Söder stellt sich gegen zeitnahe Schulöffnungen wie in Nordrhein-Westfalen

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MÜNCHEN. Kurz vor der Konferenz von Bund und Ländern zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise zeichnet sich eine erste Konfliktlinie ab: NRW will die Schulen schnell wieder öffnen (News4teachers berichtete), Bayern lehnt dies klar ab.

«Ich bin sehr zurückhaltend bei Schulen»: Bayerns Regierungschef Markus Söder. Foto: Michael Lucan, Wikimedia Commons, Lizenz: CC-BY-SA 3.0 de

Anders als Nordrhein-Westfalen lehnt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder eine zeitnahe Öffnung der Schulen nach den Osterferien wegen der andauernden Corona-Pandemie ab. «Ich bin sehr zurückhaltend bei Schulen», sagte der CSU-Chef am Dienstagabend im «heute-journal» des ZDF. Skeptisch sehe er auch, dass Grundschulen als Erstes geöffnet werden sollen. «Da habe ich eine grundlegend andere Auffassung.»

«Bei den Abschlussprüfungen, glaube ich, kann man großzügig sein, denn die Schülerinnen und Schüler brauchen ja einen Abschluss auch für den weiteren Berufsweg», sagte Söder in den ARD-«Tagesthemen». Hier ließen sich auch Schutzmaßnahmen deutlich besser organisieren. Generell sei die Politik hier gut beraten, auf die Warnungen der Pädagogen vor zu frühen Schulöffnungen zu hören. «Weniger Hektik, ein bisschen mehr Geduld und Besonnenheit könnte allen helfen.»

„Man muss über Abschlussklassen reden“

Söder distanziert sich damit von der Ankündigung aus Nordrhein-Westfalen, schon nach dem Ende der Osterferien am 19. April die Schulen schrittweise öffnen zu wollen, und von einer Empfehlung der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Grundschulen mit als Erstes wieder zu öffnen (News4teachers berichtete). Baden-Württemberg will, dass die Schulen frühestens am 27. April wieder sukzessive ihren Betrieb aufnehmen (News4teachers berichtete).

«Man muss über Abschlussklassen reden, ja auch nicht zu schnell. Grundschulen sind meiner Meinung nach erst als Letztes dran, denn die Kleinen können sich nicht so an Hygiene-Konzepte halten», betonte Söder. Zur Wiederöffnung der Schulen nach der Corona-Zwangspause brauche es ohnehin ein längerfristiges Konzept. «Die Lehrerverbände sind ja sehr zurückhaltend mit vorschnellen Schulöffnungen, weil sie sagen, es muss auch eine Schule organisiert werden». Als Beispiele nannte er Lehr- und Zeitpläne, die neu definiert, und Abstandsregeln, die organisiert werden müssten.

«Und deswegen glaube ich einfach, dass da ein Überbietungswettbewerb in der Geschwindigkeit am Ende wenig Effektivität für die Bildung bringt, aber möglicherweise einen Schaden für die Gesundheit verursachen kann», sagte Söder. Zwar könne es in den kommenden zwei, drei Wochen manche Erleichterungen geben, etwa im Handel, aber immer verbunden mit klaren Auflagen wie Hygiene-Konzepten, Abstandsgeboten, Obergrenzen für Personenzahlen pro Quadratmeter und Schutzmasken.

„Wenn wir erleichtern, muss es gleichzeitig mehr Schutz geben“

Söder forderte mit Blick auf den Einzelhandel «mindestens ein Maskengebot, ein Mundschutzgebot». Das gleiche gelte am Ende auch für den öffentlichen Nahverkehr. Auf die «Tagesthemen»-Frage, ob er für ein Gebot oder für eine Pflicht zum Tragen von Masken sei, sagte der CSU-Chef: «Darüber werden wir diskutieren. Ich bin schon sehr dafür, dass wir das strenger handhaben sollten.» Eins sei doch klar: «Wenn wir erleichtern, muss es gleichzeitig mehr Schutz geben.»

Generell sei noch nicht die Zeit gekommen, die strengen Auflagen zur Eindämmung der Krise zu lockern. «Wir müssen es natürlich fortsetzen. Wir werden das Thema Ausgangsbeschränkung, Kontaktsperren natürlich fortsetzen müssen. Da kann es auch keine grundlegende Erleichterung geben», sagte Söder. Es müsse allen klar sein, dass Erleichterung das Risiko einer erhöhten Ansteckung berge.

«Wir müssen noch wesentlich länger als zwei, drei Wochen über Distanz reden, über den Abstand», sagte Söder. So sei für ihn klar, dass Gastronomie und Hotellerie auf absehbare Zeit genauso wie große Feste einfach nicht möglich seien.

Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder wollen am Mittwoch in einer Videokonferenz über das weitere Vorgehen im Kampf gegen das Coronavirus beraten. Mit Spannung erwartet wird, ob und welche Art von Fahrplan es geben wird, um die einschneidenden Maßnahmen wie Schulschließungen und Ausgangsbeschränkungen langsam zu lockern.

Söder geht nach eigener Aussage davon aus, dass bei den Beratungen «gewisse Richtlinien» auf den Weg gebracht würden, die aber auch regionale Besonderheiten berücksichtigen könnten. Ohne gemeinsame Grundregeln für den weiteren Ablauf «wird es keine sehr starke Situation werden für das Land. Und die größte Sorge besteht einfach, dass wir einen Rückfall riskieren», sagte Söder. dpa

Bündnis gegen Gebauer-Plan: Schulen können nicht am 20. April wieder öffnen

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8 KOMMENTARE

  1. Selten hab ich von einem bayrischen Ministerpräsidenten so viel gehalten, wie jetzt.
    Vor allem wenn man bedenkt, dass wir eher den Donald Trump NRWs an der Spitze zu haben scheinen.
    Wenn es nach Laschet gegangen wäre, wären die Schulen niemals dicht gemacht worden in NRW, dass zu dieser Zeit die höchste Infektionsrate hatte. Zwei Wochen später konnte man deutlichst sehen, welchen Einfluß die Zahlen der Neuinfektionen hatte.
    Jetzt will man Schulen wieder öffnen und ein Kontaktverbot aufrechterhalten?????? Das muss man sich einfach mal auf der Zunge zergehen lassen. Ich soll den Tag über mit hunderten Schülern und etlichen Kollegen in Kontakt stehen, von allen wird erwartet, dass sie einen Abstand einhalten (geht überhaupt nicht), und dann, wenn ich nach Hause komme, soll ich am Besten zu Hause sitzen bleiben und soll niemanden mehr treffen …. vollkommen daneben diese Überlegung wirklich.
    Was auch immer wieder vergessen wird, ist das bei einer ganzen Schulklasse das System mit dem Abstand doch bereits zusammenbricht, sobald ein einziger Schüler sich nicht daran halten wird.

    Ich bin ja kein Verschwörungstheoretiker, aber für mich klingt das nach: „Schön mal die Schüler durchinfizieren, da bekommen wir eine hohe Immunitätsrate mit kaum Verlusten.“

    • Ich stimme Ihnen leider zu. Aber ebenso leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass Laschet zum Kanzlerkandidaten ernannt oder gewählt wird, erheblich höher als Söder. Laschet ist halt so ein Typ des Merkelschen Durchsitzens ohne Anecken zu wollen.

      • Naja im Grunde genommen möchte ich hier auch eigentlich keine politische Grundsatzdiskussion lostreten, weil dann würde ich sowohl Laschet, als auch Söder für ungeeignet befinden, aber mir wäre wichtig, dass die Politiker jetzt einfach mal die Politik sein lassen und das machen, wofür sie gewählt wurden, nämlich nach Sichtung aller Vor- und Nachteile klug zu entscheiden. Wer wirklich an eine Krise herantritt mit dem Gedanken, dass er sich hier jetzt beweisen und herausstechen muss, ganz ehrlich, der sollte kein Volksvertreter sein, egal welche Partei und welches Bundesland.

          • Was meinen Sie jetzt? – Die Zahl der Neuinfizierten oder die Gesamtzahl der Infizierten?

            Durch dei hohe Zahl an Infizierten im Landkreis HS hatte NRW einen höheren Ausgangssockel am 13.04., als die Schulschließung verkündet worden ist. Die Zahl der Reproduktionsrate lag da für NRW schon bei etwas über 1.

            In Bayern stieg die Zahl der Neuinfizierten ab dem 16.04. stärker an, was vermutlich auf den Starkbieranstisch im Lkr. Tirschenreuth zurück zu führen ist. So wurde der Lkr. zu einem regionalen Hotspot, da ebenfalls die Nachbarlandkreise betroffen sind.

            Insgesamt bleibt fest zu halten, dass der Süden der Bundesrepublik stärker betroffen ist. Am wenigsten betroffen ist der Nordosten. Dabei muss man aber auch sehen, dass in Köln und unmittelbarer Umgebung deutlich mehr Leute wohnen als in MecVorPom.

            Wenn die Bevölkerungsdichte zum Maßstab genommen würde, also die Zahl der Infizierten in Relation zur jeweiligen Fläche der einzelnen Bundesländer gesetzt würde, dann sähe BY erheblich schlechter aus als z.B. die Stadtsaaten.

            Aber mal ganz ehrlich, dem Infizierten – egal in welchem Bundesland er lebt, können solche Zahlen vollkommen egal sein. Der hofft für den schlimmsten Fall darauf, dass es einer der bundesweit registrierten Beatmungsplätze nicht belegt ist und es zu keinem Massenanfall an Beatmungsfällen kommt.

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