Immer mehr Klassen in Corona-Quarantäne – Koalition streitet um Luftfilter

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STUTTGART. Dass der Schulbetrieb nach dem Sommer nicht reibungslos anläuft, war abzusehen – das gilt auch für Baden-Württemberg, das als letztes Bundesland aus den Sommerferien gekommen war. Immer mehr Schüler werden wegen Corona schon kurz nach dem Schulstart wieder nach Hause in die Quarantäne geschickt. Und die Zahlen steigen rasant. Ein Problem ist auch dicke Luft in den Klassenzimmern. Darum gibt es jetzt einen Koalitionsstreit zwischen den Grünen von Ministerpräsident Wilfried Kretschmann und der CDU von Kultusministerin Susanne Eisenmann.

Nimmt Geld für den Ganztag in die Hand: Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg
Ist Spitzenkandidatin der CDU in Baden-Württemberg bei der Landtagswahl 2021: Kultusministerin Eisenmann. Foto: Kultusministerium Baden-Württemberg

„Es ist sehr erfreulich, dass nach aktuellem Stand die Schulen alle gut in das neue Schuljahr gestartet sind“, hat Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann erst vor sechs Tagen festgestellt.

Die positive Bilanz gilt allerdings nur noch bedingt: Knapp zwei Wochen nach dem Start des neuen Schuljahres sind 172 Schulklassen in Baden-Württemberg aus dem Präsenzunterricht genommen worden – Schüler und Lehrer müssen in Quarantäne. Am Tag zuvor waren es erst 149. An 128 Standorten (Vortag: 111) werden die Klassen wegen einer Infektion mit dem Coronavirus oder dem Verdacht einer Infektion vorübergehend nur im Fernunterricht unterrichtet, wie das Kultusministerium mitteilte. Drei Schulen in Ulm, Friedrichshafen und Schorndorf seien vorerst vollständig geschlossen. In Baden-Württemberg gibt es rund 67.500 Klassen an 4500 Schulen.

Grüne fordern Modellversuch für Luftfilter in Klassenräumen

Besonders dynamisch zeigt sich die Situation in der Landeshauptstadt Stuttgart: Waren es am vergangenen Montag noch sechs Schulen, so hat das Gesundheitsamt bis Mittwochabend 16 weitere Schulen registriert, in denen die Schüler aus einer oder mehreren Klassen in die häusliche Quarantäne geschickt werden mussten. „Diese Zunahme erfüllt uns mit Sorge“, erklärte ein Sprecher der Stadt gegenüber der Zeitung.

Die Landtagsgrünen fordern jetzt einen wissenschaftlich begleiteten Modellversuch für Luftfilter, um die Ansteckungsgefahr in Schulen und Kitas zu verringern. «Die Kultusministerin muss jetzt schnelle Vorarbeit leisten, bevor in den Wintermonaten noch mehr Schulklassen zu Hause bleiben müssen», sagte der technologiepolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Poreski, am Donnerstag. Man müsse herausfinden, inwieweit Luftreiniger geeignet sind, in Klassenzimmern und Kitaräumen für eine effektive Verbesserung der Luft zu sorgen. Es müsse etwa geklärt werden, ob die Geräte eine Strömung erzeugen, die Aerosole schneller zu Boden bringen und eine Ausbreitung der Viren mindern. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) müsse Vorbereitungen für technische Nachbesserungen an Schulen und Kitas treffen.

CDU will selbst einen Modellversuch mit Luftfiltern in Schulen gefordert haben

Bei der CDU-Fraktion zeigte man sich verwundert über die Forderung des Koalitionspartners. Man habe so einen Modellversuch schon vor Wochen gefordert, zuständig sei dafür das Sozialministerium, teilte ein Sprecher mit. «Das grün geführte Sozialministerium hat damals eher abwiegelnd reagiert und auf Empfehlungen des Umweltbundesamtes verwiesen, das Geräte zur Säuberung der Raumluft in Klassenzimmern eher nicht für angezeigt hält.»

Aerosole sind flüssige Partikel, die stundenlang in einem Raum schweben können und bei Einatmung tief in die Lunge vordringen. Sie gelten als ein Haupttreiber der Corona-Pandemie. Wenn sich im Herbst und Winter das private und öffentliche Leben vermehrt in geschlossene Räume verlagert, sei es von erheblicher Bedeutung, die Ausbreitung der Aerosole einzudämmen, hieß es am Donnerstag aus dem Staatsministerium. Die Raum- und Luftverhältnisse beeinflussten das Infektionsrisiko entscheidend.

Wissenschaftsministerium und Sozialministerium in Baden-Württemberg sollen deshalb nach einem Beschluss der Lenkungsgruppe einen multidisziplinären Expertenkreis einberufen, um neue Erkenntnisse über Aerosole zu gewinnen und damit das Risiko einer zweiten Corona-Welle einzudämmen. News4teachers / mit Material der dpa

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Bundesweit sitzen Tausende von Schülern und Lehrern in Quarantäne fest – mit drastischen Folgen für die betroffenen Familien

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13 KOMMENTARE

  1. MANNHEIM. Nach einem Eilantrag einer Schülerin hat der Verwaltungsgerichtshof Mannheim den angemeldeten Anspruch auf Mindestabstand, auf Maskenpflicht im Unterricht sowie auf eine Dauerlüftung im Klassenraum zurückgewiesen. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) begrüßt die Entscheidung: „Sie bestätigt uns darin, dass wir Vorsorge getroffen haben, um die Schülerinnen und Schüler sowie die Lehrkräfte angemessen zu schützen.“

    Hahaha, kann ICH da nur sagen…

  2. Die können sich ja noch ein paar Monate streiten. Dann muss man im nächsten Sommer nicht mehr handeln, wenn Ergebnisse der Studien vorliegen.

    Unglaublich! So viel Inkompetenz. Die Verantwortlichen haben den Job alle, weil sie eigentlich die Interessen der Bürger vertreten sollen. Stattdessen geht es nur um persönliche Vorteile, Karriere, Zurückweisen jeglicher Verantwortung – aber schön die Bezüge einstreichen.

    So ein Dienstherr hat meine Treue nicht verdient.

    • Ist doch toll, dass die finnischen Lehrkräfte das alles ganz ohne die Bereitstellung von Hard- und Software durch ihren Arbeitgeber hinbekommen und auch noch wie in Deutschland größtenteils privat finanzieren. Hinzu kommt die hohe Einwohnerzahl in (Gesamt-)Finnland, die der des Regierungsbezirkes Ostwestfalen-Lippe in NRW entspricht.

      • Auch die deutschen Lehrkräfte haben das hinbekommen aber nur reduziert, nicht wegen mangelnder häuslicher Ausstattung, sondern (so in meiner Klasse) weil die Schüler zuhause oft nur Handys haben. Es ist ja so leicht zu meckern, wenn man die Hintergründe nicht kennt.
        Den Hype der wegen der Laptops für Lehrer gemacht wird, kann an meiner Schule keiner verstehen-wir haben alle PC/Laptop, Scanner, Drucker, Webcam und teilweise sogar Dokumentenscanner im Heimbüro. So auch bei mir… als einer der unfortschrittlichen Oldtimer, jetzt mit 65 Jahren. Keiner hat nachgefragt, wer überhaupt einen Laptop braucht! Wirklich brauchen würden den Kultusminister Laptop nur die allerwenigsten „Fortschrittsgegner“, die weder einen PC und z.T noch nicht mal ein Handy benutzen wollen-aber ob es bei diesen Hardlinern mit geliehenem Laptop besser wird? Ich wage es zu bezweifeln. Ich finde, man sollte das unnötige Lehrer-Laptop-Geld, das unsinnig hinausgeworfen wirde, besser in Luftreiniger für die Klassenzimmer stecken!

  3. über 1000 klassen deutschlandweit in quarantäne.. entspricht mindestens einem fall pro klasse, zusammen also min. 1000 infizierte schüler, die lehrer gar nicht mitgerechnet.
    sieht so gelungener schulstart aus? die KM reden von einzelfällen und spielen das szenario herunter. mich wundert, dass angesichts ihrer vielfältigen lügen die KM noch nicht erstickt sind oder zumindest schläflose nächte durchleben… auch im hinblick auf zu erwartende klagen von seiten der eltern. heraussreden gilt dann nicht mehr, die heutigen expertisen führender wissenschaftler und auch des RKI zu aerosolen, infektionslast bei kindern und übertragbarkeit ist eindeutig. auch schuldzuweisungen wie „die lehrer habens reingeschleppt“ oder „hygienevorschriften wurden verletzt“ ziehen dann nicht mehr. als KM hätte ich keine ruhige sekunde mehr.. nur noch eine frage der zeit, bis die judikative erkennt, wo die schuldigen sitzen und entsprechende urteile fällen. der mannheimer verwaltungsgerichtshof wird ein einzelfall bleiben, vor allem, wenn der begriff „öffentlicher raum“ eine korrektur erfährt.

  4. Den geforderten Modellversuch gibt es längst an der Uni der Bundeswehr in München, die sogar verschiedene Geräte getestet haben und empfehlenswerte nennen.

  5. Purer Aktionismus an einem Nebenschauplatz geht am eigentlichen Kernproblem vorbei.

    Priorisierung ist angesagt! Die Schulleitungen und Lehrkräfte stehen in ihrem schier verzweifelten Bemühen auf verlorenem Posten, werden letztlich von ihrer Dienstherrin im Stich gelassen.
    Ich jedenfalls kann mich des Eindrucks nicht erwehren, mir drängt sich sogar vehement der Eindruck auf, dass Frau Eisenmanns Erscheinen zu solchen Lokalterminen (um den Stand der Bemühungen um mehr Digitalisierung in Augenschein zu nehmen) vornehmlich ihrer eigenen Sache, der politischen Imagepflege, dienen soll.
    Es steht selbstverständlich außer Frage, dass Digitalisierung für Distanzunterricht unabdingbar ist und in unserer Situation rasch weiterentwickelt und professionalisiert werden muss.
    Aber es geht hier um die Priorität!
    Ihr Verhalten hat meines Erachtens lediglich Alibifunktion dafür, dass sie sich ja kümmere. Ist das Inkompetenz oder Berechnung? Es grenzt für mich an politisches Versagen.

    Ihr Wegschauen, das eigentliche Problem an sehr vielen Schulen einfach nicht zur Kenntnis nehmen zu wollen, empfinde ich nur noch als schändlich, fast menschenverachtend.
    Es gibt genug Expertise. Man muss nur bereit sein, sehr viel Geld in die Hand nehmen.

  6. ich finde es auch extrem, dass man Versprechen macht, die nirgends eingehalten werden, weil die Schulen oder Kommunen selbst entscheiden!
    Zumeist sind es die Schulen, die irgendetwas schön reden!

    • Die Schulen entscheiden mal grad gar nichts! Es sind die KM, die die Regeln vorgeben, die Schulträger, die die Laptops bestellen, die Gesundheitsämter, die Quarantäne verordnen! Die Schulen selber sind hilflose Marionetten, denen alles verboten und vergeschrieben wird, und in denen die Lehrer verzweifelt versuchen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen!
      Eine Bitte an alle Eltern: Protestiert bei denen da oben!!!! Die sind Schuld!

    • Gehts noch?? Woher kommt diese absurde, fasche Annahme? Von wie vielen ihnen bekannten Schulen sprechen sie hier?? Hörensagen oder überprüft?

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