Start Leben IW: Mehr Vollzeit gegen den Lehrkräftemangel – VBE: „Milchmädchenrechnung“

IW: Mehr Vollzeit gegen den Lehrkräftemangel – VBE: „Milchmädchenrechnung“

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BERLIN. Der Personalmangel im öffentlichen Dienst könnte rechnerisch erheblich sinken, wenn Teilzeitbeschäftigte ihre Arbeitszeit aufstocken. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) – und sieht ausgerechnet in Schulen und Kitas besonders große Reserven. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält diese Rechnung für realitätsfern: Teilzeit sei für viele Lehrkräfte angesichts der Belastungen im Beruf überhaupt erst die Voraussetzung dafür, weiterarbeiten zu können. Bemerkenswert ist allerdings: Auch die IW-Studie selbst warnt davor, Teilzeitmöglichkeiten einfach einzuschränken.

Traue keiner Statistik… (Symbolfoto.) Foto: Shutterstock

Mehr arbeiten, um den Personalmangel zu lindern: Das Institut der deutschen Wirtschaft sieht darin eine bislang ungenutzte Möglichkeit für den öffentlichen Dienst. Gemeint ist ausdrücklich keine Verlängerung der regulären Arbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten. Vielmehr könnten Beschäftigte in Teilzeit ihre Wochenarbeitszeit erhöhen. Besonders relevant ist diese Überlegung für den Bildungsbereich – denn nach der Untersuchung ist Teilzeit gerade an Schulen, vor allem an Grundschulen, sowie in Kindertagesstätten stark verbreitet. Zugleich gehören diese Bereiche zu jenen, in denen besonders großer Personalmangel beklagt wird.

Ausgangspunkt der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung des IW-Ökonomen Björn Kauder ist der Personalmangel im gesamten öffentlichen Dienst. Der Deutsche Beamtenbund beziffert die Personallücke nach Angaben der Studie derzeit auf 631.000 Beschäftigte. Gleichzeitig habe die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst in den vergangenen Jahren bereits kräftig zugenommen. Der demografische Wandel und die zunehmende Komplexität der Gesetzgebung ließen erwarten, dass sich das Problem weiter verschärft.

Kauder stellt deshalb grundsätzlich die Frage, ob tatsächlich zu wenig Personal für die vorhandenen Aufgaben zur Verfügung steht – oder zu viele Aufgaben für das vorhandene Personal bestehen. Mehr Beschäftigte mit hohen Vergütungen und Verbeamtungen aus der Privatwirtschaft für den Staat zu gewinnen, hält er volkswirtschaftlich nicht für überzeugend. Als „Königsweg“ bezeichnet er vielmehr eine effizientere Gesetzgebung, durch die sich der Personalaufwand reduzieren ließe. Weil allerdings fraglich sei, ob die Politik den Verwaltungsaufwand ausreichend begrenzen werde, untersucht er zusätzlich die Arbeitszeit der bereits Beschäftigten.

Die dabei errechneten Reserven sind beträchtlich. Grundlage sind Daten zu Beschäftigten und Vollzeitäquivalenten im Jahr 2024. Würden sämtliche Beschäftigungsverhältnisse bei Ländern und Kommunen auf Vollzeit umgestellt, könnten nach der Modellrechnung bundesweit 614.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente entstehen. Einschließlich des Bundes wären es 634.000 – und damit rechnerisch sogar etwas mehr als die vom Beamtenbund bezifferte Personallücke.

Allerdings handelt es sich dabei um eine theoretische Obergrenze, wie das IW ausdrücklich einräumt. Eine vollständige Umstellung aller Beschäftigten auf Vollzeit sei in der Praxis nicht realistisch. Deshalb berechnet Kauder noch ein zweites Szenario: Würden Länder und Kommunen lediglich das Arbeitszeitniveau Sachsen-Anhalts erreichen – des Landes mit der höchsten durchschnittlichen Arbeitszeit im öffentlichen Dienst –, ergäben sich demnach noch 294.000 zusätzliche Vollzeitäquivalente.

Dabei zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. Die Studie weist für Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz bei einer theoretischen vollständigen Umstellung auf Vollzeit ein zusätzliches Arbeitsvolumen von etwa 19 bis 21 Prozent aus. Niedersachsen und Schleswig-Holstein liegen ebenfalls leicht über dem Durchschnitt aller Länder von knapp 16 Prozent. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern beträgt das rechnerische Potenzial dagegen nur rund acht Prozent. Beim Bund sind es knapp vier Prozent.

Die Unterschiede führt das IW unter anderem auf historisch und kulturell unterschiedliche Erwerbsmuster zurück. In den ostdeutschen Ländern seien die Erwerbsbeteiligung von Frauen und die Nutzung von Kinderbetreuung traditionell höher. Für die westdeutschen Länder mit besonders hohen Teilzeitanteilen verweist Kauder außerdem auf deren hohe Kaufkraft und formuliert die ökonomische These, Haushalte könnten sich bei höheren Einkommen mehr Freizeit „kaufen“. Gleichzeitig könne sich zwischen den Ländern unterscheiden, wie stark Familien bereit seien, Kinderbetreuung außerhalb des Haushalts zu nutzen.

Für die Bildungsdebatte entscheidend ist allerdings weniger die regionale Verteilung als die Frage, wo die Teilzeitbeschäftigten arbeiten. Und hier identifiziert das IW tatsächlich einen Zusammenhang mit den Bereichen des größten Personalmangels. „Teilzeit in Schulen (vor allem Grundschulen) und Kindertagesstätten“ sei besonders stark ausgeprägt, heißt es in der Untersuchung. Auch an Hochschulen sieht das Institut große Potenziale, während sie bei der Polizei auffallend gering seien. Ob die rechnerischen Reserven allerdings auch räumlich genau dort vorhanden sind, wo Personal fehlt, könne aufgrund fehlender Daten nicht sicher festgestellt werden.

„Lehrkräfte arbeiten schon heute weit über das vorgesehene Maß hinaus. Teilzeit ist für viele der einzige Weg, den Beruf überhaupt noch gesund auszuüben“

Die entscheidende Frage lautet allerdings, warum Lehrerinnen und Lehrer ihre Arbeitszeit reduzieren – und ob eine Einschränkung der Teilzeit am Ende tatsächlich mehr verfügbare Arbeitsstunden hervorbringen würde. Genau daran entzündet sich die Kritik des Verbands Bildung und Erziehung. Der VBE weist die Übertragung der IW-Rechnung auf Schulen entschieden zurück. Bundesvorsitzender Tomi Neckov spricht von einer „Milchmädchenrechnung“, weil aus seiner Sicht die formalen Beschäftigungsumfänge wenig darüber aussagen, wie viel Lehrkräfte tatsächlich arbeiten.

„In der Berechnung wird von Stundenkontingenten auf dem Papier ausgegangen, nicht von der tatsächlichen Belastung in den Schulen. Lehrkräfte arbeiten schon heute weit über das vorgesehene Maß hinaus. Teilzeit ist für viele der einzige Weg, den Beruf überhaupt noch gesund auszuüben. Zudem lässt sich oft nur so Betreuung oder Pflege mit dem Beruf vereinbaren“, erklärt Neckov.

Damit richtet sich die Kritik gegen eine zentrale Voraussetzung der Modellrechnung: dass eine Erhöhung des vertraglichen Beschäftigungsumfangs tatsächlich entsprechend zusätzliches Arbeitsvolumen mobilisieren könnte. Aus Sicht des VBE bildet die formale Teilzeitquote bei Lehrkräften die tatsächlich geleistete Arbeitszeit nicht ausreichend ab. Wer Teilzeit nutzt, arbeitet demnach nicht zwangsläufig entsprechend weniger Stunden, sondern begrenzt damit teilweise eine Arbeitsbelastung, die über die vertraglich vorgesehene Arbeitszeit hinausreicht.

Neckov warnt deshalb vor einem gegenteiligen Effekt, sollten Teilzeitmöglichkeiten eingeschränkt werden: „Wer den Beschäftigten das nehmen will, verschärft den Mangel, statt ihn zu lösen. Durch blanke Theorie Öl ins Feuer zu gießen, ohne eine Ahnung von der Praxis zu haben, wird keinen Mangel beseitigen, aber Vorurteile gegenüber dem Beruf weiter schüren.“

Tatsächlich bezeichnet auch die Studie eine flächendeckende Umstellung auf Vollzeit ausdrücklich als unrealistisch. Mehr noch: Bei den politischen Konsequenzen nähert sich das IW der Argumentation des VBE zum Teil an. Kauder schlägt zwar vor, Anreize für höhere Wochenarbeitszeiten zu setzen. Als Möglichkeiten nennt er eine stärkere Befristung von Teilzeit, aber eben auch eine verbesserte Kinderbetreuung. Zugleich hält er ausdrücklich fest, dass ein geringeres Angebot an Teilzeitmodellen die Attraktivität des öffentlichen Dienstes schwächen könnte. News4teachers 

Teilzeit-Rekord: Schon jede zweite Lehrerin arbeitet mit reduziertem Stundendeputat

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26 Kommentare
Ragnar Danneskjoeld
19 Tage zuvor

Gäbe es an meiner Schule nur noch VZ, dann würden mindestens zehn KuK fehlen. Aber die dann fehlenden KuK unterrichten ja nicht nur, die haben auch schulinterne Organisations- und Verwaltungsaufgaben (für umme, versteht sich). Wer würde die dann machen „dürfen“? Wer würde aufstocken, wenn wieder mal jemand krank/schwanger wird?

Kurzum: dieses System würde ohne TZ gar nicht mehr funktionieren.

Palim
15 Tage zuvor

Ich liebe das ja:
An unserer Grundschule arbeiten fast alle LK in Vollzeit, uns fehlen dennoch Lehrkräfte.
Für die Erteilung des Unterrichts der Pflichtstundentafel reichen zwar die verbliebenen Stunden des Lehrkräfte-Ist aus, da wir aber zu wenige Personen sind, können wir nicht in allen Klassen eine Lehrkraft in der 1.-4. Stunde einsetzen.

Also müssen andere Lösungen her, die Betreuung der Schüler:innen muss dennoch gewährleistet werden, Inklusion etc. muss ohne die Zusatzstunden, die der Schule zustehen, erfolgen, die außerunterrichtlichen Aufgaben bleiben gleich und werden im verbliebenen Kollegium auf weniger Köpfe verteilt
Das ist seit mehr als 15 Jahren in jedem Schuljahr der Fall.

Die Antwort auf diese Verhältnisse heißt: Arbeitszeiterfassung!
Wenn diese umgesetzt ist, werden wir darüber reden müssen, was unnötig ist, was weg soll oder was an andere Personen gegeben wird, die Aufgaben übernehmen und Lehrkräfte unterstützen, z.B. ein Ausbildungsberuf zur pädagogischen Assistenz für die unterrichtsnahen Aufgaben und erheblich mehr Möglichkeiten, außerunterrichtliche Aufgaben an andere zu geben: Digitalisierung, Datenschutz, Betreuung, Archivierung, Öffentlichkeitsarbeit, …

Albatros
19 Tage zuvor

Es stimmt ja auch, die sehr guten Gehälter ermöglichen Teilzeit und verführen zur Teilzeit, um sich selbst zu entlasten. Die sehr guten Gehälter, die Lehrer anlocken sollten, haben also den Lehrermangel noch weiter erhöht. Das kann ja gar nicht ernsthaft bestritten werden!

PetraOWL
18 Tage zuvor
Antwortet  Albatros

Qutsch, für Frauen mit Kinder ist Homeoffice heute attraktiver.
Bei TZ verdienst du massiv weniger und weniger Rente.

Ruhrgebiet
18 Tage zuvor
Antwortet  PetraOWL

mit „Kindern“
nichts für ungut

nachdenklich
19 Tage zuvor

„Teilzeit sei für viele Lehrkräfte angesichts der Belastungen im Beruf überhaupt erst die Voraussetzung dafür, weiterarbeiten zu können. Bemerkenswert ist allerdings: Auch die IW-Studie selbst warnt davor, Teilzeitmöglichkeiten einfach einzuschränken.“

Zu 1.) Ja, richtig. Aber gerade deshalb hätte man schon lange die Arbeitsbedingungen spürbar verbessern sollen, statt zu versuchen, die Lehrer/innen mit mehr Gehalt ruhig zu stellen.

Zu 2.) Natürlich ist die Aussage, wir hätten keinen Lehrermangel, wenn es keine Teilzeitmöglichkeiten gäbe, eher eine „statistische Aussage“. Sie zeigt keine Handlungsrichtung an, sondern verweist auf ein Problem. Nicht Teilzeitmöglichkeiten sollten jetzt eingeschränkt werden, sondern die Arbeitsbedingungen sollten endlich spürbar verbessert werden.

PetraOWL
18 Tage zuvor
Antwortet  nachdenklich

ja deshalb 35 Stunden, Homeschooling und 4 Tage Woche 🙂

mama51
18 Tage zuvor
Antwortet  PetraOWL

Gääääähn 🙁

Meiomei
19 Tage zuvor

Tatsächlich bezeichnet auch die Studie eine flächendeckende Umstellung auf Vollzeit ausdrücklich als unrealistisch.

Die Umsetzung im Bildungsbereich würde schon daran scheitern, dass Schulen und Lehrkräfte „örtlich“ gebunden sind. Auch die Aufgaben und Qualifikationen sind unterschiedlich.

Würden an meiner Schule alle Teilzeitkräfte auf Vollzeit umstellen, wären auf eimal einige Lehrkräfte zuviel da. Sie können aber nicht einfach an eine andere Schule wechseln. Das kann bei einem andreren Schultyp anders aussehen, aber ich es würde vermutlich auch zu Verschiebugen führen.

mama51
18 Tage zuvor
Antwortet  Meiomei

Hätten bei uns alle VZ, wären zwar genügend Stunden auf dem Papier vorhanden, es würden aber 2 Köpfe zur Klassenleitung fehlen, die dann durch „doppelte Klassenführung“ (wer kennt es? 🙁 …) aufgefangen werden müsste… sorry, das braucht auch kein Mensch!

dickebank
18 Tage zuvor
Antwortet  mama51

Ganz irre Idee, man könnte ja an GS auch die Zahl der Deputatsstunden generell senken. Z.B. auf 25,5 wie am GY oder an der GE. Sachen gibt’s:)

Walter Hasenbrot
18 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Oder man führt endlich die rechtlich vorgeschriebene Zeiterfassung ein. Dann haben sich feste Deputate ohnehin erledigt.

mama51
18 Tage zuvor
Antwortet  Meiomei

Nachtrag: Es ist eine GS und wir brauchen „Menschen“, nicht nur Stunden.

HarneEinrichson
18 Tage zuvor
Antwortet  Meiomei

hätten alle Lehrkräfte Vollzeit, dann gäbe es an einigen Grundschulen mehr Klassen als Lehrkräfte – wie Unterricht so funktionieren soll erklärt sich mir jetzt nicht

dickebank
18 Tage zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

Ganz einfach, Klassen zusammenlegen. Die Kleinen benötigen eh nicht soviel Platz und verbrauchen auch weniger Atemluft, das geht schon mit gutem willen.
Was nicht passt, wird eben passend gemacht:)

Walter Hasenbrot
18 Tage zuvor

Der Beruf der Lehrkraft ist für viele Frauen interessant, weil sich Familienplanung und Be ruf gut vereinbaren lassen.

Wenn das verändert wird, wird man noch weniger neue Lehrkräfte finden.

Insofern ist die Studie des IW Unsinn.

PetraOWL
18 Tage zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

sind nicht in vielen Schulen 90% Frauen?

dickebank
18 Tage zuvor
Antwortet  PetraOWL

Nee, die Lehrerinnen sind zu 100% Frauen.

Die Frauenquote wird übrigens noch höher, wenn man die Mensabeschäftigten, die Reinungskräfte und – soweit überhaupt vorhanden – die Sekretariatskräfte mit einrechnet.

Walter Hasenbrot
18 Tage zuvor
Antwortet  PetraOWL

Habe ich etwas anderes geschrieben?

GriasDi
18 Tage zuvor

Erst mal Arbeitszeit erfassen, dann nochmal nachrechnen. Viele Lehrkräfte mit Teilzeitgehalt arbeiten Vollzeit.

Mr. Farmer
18 Tage zuvor
Antwortet  GriasDi

Dem stimme ich voll zu.

Stephanie Horing
18 Tage zuvor
Antwortet  GriasDi

Du sprichst mir aus der Seele!!! Mit Lehrzeit.app ist eine spezifische Erfassung der Arbeitszeit von Lehrkräften jetzt auch endlich möglich!!!!!

kanndochnichtwahrsein
18 Tage zuvor

Vollzeit heißt seit Jahrzehnten, verstärkt nach meinem Empfinden nochmal deutlich seit Corona und Digitalisierung, weit mehr als Vollzeit.
Das beinhaltet nicht nur, die volle Zeit und mehr zu arbeiten, sondern wirklich fast 24/7 den Job im Kopf zu haben; das schon allein deshalb, weil man „fertig“ vom Unterricht kommt, mit dem Gedanken „dies und das und dann noch…“ mit schlechtem Gewissen ob der eigentlich sofort fälligen Arbeit erstmal wieder zu sich zu kommen versucht, um dann weiterzuarbeiten und am Tagesende wieder nicht fertig zu sein und dies mit in die Nacht nimmt.

Ich höre schon diejenigen, die dem Einzelnen da gleich wieder ein persönliches „Abgrenzungsproblem“ unterstellen wollen.
NEIN, das ist nicht mein persönliches Problem, das Problem ist vom System verursacht. Wir können gar nicht schaffen, was man uns zu schaffen überantwortet. Also immer das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
Einziger Ausweg für viele: einen Tag weniger, kürzere Tage, mehr „freie“ Stunden zwischendurch, Ansprüche zurückschrauben – um irgendwie zu überleben.
Auch das führt nicht dazu, dass es grundsätzlich besser wird.
Und dann kommt der Vorwurf, Teilzeit sei Luxus???

Ich hab es bisher erfolgreich vor mir hergeschoben, aber mit jedem Jahr steigt die Belastung, mit jedem Jahr kommt mehr „Privates“ noch kürzer, mit jedem Jahr reduziert mal alles, um Schule zu schaffen/zu überleben.
Und dann kommen die und sagen, wir schränken Teilzeit ein.

Wäre Teilziet für den Einzelnen die einzige Möglichkeit, die letzten Jahre im Beruf zu überleben, und sie wird nicht genehmigt – dann gehen die Leute in die Krankheit, kündigen.. vor allem werden sie niemals jungen Leuten empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen.

Letzteres wäre aus meiner Sicht der größte Schaden, den ein Jonglieren mit Zahlen ohne Berücksichtigung der Menschen im System verursachen wird.

GriasDi
18 Tage zuvor

Da die Frauenquote gerade in den genannten Berufen (Schulen, Kitas) sehr hoch ist, ist der Teilzeitanteil nicht ungewöhnlich. Auch in anderen Bereichen außerhalb des öffentlichen Dienstes ist der Teilzeianteil bei Frauen hoch ca 50%, bei Frauen mit Kindern ca 68%. Immer wird über Kindermangel geklagt und wenn dann jemand Kinder hat ist es auch nicht recht. Vielleicht sollte man in Deutschland auch akzeptieren, dass sich manche Eltern auch selbst um ihre Kinder kümmern wollen.

laromir
18 Tage zuvor

Im übrigen ist in sozialen Berufen auch die Burnout Quote sehr hoch. das kommt wohl nicht von ungefähr. Und meistens sind es Frauen, die für Kinder oder Pflege für zuständig gehalten werden. und meistens sind es Frauen, die in sozialen Bereichen arbeiten. könnte man da u.U mal vor solchen Aussagen drüber nachdenken? Außerdem sollte es jedem selbst überlassen sein, wie viel er oder sie arbeiten will. man verzichtet schließlich auch auf Gehalt und arbeitet am Ende trotzdem mehr, als auf dem Papier steht. erstmal die Arbeitszeit erfassen und dann kann man solche Parolen herauströten. Aber das will ja keiner, könnte ja rauskommen, dass Teilzeit gar keine wirkliche Teilzeit ist, siehe z.B. Klassenfahrt, Projekttage usw.

Stephanie Horing
18 Tage zuvor

Die einzige Kollegin, die bei mir an der Schule Vollzeit arbeitet, ist die ohne Partner und ohne Kinder. Und selbst sie beantragt seit Jahren wieder und wieder, reduzieren zu dürfen, was immer wieder abgelehnt wird. BurnOut mit Ansage…