„Dadurch sorgen wir für faire Bedingungen“: Gebauer verschiebt die Prüfungen fürs Abitur und für den Mittleren Abschluss

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DÜSSELDORF. Die Corona-Krise wirbelt das Schuljahr durcheinander – nun auch die Terminplanung für die Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen. Die schwarz-gelbe Landesregierung verschiebt den Termin angesichts der besonderen Lage um drei Wochen. Auch die Prüfungen für den Mittleren Abschluss werden verschoben. Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE, meldete leise Zweifel an, ob es bei der nun verkündeten Lösung bleiben kann. „Jetzt im möglichen Rahmen Planungssicherheit zu schaffen, hilft allen. Allerdings wird die Dynamik von Corona uns stark beeinflussen“, erklärte er. Der Verband „lehrer nrw“ weist auf die besondere Situation der zu prüfenden Zehntklässler hin.

Hat die Prüfungstermine verlegt: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer .Foto: FDP NRW

Die 88.000 angehenden Abiturienten in Nordrhein-Westfalen bekommen mehr Zeit zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfungen. Die Hauptprüfungen für das Abitur sollen erst am 12. Mai beginnen und damit drei Wochen später, teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Freitag in Düsseldorf mit. Die Schüler erhielten damit jetzt Planungssicherheit, damit sie sich bestmöglich auf ihre Prüfungen vorbereiten könnten. «Die Prüfungen werden selbstverständlich unter besonderer Berücksichtigung des Infektionsschutzes stattfinden. Die Gesundheit unserer Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler hat für uns oberste Priorität.»

Abiturprüfungen laufen vom 12. Mai bis zum 25. Mai

Die Abiprüfungen an Gymnasien, Gesamtschulen, Weiterbildungskollegs und Waldorfschulen sowie an den Beruflichen Gymnasien der Berufskollegs beginnen laut dem Zeitplan am Dienstag, 12. Mai. Letzter Prüfungstermin sei Montag, der 25. Mai. Für Schülerinnen und Schüler, die den Haupttermin nicht wahrnehmen könnten, werde es im Anschluss einen zentralen Nachschreibetermin geben. Durch einen stark verkürzten Korrekturzeitraum können laut Ministerium die Abiturzeugnisse dann, wie vorgesehen, spätestens bis zum 27. Juni ausgegeben werden. Allerdings müsse auch der Brückentag nach Christi Himmelfahrt für die Prüfungen genutzt werden, hieß es weiter.

Gebauer erklärte: „Die Landesregierung hält die Verschiebung der anstehenden Prüfungen aufgrund der aktuellen Entwicklungen für geboten und angemessen. Wir geben unseren Schülerinnen und Schülern jetzt Planungssicherheit, damit sie sich bestmöglich auf ihre Prüfungen vorbereiten können. Dadurch sorgen wir für faire Bedingungen.“ Weiter betonte sie – mit Blick auf die später zurückgezogene Entscheidung Schleswig-Holsteins, die Prüfungen abzusagen: „Mir war es in den vergangenen Tagen immer wichtig, die Ländergemeinschaft zusammenzuhalten. Daher werde ich in den nächsten Tagen noch Abstimmungsgespräche zwischen den Ländern anregen, um ein möglichst gleichgerichtetes Vorgehen bei den Abiturprüfungen in Deutschland zu erreichen. Aufgrund der Festlegungen einzelner Länder, ihre Abiturtermine zu einem noch späteren Zeitpunkt zu schreiben, sind die Möglichkeiten dafür jedoch begrenzt.“

ZTP10 werden um eine Woche verlegt

Auch die Terminierung der Abschlussprüfungen an anderen Schulformen und in anderen Jahrgangsstufen wird angepasst: Der Beginn der Zentralen Prüfungen in Klasse 10 (ZP10) in den Fächern Mathematik, Englisch und Deutsch an Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen sowie an bestehenden G9-Gymnasien, Weiterbildungskollegs und in den Schulversuchen Primus- und Gemeinschaftsschule werden in diesem Schuljahr um fünf Tage verschoben. Die Prüfungen beginnen demnach ebenfalls am 12. Mai.

Die Prüfungsverfahren für 60.000 Schülerinnen und Schüler in anderen Bildungsgängen der Berufskollegs müssen ebenfalls neu terminiert und vor den Sommerferien noch umgesetzt werden. Dies betrifft vor allem Prüfungen zum Erwerb der Fachhochschulreife in verschiedenen Bildungsgängen sowie eine Vielzahl von Prüfungen für Berufsabschlüsse nach Landesrecht, zum Beispiel Erzieherinnen und Erzieher, Kinderpflegerinnen und Kinderpfleger oder elektrotechnische Assistentinnen und Assistenten mit der Profilbildung Medizintechnik.

Schutz der Gesundheit von Prüflingen und Lehrern

Für die Landesregierung sei entscheidend, dass alle schulischen Prüfungen, die in den kommenden Wochen anstehen, selbstverständlich unter strenger Berücksichtigung der Vorgaben des Infektionsschutzes stattfinden, so Gebauer. „Für die Prüfungen werden wir daher selbstverständlich besondere Vorkehrungen treffen, um die Gesundheit der Prüflinge und der betreuenden Lehrkräfte zu schützen. Wir werden hierfür Vorgaben zusammen mit dem Gesundheitsministerium, den Schulträgern und mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Medizin erarbeiten und diese verbindlich festlegen. Die Empfehlungen dieser Fachleute sind die Richtschnur für unser Handeln.“

Das müsse auch so sein, betonte VBE-Landeschef Behlau. „Die Gesundheit aller muss stets an erster Stelle stehen. Hier sind das Land und die Schulträger gefragt, die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, um Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler ausreichend zu schützen“, sagte er. „Ob die Zentrale Prüfung oder das Abitur: Faire Lösungen und Wege mit Blick auf die Gesundheit aller müssen auch bei eventuellen neuen Entwicklungen gefunden werden. Es bleibt eine große Herausforderung.“ News4teachers / mit Material der dpa

Die Position von lehrer nrw

„Die Verschiebung um fünf Tage verschafft den Schulen im Sekundarbereich I ein klein wenig Zeit – mehr aber auch nicht. Selbst wenn der Unterricht nach den Osterferien wieder regulär beginnen könnte: Es ist illusorisch zu glauben, dass der in drei Wochen landesweiter Schulschließungen ausgefallene Stoff in so kurzer Zeit nachgeholt werden kann“, sagt die lehrer nrw-Vorsitzende Brigitte Balbach. Erschwerend komme hinzu, dass zum Beispiel die Schulen im vom Corona-Virus besonders betroffenen Kreis Heinsberg bereits seit Karneval geschlossen sind.

„Klar ist: Wir brauchen eine faire Lösung für alle Schülerinnen und Schüler, die in diesem Schuljahr einen Abschluss im Sekundarbereich I machen. Hier erwarten wir konkrete und praktikable Vorschläge des Schulministeriums“, betont Sven Christoffer, stellvertretender Vorsitzender von lehrer nrw und Vorsitzender des Hauptpersonalrats Realschulen beim Schulministerium.

Denkbar sind aus Sicht von lehrer nrw verschiedene Szenarien: „Es wäre zum Beispiel möglich, dass das Schulministerium die ZP 10 Aufgaben nicht, wie üblich, zentral und für alle Schulen gleich stellt, sondern den Lehrkräften einen Aufgabenpool an die Hand gibt, aus dem sie wählen können. Das trüge der Tatsache Rechnung, dass der Lernstand unter den gegebenen Bedingungen nicht überall gleich sein kann. Eine weitere denkbare Option wäre es, in den ZP 10 nur den Unterrichtsstoff bis zum Ende des ersten Halbjahres zu prüfen. Dass die Gesundheit aller Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler bei den Prüfungen durch entsprechende Infektionsschutzmaßnahmen sichergestellt werden muss, versteht sich von selbst“, so heißt es.

Mögliche Absage der Prüfungen für Abitur und Mittleren Abschluss: Nordrhein-Westfalen will darüber bis Freitag entscheiden

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1 KOMMENTAR

  1. Wenn das Abitur unter den besonderen Bedingungen des Infektionsschutzes stattfindet, wie stellt so h die gute Frau vor, soll der Unterricht mit 30 Grundschülern in viel zu kleinen Räumen bereits drei Wochen vorher ablaufen? Mit *Niesetikette*???

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