Schulleiter sind deutschlandweit Mangelware – in Niedersachsen müssen fast 200 Schulen ohne Leitung zurechtkommen (und das oft schon seit Jahren)

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HANNOVER. Mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen will die Landesregierung in Niedersachsen die Attraktivität von Schulleiterstellen erhöhen. Doch bisher greifen sie nur langsam: Die Zahl offener Stellen ist stabil.

Es ist schwierig, eine Besetzung für den schulischen Chefsessel zu finden.    Foto: Tim Bartel / flickr / CC BY-SA 2.0

Niedersachsen kommt nur langsam voran bei der Besetzung vakanter Schulleiterstellen. Waren im August 2017 an den rund 3000 allgemein- oder berufsbildenden Schulen 197 derartige Führungspositionen unbesetzt, so sind es aktuell 194. Die Masse entfällt auf Grundschulen – nur sieben auf Berufsschulen, teilte das Kultusministerium in Hannover mit. Bis zur Wiederbesetzung werden sie kommissarisch geleitet.

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Darunter sind aber auch Schulen, die in den kommenden Jahren geschlossen werden sollen. Hier werden die Stellen nicht mehr ausgeschrieben. «Es ist bekannt, dass es niedersachsenweit insbesondere an kleinen Schulen in ländlichen Regionen schwieriger ist, Schulleitungsstellen zu besetzen», erklärte das Ministerium.

Die Grundschule Amelgatzen im Landkreis Hameln-Pyrmont etwa hat sieben Jahre gebraucht, um einen neuen Leiter zu finden. «Das war ein Einzel- und Glücksfall, der aber an der Grundproblematik nichts ändert», sagte Andreas Grossmann (SPD), der Bürgermeister der zuständigen Gemeinde Emmerthal. «Der jetzige Leiter war vorher auf einer Insel und wollte weg, das war ideal.»

Grossmann führt das Problem vor allem auf die niedrige Bezahlung zurück, die der erhöhten Verantwortung und dem gestiegenen Arbeitsaufwand kaum gerecht wird. «Zudem sind ländliche Gebiete kaum noch attraktiv – gerade bei kleinen Schulen haben ländliche Räume oft das Nachsehen.»

Unzureichende Bezahlung

Nach Angaben des Schulleitungsverbands Niedersachsen ist dies kein Einzelfall. Landesweit seien die Leitungspositionen in Dutzenden Grundschulen zum Teil seit Jahren nicht besetzt, hatte der Vorsitzende Frank Stöber kritisiert. Sein Verband führte dies vor allem auf die unzureichende Bezahlung zurück. Die Leiter kleiner Grundschulen verdienten bisher kaum mehr als die anderen Lehrkräfte.

Das soll sich nach dem Willen der rot-schwarzen Landesregierung nun ändern. Um die Attraktivität der Leitungsstellen zu erhöhen, hat die neue Landesregierung zu Beginn der Legislaturperiode zwei wichtige Maßnahmen beschlossen. Schulleiter an Grundschulen, die noch nach der Tarifgruppe A 12 Z besoldet werden, erhalten ab kommendem Schuljahr ein höheres Entgelt nach der Beamten-Besoldungsstufe A13. Die Landesregierung werde um jeden Lehrer werben, hatte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) im vorigen Monat erklärt.

Weitere Erleichterungen: Die 1900 Schulleitungen von Grund- und kleineren Schulen wurden von Verwaltungstätigkeiten bei der Einstellung pädagogischer Mitarbeitern entlastet. Seit dem 1. März übernimmt die Landesschulbehörde alle administrativen Aufgaben in diesem Zusammenhang. Zudem steht den Leitern ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungssystem zur Verfügung, darunter auch Fortbildungskurse.

«Diese Maßnahmen werden nach und nach positive Wirkung entfalten», meinte eine Ministeriumssprecherin. Durch die Dezernenten der Landesschulbehörde und beauftragte Schulleiter ist zudem eine gezielte Ansprache von Lehrkräften geplant, die für die Übernahme von Leitungsstellen infrage kommen. dpa

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1 KOMMENTAR

  1. “Die 1900 Schulleitungen von Grund- und kleineren Schulen wurden von Verwaltungstätigkeiten bei der Einstellung pädagogischer Mitarbeitern entlastet. Seit dem 1. März übernimmt die Landesschulbehörde alle administrativen Aufgaben in diesem Zusammenhang.”
    Ob diese Maßnahme von den Schulleitungen auch als Entlastung empfunden wird, sollte hinterfragt werden, wenn noch größerer bürokratischer Aufwand damit verbunden ist.
    Die Verantwortung für Personal und Budget bleibt zudem bei der SL.

    Hintergrund könnte auch sein, dass das Budget für die pädagogischen MitarbeiterInnen, das mit einem Faktor nach Schülerzahl der Schule berechnet wird, häufig über das Jahr nicht ausreicht und sich jemand im Ministerium wundert, warum dieser Posten von Jahr zu Jahr größer wird. Kein Wunder, wenn die pädagogischen Mitarbeiterinnen nicht nur den kurzfristigen Vertretungsunterricht übernehmen, dafür werden sie nämlich eingestellt, sondern auch dann einspringen, wenn auf vakante Stellen niemand eingestellt werden kann (qualifizierte Lehrkraft oder Quereinsteiger oder Vertretungslehrkraft mit abgeschlossenem Studium oder mit begonnenenm Lehramtsstudium), der Unterricht aber erteilt werden muss.

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