Schul-Chaos! Manche Länder wollen Wechselunterricht in Super-Hotspots – andere weigern sich

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BERLIN. Nach und nach wird klar, wie die Bundesländer mit der Gipfel-Einigung umgehen, ab einem Inzidenzwert von 200 Wechselunterricht zumindest in den höheren Jahrgängen anbieten zu wollen. Bayern hat bereits beschlossen, sich strikt daran zu halten und in betroffenen Städten und Landkreisen die Abstandsregel im Unterricht fest einzuführen. In anderen Bundesländern – wie Nordrhein-Westfalen – geht es den Kultusministerien erklärtermaßen darum, genau das zu verhindern. Wechselunterricht wird dort, wenn überhaupt, nur im absoluten Ausnahmefall an einzelnen Schulen zugelassen.

Ab einem Inzidenzwert von 200 sollen die Klassen halbiert werden – eigentlich. Foto: Shutterstock

In bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer Corona-Inzidenz von mehr als 200 müssen Schulklassen ab Klassenstufe acht künftig in der Regel geteilt werden, wenn Mindestabstände nicht eingehalten werden können. Es soll dann auf Wechsel- oder Hybridunterricht umgestellt werden. Ausnahmen sind Abschlussklassen und Förderschulen. Das hat das bayerische Kabinett am Donnerstag in München beschlossen, wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) anschließend sagte.

Merkel appelliert an die Bundesländer, Wechselunterricht wenigstens in den „Hotspots der Hotspots“ zuzulassen

Bayern folgt mit dieser Linie einem dringenden Appell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer Regierungserklärung: Zumindest in den »Hotspots der Hotspots« müssten Formen wie Hybrid- oder Wechselunterricht durchgeführt werden, um die Coronazahlen im Land zu senken, forderte Merkel am Donnerstag im Bundestag. Bedeutet: Die – für die Länder unverbindlichen – Empfehlungen vom Vorabend sollten unbedingt umgesetzt werden. »Ich halte das für absolut notwendig«, betonte die Kanzlerin, »merklich unzufrieden mit dem weichen Kompromiss beim Thema Schulen, den sie zuvor in der Videokonferenz mit den Länderchefs ausgehandelt hatte«, wie der »Spiegel« berichtet.

Die Kanzlerin hatte in der Vorwoche darauf gedrängt, dass im Schulbetrieb die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts eingehalten werden. Das RKI sieht bereits ab einem Inzidenzwert von 50 für alle Schulen des betroffenen Gebiets Wechselunterricht vor, damit die Abstandsregel in den Klassenräumen eingehalten werden kann.

Damit ist sie vorerst gescheitert. Auf dem Gipfel am vergangenen Mittwoch wurde für Corona-Hotspots zwar der Wechselunterricht beschlossen, allerdings nur ab der achten Klasse und ohne die Abschlussklassen – und auch das nur unverbindlich (News4teachers berichtet ausführlich über die Ergebnisse des Bund-Länder-Gipfels für die Schulen). Ob und wie sie die Schutzmaßname umsetzen, bleibt also nach wie vor den Ländern überlassen. Die Ministerpräsidenten haben durchgesetzt, dass über solche Maßnahmen – bei denen etwa Klassen halbiert und abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet werden – weiterhin vor Ort und «schulspezifisch» entschieden werden soll. So ist ein großflächiges Umschwenken auf sogenannten Wechselunterricht in Deutschland trotz anhaltend hoher Corona-Zahlen nicht geplant.

„Die Landesregierung wird auf eine schulscharfe und schulspezifische Umsetzung und Anwendung achten“

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte dann auch nach den Gesprächen, dies bedeute, dass es nicht um pauschale Maßnahmen für ganze Kreise oder ganze Städte gehe. Was das in der Praxis heißt, machte das Schulministerium deutlich: Wenn nordrhein-westfälsiche Städte mit ihren Schulen in den Wechselunterricht gehen wollen (wie unlängst die Stadt Solingen, über deren Fall News4teachers ebenfalls ausführlich berichtete), wird ihnen das wohl auch künftig verboten. „Die Landesregierung wird auf eine schulscharfe und schulspezifische Umsetzung und Anwendung achten“, so hieß es.

Auch Schleswig-Holstein sieht keinen Anlass, die restriktiven Kurs wegen des Gipfelbeschlusses zu ändern.  «Wir behalten das Infektionsgeschehen im Blick und es gibt keine Automatismen», betonte Bildungsministerin Karin Prien (CDU). «Unseren Corona-Reaktionsplan und die Hygienepläne werden wir entsprechend der Erfahrungen der vergangenen Wochen und der aktuellen Beschlüsse überarbeiten. Außerdem werden wir unsere Corona-Regularien für die Schulen jetzt online in einem einheitlichen, gut lesbaren und anwenderfreundlichen Dokument zusammenfassen.»

Koalitionskrach in Baden-Württemberg um den Wechselunterricht – Kretschmann: Er kommt

An Schulen in Baden-Württemberg soll es hingegen bei sehr hohen Fallzahlen künftig Wechselunterricht geben. Wie der konkret umgesetzt werden soll, blieb zunächst unklar. Nach den Daten des Landesgesundheitsamts vom Mittwoch wurde diese 200er-Grenze zuletzt in den Stadtkreisen Heilbronn, Mannheim, Pforzheim und im Landkreis Tuttlingen überschritten. Die Maßnahme, bei der etwa Klassen halbiert und abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet werden, ist in der grün-schwarzen Landesregierung allerdings umstritten. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte sich am Mittwoch noch vehement gegen Forderungen gewandt, Schüler im Wechsel in der Schule und zu Hause unterrichten zu lassen. «Wechselunterricht in Baden-Württemberg wäre ein existenzieller Fehler», sagte sie bei einer Kundenkonferenz der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Der Freistaat Thüringen schränkt den Betrieb aller Schulen und Kitas ab Dezember hingegen sogar weiter ein, als es der Gipfelbeschluss vorsieht. So soll es feste Kita-Gruppen und feste Klassen mit jeweils fest zugeordneten Erziehern und Lehrern geben. «Das wird sicherlich gerade für die weiterführenden Schulen eine Herausforderung sein», sagte ein Sprecher des Bildungsministeriums. Man arbeite an Konzepten und Lösungen dafür.

Im Thüringer Stufensystem wechseln die Einrichtungen mit den neuen Regeln ab Dezember landesweit auf die Stufe Gelb. Rot würde die komplette Schließung bedeuten. «Auch Schulen und Kindergärten müssen einen stärkeren Beitrag zum Infektionsschutz leisten», unterstrich Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Ziel bleibe es, das Recht auf Bildung bestmöglich umzusetzen. Außerdem plant der Freistaat, eine weitere Warnstufe einzubauen: In Landkreisen mit besonders hohen Corona-Infektionsraten von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner soll dann ein Mindestabstand von 1,5 Metern in den Klassen gelten, jedenfalls ab Klasse 7. «Dadurch kommt es in der Regel zum Wechselbetrieb aus Präsenzunterricht und häuslichem Lernen», heißt es in einer Mitteilung des Ministeriums.

In Niedersachsen gilt künftig: Ab einem Inzidenzwert von 200 gehen alle Schulen in den Wechselunterricht

Niedersachsen passt sein Vorgehen an. Landesweit werde nun automatisch in Hotspots ab 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen zu Wechselunterricht übergegangen, kündigte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag in Hannover an. An allen Schulen in den entsprechenden Hotspots gelte das künftig mindestens für zwei Wochen, und eine Rückkehr zum Präsenzunterricht gebe es erst bei einem dreitägigen Rückgang der Inzidenz unter 200, betonte Tonne. Vorgesehen war das „Szenario B“, das Wechselunterricht vorsieht, bislang in Regionen ab einem Inzidenzwert von 100 Neuinfektionen – aber nur für einzelne Schulen und zwar dann, wenn dort zuvor eine Infektionsschutzmaßnahme wie Quarantäne für eine Lerngruppe angeordnet worden war.

Rheinland-Pfalz wiederum will nur einzelnen Schulen den Wechselunterricht erlauben. «Grundsätzlich sollen möglichst alle Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen», erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) in einem Brief an die Schulen des Landes. In Abstimmung mit der Schulaufsicht sei aber ab der 8. Klasse auch eine Umstellung in den Wechselbetrieb von Präsenz- und Fernunterricht möglich. Als Voraussetzung wird eine Inzidenz von 200 genannt – am Donnerstag war dies in den Städten Speyer und Mainz der Fall. Ein Wechselbetrieb sei dann möglich, «sofern dies mit Blick auf die allgemeine Infektionslage sowie die Situation an der jeweiligen Schule geboten erscheint». Der Fokus solle dabei auf den höheren Jahrgängen liegen – ausgenommen sind aber die Abschlussklassen von Berufsschulen, Gymnasien und Integrierten Gesamtschulen.

Die Umstellung auf den Wechselbetrieb gelte dann zunächst für zwei Wochen, längstens bis zum letzten Schultag vor den Weihnachtsferien, erklärte das Ministerium. Bei einem Wechselmodell biete es sich an, die Kurse der Oberstufe 11 und 12 in Jahrgangsstufen im wöchentlichen Wechsel zu unterrichten. In den übrigen Klassen sei ein täglicher Wechsel von Präsenzunterricht und häuslichem Lernen vorzuziehen. News4teachers / mit Material der dpa

Anstelle eines Kommentars zur Schulpolitik: Ein persönlicher Brief an die Ministerpräsidenten

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53 KOMMENTARE

  1. Wie BEKLOPPT ist das denn, Herr Tonne?

    Auszug aus dem Elternbrief vom 26.11.2020:
    „Auch in Szenario B gilt grundsätzlich eine MNB-Pflicht.
    Die MNB kann IM UNTERRICHT nach Einnehmen des Sitzplatzes im Klassenraum ABGENOMMEN WERDEN, da hier der Mindestabstand dauerhaft eingehalten werden kann.“
    https://www.mk.niedersachsen.de/download/161247/Ministerbrief_an_Eltern_vom_26.11.20.pdf

    Klar, ab Inzidenz von 200 und gutem Lüften des Klassenraums hat das Virus in Vorbereitung auf die Weihnachtsfeiertage besseres zu tun als SuS und LuLs mit Viruslasten in Aerosolen zu erfreuen!
    Und im neuen Jahr haben wir an Weihnachten das Virus großzügig verteilt, so dass es in 2021 eh nicht mehr auf die Inzidenz ankommt! *Ironie off*

    Wie weltfremd muss man da sein???

    Der Artikel des Forschungszentrums Jülich vom 26.11.2020 gibt einen erschreckenden Forecast auf die Entwicklung der Corona-Fallzahlen für den Januar 2021 bei munterer Virusverteilung über das Weihnachtsfest und Verwandtenbesuchen quer durch Deutschland:
    http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2020/2020-11-26-corona-weihnachten.html

    Mit Sarkasmus: Auf ein Gesundes Neues 2021!

    • IN EINEM JAHR J E D E R 5. L E H R E R I N F I Z I E R T !
      O,4% Infizierte Lehrer x 50 Wochen sind dann 20%

      Da gibt es nur eine Lösung:

      Alle Lehrer sofort und als erste impfen.
      Gleichzeitig mit Mitarbeitern in der Pflege und im medizinischen Bereich.

    • Das ist doch der Erfolg des Regelbetriebes vergangener Zeiten:

      Die wenigsten Mitmenschen jenseits der Schulpflicht sind ausreichend kompetent Inzidenzen in Dezimalzahlen geschweige denn in Prozentangaben umzurechnen. Wie groß ist den der Anteil der Erwachsenen Bevölkerung, die die Inzidenz von 200 je 100.000 ohne große Anstrengung als 2 Promille erfasst?

      Wäre es anders, es hätte einen gewaltigen Sturm der Entrüstung gegeben, als noch Ende September bzw. Anfang Oktober die Spitze des MSB sich hinstellte und sich die 0,2% infizierter SuS als Erfolg des unter Pandemiebedingungen durchgeknallten – sorry, geführten – Regelbetriebs auf die Fahnen schrieb.

  2. Niedersachsen hat NICHT verschärft sonder GELOCKERT.!!!
    Vorher 100/100000/Woche nun ab >200/100000/Woche Wechselunterricht!!!
    Veralbern kann ich mich selber!!!

  3. In Hessen wird NICHTS geändert.
    Auch nicht bei einem 200er Wert. Wenn, und nur wenn, dann soll es schulspezifisch entscheiden werden. Ergo gar nicht!

    Herr Bouffier sagt, es gäbe keinerlei Belege, dass es in den Schulen zu Infektionen komme!!
    Wechselunterricht wird es definitv NICHT !! geben, so Bouffier!

    Ab Minute 21
    https://youtu.be/cj3S0KtI9pY

    DAS KANN DOCH NICHT DER ERNST SEIN?!?

    • Immer der gleiche Bullshit.
      Alles längst wiederlegt. Er beruft sich auf den Blödsinn, den die in Hamburg angeblich rausgefunden haben. Die Schulbehörde hat sich ihre eigene Studie zurecht gelogen.
      Haut alle ab. Euch wählt niemand mehr!

    • Der STeB in Wiesbaden macht sich gerade sehr stark dafür ,das der Wechselunterricht kommt.
      Wir hoffen auch sehr darauf.Unsere Kinder sind seit Anfang November zuhause, da mein Mann zur Risikogruppe gehört.
      Ich hoffe doch und nicht nur ich das es kommt.

    • An „Nichtzufassen“ : sorry, aber der Bouffier redet wie eine mechanische Puppe – immer das gleiche und immer sehr monoton. Er wirkt schlecht informiert und generell – desinteressiert.

    • Die 13% sind wahrscheinlich noch hochgegriffen. hessen hat auch Personalprobleme… und: es verdichtet sich in den Ballungsräumen – da ist richtig eng. Die Leugnungs- und Verharmlosungsstrategie kann man auch direkt am Vergleich Frankfurt/Offenbach ablesen.
      -In OF wird noch verfolgt, ist Wechselunterricht eingeführt usw.: Inzidenz der Neuinfektionenüber 300, Opferinzidenz 19. Beide Werte fallen aktuell.
      In Frankfurt mit VerharmloserGesundheitsamtsleiter will man die Neuinfektionsinzidenzen durch mangelnde Testung von Kindern und Schülern aber auch jüngeren Erwachsenen nach unten drücken 212 aktuell, aber die Opferinzidenz liegt bei 26 und steigt weiter.
      Beide Städte waren relativ wenig in der ersten Welle betroffen
      Bundesweit kann man mit den Daten relativ leicht feststellen, welche Strategie die örtlichen Gesundheitsämter verfolgen, ob sie einfach nur überlastet sind oder sie politische oder einfach nur narzisstische Ziele verfolgen

      • In Baden-Würtemberg verweist das Kultusministerium auf seinem Twitter Account auf ein Interview mit dem Leiter des Gesundheitsamts. Die haben doch einen Vogel.

  4. Und ab Minute 40 fragt der Reporter, warum dieses massive Festhalten am Präsenzunterricht?

    Bitte hört euch Herr Bouffiers Antwort an!!!!
    „Wechselunterricht bedeute faktisch nur 1 Tag Schule! Mehr nicht!“

    Was soll diese Behauptung????

    So viele Falschinformationen kann es doch nicht geben?? Was verbreitet er denn da??

    Bitte @Redaktion, hören Sie sich die Reaktion und die Antwort von Herrn Bouffier auf die Frage des Reporters nach dem Sinn des Präsenzunterricht genau an und schreiben Sie darüber!

    https://youtu.be/cj3S0KtI9pY

    • Es wird immer doller. Auch sein bestechendes Argument für den Präsenzunterricht ist ja grandios : sonst treffen sich die Schüler ja ohne Regeln ausserhalb der Schule, und genau da stecken die sich ja alle an.
      Nicht in den vollen Bussen. Nicht an den Haltestellen. Nicht in den vollen Klassenzimmern. Nein, nur wenn sie sich privat treffen.
      Ich kann garnicht soviel fressen wie ich kotzen könnte.

  5. Warum regen wir uns denn immer noch über die fehlende Bereitschaft auf die Gesundheit von SuS, LuL und Eltern zu schützen auf? Die Gründe für das handeln der KMK die hier immer wieder verzweifelt gesucht werden sind doch klar!

    1. Maßnahmen dürfen nix kosten.
    2. Bei organisatorischen Maßnahmen müssten die Kultusministerien ihr Versagen eingestehen. Da wurde seit März nämlich nichts geplant. Darum ist kein Plan B für den Notfall vorhanden. Jetzt ist das in der Kürze der Zeit auch nicht mehr zu nachzuholen.
    3. Die Wirtschaft hat in allen Parteien bedeutend mehr Lobby als alle anderen Gruppen zusammen. Die wollen die Kinder in der Schule und die Eltern auf der Arbeit. Deren Wille ist Gesetz.
    4. Die Minister verfolgen politische Ziele. Profil als Bildungsretter für die SPD. Opposition zu Söder für Laschet, Eltern die ihre Kinder nicht selbst betreuen wollen als Wähler.

    Alles das sind für Politiker gewichtige Gründe die Schulen offen zu lassen.
    Was kann da schon passieren.
    Die Lehrer sind Beamte und haben außer Gejammer keine Möglichkeit sich zu wehren.
    Die Kinder und Jugendlichen haben wenig Lobby und dürfen nicht wählen. Ihre Eltern sind zu einem großen Feil froh, wenn sie verwahrt werden. Da glaubt man gern, dass die Schulen sicher sind. Das ist die bequemste Lösung.
    Die Öffentlichkeit und die Presse haben von Schule keine Ahnung und nehmen getürkte Statistiken und geschwirbelt von „sicheren Schulen“ ebenfalls dankbar auf.
    Außerdem sind die Lehrer für weite Teile der Bevölkerung eh überbezahlte Faullenzer. Es befriedigt also bei vielen den angestauten Neid, wenn es den Lehrern auch mal an den Kragen geht. Das erzeugt hämische Freude und ein gutes Gefühl.
    Also nicht wundern, nicht hoffen. Es bleibt so.
    Kümmert euch also um Eigenschutz. Maske, Abstand egal was passiert, Fenster auf auch wenn die Schüler Frostbeulen kriegen.
    Abwarten, man sieht sich im Leben immer zwei mal. Es gibt Wahlen und es gibt viele Dinge die Lehrer freiwillig tun, weil es gut für die Schule ist. Die muss man aber nicht machen. Lasst den Karren doch ruhig mal an die Wand laufen, wenn das Bremsen eigentlich nicht eure Sache ist. Man muss nicht immer die Welt retten.
    Klar, als Beamte haben wir eine besondere Treuepflicht gegenüber dem Dienstherrn. Der hat eine besondere Fürsorgepflicht gegenüber uns, den Beamten. Wie der Staat seine Fürsorgepflicht erfüllt sehen wir gerade.

    • Georg
      In den meisten Punkten gebe ich Ihnen vollkommen recht.
      Aber a) sind Lehrer nicht alle verbeamtet
      und b) leide ich tatsächlich massiv unter der Kälte mit starken körperlichen Auswirkungen-mehr als meine SUS.
      Dieser scheinbare Schutz ist für mich eine zusätzliche Belastung.
      Insgesamt ist Unterricht gerade reine Quälerei.
      Hinschleppen, durchhalten, die Wochenenden und Ferien herbeisehnen….
      Mehr ist es nicht.

    • „Außerdem sind die Lehrer für weite Teile der Bevölkerung eh überbezahlte Faullenzer. Es befriedigt also bei vielen den angestauten Neid, wenn es den Lehrern auch mal an den Kragen geht. Das erzeugt hämische Freude und ein gutes Gefühl.“
      Genau das ist der Grund, warum sich nichts ändern wird. Sie bekommen für diese Nicht-Maßnahmen in großen Teilen der Bevölkerung Zustimmung. ☹

  6. Kleine Anektdote aus einer Schule:
    Vor 2 1/2 Wochen, als der Inzidenzwert noch nahe der 230 war, hat es eine Schulleitung geschafft, in der Bezirksregierung und mit dem Gesundheitsamt mit 100%-iger Zustimmung der Eltern, Schüler und Lehrer geteilte Klassen durchzudrücken. Es gab einen entsprechenden Infobrief, welche Gruppe wann in der Schule ist. Jeden Tag war eine Gruppe im Wechsel in der Schule, die andere hatten vertiefende Aufgaben für zu hause im Gepäck. Der Stundenplan blieb fast überall der gleiche, nur nicht in Fächern, in denen gemischt worden wäre. Nach 1 1/2 Wochen Erfahrungen mit diesem Modell – und die waren durchweg positiv: so lernten Schüler*innen überraschenderweise viel besser in Kleingruppen und es kam ein Gefühl von Bildungsgerechtigkeit auf, da plötzlich alle mitmachten – bekam offenbar das Ministerium Wind von dieser Geschichte und verbot, von heute auf morgen, dieses Modell. Der Inzidenzwert ist zur Zeit irgendwo knapp unterhalb der 200 – also ist ja wieder alles gut… So wird also nach 1 1/2 Wochen wieder in vollen Klassen gearbeitet, als ob nix gewesen wäre. Alle Planungen werden von heute auf morgen wieder über den Haufen geworfen. Schön, das Dinge so lange Bestand haben und man deshalb alles so prima planen kann. Danke ans Ministerium!

  7. Ich frage mich was in der Woche vor Weihnachten an den Schulen noch los ist ( abgesehen von den Schülern und Lehrern die dann eh in angeordneter Quarantäne sind)?

    Bis Heiligabend reichen die paar Tage ohne Präsenzunterricht nicht. Man kann nicht bis Freitag im vollen Klassenzimmer hocken und mit den Großeltern am folgenden Donnerstag am Weihnachtstisch sitzen, wenn man das Risiko möglichst minimieren will.

    Entweder muss zumindest für die letzte Schulwoche der Wechselunterricht für Alle durchgeführt werden, so dass immer ausreichend Abstand gewährleistet wird, oder die Ferien müssten auf den 16. vorgezogen werden um genug Zeit bis Weihnachten zu haben.

    Ansonsten gehe ich von sehr hohem Krankenstand in der letzten Schulwoche aus. Um die Familie an Weihnachten zu schützen, werden viele Eltern ihre Kinder zuhause lassen. Darüber wird in Elterngruppen schon offen diskutiert.

    • @Samso: Ich würde mal vermuten, solange offiziell Präsenzunterricht stattfindet, wird die Kultusministerkonferenz auch ein Krankenstand von >50% unter der Schülerschaft nicht interessieren, weil – das ist ja immer noch Präsenzunterricht.

  8. Mich interessiert Silvester mehr. Bei uns enden die Ferien gleich nach Neujahr. Erster Schultag Mo. 4.Januar.
    Da sitzen dann all die jugendlichen Schüler die sich vor drei tagen an Silvester kräftig auf Partys infiziert haben. Ein paar Tage später, wenn die Party-People schon was merken (falls sie Symptome kriegen) und dann in Quarantäne sind, wäre mir lieber.

  9. Also die Grundschulen in Niedersachsen wechseln nicht direkt in Szenario B bei einem Inzidenzwert von 200! Wir haben weiterhin Szenario A, nur eben mit Maskenpflicht.
    Erst wenn eine Quarantänemaßnahme verhängt wird, dann verändert sich die Situation an einer Schule.
    Bitte nochmal überprüfen, liebe Redaktion!

      • Ja, eben, dort steht:
        Für Schulen in Regionen mit einer Inzidenz von mehr als 200 gilt mit der neuen Corona-Verordnung ab dem 1. Dezember:

        I. Ältere Schülerinnen und Schüler werden im Wechselmodell Präsenz-Heimunterricht beschult. Konkret: Ab Schuljahrgang 7 ist das Szenario B automatisch umzusetzen. In den Hotspots ist keine Infektionsschutzmaßnahme des Gesundheitsamtes an einzelnen Schulen notwendig. Alle weiterführenden Schulen in einem Hotspot wechseln sofort ins Szenario B für mindestens 14 Tage. Der Wechsel zurück in Szenario A erfolgt dann, wenn der Inzidenzwert an drei aufeinanderfolgenden Tagen unter 200 liegt und kein neuer Infektionsfall an der Schule vorliegt.

        II. Eine generelle Maskenpflicht an allen Schulen. Auch an Schulen des Primarbereiches ist Mund-Nasen-Bedeckung verbindlich zu tragen.

        Ab einer 200er Inzidenz gibt es MNB in der GS.
        Das war’s.

        • Genau. Sämtliche Grundschulen ändern nichts – bis auf die Maske. Und die vollgestopften Schulbusse bleiben trotzdem. Wie hoch sind denn die Krankenzahlen bzw Todeszahlen unter Busfahrern eigentlich? Hier auf dem Land machen das vorwiegend ältere Männer…

  10. Es war klar, dass das ganze wieder nichts wird. Wir sind schon bei 400+ Toten… wie lange wird es noch dauern, bis die Verantwortlichen kapieren, dass sie durch Wenigtesten und Schönreden vielleicht die Statistiken verbessern können, aber nicht den harten Fakt der ITS-Belegung und der Todesfälle. Schulen SIND Treiber der Pandemie und ihr Offenhalten ist der Grund, warum der Lockdown Light zwar die Zahlen stabilisiert hat, aber eben nicht gesenkt. Dass sie trotz weniger Tests (siehe Test-Regeln in den Schulen) gleich bleibt, deutet darauf hin, dass es in Wahrheit nach oben geht. Das wird sich dann in ein paar Wochen an den Sterbezahlen zeigen.

    Müssen wir wirklich warten, bis es flächendeckend Triage auf den ITS gibt?

  11. Die nächste Wahl kommt, liebe Frau Eisenmann!
    Sie werden sehen, was Eltern von ihrer Politik halten!
    Die Gesundheit und das Leben von Kindern zu auf’s Spiel zu setzen.
    Einfach beschämend!

  12. Georg, wunderbar analysiert und zusammengefasst. Ich bin inzwischen zum gleichen Ergebnis gekommen und zu den gleichen Maßnahmen. Ich trage im Klassenzimmer FFP2, die Fenster stehen offen (mit Winterjacke und Schal geht das schon) und ich halte mir die Schüler auf Distanz. Damit habe ich gute Hoffnung, mich nicht anzustecken.
    @Lehrerin: Dicken Wintermantel anziehen! Das können auch Nichtbeamte. Und ja, es ist äeine Quälerei, aber irgendwie geht es schon so. Besser kalt und doofe Maske als anstecken.

  13. Jeder kann einen Mund Nasenschutz tragen, das beweist gerade eine achtjährige die auch im Unterricht einen trägt. Sie will ihren Opa der eine Vorerkrankung hat und sich selber schützen. Ich muss sagen das ich es selbst möchte, denn wir wissen nicht ob die Lehrkräfte nicht den Virus mit in der Schule bringen, so war es erst vor einer Woche gewesen. Danke Liebe Politiker

  14. Bei uns an der Grundschule ist die Vorstellung von Bildungsversorgung gerade die folgende: da fast 50% der Lehrer in Quarantäne oder krank sind, wird der Unterricht nur noch durch Vertretungslehrer ‚geschaukelt‘. Die 5. und 6. haben nur noch Notbetreuung, also überhaupt keinen Unterricht, die 4.Klasse geht nächste Woche 3Tage zur Schule (mit voller Klasse) und bleibt die anderen zwei Tage zuhause zum Arbeitsblätterausfüllen (ganz neues Hybrid-Modell?????). Kinder die zuhause nicht betreut werden können, werden in andere Klassen gestopft (Hygienekonzept????)
    Die Idee von kleinen Kohorten / festen Lehrer-Schüler-Einheiten ist nun völlig ad absurdum geführt.
    Schulchaos ohnegleichen.

    Bildung oder Betreuung?
    Oder besser: ‚Kinder-Verwahrung‘ mit unverantwortlichem Gesundheitsrisiko?

    Nebenbei, wir sind in BRB, die 7d-Inzidenz nähert gerade sich 200…

    Schöne Grüße an unser Bildungsministerium, noch nie war ich so wütend auf Sie!!!!

  15. „Unseren Corona-Reaktionsplan und die Hygienepläne werden wir entsprechend der Erfahrungen der vergangenen Wochen und der aktuellen Beschlüsse überarbeiten.“
    Corona-Reaktionsplan???
    Der sieht doch seit Wochen so aus, dass die KMs bleischwer wie Findlinge in der Gegend rumliegen und sich nicht rühren. So reagiert man als KM auf akute Bedrohungs- und Gefährdungssituationen. Kein Problem, da es sie nicht betrifft. Und um sicher zu gehen meidet man jeden direkten Kontakt mit den untergebenen KuK und weist Ministeriumsmitarbeiter dienstlich an, dasselbe zu tun.
    Es ist nur noch erbärmlich zu nennen….hoffe auf das Karma….mal sehen, als was die wiedergeboren werden.

  16. @Koogle: das ist einkalkuliert… Der Rubel muss rollen, die Unternehmen müssen Profite erwirtschaften. Kapitalismus. Wobei die herrschende Klasse eindeutig die Allianz aus Politik und Unternehmen gebildet wird. Der Rest ist Prekariat.

  17. Ihr Lieben,
    egal, was wir zitieren, welche Beispiele wir anführen, welche verantwortungsvollen Möglichkeiten wir für den Distanz- oder Hybridunterricht bereits neben unserer normalen Arbeit bereits geleistet haben – SIE WOLLEN den Präsenzunterricht und Punkt.

    Es geht um Bildungschancen, da hat Feder ein Recht drauf. Und wenn wir das ermöglichen können, tun wir es eben…. bleibt zu Hause, wenn der Hals kratzt! Wenn wegen ansteckenden Erkrankungen wie Corona, Grippe, Erkältung, Schwänzens … SuS und KuK das machen, was ihre Pflicht ist – Fürsorge, Schutz, Achtung der örperlichen Unversehrtheit Schutzbefohlener, Respekt den Mitmenschen gegenüber … dann bleibt zu Hause, wenn der Hals kratzt.
    Ich habe vor Jahren unterschrieben, dass ich nicht mit ansteckenden Erkrankungen in die Schule komme. Unsere lieben Juristen werden darauf zurückkommen, wenn es in den Schulen doch zu Ansteckungen kommen sollte. Dann haben die jemanden, dem sie Schuld und Verantwortung in die Schuhe schieben können und werden. Generell möchte ich mir das auch ohne diesen schriftlichen Beweis nicht aufs Gewissen laden.
    Und auf die Chancengleichheit zurückzukommen … da in einigen Schulen bereits das Chaos tobt, ist es doch nur richtig, das Chaos überall hin einzuladen. Denn wenn in Schule a kein Unterricht stattfinden kann, DARF wegen der Chancengleichheit in den Schulen b bis z auch kein Unterricht stattfinden. Also alle durchinfizieren, ängstigen und ins Chaos stürzen. (Das ist halb ernst, halb ironisch, halb verzweifelt und fast doppelt resigniert, aber zu 100 Prozent aufmüpfig gemeint).

    Es ist doch längst so, dass sich viele Nichtlernwoller im Unterricht so verhalten, dass Lernwoller nicht lernen können. Was der eine nicht lernen will, darf der andere nicht lernen. Und das ist nichts Anderes als … Chancengleichheit. Ja, das ist zynisch, doch scheint mir ein wahrer Kern zu existieren.

    Und jetzt ohne Ironie, Galgenhumor, Sarkasmus und dergleichen – wer sich krank fühlt, bleibt bitte zu Hause. So stecken wir uns nicht ständig gegenseitig an. (Das gilt natürlich nicht bei Corona. DAS Virus macht ja an der Schultür kehrt und glänzt durch Absentismus. Wer weiß, vielleicht hat es auch Angst vor Ansteckung).

  18. Man muss auch bedenken, dass Wechselunterricht zum einen bedeutet, dass die Kinder oft nur halb soviel Unterricht haben (an meiner Schule ist nämlich verboten, im Fernunterricht Neues zu vermitteln, es darf nur geübt werden). Das bedeutet, dass der Heimunterricht nichts anderes ist als „erweiterte Hausaufgaben“. Warum eigentlich glaubt man, dass Kinder, die sonst keine Hausaufgaben machen, dann die Hausaufgaben im Fernunterricht eher machen? Und wie viele können nicht, weil sie zuhause keine Hilfe haben?

    Zum anderen muss man gerade bei jüngeren Schülern bedenken, dass sie nicht unbetreut zuhause bleiben können bzw. Eltern das nicht wollen. Also wer betreut dann diese jüngeren Schüler zuhause? Und wie sollen Eltern das bewerkstelligen, wenn ihre Kinder alle 2 Tage oder jede 2. Woche zuhause bleiben? Wie sollen Eltern denn so arbeiten (wenn sie kein Homeoffice machen können)? Irgendwie scheint das hier niemanden zu interessieren?

  19. In unserem Landkreis wird der Inzidenzwert extra getürkt, damit er schön niedrig bleibt und die Schulen weiter offen sind. Am Wochenende werden plötzlich immer nur noch unter 5 Fälle gemeldet, damit die Zahl schön niedrig bleibt – dazwischen IMMER Werte um die 20 rum – wir haben in der Stadt steigende Fallzahlen, das Krankenhaus läuft voll und die Todesfälle steigen – aber trotzdem rutscht der Inzidenzwert IMMER unter 50 sobald er in die Nähe der 60 kommt. Das geht seit Wochen so, seit er fast (97,3) über 100 gestiegen wäre. Im ganzen Land steigen die Zahlen nur bei uns dümpelt er seitdem zwischen 40 und 55 – das glaubt doch kein Mensch mehr. Man riskiert das Leben der Menschen, um auf Teufel komm raus die Schulen bis Weihnachten offen zu halten – bei uns in der Stadt ist schon jeder zweite Klasse in Quarantäne. Was soll sowas? Das bringt niemandem etwas, außer unnötig viele Tote. Die Amerikaner haben auch gedacht, mit solchen Tricksereien das Virus zu überlisten. Das ist so unverantwortlich und grob fahrlässig. Und als Eltern von Schulkinder hat man absolut keine Chance dagegen vorzugehen.

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