Antwort ist leider „ja“. Ende 2027 werden diese Lehrer wiederentdeckt, bis dahin bitte unsichtbar und ruhig bleiben.

Meiomei
8 Stunden zuvor
Antwortet  Walhai

Und wieder zurück zu der alten Baustelle! Wenn man das Thema hier aufmacht, dann vielleicht so!
Können Angestellte sich auf die besagten Posten berwerben? Falls na, dann muss die Position mit einem „entsprechenden Gehalt“ vergütet werden, dass sich entsprechend von normalen Stellen abgrenzt. Dafür sollten sich die Verbände einsetzen.
Das Gehalt wird dann mit Antritt der Stelle fällig, während bei Beamten es bei Funktionsstellen manchmal Jahre dauert, bis die Anpassung erfolgt.

dickebank
3 Stunden zuvor
Antwortet  Meiomei

Bei Angestellten auch nicht. Wenn der Vorgänger – egal ob verbeamtet oder tarifbeschäftigt – in ATZ geht, ist die Stelle solange der entsprechenden besoldungs-/Entgeltgruppe zugeordnet, bis die Stelle durch den Eintritt in den ruhestand frei wird. In der Zwischenzeit muss der Nachfolger die Funktionsstelle zu den bisherigen, für ihn geltenden Konditionen übernehmen.

SuMa
20 Stunden zuvor

Ich frage mich warum ich noch SL mit A14 bleiben sollte. Nachbarschule über 360 Schüler‘innen hätte ne Konrektoren Stelle frei.
Wertschätzung gibt es in der Grundschule NRW nur in Form von vielen Worten ohne Inhalt. Danke für Nix

MaMa
20 Stunden zuvor
Antwortet  SuMa

Bei der Rechtschreibung sollte gar nichts geleitet werden.

Se Länd
2 Stunden zuvor
Antwortet  MaMa

Rechtschreibung kann man korrigieren. Charakterlich schwache Kommentare sind schwieriger.

SuMa
45 Minuten zuvor
Antwortet  MaMa

Korrekturen:

* Komma nach „Ich frage mich“ → „Ich frage mich, warum …“
* SL → ausgeschrieben „Schulleiter“ (optional; die Abkürzung ist je nach Kontext in Ordnung)
* Schüler‘innen → Schüler:innen (oder „Schülerinnen und Schüler“)
* hätte ne → stilistisch besser wäre eine
* Konrektoren Stelle → Konrektorenstelle (zusammengesetztes Substantiv)
* Danke für Nix → Danke für nix. („nix“ ist die übliche umgangssprachliche Schreibweise; „nichts“ wäre formeller.)

Zufrieden?

mama51
19 Minuten zuvor
Antwortet  MaMa

Bei der Rechtschreibung sollte gar nichts geleitet werden.

„Heiliger Sankt Korinthus…!“ 🙁