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Englisch in der Grundschule abschaffen? Hitzige Diskussion um Eisenmanns Vorstoß – Philologen: Erst ab Klasse drei

STUTTGART. Ist der Englisch-Unterricht in der Grundschule sinnlos? Oder sogar schädlich, weil er vom Lernen der Grundlagen Lesen, Schreiben und Rechnen abhält? Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann hat eine hitzige Debatte losgetreten. Dabei wird deutlich: Der spielerische Umgang mit der Fremdsprache in den ersten beiden Schuljahren findet nur wenige Fürsprecher.

Ist Englisch in der Grundschule vielleicht sogar schädlich? Illustration: Wikimedia Commons.

Ist Englisch in der Grundschule vielleicht sogar schädlich? Illustration: Wikimedia Commons.

Verbände in Baden-Württemberg wollen Englisch nicht ganz aus der Grundschule verbannen. Sie könnten aber damit leben, wenn der Unterricht wie in vielen anderen Bundesländern erst in Klasse drei starte – sofern die bisher in den ersten beiden Jahren verwendeten Stunden nicht entfielen, hieß es beim Landeselternbeirat, beim Philologenverband und beim Lehrerverband VBE.

Die Landesregierung stellt die seit 2003 bestehende Regelung des frühen Fremdsprachenunterrichts derzeit in Frage. «Wir prüfen tatsächlich, inwiefern Englisch und entlang der Rheinschiene Französisch für alle Grundschüler sinnvoll sind», sagte die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) dem «Mannheimer Morgen».

VBE: Keine Stunden streichen

Grundschulen sollen aus Sicht des Lehrerverbandes VBE den unbefangenen Umgang von jungen Schülern mit Fremdsprachen nutzen. «Das Sprachenlernen macht ihnen in diesem Alter mehr Spaß als den Fünftklässlern», sagte der VBE-Sprecher Michael Gomolzig am Mittwoch in Stuttgart. Er könne sich höchstens vorstellen, dass mit der Fremdsprache nicht mehr in der ersten, sondern erst in der dritten Klasse begonnen wird – aber nur, wenn insgesamt keine Stunden gestrichen würden.

Auch der Landeselternbeirat äußerte sich skeptisch zu einem kompletten Verzicht auf Fremdsprachen in der Grundschule, weil zu befürchten sei, dass die Stunden dann endgültig wegfielen. «Denn Baden-Württemberg ist eines der Länder, das am wenigsten für Grundschulen ausgibt», sagte Landeschef Carsten Rees. Es gehe in der Frage nicht um «ganz oder gar nicht». Er könne sich mit dem Start in der dritten Klasse abfinden. Anders als in der bisherigen Praxis, in diesem Fach allein auf das Sprachbad zu setzen, müssten dann aber wenigstens Vokabeln gelernt werden. «Beim Sprachenlernen ist auch Mühe dabei.»

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SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei forderte Evaluationsergebnisse vor möglichen «Streichmaßnahmen» beim Englischunterricht in der Grundschule. Zudem solle Eisenmann auf Lehrerstellenstreichung verzichten. «Dann wären die Ressourcen für Förderstunden in Deutsch und Mathe an den Grundschulen vorhanden.»

Hingegen stellte sich FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke in der «Rhein-Neckar-Zeitung» auf die Seite der Ministerin: «Als Ehemann einer Englischlehrerin und Vater von drei Kindern komme ich zu dem Ergebnis: Der Englischunterricht in der Grundschule ist nicht sehr ergiebig. Deshalb ist es sinnvoll, die Ressourcen auf andere Fächer zu konzentrieren.» Die internationale Konkurrenzfähigkeit baden-württembergischer Schüler entscheide sich nicht im Englischunterricht der Grundschule. «Es ist notwendig, dass die Kinder im Alter von zehn Jahren plus X ordentlich Englisch lernen.»

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Bislang werden im Englischunterricht in Grundschulen keine Noten vergeben, keine Klassenarbeiten geschrieben und keine Vokabeln gepaukt. Das Ministerium versicherte, dass die Stunden im Fall einer Änderung der bisherigen Praxis den Grundschulen erhalten blieben.

Philologen: Englisch erst ab Klasse drei

Aus Sicht des Philologenverbandes wäre es besser, den Sprachunterricht in der dritten Klasse zu beginnen, dann aber fundierter und intensiver. Der Nutzen gehöre über zehn Jahre nach dem Start des frühen Fremdsprachenunterrichts in einer Evaluation durchleuchtet, forderte Landeschef Bernd Saur. Aus Sicht des Gymnasiums sei es misslich, dass die Kinder mit völlig unterschiedlichen Wissensständen in die fünfte Klasse kämen und der Lehrer erstmal alle auf ein Niveau bringen müsse. Er begrüße die Initiative der Ministerin, sagte Saur.

Baden-Württemberg hatte 2003 als erstes Bundesland für alle Erstklässler den Englischunterricht und nahe der Grenze zu Frankreich den Französischunterricht eingeführt. Nach Angaben des Goethe-Instituts wird Englisch ab Klasse eins in Rheinland-Pfalz seit 2005/2006 und in Nordrhein-Westfalen seit 2008/2009 unterrichtet. In den anderen Ländern gibt es regionale Initiativen für den Beginn ab Klasse eins oder Schulversuche in einzelnen Grundschulen.

Entscheidungen zu dem Thema solle es aber erst im Frühjahr nach Gesprächen mit Experten und Praktikern geben, betonte das Kultusministerium. Die ergebnisoffene Analyse werde auf Anregung und in Abstimmung mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vorgenommen.

Die Ministerin erläuterte ihre Motivation: «Nach den Ergebnissen in den Vergleichsstudien IQB und Vera 8 haben wir begonnen darüber nachzudenken, wie der Deutsch- beziehungsweise der Mathematikunterricht weiter gestärkt werden kann.» Die Studien bescheinigten den Schülern Defizite im Fach Deutsch. Dabei müsse geklärt werden, ob die Mittel für den frühen Fremdsprachenerwerb nicht für eine bessere Grundbildung in den Fächern Deutsch und Rechnen eingesetzt werden könnten. «Die Analyse ist also auch eine Abwägung von Aufwand und Ertrag», sagte Eisenmann.

Außerdem werde ihr aus den weiterführenden Schulen rückgemeldet, dass der Effekt des Fremdsprachenunterrichts in den Grundschulen – im Vergleich zu Kindern, die ihn nicht genossen haben – bereits nach wenigen Wochen aufgebraucht sei. «Der Nutzen scheint nicht sehr groß zu sein», betonte auch Philologen-Chef Saur, der am Gymnasium Englisch unterrichtet. dpa

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28 Kommentare

  1. Englisch in der Grundschule ohne Vokabeltrainung, ohne Noten und ohne Klassenarbeiten macht abgesehen von Spaß überhaupt keinen Sinn, also entweder weg damit oder fundierter, das aber nur für Schüler, deren Leistungen in Deutsch und Mathematik gut genug sind. In den ersten beiden Schuljahren dürfte das nur bei den wenigsten der Fall sein, ab Klasse 3 sieht man schon deutlicher, wohin der Hase läuft. Schon mit Deutsch und Mathematik überforderte Schüler darf man nicht mit noch einem weiteren Lernfach vollständig abhängen.

  2. Ja, Englisch ab Klasse 3 oder später und die frei werdenden Stunden für Lesen, Schreiben, Rechnen nutzen !!!

  3. Als GS-Lehrerin in BW kann ich dem nicht zustimmen. Erstens gibt es ab Klasse 3 Noten im Zeugnis und während des Schuljahres eine individuelle Leistungsrückmeldung ( wie im BP vorgesehen). Die Kinder können in der Regel am Ende der 4. Klasse einfache Sätze verstehen und sprechen und besitzen einen einfachen mündlichen und schriftlichen Grundwortschatz, der durch den neuen BP vereinheitlicht wurde. Ich habe mit Viertklässlern sogar schon einfache englische Lektüren gelesen. Das Problem ist, dass die BP der GS und der weiterführenden Schulen nicht auf einander abgestimmt sind. Den Englischunterricht zu streichen (bzw. zu ersetzen) ist meiner Meinung nach nur eine Sparmaßnahme um für die zusätzliche Förderung in D und M kein Geld in die Hand nehmen zu müssen.

    • Wieso ist das eine Sparmaßnahme? Den Finanzminister kostet es dasselbe, wenn die Klassenlehrerin Englisch oder statt dessen Mathematik oder Deutsch unterrichtet.

    • @ xxx, ich denke mal, Annemone meint, dass Englisch bleiben und zusätzlich Deutschförderung (z.B.) eingerichtet werden soll.

      Ich bin eher dagegen. Die Kinder sollen auch noch Kinder bleiben dürfen und nicht immer nur lernen, lernen, lernen müssen. Also bitte nicht noch mehr Unterricht, auch wenn er Förderung heißt, sondern Konzentration auf Wesentliches und dafür wieder mehr Zeit einräumen, z.B. durch Streichung oder Kürzung von Englisch in der Grundschule.

      • Genau das meinte ich auch. Den Englischunterricht kann man 1:1 ersetzen durch Förderstunden für Förderbedürftige und parallel dazu wegen mir Englisch für die nicht-Förderbedürftigen. Diese Form von Englisch kann dann je nach Zusammensetzung der Gruppe wegen mir auch spielerisch ohne Schreiben bis hin zu Sprachunterricht wie in Klasse 5/6 sein, so lange die Kinder Freude daran haben.

      • Förderstunden in das System zu setzen, kann auch bedeuten, dass die Differenzierung erheblich verbessert werden könnte.

        Wer aber dafür kein Geld in die Hand nehmen will, muss mit den Konsequenzen leben und sie sich selbst auf den eigenen Zettel schreiben.

    • Ich fände Englisch in der Grundschule wegen der Freude und positiven Voreinstimmung gut – obwohl alle Englischlehrer mir sagen, dass der gesamte Grundschulstoff etwa 3-4 Wochen in Klasse 5 entspricht, wenn gesichert wäre
      – dass alle Kinder in kl. 5 dann das selbe Niveau erlernt haben (von der Angebotsseite her), aber die Streuung ist gewaltig
      – dass die Kinder alles nötige in Lesen, Schreiben, Rechnen gelernt haben. Aber das ist nicht der Fall. Die Stunden in der Grundschule werden, wie es aussieht, dringend zum Erlernen der deutschen Sprache gebraucht.

      • Heißt die Grundschule vielleicht Grundschule, weil sie grundlegende bzw. basale Kompetenzen – mir ist Fähigkeiten und Fertigkeiten allerdings lieber – vermitteln soll?
        Ist Kinder-Englisch als basale Kompetenz für Grundschüler ggf. vernachlässigbar?
        Wie sehen die Programme an Grundschulen zum Erlernen der Unterrichtssprache “Deutsch als Zielsprache” aus? Gibt es ausreichend Deutsch-Förderangebote, um den 40% Ateil an Kindern mit Migrationshintergrund und den rund 10% Anteil von Kindern mit diagnostizierter LRS zu unterstützen?

        Englich ist “nice to have” … also an Grundschulen so wichtig wie Latein an weiterführenden Schulen. Hätte nämlich Latein eine grundlegende Bedeutung, wüsste jeder, dass der Spruch “Non scolae sed vitae discimus” nicht dem Seneca-Zitat entspricht.

        Kleiner Excurs (entnommen aus Wikipädia)
        Brief von Lucius Annaeus Seneca an Lucilius Iunior:

        „Latrunculis ludimus. In supervacuis subtilitas teritur: non faciunt bonos ista sed doctos. Apertior res est sapere, immo simplicior: paucis est ad mentem bonam uti litteris, sed nos ut cetera in supervacuum diffundimus, ita philosophiam ipsam. Quemadmodum omnium rerum, sic litterarum quoque intemperantia laboramus: non vitae sed scholae discimus.“

        „Kinderspiele sind es, die wir da spielen. An überflüssigen Problemen stumpft sich die Schärfe und Feinheit des Denkens ab; derlei Erörterungen helfen uns ja nicht, richtig zu leben, sondern allenfalls, gelehrt zu reden. Lebensweisheit liegt offener zu Tage als Schulweisheit; ja sagen wir’s doch gerade heraus: Es wäre besser, wir könnten unserer gelehrten Schulbildung einen gesunden Menschenverstand abgewinnen. Aber wir verschwenden ja, wie alle unsere übrigen Güter an überflüssigen Luxus, so unser höchstes Gut, die Philosophie, an überflüssige Fragen. Wie an der unmäßigen Sucht nach allem anderen, so leiden wir an einer unmäßigen Sucht auch nach Gelehrsamkeit: Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.[1]“

        – Seneca: [2]

        Mit dem zuvor zitierten Absatz endet der Brief[2] von Seneca an Lucilius,[…]

  4. Also ich glaube nicht, dass Englisch ab der 1. Klasse “sinnlos” ist. Meine Erfahrung als Englischtrainerin, Anglistik, Buchautorin mit jahrelanger Erfahrung mit Schüler*innen und Überzeugung ist: Je eher Kinder eine andere Sprache hören und erfahren (Singen, Klänge), desto besser. Wird Englisch nun in die 3. Klasse geschoben ist das sicher kein “Beinbruch” für die Schüler*innen, aber damit ist auch klar: Es bleibt weniger Zeit, um sich der Sprache zu nähern, es steht direkt und stärker die Leistung (Noten) im Fokus. Englisch ab der 1. Klasse war /ist eine super Sache, ich bin sehr froh, dass meine eigenen Kinder das erleben durften. So hat meine Tochter (jetzt Klasse 6) bereits einige Jahre Englisch gehabt. Ihre Klasse hat in der 5 am Gymnasium ein Theaterstück auf Englisch aufgeführt. Vermutlich auch dank der Tatsache, dass alle Kinder schon 4 Jahre Englisch in der Grundschule hatten. Beim Erlernen einer Fremdsprache geht es um Klang, um Erleben, um Spaß an der Sprache. Besonders kleinen Kindern (Kindergarten, Grundschule) kann über einen spielerischen Zugang der Spaß an einer Sprache entlockt werden. Kein Muss, aber in jedem Fall positiv für die Lernerfahrung. Schade, dass dieser Luxus nun der Zeit- und Lehrerknappheit zum Opfer fällt.
    Kritische Stimmen, ob Kinder früh Englisch lernen müssen, gibt es viele. Tatsache ist aber: Englisch ist wichtig und wird in Zukunft zunehmend noch WICHTIGER werden.

    • Effizienter als dieser halbgare Englischunterricht ist aus meiner Sicht die Sesamstraße. Die Kinder schauen auch so schon viel zu viel fern, dann kann es wenigstens die tägliche Sesamstraße im Original sein.

      Bei Ihrer eigenen Tochter hatten Sie wahrscheinlich das Glück, dass in Klasse 5 _nicht_ wie so oft wieder von Null angefangen werden musste, weil alle Kinder einen ähnlich hohen Grundstock hatten.

      • Wie gesagt, die Geister scheiden sich daran, ob Englisch in den unteren Klassen etwas “bringt”. Wir hatten das Glück – es wurde nicht wieder von Null angefangen. HELFEN würde in jedem Fall eine klare Linie – das heißt entsprechend ausgebildete Grundschullehrer und dass ALLE Grundschulen dasSelbe unterrichten, so dass in der 5. Klasse an einem klaren Punkt weiter gemacht wird.

      • @XXX: Es wird “bei Null” angefangen, weil Englisch in der Grundschule nur gesprochen und nicht geschrieben werden soll. Es gibt auch keine Vokabeltests und Test beinhalten v.a. Hörverstehen oder einsetzen vorgeschriebener oder verschlüsselter Wörter, die aber irgendwo auf dem Test stehen müssen. So sind unsere Vorgaben. Es geht in der Grundschule darum, sich ohne Scheu und Hemmung einer anderen Sprache zu nähern, diese zu verstehen und zu sprechen. Da englische Wörter meistens nicht so geschrieben werden wie man sie spricht, ist es sinnvoll, mit allen bei Null anzufangen.

        • Danke. Das führt für mich den Sinn des Englisch-Unterrichts in der Grundschule ad adsurdum, wenn gleichzeitig viele Schüler nach Klasse 4 Schwierigkeiten mit Deutsch und einfachstem Kopfrechnen haben. Dieses Fass möchte ich hier aber nicht erneut eröffnen.

          • Doch, dieses Fass ist das des ewiges Problem des Schüler gesteuerten , eigen initiativen und selbst gesteuerten offenen Unterrichts in den Grundschulen von NRW.

        • mississippi

          “Da englische Wörter meistens nicht so geschrieben werden wie man sie spricht,..” Das gilt auch für deutsche , französische, dänische, niederländische und andere Wörter anderer Sprachen auch. Und deshalb wird das eigenständige Schreiben mit Anlaut-Tabellen auch nur im deutschen Sprachraum angewandt und der Rest der Welt wundert sich über die chaotischen Schreibweisen der Deutschen.

          • Englisch erst dann, wenn die deutsche Schreibweise in ihren Grundkenntnissen beherrscht wird, und das wäre bei gezielter Hinführung zum sicheren Schreiben ab der dritten Klasse möglich.
            Allerdings fallen dann die meisten Schüler heraus, weil diese nach Frau Vorst von Grundschulverband erst ab der 9 Klasse die Rechtschreibung beherrschen sollen. Dieses Ziel wird aber mit deren Methoden nie mehr erreicht werden.

          • “wenn die deutsche Schreibweise in ihren Grundkenntnissen beherrscht wird, und das wäre bei gezielter Hinführung zum sicheren Schreiben ab der dritten Klasse möglich.”
            Japp, das ist IHRE Behauptung.
            Selbst die Richtlinien zur Orthographie des Landes Nds, die LdS nun nicht gerade fördern, schreiben deutlich, dass das Erlernen der Rechtschreibung nicht auf die Grundschule beschränkt ist.

            Wir einigen uns darauf, dass nur die Englisch lernen dürfen, die Schreiben können, und nur die in Mathe etwas anderes machen dürfen, die die Grundrechenarten beherrschen. Das kommt dann dem Separieren wieder gleich.

            Oder aber wir streichen auch gleich andere Themen in der Grundschule. Eigentlich müssen diese kleinen Kinder nur abarbeiten, abschreiben, nach Ansage funktionieren, anmalen, nachplapp – äh rezitieren, mitsprechen, mitsingen, mitbeten.

            Ob wir auch wieder Latein als Unterrichtssprache einsetzen sollten? Das ist immerhin lautgetreu.

          • Welch ein Stuss.Diese Methoden des Abschreibens ,Abarbeitens von BArbeitsbättern , Nachklatschen werden hier von den Anhängern der Anlaut-Tabellen praktiziert.

        • @mississippi Darum fängt man doch aber nicht “bei Null” an. Die Kinder haben eine Vorstellung davon, was eine Fremdsprache ist, wozu sie dient und etliche nutzen sie durchaus im Urlaub oder sind sehr offen mit der Sprache, gerade weil sie viel sprechen und nicht allein die Grammatik vom Buch ins Heft übertragen.

          Ob die Schulen auch sonst meinen, sie würden “bei Null” anfangen, weil sie differenzieren müssen? Es wird in Zukunft SuS in Klasse 5 geben, die sich im Zahlenraum bis 10 bewegen. Ob deshalb allen anderen Das FAch Mathematik in der Grundschule verwehrt wird und alle erst nach der Grundschule das Kopfrechnen beginnen sollen?

          Manchmal frage ich mich, wo wir in der Grundschule anfangen, wenn das Koordinatensystem in Klasse 5 den Nullpunkt hat!

          • Man lernt Englisch erst fundiert als Fremdsprache, wenn man die Sprache auch lernt zu schreiben.
            Wenn die Grundzüge der deutschen Schreibweise noch nicht beherrscht werden, bringt man die Schüler in Folge der Schreibung nach “Gehöa” mit der englischen Schreibweise noch mehr durcheinander.
            Es werden dann englische Wörter mit”lautgetreuen”eigenen, vermeintlich deutschen Graphemen geschrieben.
            Das sieht sehr lustig aus.

          • “Man lernt Englisch erst fundiert als Fremdsprache, wenn man die Sprache auch lernt zu schreiben.”
            Ach so.
            Wie das wohl Analphabeten in aller Herren Länder schaffen?
            Oder Kinder, die mehrsprachig aufwachsen, weil sie in solchen Familien, Kulturen oder mehrsprachigen Ländern leben? Ja, die haben das tägliche Sprachbad, stimmt.
            Kinder nehmen es aber ohnehin anders auf, weil sie noch gar nicht daran gewöhnt sind, über Schrift zu lernen, schließlich ist Schrift und Schreiben selbst er nocht zu erlernen und damit mit Mühe verbunden.

            Sicherlich gehört für das “fundierte” Lernen einer Fremdsprache früher oder später auch das Schreiben dazu. Genau deshalb ist aber die Didaktik des frühen Fremsprachenunterrichts eine andere: es geht ums Sprechen, um Leseverständnis und höchstens ums Abschreiben – sprich: es gibt ein Schriftbild, das zu übertragen ist. Zudem sind die Kinder jünger und man kann nicht mit dem Anspruch antreten, Kinder in der Grundschule würden in 2 oder 4 Jahren so viel Englisch lernen wie SuS am Gymnasium in 2 oder 4 Jahren.

            Natürlich müssen Curricula entsprechend angepasst werden – an WEITERführenden Schulen sollten sie auf die Curricula der GS abgestimmt sein, SOBALD SuS, die nach den Bestimmungen unterrichtet wurden auf die anderen Schulen wechseln … und nicht erst Jahre später.
            Tatsächlich muss der Unterricht dann ein anderer sein. Dass man “bei Null” anfangen müsse, ist ein Märchen, das darauf beruht, dass die Umstellung nicht entsprechend erfolgt ist. Dann ist das Gejammer der weiterführenden Schulen groß und die Änderungen sollen in den Grundschulen zurückgenommen werden.
            Siehe oben: “Aus Sicht des Gymnasiums sei es misslich, dass die Kinder mit völlig unterschiedlichen Wissensständen in die fünfte Klasse kämen und der Lehrer erstmal alle auf ein Niveau bringen müsse.” Vielleicht lernen auch Gymnasiallehrer irgendwann, dass es um Differenzierung im Unterricht geht und selbst in der Grundschule die Kinder IMMER auf unterschiedlichen Wissensständen sind. Das ist schon ohne Inklusion so, mit ihr um so mehr.

            Gerne gebe ich als Grundschullehrkraft eine Menge anderer Inhalte an die weiterführenden Schulen zurück, von denen ich der Meinung bin, dass Kinder sie aus entwicklungspsychologischer Sicht noch gar nicht begreifen können, z.B. perpektivisches Kartenzeichnen in Klasse 2.
            Dank G8 haben wir so manches bekommen, was sonst in Klasse 5+6 Inhalt war. G8 geht, die Änderungen in der Grundschule bleiben aber.

            Englisch gehört nicht dazu und man sollte zudem darüber nachdenken, ob es hier ALLEIN um den Lehrermangel geht, wodurch nun zu diesen Maßnahmen gegriffen wird.

          • Palim

            Were Ohren hat der höre !
            Bei mehrsprachigkeit erfolgt die Sprachvermittlung über die verschieden muttersprachlichen Elternteile, indem diese mit den Kinder in der jeweiligen Sprache kommunizieren.
            Sprache lernt man nicht theoretisch, sondern in der praktischen Anwendung.
            Wortverdrehung und Umdeutung gab es schon bei den Demagogen
            im alten Griechenland.
            Und wenn man Argumentationen nicht so wahrnehmen will, wie diese vermittelt wurden, dann gibt es zwei Probleme.

          • Die Schriftsprache gelingt erst, wenn sie diese regelmäßig schreiben. Probleme beim Schriftspracherwerb einer Fremdsprache und der Muttersprache treten doch dann auf, wenn ich die Regeln und Grapheme der eigenen muttersprachlichen Schriftsprache einiger Maßen sicher beherrsche.
            Aber das soll ja erst nach der Theorie der Reformpädagogen nach dem “Spracherfahrungsansatz” um Brügelmann erst um die neunte Jahrgangsstufe erfolgen.
            Diese Äußerung wird man allerdings getan haben, um einen Erklärungsansatz für die schlechte Rechtschreibkompetenz der Schüler zu haben,die mit diesen Methoden behandelt wurden. Schließlich taugen diese Methoden des eigenständigen Schriftspracherwerbs und Leseerwerbs mit Anlaut-Tabellen nach Brügelmann und Co nicht dazu ,die Schüler zum zügigen Erwerb des Wissens um diese Kulturtechniken zu bringen.

          • @Axel von Lintig
            “Wer Ohren hat, der höre!”

            Stimmt, da gibt es tatsächlich Kinder, deren Großeltern ganz andere Sprachen sprechen.
            Die Kinder sehen sie nur sehr selten und dennoch erlernen sie die andere Sprache, auch wenn sie nicht täglich damit konfrontiert sind.

            Für die Einschätzung, wann Kinder die Regeln der Rechtschreibung einigermaßen sicher beherrschen, muss man definieren, was man erwartet. Da gibt es Ziele, die man in Klasse 3 oder 4 zumindest allgemein erwarten kann, und andere, die eben erst später begriffen und umgesetzt werden. Tatsache ist aber, dass der Rechtschreibunterricht nicht mit dem Besuch der Grundschule erledigt ist.

  5. wenn ich die Regeln und Grapheme der eigenen muttersprachlichen Schriftsprache nicht einiger Maßen sicher beherrsche.

  6. Ich frage mich mal: Warum gerade Englisch?
    Wer hinterfragt den Nutzen von Kunst, TW, Sachunterricht oder Religion?
    Am Ende von Klasse 4 können viele Kinder noch keine Personen zeichnen, wo die Arme an der Schulter ansitzen. Kann jemand in Klasse 8 besser am PC designen, weil er in der 2. Klasse Kartoffeldruck gemacht hat? Wer kann/will in der 8. Klasse noch häkeln, knüpfen oder weben? Sachkundliche Themen wie den Wasserkreislauf oder das Verbrennungsdreieck lernt man in der SEK I auch viel schneller. Wie bibelfest sind 14-jährige, weil sie Religion in 1/2 hatten? Täglich wird an den SEK-Schulen gemobbt, geärgert, geschlagen und geklaut, obwohl alle in der GS 2x pro Woche christliche Werteerziehung genossen. Viele Relistunden enden mit Bildchen ausschneiden und ausmalen, weil die Lehrer die 45 min. nicht sinnvoll mit Stoff füllen können, das sagt mir zumindest ein Blick in die Schülerhefte.
    Mit derselben Begründung wie im Forum könnten alle diese Fächer in 1/2 vom Lehrplan gestrichen werden.

    Interessant auch, dass anhand der Rechtschreibeergebnisse bei den Tests nicht gleichermaßen argumentiert wird. Obwohl die Kinder in ihrer GS-Zeit sicher ein Vielfaches an Zeit mit Schreiben und Rechtschreiben, inkl. Hausaufgaben, verbringen, können es viele es am Ende nicht gut. Sollte man den GS-Lehrern dieses heikle Thema nicht lieber abnehmen und erst in Kl. 5 beginnen?
    Frage man die Lehrer an Gymnasien nach der Rechtschreibqualität in Aufsätzen und Arbeiten von 8./9.-Klässlern, hihihi. Selbst 4 Jahre Gymmi bringt’s bei vielen nicht.
    Ich habe schon an Schulen mit dem Luxus von Förderstunden durch LRS-Lehrer gearbeitet. Bestimmte Schüler wurden immer wieder stundenweise herausgenommen und in Rechtschreibung individuell trainiert und haben obige Fächer verpasst. Vielleicht hatten sie hinterher im Diktat 32 statt 36, oder nur 17 statt 20 Fehler, vielleicht wars auch nur Zufall. Wenn ich Kindern mit 20 Fehlern eine Abschrift eines Diktats als Verbesserung machen ließ, kam diese, wenn niemand beim Schreiben mit der Keule dahinter stand, durchaus auch mit 24 Fehlern zurück.
    Viele Forumsteilnehmer erwarten hier gerade von den kleinsten Grundschülern, dass diese brav auf der Bank sitzen und einfach nur willig und mit Begeisterung noch mehr schreiben und rechnen, weil wir es ihnen sagen. Drollig. In welcher Zeit lebt ihr denn? Schade um die Englisch-Stunden, da blieb wenigstens etwas hängen.

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