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Landtagswahlen: Lehrerverbände warnen vor politischem Zugriff auf Schulen und Lehrkräftebildung

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MAGDEBURG. Lehrpläne, Schulpflicht, Lehrkräftebildung: Was in Schulen vermittelt wird und wie gut diejenigen ausgebildet werden, die dort unterrichten, liegt in Deutschland weitgehend in der Hand der Länder. Vor den anstehenden Landtagswahlen warnt der Deutsche Philologenverband (DPhV) gemeinsam mit zehn Fachverbänden deshalb vor einer Schwächung fachlicher Standards – und ausdrücklich vor dem Einfluss verfassungsfeindlicher Parteien auf die Bildungspolitik.

Zugriff. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Der Deutsche Philologenverband und zehn Fachverbände aus unterschiedlichen Unterrichtsfächern bringen wenige Tage vor den anstehenden Landtagswahlen die Lehrkräftebildung als demokratiepolitisches Thema in die Debatte. Ihre zentrale These: Demokratiebildung setzt fachlich und fachdidaktisch gut ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer voraus. Kürzungen in der Ausbildung könnten deshalb Folgen haben, die über die Frage hinausreichen, wie Nachwuchs für die Schulen gewonnen wird.

Die Verbände wenden sich insbesondere gegen eine weitere Verkürzung des Referendariats sowie gegen Abstriche bei der fachlichen Qualifikation von Quer- und Seiteneinsteigerinnen und -einsteigern. Gleichzeitig fordern sie, die Auseinandersetzung mit dem konkreten Inhalt des Grundgesetzes bereits in der ersten Phase der Lehrkräftebildung verbindlich zu verankern.

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DPhV-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing verbindet die Qualität der Ausbildung ausdrücklich mit der Fähigkeit von Schulen, demokratische Urteilsfähigkeit zu vermitteln. „Wer Lehrkräfte unzureichend ausbildet, schadet der Demokratie. Der kritische Umgang mit Fakten, Quellen und wissenschaftlichen Verfahren fällt nicht vom Himmel. Er muss professionell vermittelt werden. Deshalb braucht Demokratiebildung fachlich und fachdidaktisch hervorragend ausgebildete Lehrkräfte und keine weitere Verkürzung des Referendariats.“

Die Argumentation betrifft keineswegs nur Politik- oder Geschichtslehrkräfte. Zwar sehen die beteiligten Verbände gesellschaftswissenschaftliche Fächer wie Politik, Geschichte, Philosophie, Religion und Ethik in besonderer Verantwortung. Dort seien insbesondere die im Beutelsbacher Konsens verankerten Prinzipien des Überwältigungsverbots und des Kontroversitätsgebots maßgeblich.

„Wer über die Zukunft der Lehrkräftebildung entscheidet, entscheidet zugleich über die Bildungschancen einer ganzen Generation – und damit über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes“

Demokratische Urteilsfähigkeit entsteht nach Auffassung der Verbände aber auch in anderen Fächern. Naturwissenschaftlicher Unterricht vermittelt beispielsweise den Umgang mit Evidenz, überprüfbaren Aussagen und wissenschaftlicher Unsicherheit. Informatik, Sprachen und Literatur, Sport sowie die künstlerischen Fächer eröffnen wiederum eigene Zugänge zu gesellschaftlichen Fragen, Perspektiven und Mehrdeutigkeit. Demokratiebildung verstehen DPhV und Fachverbände deshalb als Querschnittsaufgabe, deren Grundlage nicht ein zusätzliches Einzelthema, sondern fachlich anspruchsvoller Unterricht sein soll.

Der DPhV und die Fachverbände befürchten, dass verfassungsfeindliche Parteien im Fall einer Regierungsbeteiligung die Lehrkräftebildung weiter schwächen, Lehrpläne inhaltlich verändern und auch die Ausgestaltung der Schulbesuchspflicht zum Gegenstand politischer Veränderungen machen könnten.

Welche konkreten Parteien, Programme oder Vorhaben damit gemeint sind, benennt die vorliegende Erklärung allerdings nicht. Die Warnung bleibt insofern grundsätzlich: Die Verbände verweisen auf die institutionellen Möglichkeiten, die eine Landesregierung in der Bildungspolitik besitzt, und leiten daraus die Forderung ab, fachliche Standards in der Lehrkräftebildung gegen politische Absenkungen abzusichern.

Besonders konkret wird diese Auseinandersetzung beim Referendariat. Eine Verkürzung der zweiten Ausbildungsphase erscheint angesichts des Lehrkräftemangels zunächst als Möglichkeit, Nachwuchs schneller in die Schulen zu bringen. Aus Sicht des DPhV droht damit jedoch eine Verdichtung gerade jener Ausbildungsphase, in der angehende Lehrkräfte Unterricht unter realen Bedingungen erproben, beobachten und auswerten können.

Lin-Klitzing warnt: „Ein komprimiertes Referendariat führt zu einer massiven Verdichtung von eigenverantwortlichem Unterricht, Seminarverpflichtungen und Prüfungen. Statt Zeit für Reflexion, Hospitationen und individuelles Feedback zu haben, geraten angehende Lehrkräfte in eine Überlastungsschleife. Qualität entsteht nicht im Eilverfahren, sondern durch eine ausreichend lang und professionell begleitete Reifung der angehenden Lehrkräfte in ihrer realen Berufs- und Ernstfallsituation.“

Unterstützt wird die Erklärung neben dem DPhV von der Arbeitsgemeinschaft für Evangelische Erziehung und Bildung in Deutschland (AEED), dem Fachverband für Kunstpädagogik (BDK), dem Bundesverband der katholischen Religionslehrer und -lehrerinnen an Gymnasien (BKRG), dem Bundesverband Musikunterricht (BMU), dem Deutschen Germanistenverband (DGV), dem Fachverband Philosophie, der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), dem Verband zur Förderung des MINT-Unterrichts (MNU), dem Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands (VGD) sowie der Vereinigung der Französischlehrerinnen und -lehrer (VdF). Damit reicht das Spektrum von Geschichte und politisch-gesellschaftlicher Bildung über Religion, Philosophie und Sprachen bis zu Kunst, Musik, Chemie und weiteren MINT-Fächern.

Sie bringen den Anspruch auf eine prägnante Formel: „Wer über die Zukunft der Lehrkräftebildung entscheidet, entscheidet zugleich über die Bildungschancen einer ganzen Generation – und damit über die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.“ News4teachers

Vor den Landtagswahlen: Philologen und Hochschullehrer warnen vor politischem Zugriff auf Schulen und Wissenschaft

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