SCHWERIN. Die Wutrede einer Abiturientin bei der Zeugnisvergabe hat bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Mittlerweile rückt der Anlass der Empörung in den Fokus: Am Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow sind 18 von 51 zur Abiturprüfung zugelassenen Schülerinnen und Schülern durch das Abitur gefallen, eine außergewöhnlich hohe Quote. Das Staatliche Schulamt Schwerin hat deshalb eine umfassende Prüfung angekündigt. Die Schulaufsicht weist allerdings schon den Eindruck zurück, Unterrichtsausfälle oder Lehrkräftemangel hätten die Abiturleistungen beeinträchtigt.

Nach der ungewöhnlich hohen Durchfallquote beim Abitur am Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow schaltet sich nun das Staatliche Schulamt Schwerin ein. Wie das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern bestätigte, bestanden 18 der 51 zur Abiturprüfung zugelassenen Schülerinnen und Schüler die Prüfungen nicht. Das entspricht rund 35 Prozent. Eine weitere Person war bereits nicht zur Abiturprüfung zugelassen worden.
Die Ursachen würden derzeit „umfassend analysiert“, teilte das Schulamt mit. Die Ergebnisse sollen in den zuständigen Fachkonferenzen ausgewertet werden und zusammen mit einer schulinternen sowie einer externen Evaluation in die bereits laufende Analyse einfließen.
Damit rückt zunehmend die Schule selbst in den Mittelpunkt der Debatte. Ausgelöst worden war diese durch die viel beachtete Abschlussrede einer Abiturientin, deren Mitschnitt sich in den sozialen Netzwerken millionenfach verbreitete. Darin kritisierte sie nicht nur die hohe Zahl der nicht bestandenen Abiturprüfungen, sondern erhob auch schwere Vorwürfe gegen Teile des Lehrerkollegiums. Ihre Rede endete mit der inzwischen vielfach zitierten Beschimpfung: „An die, die unserem Jahrgang die Durchfallquote gönnen – ganz ehrlich: Fickt euch einfach nur alle!“
In einem späteren Gespräch mit dem Nordkurier erklärte die ehemalige Schülerin, sie würde diese Formulierung heute nicht mehr wählen. An ihrer inhaltlichen Kritik halte sie jedoch fest. Sie betonte, sie habe nicht die gesamte Schule diskreditieren wollen, sondern auf aus ihrer Sicht problematische Strukturen aufmerksam machen wollen.
Besonders auffällig seien nach ihrer Darstellung die Ergebnisse der Mathematikprüfungen gewesen. Zudem halte sie es für klärungsbedürftig, dass „ein Lehrer des Leistungskurses Deutsch nur bei drei Schülern an der Prüfung teilgenommen habe“. Ob daraus tatsächlich Konsequenzen für die Bewertung entstanden seien, wolle sie ausdrücklich nicht behaupten – sie halte es aber für richtig, mögliche Zusammenhänge überprüfen zu lassen. Sie und ihre Eltern haben inzwischen Einsicht in ihre Prüfungsunterlagen beantragt.
Das Schulamt äußerte sich zu diesen Vorwürfen bislang nicht im Detail. Allerdings widersprach es dem Eindruck, dass die ungewöhnlich hohe Durchfallquote auf personelle Probleme zurückzuführen sein könnte. Im Abiturjahrgang habe es in den Fächern Mathematik, Deutsch und Geschichte keine Lehrkräftewechsel gegeben. Kurz- und langfristige Krankheitsausfälle seien durch organisatorische und personelle Maßnahmen aufgefangen worden. Die Unterrichtsversorgung sei sichergestellt gewesen. Die Schule selbst hat sich bislang nicht zu den Ereignissen geäußert.
„Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen? Haben wir nicht gelernt? Oder liegt es vielleicht an anderen Dingen?“
Wie außergewöhnlich die Hagenower Ergebnisse sind, zeigt der Vergleich mit den landesweiten Zahlen. Für den aktuellen Abiturjahrgang liegen diese zwar noch nicht vor; sie sollen nach Angaben des Bildungsministeriums erst im November veröffentlicht werden. Im vergangenen Jahr scheiterten jedoch lediglich 8,3 Prozent der Prüflinge in Mecklenburg-Vorpommern am Abitur, im Jahr davor 7,4 Prozent. Auch bundesweit bewegen sich die Durchfallquoten nach Angaben der Kultusministerkonferenz regelmäßig im einstelligen Prozentbereich.
„Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen? Haben wir nicht gelernt? Oder liegt es vielleicht an anderen Dingen?“, so hatte die 18-Jährige in ihrer Rede gefragt und unter anderem von „ständigem Lehrerwechsel“ sowie „zwei Jahren kein vernünftiger Matheunterricht“ gesprochen (News4teachers berichtete). Sie kritisierte zudem, dass viele Lehrkräfte seit Jahren „die gleichen Arbeitsblätter und exakt die gleichen Unterrichtsinhalte“ verwendeten, obwohl sich Prüfungen und Erwartungshorizonte veränderten. Zugleich betonte sie ausdrücklich, sie wolle „natürlich auch nicht alles schlecht darstellen“, und dankte mehreren Lehrkräften persönlich für ihre Unterstützung. News4teachers / mit Material der dpa
„Sind wir wirklich alle zu blöd?“ Brandrede bei Abi-Feier erschüttert Gymnasium










Dann hat die rede ja ihren Zweck erfüllt. Ist doch schön, dass die aufsicht ihrer Aufgabe nachkommt, und das ganz ohne öffentlichen Druck:)
Die Daten müssen die doch schon vor der Entlassfeier gehabt haben, dafür sind die Meldepflichten für Schulen zu kurz.
Die Gründe für Probleme müssen natürlich immer schön external verortet werden. Sie hält man das eigene Selbstbewusstsein und den eigenen Stolz hoch. Kennen glaube ich, alle Lehrer, nach jeder Klassenarbeit oder Prüfung, wenn die Schüler auf einmal dem Lehrer die Schuld für ihr eigenes Versagen (und genau so darf man das ruhig auch mal nennen) geben.
Dass die Dame aber, eine Rede mit diesem Ende hält, vermutlich, weil sie selbst durchgefallen ist, spricht ihr einiges an Reife ab, und man kann sich schon fragen, ob es nicht durchaus auch Sinn ergibt, ihr kein besonderes Reifezeugnis zu erteilen.
Bei uns im Bundesland werden regelmäßig online Petitionen gestartet, dass das Matheabitur viel zu schwer gewesen wäre. Zum Teil schon vor dem Prüfungstermin.
Mathe ist ja auch ein Riesenarschloch
Wissen bis auf Mathe-Pauker eigentlich alle.
Wenn niemand das Matheabitur als zu schwer empfindet, ist es viel zu leicht. Es muss nicht jeder ein Abitur bekommen.
Ich bin kein Gymnasiallehrer, aber eigentlich müssten diese Leute bereits vorher aussortiert werden. Zumindest an meiner Schulform ist es tatsächlich z.T. so, dass mittlerweile, je nach Lehrer, die Klassenarbeiten im Vorhinein nicht mehr den Ansprüchen der Abschlussprüfungen genügen und dann diverse Leute hinterher in Abweichungsprüfungen müssen.
Wie gesagt, je nach Lehrer. Das Problematische dabei ist: Vor den Abschlussprüfungen erschwert die Politik mit ihren Regeln jede schlechte Note und forciert damit genau das. Da sind dann halt Leute in den Abschlussprüfungen, die dort so, wie sie vorbereitet sind, weil es immer so klappte, nicht hingehören.
Peinlich ist aber auch, wenn Lehrkräfte reflexhaft alle Schuld von sich weisen.
Lehrkräfte und Schulleitungen sind keine Supermenschen, die nie Fehler machen. Oft liegen die Fehler auch auf höherer Ebene.
Dass eine Durchfallquote von 30 Prozent jetzt untersucht wird, sollte selbstverständlich sein.
Wenn ein ganzer Kurs oder eine ganze Klasse eine Prüfung so vergeigt, dann hat die Lehrkraft offensichtlich keinen guten Job gemacht.
Als jemand, der Kindern was beibringen soll, sollte man sich bei dem Schnitt durchaus hinterfragen. 🙂
Bei der Häufung – um nicht zu sagen massiven Häufung – von über 30% dürften die Ursachen für 13 Nichtbesteher mit großer Wahrscheinlichkeit nicht monokausal sein. Da kann es nicht Schaden, dass die Aufsicht die Angelegenheit prüft. Und damit meine ich nicht einzelne Formulierungen der Abirede.
Den 13 Abiturient*innen empfehle ich erst einmal von der Möglichkeit, Einspruch zu erheben, Gebrauch zu machen und sich einen Rechtsbeistand mit Schwerpunkt Schulrecht zu suchen. Dem Rechtsbeistand kann die Schulaufsicht nämlich nicht die Einsicht in alle Akten einschließlich der des Zentralen Abiturausschusses und der Fachprüfungsausschüsse zu nehmen.
Schule ist Teil der Verwaltung und hat Dokumentationspflichten, die Protokolle einschließt. Würde mich nicht wundern, wenn der Verwaltungsakt des Nichtbestehens an formalen Kriterien scheitert. Dafür arbeiten zu viele schulische Gremien nicht ausreichend justiziabel aka schlampig. Und diesem Umstand würde die Aufsicht gerne abhelfen, weshalb der Rechtsbeistand nicht schaden kann.
„Würde mich nicht wundern, wenn der Verwaltungsakt des Nichtbestehens an formalen Kriterien scheitert„
Was wären die Folgen, wenn tatsächlich formale Fehler bei der Durchführung / Bewertung der Abschlussprüfungen nachgewiesen würden?
Wiederholung
Fehlerhafter, begünstigender oder fehlerhafter, nicht begünstigender Verwaltungsakt – das sind die zur Verfügung stehenden Alternativen.
Punkt 1:
Es gibt Mängel beim Zustandekommen des Verwaltungsaktes, in letzter Konsequenz haben die aber keine Auswirkung, dem Betroffenen wird trotz des fehlers der Verwaltung ein Vorteil eingeräumt. Die Verwaltung hat in diesem Fall keine Handhabe, den Bescheid zurück zu nehmen oder zu korrigieren.
Kurzum: Der „Status ante quo“ erreicht. Die Prüfung kann neu angesetzt werden und gilt somit als „erster Schuss“. D.h. wiederum auch, dass beim neuerlichen Nichtbestehen die Möglichkeit der Nachprüfung besteht.
Punkt 2:
Die Mängel beim Zustandekommen des Aktes sind weniger gravierend, so dass die Fehlerhaftigkeit keine Auswirkungen auf den Bestand hat.
Kurzum: Durchgefallen, alles beim Alten.
Nützt also den Betroffenen eher wenig, die eh nicht vorhaben zu wiederholen.
Würde dann vermutlich nur den SuS etwas nützen, die davon ausgehen auch beim zweiten Versuch zu scheitern und sich die Chance auf einen dritten Versuch erhalten wollten.
„Im Abiturjahrgang habe es in den Fächern Mathematik, Deutsch und Geschichte keine Lehrkräftewechsel gegeben.“
Es ist natürlich schön zu wissen, dass in diesen drei Fächern keine Lehrerwechsel stattgefunden haben:
Wir sollen das doch jetzt nicht etwa so verstehen, dass in den anderen Fächern – wie vielen eigentlich? – jeweils mindestens ein Lehrerwechsel…? Oder?
Hallo? Hallo, ist dort das Schulamt? Ich hätte da noch eine Frage…
„Die Unterrichtsversorgung sei sichergestellt gewesen.“
Teilweise anscheinend durch die „Digitale Landesschule“ – wenn ich das richtig verstanden habe, ist das eine Art Fernunterricht für mehrere Lerngruppen gleichzeitig, mit Videokonferenzen und Online-Lernmaterialien – so eine Art weiterentwickelter Distanzunterricht auf Basis des in der Corona-Zeit erreichten.
Lässt sich problemlos googeln
„Die Schulaufsicht weist allerdings schon den Eindruck zurück, Unterrichtsausfälle oder Lehrkräftemangel hätten die Abiturleistungen beeinträchtigt.“
Schon klar. Bevor die Untersuchung überhaupt angefangen hat, weist die Behörde jede Schuld von sich. Im Umkehrschluss heißt das, dass die Schuldigen schon feststehen. Sündenböcke, wie immer.
Andere Behörden (Polizei, Bundeswehr, …) nehmen ihre Beschäftigten in Schutz, aber so ein Vorgehen kann man von Schulbehörden ja nicht erwarten.
Gen Z: Haltet euch fern!!!
Wie schön, dass die Schulaufsicht prüft, dass das katastrophale Abschneiden mit rechten Dingen geschah und alle Verantwortlichen sich abgesichert haben – wer interessiert sich da überhaupt noch für die Betroffenen?
Prioritäten und so -___-
Dass das Ministerium behauptet, alles sei gut, ist nicht wunderlich. Jeder weiß, dass die Ministerien gerne die Zahlen schönen.
So eine hohe Durchfallquote liegt auf keinen Fall an den Schülerinnen und Schülern.
Aber sein wir mal ehrlich, so wie das Bildungsministerium (auch in MV) die Lehrkräfte behandelt, ist es absolut verständlich, wenn „nur“ das bare Minimum gemacht wird. Sollte dem so sein. Dauerhafte Überlastung des Personals und immer gerne Lehrkräftebashing, da würde ich es nicht verwunderlich finden, wenn die Leistung nachlässt. Ich würde es sogar befürworten. Die Chefetage darf ruhig die Ergebnisse erhalten, die sie selbst hervorbringt.
Wenn die Lehrkräfte korrekt gearbeitet haben und die Schulleitung ihren Pflichten nachgekommen ist, gibt es nichts zu verbergen oder zu befürchten. Wenn nicht, folgen Konsequenzen, die ohne das Licht der Öffentlichkeit vermutlich nicht folgen würden.
Freut mich für den Jahrgang.
Allerdings wird hier wenig Erkenntnis gewonnen werden. Eine Krähe … usw.