„Liebes Schulsystem, wir müssen reden!“ Eine Mutter tritt eine Grundsatzdebatte los

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BERLIN. Die Corona-Pandemie hat einige Missstände in unserem Bildungssystem noch einmal verschärft ins öffentliche Bewusstsein gerufen. Doch wird sich dadurch das System Schule grundlegend ändern? Eine Leserin von News4teachers und Mutter von vier schulpflichtigen Kindern wünscht sich, dass „offen und ehrlich über alle schulischen Themen gesprochen wird und wir als Gesellschaft den Mut finden, Schule neu zu denken – vom Menschen aus, nicht vom System.“ Als Bildungsmagazin, dass eine wertschätzende Debatte nicht scheut, veröffentlichen wir hier ihren Brief an „das Schulsystem“.
Warum nennst Du Auswendiglernen und Reproduzieren eigentlich Lernen? Illustration: Shutterstock

Liebes Schulsystem, nun haben wir schon so viele Jahre Zeit zusammen verbracht, und immer noch habe ich so viele Fragen an Dich. Willst Du versuchen, Dir meine Fragen anzuhören?

Ich frage mich zum Beispiel, warum Du so viele Begriffe nicht nach ihrer eigentlichen Definition benutzt. Du sagst z. B. Kooperation – und meinst aber eigentlich den Zwang zum Mitmachen. Du bezeichnest Kinder oder Eltern, die anderer Meinung sind oder nicht das tun wollen, was Du ihnen aufgetragen hast, als unkooperativ. Sind sie wirklich unkooperativ, oder einfach nur anderer (eigener) Meinung?

Du sprichst außerdem von Disziplin der Schüler*innen (z. B. wenn alle ruhig sind und das machen, was Du ihnen aufgetragen hast), dabei meinst Du eigentlich Gehorsamkeit oder Gefügigkeit. Ist Disziplin nicht etwas vollkommen anderes?

„Ich frage mich außerdem: Warum bewertest und beurteilst Du Menschen ungefragt?“

Und dann möchtest Du so vielen Kindern helfen oder sie unterstützen (dabei, das zu tun, was Du von ihnen willst bzw. ihnen aufgetragen hast), und scheinst gar nicht zu merken, dass diese Hilfe, die Du ungefragt anbietest oder manchmal sogar aufdrängst, eigentlich in Wahrheit Übergriffigkeit ist. Hast Du diejenigen, denen Du helfen möchtest, „in die Spur zu kommen“ (also in deine Spur!), mal gefragt, ob sie das überhaupt wollen? Und: wenn ein Mensch, der zu Deinem System gehört (Schüler*innen, Eltern, Lehrer*innen) wirklich Unterstützung braucht, bietest Du ihm diese dann wirklich an, oder nur das, was Du selbst unter Unterstützung verstehst?

Ich frage mich außerdem: Warum bewertest und beurteilst Du Menschen ungefragt? Was bezweckst Du damit? Was möchtest Du erreichen? Und hast Du jemals geprüft, ob das, was Du damit erreichen möchtest, auch tatsächlich eintritt?

Und wenn Du das so machst, Menschen zu beurteilen und zu bewerten, fändest Du das für Dich selbst auch ok? Wenn Menschen Dich ungefragt beurteilen?

Und warum eigentlich betitelst Du Menschen ungefragt („Ihr seid jetzt die Eichhörnchenklasse! Hallo liebe Eichhörnchen!“)? Fändest Du das anderes herum auch in Ordnung? Wenn die Schüler die Lehrerin ungefragt Frau Waschbär nennen? Oder den Lehrer Herrn Nashorn?

Warum forderst Du Respekt und Rücksichtnahme ein, bewegst Dich selbst aber unentwegt und ungefragt in den persönlichen Bereich der Kinder hinein, in dem Du ihr Recht auf Freiheit beschränkst, ihnen Aufträge erteilst, sie in Klassen und Gruppen einteilst, sie bewertest, einstufst und selektierst… Und wunderst Dich dann, wenn Kinder über Dein Verhalten wütend werden und weist ihnen ein Aggressionsproblem zu? Oder wunderst Dich, wenn Kinder Dein Verhalten kopieren und selber übergriffig werden, weil Sie es so von Dir vorgelebt bekommen? Und nimmst dann noch (stolz?!) ein Anti-Mobbing Programm in dein Schulprofil auf?

„Ist echtes und vor allem auch nachhaltiges Lernen nicht leicht und lebendig, organisch und voller Begeisterung?“

Und dann das Thema Lernen. Darum geht es doch eigentlich bei Dir! Warum nennst Du Auswendiglernen und Reproduzieren eigentlich Lernen? Weißt Du denn gar nicht, was Lernen ist? Und wie es funktioniert? Darüber haben doch so viele kluge Menschen schon so viel geforscht, und viele Erkenntnisse gewonnen. Das kann jeder in klugen Büchern oder im Internet nachlesen. Hast Du das mal gemacht? Warum wendest Du diese ganzen Erkenntnisse denn nicht an? Ist echtes und vor allem auch nachhaltiges Lernen nicht leicht und lebendig, organisch und voller Begeisterung? Und ist dann auch nach Jahren noch präsent und abrufbar?

Und wie war das noch mit der Motivation: zu dem, was Du Lernen nennst, bringst Du die Kinder mit Belohnungen (und manchmal auch noch mit Bestrafungen), oder auch mit der Angst vor schlechten Noten. Du benutzt also äußere Motivationsfaktoren. Interessiert Dich denn die innere Motivation der Kinder gar nicht? Oder nur dann, wenn sie den Zielen entspricht, die Du Dir ausgedacht hast? Warum nimmst Du so wenig Rücksicht auf die innere Motivation und vor allem die eigenen Interesse und Talente der Kinder? Der innerste Antrieb ist doch die allerwichtigste Voraussetzung für Lernen! Ich verstehe Dich nicht.

Und dann: wenn das Lernen ja auch oft bei Dir nicht so läuft, wie Du Dir das wünscht: warum suchst Du dann immer die Schuld bei den anderen? Warum sind dann immer die Kinder nicht so erzogen, wie Du sie brauchst, oder warum haben nur die Medien so einen fatalen Einfluss, und warum nur können die Eltern ihre Kinder heute nicht mehr erziehen? Interessieren Dich die Antworten überhaupt? Gehst Du in einen wirklich offenen und echten Dialog mit Deinen ‚Kunden‘ oder Mitarbeitern, also den Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen? Hast Du sie mal gefragt, warum sie so sind, wie sie nun einfach sind?

Und eins noch: Du sagst doch, Du machst Demokratieerziehung. Und dann setzt Du aber alle Regeln selber und forderst ein, dass die Regeln eingehalten werden. Regeln einhalten lernen und selber keinen Einfluss darauf zu haben, das ist doch das Gegenteil von Demokratie. Oder was sagst Du dazu?

Und warum überhaupt verbietest Du demokratisch oder soziokratisch organisierte Schulen in Deutschland? Meinst Du es denn gar nicht richtig ernst mit der Demokratie?

Warum tust Du außerdem immer so, als gäbe es keine Alternative zu Dir? Hast Du vielleicht Angst, dass wir Dich gar nicht mehr wollen? Fang doch mal bei Dir an! Könntest Du vielleicht aufhören, immer der Bestimmer sein zu wollen? Lass uns doch zusammenarbeiten, in echter Kooperation und mit echter Wertschätzung auf beiden Seiten! Dann müssen wir vielleicht nicht immer so viel streiten. Du hast so viel wundervolles Potential! All die wunderbaren Menschen, die bei Dir arbeiten, lass ihnen doch endlich Freiheit und Selbstbestimmung! Die können das! Hast Du denn nicht auch Lust, Dich zu echter Größe und Reife zu entwickeln? Wir alle lieben und brauchen Dich, irgendwie, und Du könntest es uns etwas einfacher machen, Dich von Herzen zu lieben.

Deine ewige Schülerin

Eine Mutter von vier schulpflichtigen Kindern, die anonym bleiben möchte.

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Brandbrief einer Lehrkraft: Liebe Kultusminister, können Sie meinen Schülern erklären, warum Noten wichtiger sind als die Gesundheit?

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82 KOMMENTARE

  1. Gut, dann bestimmen wir doch demnächst einfach in lockerer Runde und ganz demokratisch von der Basis aus mit Eltern, Lehrkräften und Schüler*innen zusammen, was in den nächsten Wochen gelernt werden soll. Aber bitte nicht so schwierige Sachen und nur Inhalte, die von der Lehrkraft auch spannend aufbereitet werden können. Machen wir es wie in der Politik: Die kostbare Zeit wegreden und zum Schluss gibt es dann einen faulen Kompromiss, der für niemanden richtig gut ist.
    Liebe Frau, erstmal müssen soziale und intellektuelle Grundbausteine gelegt werden auf deren Grundlage die Entfaltung stattfinden kann. Spätestens im Anschluss an Ihre Traumschule werden die Kinder von der Realität eingeholt, wenn sie nicht in einer Traumwelt leben.

    • So liebe Kinder, wie wir abgestimmt haben lernen wir dieses Jahr wieder Playstation spielen und schauen dabei YouTube.

      • Eigentlich eine gute Idee. Auf der PlayStation gibt es sicherlich Spiele z.B. für Sport. Falls es größere Nachfrage gäben sollte, entstehen da sicherlich auch noch weitere Spiele.
        YouTube ist z.B. für Geschichte, Biologie und Geographie gut. Geschichten von Mensch und Tier, die tatsächlich in dem Gebiet, über das man spricht, leben, auch wenn hier Angebote der öffentlich-rechtlichen meiner Meinung nach weitaus besser sind, das ist nun aber ja auch eher nach dem Fall abhängig.

    • @S.Weiß und Alx – Ich denke, hier ist nicht Anarchie oder Beliebigkeit gemeint!

      Auch als Lehrer sage ich: Ja, das Schulsystem ist übergriffig. In vielerlei Hinsicht.
      Es ist auch übergriffig gegen Lehrer, die anders denken und Anderes kennen, die von „besseren“, „kindgerechteren“ Wegen überzeugt sind. (auch wenn man diese Begriffe sicher nochmals neu definnieren muss)

      Es geht in diesem Brief – dessen Fragen ich absolut zulässig und vernünftig finde – sicher nicht um „Freiheit von Regeln“, Beliebigkeit, „Herumtüffeln“ oder „Lern dir mal was“… – sondern vielmehr um die Frage, ob Kindern in Schule nicht die „Freiheit zum Lernen“ gegeben werden sollte/müsste, damit sie mit offenem Geist Grundlagen erwerben und sich mit Hilfe dieser Grundlagen – zu deren Erwerb sie nicht gezwungen werden müssen, sondern von deren Notwenigkeit sie überzeugt sein können – frei und individuell für Neues, Spannendes, Konstruktives entwickeln können.

      Kinder, die sich „frei“ entwickeln können, werden später kreative, innovative Menschen, die Lehrer, Ingenieure, Bäcker, Schreiner und auch die Ärzte und Virologen der Zukunft!

      Freiheit ist ein Begriff, der negativ/destruktiv/als Quelle vielfältiger Gefahren (für ethablierte Syteme, die bestimmten Interessen dienen) – oder aber auch positiv/konstruktiv/der Gesellschaft dienend verstanden werden kann.

      Warum besteht so viel Angst vor „frei denkenden“ Menschen?
      Trauen wir unserer menschlichen Natur so wenig über den Weg, dass uns Freiheit schon bei Kindern gefährlich erscheint, zu unterdrücken ist, in feste Formen gepresst werden muss?

      Wie war das mit dem Spruch „Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo die Freiheit der anderen beginnt“?
      Warum werde ich als Lehrer gezwungen, andere Menschen in ihrer Freiheit so zu begrenzen, dass sie in ihrer individuellen Entwicklung der Masse angepasst werden?
      Eigentlich hätte ich als Lehrer (das Schulsystem) doch nur die Aufgabe, Kinder so zu bilden, dass sie ihre Freiheit verantwortungsvoll bis zu eben dem Punkt nutzen können, an dem die Freiheit (und das Wohlergehen) der anderen anfängt.

      Genau das aber scheinen mir viele der heute Verantwortlichen nicht gelernt zu haben.
      Sonst würden sie nicht Kinder ungeschützt vor dem Virus in Schulen gehen lassen und das, was sie „Bildung“ nennen über ihr Recht auf Gesundheit stellen.
      Für mich ist dieses Verhalten „der Politik“ ein Beweis, dass in der Vergangenheit der letzten Jahrzehnte in Schulen Verantwortungsbewusstsein und selbständiges Denken nicht ausreichend vermittelt werden konnten.
      Es sind ja nicht Einzelne, die hier versagen. Es sind u.a. 16 Ministerpräsidenten, 16 Kultusminister, Gesundheitsminister etc….
      Also stimmt am Schulsystem wohl doch etwas Wesentliches nicht.

      • Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen ist oder war aber im Rahmen der pädagogischen Freiheit können Sie ihren Unterricht so gestalten, wie sie das vertreten und pädagogisch begründen können. Natürlich gibt es auch Rahmenbedingungen wie z.B. das Schulgesetz, die bindend gelten.
        Sie verquicken allerdings sehr viel miteinander. Bildungspolitik, Pädagogik und Freiheit.

        Setzen Sie sich doch näher damit auseinander.
        Die Freiheit des einen endet da… wo die anderen in ihrem Lernen gestört werden.
        Daher sollte es nicht zu laut sein. Es wäre sicherlich möglich mit einem sehr viel höheren Personalschlüssel und kleineren Klassen flexibler zu sein und einzelne Schüler in anderen Räumen unter Wahrung der Aufsichtspflicht ausflippen zu lassen. Aber das ist halt nicht gegeben. Also müssen Regeln etabliert werden. Genauso wie überall in der Gesellschaft Regeln gelten müssen. Sie haben sich jetzt ja auch nicht explizit an der Erarbeitung der Verkehrsregeln beteiligt und akzeptieren diese dennoch. Wenn Sie an den Rahmenbedingungen oder politischen Entscheidungen etwas ändern wollen, wählen Sie entsprechend. Das ist Demokratie.
        Nicht jeder ist intrinsisch für alle Themen motivierbar. Häufig haben mir schon Schüler Hartz4 als Berufswunsch angegeben.
        „Lesen ist scheiße, sagt Papa“.
        Demokratische Kultur an den Schulen existiert durch SV, Klassensprecher, Klassenrat, Elternvertretung und SEB.
        Einige Dinge sind allerdings nicht verhandelbar.
        Zum Beispiel, dass die eigene Freiheit da endet wo die des Anderen beginnt, die Stundentafeln, Rahmenpläne etc.
        Die Gedanken sind und bleiben übrigens frei, egal ob sich die Lehrer auf den Kopf stellen.

        • „Ich weiß ja nicht, wie das bei Ihnen ist oder war aber im Rahmen der pädagogischen Freiheit können Sie ihren Unterricht so gestalten, wie sie das vertreten und pädagogisch begründen können. … Setzen Sie sich doch näher damit auseinander.“

          Oh, vielen Dank für den wertvollen Hinweis, dann weiß ich jetzt endlich, was ich in den 25. Osterferien meiner Lehrerkarriere Sinnvolles tun kann, falls mir mal wieder total langweilig wird!!!

          „Daher sollte es nicht zu laut sein.“

          Oh, vielen Dank auch für diesen wertvollen Hinweis. Werde mal mit meinen Schülern drüber diskutieren, wenn wir wieder mal durch den Lärm aus der Nachbarklasse gestört werden…

          Was bin ich froh, dass man hier so wertneutral und respektvoll diskutieren kann und so super Ratschläge erhält.
          Beglücken Sie doch demnächst einen Ihrer Lehramtsanwärter damit, vielleicht bekommt de/die dann gleich einen realistischen Eindruck von unserem Beruf, bevor er/sie die endgültige Entscheidung für „Schule lebenslang“ trifft…

          „Die Gedanken sind und bleiben übrigens frei, egal ob sich die Lehrer auf den Kopf stellen.“
          Gut, dass das so ist, auch in Bezug auf Kollegen!!!

      • „Auch als Lehrer sage ich: Ja, das Schulsystem ist übergriffig. In vielerlei Hinsicht.
        Es ist auch übergriffig gegen Lehrer, die anders denken und Anderes kennen, die von „besseren“, „kindgerechteren“ Wegen überzeugt sind.“ Dem stimme ich zu. Es gibt leider immernoch Schulen, die Drill-Anstalten sind. Auch Grundschulen.

  2. Sorry – aber mir wird nicht klar, was diese Dame eigentlich will.

    Schule ist Vorbereitung auf das Berufsleben. Schule ist das Wissen, dass die ältere Generation an die jüngere weiter gibt.

    Früher gab es mal ein Ständesystem in dem jeder gefangen war – der Sohn des Bäckers wurde Bäcker, der Schuster Schuster etc – und die Töchter lernten nix, heirateten und bekamen Kinder.

    Das wurde durch ein Leistungssystem ersetzt in dem jeder (auch Frauen!) jeden Schulabschluss und damit auch jeden Beruf erreichen kann. Und diese Leistung muss natürlich irgendwie gemessen werden – daher die Noten.

    Freiheit und Selbstbestimmung verträgt sich allerdings nicht so recht damit, Schülern in einer ganz bestimmten Zeit ganz bestimmte in Lehrplänen festgelegte Dinge beibringen zu müssen.

    Wer einen Abschluss haben will muss nun mal ganz bestimmte Dinge können und auch wissen.

    Und das erklären und üben funktioniert viel besser, wenn es in der Klasse ruhig ist.

    Klar macht das Kindern nicht immer Spaß. Aber was wäre die Alternative? Nichts lernen?

    Vielleicht sollte die Dame sich selbst mal vor eine Klasse stellen und versuchen, ihnen quadratische Funktionen so wie sie machen möchte beizubringen?

    Oder glaubt sie, das man sowieso keinen Abschluss und auch keinen Beruf braucht, weil das Geld ja an den Bäumen wächst?

    • Warum gehen Sie davon aus, dass Kinder faul sind und nichts lernen wollen? Woher nehmen Sie das Recht zu entscheiden, was man lernen soll?Bestimmt wurden alle in der Schule mit quadratischen Funktionen frustriert – ich habe dieses Wissen nie wieder gebraucht. Warum wollen Sie bestimmen, was richtig oder falsch, wichtig oder unwichtig ist? Wer bestimmt, was man 2021 lernen muss? Ein Lehrplan, der starr ist? Es braucht mehr Vertrauen, dass die Menschen sich das aneignen, was für sie wichtig ist. Vielleicht passiert das nicht im Gleichschritt ( jetzt bist du sieben Jahre alt und lernst das A), aber es passiert. So wie niemand um das Laufenlernen herumkommt, kommt auch niemand um das Schreibenlernen usw. herum. Es geht nicht mehr nur um Vermittlung von Wissen – das machen Google, YouTube usw. attraktiver und umfassender als Schulen. Es muss doch vielmehr um Kompetenzen gehen, die man an unterschiedlichen Phänomen immer wieder trainieren kann.
      Vor 100 Jahren war das Schulsystem toll – Wissensvermittlung, Noten, Drill. Aber die Gesellschaft hat sich weiterentwickelt. Und das Schulsystem?
      Die Legitimation des Schulsystems sind Abschlüsse. Aber was passiert, wenn die Abschlüsse niemanden mehr interessieren, weil sie nichtssagend sind?

    • Deine Antwort ist abgrundtief peinlich.
      Schule ist nicht dazu da, fertige Arbeitssklaven zu liefern.
      Schule soll Menschen zu mündigen Bürgern erziehen.
      Wie soll Demokratie sonst funktionieren?
      Wenn sich dein Bildungsbegriff auf die Funktion im Arbeitsmarkt beschränkt, dann hättest du dir einen anderen Beruf suchen müssen. Einfach nur peinlich!

  3. In BW war mit Frau Eisenmann in der Schulpolitik kein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe nicht möglich. Jegliche Zusammenarbeit ist mit Füssen getreten worden und es konnte kein vertrauensvolles Miteinander wachsen. Frau Eisenmann hat immer Ihre Machtkarte eingesetzt und sein Gegenüber von Schulleitungen, Lehrer, Schüler, Eltern, Verbände, Elternbeirat und Schülerbeirat nicht wahrgenommen und ernst genommen. Es wurde immer auf Durchzug geschaltet und ein anderer Vorschlag oder Blickwinkel ist mit Verachtung abgestraft worden. Ein gemeinsames entwickeln war von Frau Eisenmann nicht erwünscht. Dabei ist ein soziales Miteinander und Austausch ein tragendes Gerüst um wachsen zu können und schwierige Situationen zu meistern. Gemeinsamkeit wurde nicht vorgelebt in Eisenmanns Vorbildfunktion sondern Gehorsamkeit eingefordert. Wünsche und Bedürnisse von Eltern und Schülern nach G9 ist schamlos und ohne jegliches Gewissen übergangen worden. Gehör hat mein keins gefunden und ein wohlwollender Umgang für alle die am Schulleben beteiligt ist nicht gepflegt worden.

  4. Statt mit Schelte und Sarkasmus zu antworten sollte man lieber einmal darüber nachdenken, warum dieser Brief so geschrieben wurde. Es steckt eine Menge Wahrheit darin. Unser Bildungssystem ist dringend sanierungsbedürftig – und zwar in mehr als einem der angesprochenen Punkte.

    • Warum dieser Brief so geschrieben wurde, ist ja wohl ziemlich offensichtlich. Da musste jemand seine persönlichen Animositäten abarbeiten. Was an „Eichhörnchenklassen“ oder einer vergleichbaren Leistungsbewertung so dringend sanierungsbedürftig wäre, kann ich nicht erkennen (und offenbar eine große Mehrheit der Bevölkerung auch nicht). Ich muss mich nicht mit jedem Querdenker, Impfverweigerer und Reichsbürger inhaltlich auseinandersetzen, wenn der/die sich jedem sachlichen Argument so offensichtlich entzieht. Und genau in diese Kategorie völlig realitätsentfremdeter, egozentrischer Scheinargumentation fällt für mich auch obiger Brief.

  5. Der Wunsch nach mehr ‚Demokratie‘ und freier Entfaltung im System Schule würde implizieren, dass ein liberaler Staat, die ‚Größe‘ hätte, dies zuzulassen.
    Ein aktuell von Lobbyisten und korrupten Staatsdienern – oder sollte man diese im eigentlichen Sinne Volks-VERTRETER nennen – geleiteter Staat, wird eine solch freie, demokratische Schulstruktur nicht dulden.
    Aus welchen Gründen werden denn viele Schulen in Ganztagsschulen umgewandelt?
    Sicherlich nicht ausschließlich aus dem Grund, dass ‚alle‘ Mütter berufstätig sind und eine Betreuung am Nachmittag benötigen, geschweige denn überhaupt wünschen.

    Nein, es gibt auch Eltern, die aus unterschiedlichsten Gründen die Beschulung ihrer Kinder in Ganztagsschulen umgehen möchten. So gibt es Kinder, die Zeit zur freien Entfaltung benötigen, Kinder, die ihren eigenen Interessen nachgehen möchten, Kinder, die Ruhe benötigen und nicht den ganzen Tag in einem lauten, sterilen Schulgebäude mit stinkenden Klos verbringen möchten.
    So beginnt ein Spießrutenlauf für Familien, die Schulen OHNE Ganztagesangebot suchen – und Ausnahmeanträge zur Beschulung außerhalb der Schulgrenzen bei den Landesschulbehörden stellen müssen -.

    Wieso aber werden Ganztagsschulen zur normalen Schulform im Staat?
    Unter diesen Rahmenbedingungen hat der Staat die voll umfängliche Bildungshoheit – oder anders ausgedrückt, die Möglichkeit den ‚freien Geist‘ frühzeitig in seine Schranken zu weisen -.
    Denn, um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein (A.E.).

    Vielen Staaten entgleiten in der aktuellen Lage die demokratischen Strukturen, Autokraten nehmen immer mehr Platz im politischen Weltbild ein. Insofern sind ‚Freigeister‘ und selbständig denkende Menschen nicht ins Gefüge passend. So schreitet die Nivellierung und die Beschränkung voran, wird befördert von korsettartigen Curricula und Medien, die mit entsprechenden Formaten den Plebs bedienen.

    Daher ist für den Staat die grundlegende Änderung des Systems Schule ein Pulverfass, das man nicht anrühren mag.
    Durch, oder wegen Corona …. sich aber sicherlich ändern muss – und hoffentlich wird -!

  6. Ich kann viele Ihrer Punkte sehr gut nachvollziehen!

    Aber eigentlich sollte sich die Kritik meiner Meinung nach nicht (nur) auf das Schulsystem beziehen, sondern vielmehr auf die Struktur unserer Gesellschaft.
    Man „wird“ hier nichts, wenn man nicht funktioniert und seine Lernbiographie nicht entsprechend anpasst.
    Solange nicht alle beruflichen Tätigkeiten in einer Gesellschaft als gleichwertig betrachtet werden, ein Hauptschulabschluss nicht mehr als „Versagen“ gesehen wird, wird unser Schulsystem weiterhin diese Gesellschaft bedienen.

    • Hmm, wo gibt es denn noch Hauptschulen? Selbst in Bayern heißen sie verschämt „Mittelschulen“. Und woanders gibt es „Gemeinschaftsschulen“ – das ist die politisch korrekte Bezeichnung für die Fusion von Sonder-, Haupt- und Realschulen. Natürlich hatte das nur Vorteile für die SuS und war von den besten Absichten getragen (nämlich Geld zu sparen).
      Jedenfalls ist meine Erfahrung an Schulen eher umgekehrt: Wer lernen will und sich an Regeln hält, bekommt von der Gesellschaft (sprich Mitschüler) auf die Zwölf.

  7. Meiner Meinung nach ist die große Frage des Schulsystems: Wo endet Allgemeinbildung? Wo geht Fachbildung los?

    Bei vielen Sachen kommt es mir so vor, als wäre es „gut, dass man das mal gehört hat“, z.B. gut, dass man mal über die verschiedenen Arten von lokalen Vögeln gelernt hat, wie diese ihre Brut erziehen. Oder gut, dass man über den Aufbau des Regenwaldes einen Test geschrieben hat, alles aber schon nach 2 Wochen wieder vergessen hat, und ganz sicher ist, dass dies in den nächsten 5 Jahren kein Bestandteil des Unterrichts sein wird.
    Andererseits gibt es in der Klasse vielleicht einen, der später gerne als Naturforscher in den Regenwald will. Ist es aber fair, wegen diesem einen dem Rest in Themen, die diese wirklich interessieren zu vernachlässigen?
    Aber gut, dass man sich für Themen interessiert (die für das spätere Berufsleben relevant sind) kommt erst später vor. Macht es also Sinn, diese Themen bis zu einem bestimmten Alter zu lehren, und dann den Schülern mehr Eigenverantwortung, zumindest durch eigenes Auswählen der Lernziele, zukommen zu lassen.
    Vermutlich sehe ich das auch wieder zu streng, und SuS Themen aufzuzwingen, die diese gar nicht interessieren und sie in 2 Wochen eh schon wieder vergessen haben, obwohl diese bereits wissen, was sie wissen müssten, ist gar nicht so schlimm.

    • Ich gebe zu bedenken, dass man, wenn man nur das lehrt, was „die“ Schüler interessiert, niemandem die Gelegenheit gibt, Neues kennenzulernen, noch ungekannte Fähigkeiten bei sich selbst zu entdecken und so seinen Horizont zu erweitern. Wobei es „ die“ Schüler gar nicht gibt. Es sind Individuen mit unterschiedlichen, durchaus vielseitigen Interessen.

  8. Der Text hat mehr verdient als Ironie von oben herab wie in der ersten Antwort!
    Ihre Kinder sind sicherlich wunderbar und einzigartig, sie wissen als Mutter auch, wie eine optimale Schule für ihre Kinder aussehen könnte. Viele angesprochene Punkte sind den im „Schulsystem“ Arbeitenden bewußt und sie versuchen jeden Tag, diese Mängel zu vermeiden. Ich sage nicht „beheben“, denn das ist prinzipiell unmöglich. Ist nicht jeder Mensch einzigartig und wunderbar? Jeder Versuch, vielen Millionen dieser Menschen den Weg zu Bildung zu eröffnen, muss daher ein Kompromiss sein: 30 Kinder pro Klasse bedeuten 30 verschiedene jeweils optimal passende Unterrichts-und Betreuungsarten, 40 Klassen pro Schule noch einmal verschiedene Anforderungen an die Organisationsform „Schule“, 1000 Schulen pro Bundesland ebenso viele unterschiedliche Bedürfnisse dem Bildungssystem gegenüber. Kompromisse bedeuten meist, dass niemand völlig zufrieden ist, darum werden die Begriffe Kooperation, Demokratieerziehung, Lernen und was sie sonst noch erwähnen niemals genau in der Form realisiert werden, wie sie persönlich sie definieren. Auf dem Papier ist vieles schon nahe an dem was sie sich wünschen würden, aber das macht die Realität auch so unbefriedigend. Die Realisierung scheitert nicht nur am Schulsystem, das der „Bestimmer“ sein will: In einer Gesellschaft, die oft genug den „Cleveren“, Skrupellosen, idealisiert, ist Kooperation leider nur begrenzt als Wert zu vermitteln. Intrinsische Motivation ist das hehre Ziel der pädagogischen Theorien, leider wird bei diesem Ideal oft genug vergessen, dass dazu jede/r LehrerIn in jeder Stunde alle Kinder nach ihrem passenden Motivationsweg unterrichten müsste.
    Ähnliches könnte man zu allen anderen Punkten aufführen, aber sie merken es schon: die Realität wird nicht nur durch das Schulsystem sondern auch die Menschen darin definiert, Pädagogik ist für Perfektionisten sehr unbefriedigend, denn die eine Lösung bleibt unerreichbar, dafür sind Menschen zu komplex. Auch im Schulsystem arbeiten Menschen, die meisten so gut wie sie es können, die viel versuchen, um allen gerecht zu werden, aber jeden Tag daran scheitern. Scheitern an den 100%, denn es ist unmöglich, allen gerecht zu werden.
    Sie stellen vermutlich eigene so wahrgenommene Erfahrungen dar, aber wie oben geschrieben, was für sie und ihre Kinder übergriffig ist, mag sich für die Mehrzahl der anderen als sinnvolle Anleitung erwiesen haben. Disziplin ist ein Begriff, der auch bei mir einen schlechten Klang hat, aber die Forderung, in einer großen Gruppe Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen zu nehmen, würde ich nicht als Zwang zum Gehorsam bezeichnen. Sie möchten, dass ihre Kinder selbstständige Menschen werden, sehr viele Eltern und auch deren Kinder möchten Ergebnisse in Form von Noten und Versetzungszeugnissen. Glauben sie so nicht? Kann ich verstehen, habe ich auch mal nicht geglaubt, aber kaum jemand liest Förderpläne oder nimmt Beratungen wahr, solange die Versetzung klappt.
    Ich will sicherlich nicht das marode Schulsystem (welches eigentlich, es gibt ja in jedem BL mindestens 5 verschiedene…) verteidigen, vieles müsste dringend reformiert werden. Diese Reform wird es aber nicht geben und neben Geld, Personal und Infrastruktur ist die Organisationsform, das „System“, noch das kleinste Problem.

    • vhh – ich zitiere: „Jeder Versuch, vielen Millionen dieser Menschen den Weg zu Bildung zu eröffnen, muss daher ein Kompromiss sein: 30 Kinder pro Klasse bedeuten 30 verschiedene jeweils optimal passende Unterrichts-und Betreuungsarten, 40 Klassen pro Schule noch einmal verschiedene Anforderungen an die Organisationsform „Schule“, 1000 Schulen pro Bundesland ebenso viele unterschiedliche Bedürfnisse dem Bildungssystem gegenüber.“

      Ihr Bemühen, nicht „von oben herab“ zu schreiben, empfinde ich als misslungen – wegen Ihrer Verteidigungsrede der MACHER – ohne kritische Distanz zu den Gründen für die Systemgrenzen, wie das obige Zitat zeigt. Die engagierte Mutter zeigt leider dieselbe Lücke – und Sie beide passen wunderbar zusammen, zu Gunsten derer, die tatsächlich OHNE Rücksicht auf die MACHER und auf die jungen Menschen und ihre Familien – de facto nicht einmal auf die hehren Zielformulierungen der wesentlichen Fachdisziplinen in ihrem eigenen Regierungs-kollegium.
      Schlichte Frage:
      wer verfasst den Haushaltsentwurf für das nächste Jahr – und die Finanzplanung für die nächsten drei Jahre?
      Wenn Sie die obwaltenden Rahmenbedingungen bestmöglich >gestalten< wollen – ok, aber ich erwarte mehr von jeder/jedem Praktiker*in in unseren Zeiten: setzen Sie einen Kräfteanteil ein um zu REMONSTRIEREN – spätestens aus aktuellem Anlass (s.Artikel in N4T). Und signalisieren Sie damit der Mutter, dass Sie bereit sind, ihre Perspektive der Kinder u. Familien voll anzuerkennen – und mit ihr GEMEINSAM zu leiden und zu kämpfen.
      Nach X kleingehackten Schulreformen, die ich teilnehmend beobachten konnte, sehe ich keine Alternative dazu.

      • Leider funktioniert es nicht, die Verantwortlichen so unter Druck zu setzen, glauben Sie mir. Die Verantwortlichen erleben seit einiger Zeit, dass immer weniger junge Menschen in diesem Bereich tätig sein wollen, weil sich die Bedingungen an Schulen immer weiter verschlechtern. Es wird nicht gegengesteuert, im Gegenteil, die Verschlechterungen werden durch seltsame Reformen sogar noch zementiert. Dazu könnte ich Ihnen diverse beispiele aus meinem Bundesland geben, was jedoch hier den Rahmen sprengen würde.
        Fazit: Es wurde noch nie auf Lehrkräfte gehört. Man kann gemeinsam mit Eltern und Schülys streiken, sich weigern, bestimmte Vorgaben umzusetzen, sich als Kollegium krankschreiben lassen, in Frühpension gehen und den Beruf gar nicht erst ergreifen. Das interessiert nicht, denn Schule darf nichts kosten. Das ist im Übrigen der indirekte Auftrag der Gesellschaft.

  9. Beide Kommentare haben nicht verstanden, worum es der Schreiberin geht. Um ein am Kind orientiertes Schulsystem, nicht am Kind vorbei.

  10. Leute.. Leute..

    Genau diese Posts sind Ausdruck dessen was schief läuft!

    Klar wird es in manchen Schichten genau solche Pfeifen unter Kinder und Eltern geben , die sich das so vorstellen.

    Die könntet ihr aber einfach ruhig stellen indem ihr deren Unfähigkeit bloßstellt und mit den anderen die klüger sind koaliert.

    Mit euren Posts stellt ihr lieben Lehrer euch jedoch selbst bloß. Keine angst, ich hab drei von eurer Sorte in der unmittelbaren Verwandschaft. Also bitte keine Schnappatmung. Gibts bessere Gründe.

    Und wenn schon der Lehrer nichts zu bieten hat als Dominanzgehabe und T.I.N.A. , wie soll er dann seine Schüler motivieren das Richtige zu tun, und die zum Versagen tendierenden zurück holen?

    Dass ihr Lehrer dazu keine Chance bekommt, ist eh klar, dazu brauchts kaum einen Schulabschluss um das zu sehen, wobei ich mich jetzt aber grade frage ob unsere Bildungspolitiker wirklich alle einen selbst verdienten Abschluss habe, so realitätsfern wie die agieren.

    Anyhow, was die Mutter sagen will, ist dass sich das diktatorische System Schule mal hinterfragen soll, und mit den ihm Ausgelieferten vlt kooperieren, statt diese zu konditionieren und zu verarbeiten, wie sie die Wirtschaft anfordert.

    Viele von euch Lehrern werden schon Vollversager von Rektoren erlebt haben die so blöd waren die eigene Agitprop zu glauben und euch weiszumachen versucht haben ihr könntet euch für euren Unterricht erfolgreich ein Beispiel an der Wirtschaft nehmen für euer schulisches Wirken.

    Kurz gelacht, als wirre Gedanken geistig armer abgehakt, und vergessen.

    Wenn nichtmal ihr Lehrer das bemerkt, was ihr zu tun gezwungen seid, dann kann das ja nicht besser werden.

    Kommt mal raus aus eurer Box zum thinken!

    Dann könnt ihr den Text der Mutter auch verarbeiten, und seht nicht die 30% die nicht gehen sonder die 70% die gehen.

    Immerhin gehen im Moment ca. 90% der Schule nicht und 10% sind supidu! Bedeutet 90% machen Schüler zu pseudogebildeten Sklaven und 10% machen sie zu eigenverantwortlichen Bürgern.

    Denkt als Lehrer mal drüber nach, wer den deutschen Michel seit weit über 100 Jahren zum Michel macht..

    Das sind Generationen von Lehrern, die aus den Deutschen eines der donestiziertesten Völker der Welt gemacht hat.. ist doch irgendwie traurig oder?

    Da kann man sich nur Lehrer wie diese Mutter wünschen, eben nicht völlig frei von Hoffnungen und Vorstellungen wie es besser werden könnte, als es heute ist.

    So was war mal erstrebenswert und vorbildlich, bevor wir begonnen haben in einer modernen Version von Orwells 1984 und Metropolis zu leben…

    Denkt mal drüber nach liebe Lehrer.

    • Liebe*r Mitforist*in, richten Sie Ihre Worte bitte an die Gesellschaft, nicht an die Lehrkräfte, denn wir sind nur Ausführende, nicht diejenigen, die sich das System ausgedacht haben. Wie sind nicht einmal die, die das System am Leben erhalten, weil wir uns nicht kollektiv auflehnen.
      Wie Sie sehen, sind Sie total unszufrieden (d.h. wir lehnen uns aus Ihrer Sicht mit schlechter Arbeit auf) mit uns, und trotzdem ändert sich nichts.
      Dass wir nicht in einer Dystopie leben, in der das System bereits unser aller Denken übernommen hat, sehen Sie u.a. daran, dass Sie hier so etwas schreiben können bzw. dass es veröffentlicht wird. Sie können sogar demonstrieren gehen. Sie können sogar Ihre Kinder so erziehen, wie Sie wollen. Wenn sie nicht „reinpassen“, passiert auch nicht wirklich viel …

    • Das mit dem Denken wird bei den angesprochenen KollegInnen das Problem. Sie wissen sowieso alles besser und sind der Quell des Wissens, an dem die SchülerInnen sich meist weigern zu laben. Das wird dann mit schlechten Zensuren quittiert, sind ja selbst Schuld. Mit solchen Leuten wird nix besser. Die Mehrheit der Kollegien besteht aus dieser Art LehrerIn.

      • Ich habe persönlich nichts davon, schlechte Noten zu vergeben. Lieber möchte ich gar keine vergeben. – Aber Sie haben recht, ich weiß natürlich grundsätzlich immer alles besser.

    • Können wir gerne. Bringt nur nix.
      Wir Lehrer führen den Unterricht nur aus. Die Eckpunkte gibt jemand anderes vor.
      Uns fragt auch keiner.
      Der letzte Satz muss als heißen:
      Denkt mal drüber nach ihr lieben Kultusministerien.
      Da sieht man mal wieder wie gut die PR der Ministerien in der Bevölkerung wirkt.
      Sie brüten den größten Mist aus, die Lehrer sind verpflichtet ihn um zu setzen und werden dann auch noch als die autoritären, bösen Pauker dargestellt.

      • Niemand zwingt dich autoritär zu sein. Das wird nicht von oben vorgegeben. Niemand wird dazu gezwungen mit Notendruck zu agieren oder Schüler fertig zu machen wenn sie nicht spuren.

        Sich hinter den „Vorgaben“ zu verstecken ist so urdeutsch, da könnte ich echt kotzen!

        • Ich bin ganz und gar nicht autoritär im Unterricht.
          Ich mache auch sehr wenig Druck durch Drohungen oder Noten.
          Dies sind schon mal böswillige Unterstellungen.
          Ich bemühe mich regeln sehr wohlwollend aus zu legen und die Interessen der Schüler, so weit als möglich, zu berücksichtigen.
          Viele Dinge sind mir aber nun mal vorgeschrieben.
          Die Unterrichtsinhalte und die Anzahl der Leistungsnachweise, die Form der Leitungsnachweise usw. All das legt das Ministerium fest.
          Auch die Grundregeln des Verhaltens an der Schule werden durch die Schulleitung in der Hausordnung und vom Ministerium durch Gesetzte definiert.
          Klar ich könnte diese Vorgaben ignorieren. Das klappt aber nicht Lange! Ich kann die vorgaben geschickt interpretieren und tue dies bis zu einem gewissen Punkt auch.
          Aber das komplette ignorieren aller Vorgaben und handeln mach dem in Artikel vorgegebenen Maßstäben von eigenen Regeln und Interessen funktioniert so nicht.
          Weder im normalen leben noch im Schulsystem.

    • @ 5nach12: Und wenn ich Ihre fehlerhafte Interpunktion sehe, bin ich wieder der festen Überzeugung, dass es essentiell ist, die richtige Schreibweise und Zeichensetzung den Schülern beizubringen, auch wenn diese die Orthographie / Interpunktion nicht durch eine intrinsische Motivation erlernen wollen.
      Im Leben gibt es immer Regeln, da ein Zusammenleben der Menschen ohne nicht funktioniert. Kinder und Jugendliche haben ihre Interessen, die sie auch ausleben können müssen, jedoch stellt sich die Frage, weswegen sie diese nicht auch am Nachmittag zu Hause ausleben können. Die Eltern können ihren Kindern, nachdem diese intrinsisch motiviert das Geschirr abgeräumt und ihr Kinderzimmer aufgeräumt haben – oder müssen sie das nicht, da die intrinsische Motivation fehlt und sie nicht zu etwas ‚gezwungen‘ werden dürfen- , die Freiheit geben, sich zu Hause frei auszuleben.

  11. Ich finde „Klassentiere“ in der Grundschule super!
    Hätten die SuS im Vorfeld darüber demokratisch abstimmen sollen, welches Tier sie wollen, oder ist einfach die Bezeichnung 1-4 a-d besser?

  12. So viele Worte für soviel Blödsinn… 😀
    Einer Klasse einen Namen zu geben ist also übergriffig und Lernen darf immer nur Spaß machen? Das sind schon echte Highlights aus diesem Pamphlet und sie zeigen, dass hier weder mit Sachverstand noch mit sachlicher Argumentation ein Blumentopf zu gewinnen wäre. Schon klar, warum die Autorin anonym bleiben will.

    • Es muss ja nicht jeder jeden Punkt des Briefes unterstützen; dennoch enthält er sehr viel Wahrheit über unser System.
      Auch aus Lehrersicht empfinde ich viele Dinge, die wir tun „müssen“, als übergriffig. Man hätte viele, viele andere Beispiele genausogut nennen können.

      Wenn ich die Schreiberin richtig verstehe, geht es ihr nicht um eine Spaßschule, sondern eine Schule, die für jedes Kind etwas, im Idealfall für jedes Kind das Richtige, anbieten kann.
      Das muss weder heißen, dass die Kinder nichts lernen, noch dass sie nur lernen „Spaß“ zu haben. Ganz im Gegenteil: Auch die Kinder müssten immer mehr Verantwortung für Ihr Lernen mitübernehmen und würden mehr lernen als nur den Konsum von Wissen, das ihnen voraussichtlich nichts nutzen wird.

      Wenn ich die Schreiberin richtig verstehe, geht es auch nicht um die Abschaffung des Erlernens von Kulturtechniken, Grundwerten oder einem Basiswissen. Es geht vielmehr darum, dass nicht jede Klasse gleichgeschaltet und jedes Kind zur gleichen Zeit das Gleiche lernt, dass Maßstab guter Schule nicht das Bestehen einer normierten Prüfung sein muss.

      Wenn ich die Schreiberin weiterhin richtig verstehe, geht es ihr um die Diskussion, was gute Schule ausmacht. Und das ist sicher nicht das, was Projekte wie „Gute gesunde Schule“ per definitionem meint…
      Solche „Auszeichnungen“ verbergen die eigentlichen Defizite im System und suggerieren, dass in Schule alles gut ist.

      Auch für mich wäre der Maßstab einer guten Schule das Maß, in dem Kinder Persönlichkeiten werden können, die die Existenz anderer Persönlichkeiten respektieren und fähig sind/werden, in konstruktiven Diskurs, in gutgemeinten Austausch, in faire Diskussionen einzusteigen.

      Wir alle ärgern uns, wenn „die Gesellschaft“ alle Lehrer über einen Kamm schert, vor allem, wenn dies der Kamm „faule Säcke“ ist.
      Warum aber scheren wir dann alle Kinder über einen Kamm?
      Warum verlangen wir von allen Kindern einheitliche Leistung – und nur Leistung, denn anderes zählt in Schule nicht wirklich, auch wenn auf dem Zeugnis manchmal steht „hat sich für die Klasse engagiert“…
      Auch das sind m.E. Deckmäntelchen, um große Defizite im System zu verbergen.
      lassen wir nicht den Kindern die Freiheit, ihre Talente zu entfalten und uns die Chance, diese zu erkennen, die Kinder als Individuen wahrzunehmen, ihre Potentiale zu fördern?

      Letztlich wissen wir alle, dass Schule besser sein könnte, wenn einfach schon mal mehr Personal zugestanden würde, wenn Zeit für die Kinder wäre (nicht nur zur Erledigung des voerordneten Lernstoffs), wenn Lernen sich entwickeln dürfte (auch mal in eine nicht vorhergesehene Richtung), wenn Kinder ihre individuellen Stärken entdecken und entwickeln dürften (dazu brauchen wir Zeit und Menschen – nicht eine zugeordnete AG, in der gerade noch ein Platz frei war).

      Vielleicht können wir hier auch konstruktiv nachdenken, wie Schule NACH der Pandemie sein soll – die angesprochenen Probleme haben ja auch dazu geführt, dass an vielen Schulen z.B. Distanzunterricht nur schwer zu realisieren war, Kinder nicht ausreichend selbständig lernen können, Kinder den roten Faden verlieren, sie beim Fehlen von Schule keine Orientierung mehr haben, Kinder sich nicht mehr selbst beschäftigen können, Eltern ihre Kinder am Ende lieber und unter wenig hinterfragten Umständen selbst in der Pandemie lieber in die Schule geben als sie zu Hause zu haben…
      Da läuft m.E. ganz gewaltig etwas falsch im „normalen“ Bildungssystem!!

      • „Wenn ich die Schreiberin richtig verstehe…“ Es steht Ihnen frei zu interpretieren und Sie assoziieren ja auch recht großzügig. Das hebt das anonyme Machwerk da oben aber immer noch nicht über den Rang eines fiktiven Brandbriefs mit vielen pauschalen Unterstellungen und Angriffen, aus denen dann die hiesigen Kommentatoren das Schlechteste machen können. Man sieht es nicht nur am Diskussionsstil in anderen Threads, wo jeder den anderen nur wahlweise unterstellt, tyrannische Kinderquäler zu sein, oder weltfremde Spinner, sondern auch in Ihrem Text, wo dann mit „gleichgeschalteten Kindern“, die wir angeblich „alle über einen Kamm scheren“ auch die ganz schweren sprachlichen Geschütze (inklusive Nazikeule, war Ihnen das beim Schreiben eigentlich klar?) aufgefahren werden.
        Auf so einer Grundlage will ich nicht diskutieren und offensichtlich kann das auch niemand von denen, die sich hier teilweise so elaboriert selbst publizieren. Daher bleibe ich ungeachtet Ihres Plädoyers doch bei meinem Urteil, dass dieser Brief Blödsinn ist, in dem die Autorin primär ihre privaten Misserfolge beim Durchsetzen ihrer teilweise wirklich absurden Partikularinteressen gegen eine demokratische Mehrheitsgesellschaft als Unterdrückung brandmarken will, um dann völlig konträr zum von ihr selbst verwendeten Luxemburg-Zitat („Freiheit des einen endet da…“) ihre persönliche Freiheit über die aller anderen erheben zu wollen. Den Stil (sowohl im Schreiben als auch inhaltlich) kenne ich nun zur Genüge aus Debatten mit Impfgegnern, Querdenkern und anderen Wutbürgern. um mich darauf nicht mehr sinnlos inhaltlich einzulassen.

        • Warum schreiben Sie denn überhaupt hier? EIn Urteil ohne substanzielle Begründung nenne ich VORurteil. Und wenn dann noch pauschal Beziehungen zu Extrempositionen unterstellt werden – dann reichts wirklich = echt verzichtbar!

    • Wieso sollte Lernen nicht Spaß machen?
      Lernen Sie nicht auch lieber u effektiver, wenn Sie etwas interessiert?
      Es gibt zahlreiche Studien, die genau das belegen. Extrinsische Motivation ist eher kontraproduktiv für den Lernerfolg, intrinsische Motivation ist wichtig.
      Und wenn ein Thema interessiert, lernt man abei auch Sachen mit, die einen vielleicht einzeln nicht so interessieren würden.
      Vielleicht möchte meine Tochter keine einzelnen Buchstaben abschreiben, aber schreibt mir gern Einkaufszettel.
      Vielleicht möchte jemand verstehen wie Flugzeuge fliegen u lernt dafür math. U physikalische Grundlagen, die in vorher nie interessiert haben.

      • Intrinsisch motiviertes Lernen ist der Königsweg, einverstanden. Da aber jeder Mensch in seinen Interessen und Neigungen individuell ist, gibt es eben nicht DAS Thema, welches alle interessiert. Und häufig merkt man auch erst beim Bearbeiten eines zunächst widerwillig begonnenen Themas, wie interessant es ist und entwickelt erst im Laufe der Zeit intrinsische Motivation. VielenTalente könnten sich nicht entwickeln, weil der Einstieg eben nicht superfluffig war und deshalb nicht gewählt wurde.
        Die Frage ist für mich, was Schule leisten soll:
        Lesen, Schreiben, Rechnen vermitteln? Auch da gibt es genug Kinder, die das Eine mögen, das Andere jedoch nicht.
        Kompetenzen zum Selbstlernen vermitteln? Perfekt, aber auch das bedeutet harte Arbeit und auch Misserfolge für die Schüler, und widerspricht damit all den Wünschen nach „Lernen muss Spaß machen“.
        Individuelle Stärken hervorkitzeln und Talente fördern? Ich kenne keinen Weg, wie man Schule mit den derzeitigen räumlichen, finanziellen und personellen Möglichkeiten so gestalten könnte, dass man ALLEN Kindern diesbezüglich auch nur im Ansatz individuell gerecht werden könnte.
        Im Moment versucht Schule nach meinem Verständnis, von all dem ein bisschen zu vermitteln. Je kleiner die Lerngruppen, desto schöner und individueller wird es. Unterrichte ich z.B. eine Gruppe von 10 Schülern in Informatik, wird jeder mit einem guten Wissensstand (in Schulnoten: 1-3), da rausgehen, einfach weil Probleme sofort erkannt und angegangen werden können. Frust bei den Schülern baut sich erst garnicht auf, weil sie wissen, dass sie die notwendige Unterstützung erhalten können. Bei 30 Schülern ist das einfach nicht möglich.
        Kleine Gruppen und die damit mögliche individuelle Zuwendung bedeuten auch Wertschätzung des Gegenübers, und ein Schüler, der sich als wertvoll wahrgenommen fühlt, ist im Normalfall auch lernwillig. Moderne und gut ausgestattete Schulgebäude tragen dazu ebenfalls ihren Teil bei.
        All dies ist der Gesellschaft in Bezug auf Schüler allerdings zu teuer.

  13. Wieso schreiben Sie, liebe Mutter von vier Kindern, ans Schulsystem?
    Nicht einmal an die Politik könnten Sie diesen offenen Brief richten. Jemand anderes schrieb es schon, die Gesellschaft ist verantwortlich für das Schulsystem in unserem Land.
    Schreiben Sie doch mal an Ihre Mitmenschen, die mit ihren Kreuzchen dafür sorgen, dass sich nichts ändert und dass es viel zu wenig Personal und Raum gibt, so dass ein „Vom-Kind-her“ überhaupt nicht stattfinden kann.
    Machen wir uns nichts vor: Was Sie sich wünschen, ist nur möglich, wenn sehr, sehr viele Menschen (Lehrkräfte, Pädagogen, Interessierte) Kindern beiseite stehen.
    Wenn wir nur eine bestimmte Menge Geld zur Verfügung stellen, müssen große Gruppen gebildet werden, muss man alles vorgegeben werden, muss Schule übergriffig sein, weil es nicht anders zu organisieren ist, wenn man gleichzeitig sicherstellen muss, dass die Gesellschaft mit dem Outcome einigermaßen zufrieden ist.
    Ja, man kann Noten abschaffen (bin sofort dabei!) und eine andere Form der Rückmeldung geben, so dass sich dann später Ausbildende und Hochschulen selbst darum kümmern, wie sie Menschen aussuchen. Aber auch das muss die Gesellschaft wollen. Und wenn Sie sich mal umhören, dann werden Sie feststellen, dass die Gesellschaft das nicht will. (Ich als Lehrkraft hingegen würde mich unendlich freuen, keine Noten geben zu müssen.)
    Als Letztes möchte ich noch sagen, dass der Staat viel übergriffiger sein müsste, damit so etwas, das Sie sich wünschen, überhaupt für alle möglich würde. Denn damit so etwas funktioniert, müssen bestimmte Grundvoraussetzungen bereits erfüllt sein, bevor Kinder ins Schulsystem empfangen werden: Sie müssen Selbstdisziplin und Eigenmotivation mitbringen. Und die Grundsteine dafür werden schon viel, viel früher gelegt, nicht erst mit der Einschulung.

  14. Ich finde das Kommentar der Mutter sehr gut! Sie hat völlig Recht!
    Und ja, es gibt sowas wie intrinsische Motivation… Das Problem ist nur, dass die meist schon in der 1.klasse verloren geht… Einige Konzepte zb freier Schulen lassen erahnen, dass selbstbestimmtes Lernen möglich ist.
    Und natürlich bedarf es Veränderungen, um diese Dinge zu ermöglichen! Zb nicht 30 kinder auf einen Lehrer!
    Die Politik spart an der Bildung! Es ist ganz klar. Kein Lehrer kann individuell auf 30 Schüler eingehen.

    Wieso gibt es die Schulpflicht? Statt Bildungspflicht. Wieso müssen Kinder in die Schulen, wieso sollten sie nicht auch Alternativen nutzen können, wenn sie damit auch ihre Lernziele erreichen?
    Wieso dürfen Diplomatenkinder hochwertigen Fernunterricht bekommen und andere Familien, die diesen Weg gehen möchten, müssen Bußgelder zahlen?

    • Intrinsische Motivation wird schon viel früher abtrainiert. Spätestens wenn Eltern keine Lust auf zu viele Fragen haben. Fragen Sie mal in jedem beliebigen Kindergarten nach, wie wenig motiviert viele Kinder dort bereits sind.
      Entwicklungspsychologisch betrachtet, ist das Elternhaus der prägende Faktor schlechthin. Wenn Kindern Selbstdisziplin, Interesse und Motivation (nicht absichtlich versteht sich) bereits im Kleinkindalter quasi abtrainiert wurde, kann man in der Schule eigentlich nichts mehr „versauen“.
      Es ist ein Trugschluss zu meinen, die Schule „versaue“ die Kinder.
      Natürlich kann man die Realität ausblenden und von seinem alternativ-intellektuellem Weltbild aus alles mögliche fordern, aber die Welt da draußen ist nicht so. Dort gibt es ganz viele Menschen, die quasi von Geburt an ganz viel Hilfe von außerhalb kriegen müssten, …
      Ganz ehrlich, solche Forderungen nach „Freiheit“ für alle, sind absolute Luxusansichten. Menschen, die von Geburt an unterprivilegiert sind, hilft das noch viel weniger als das, was wir jetzt haben.
      Weniger Ideologie, stattdessen mehr Realität, das wäre meine Forderung.

      • Entwicklungspsycholgie hört nicht plötzlich auf, wenn die Kinder vom Elternhaus >abgegebenSchule versaut< haarscharf daneben – es geht um die Chancen, WEITERENTWICKLUNG zu fördern – von welchem Niveau aus auch immer. Wie es scheint, gehen Sie aber von einer einseitig definierten BRINGEpflicht aus, die als Zugangsbedingung gilt. Und genau DA setzen die Fragen der Mutter an – denn das hat nicht mal mit gutem Unterricht zu tun.

        • Immer wieder diese Weigerung des Übetragungsprogrammes, eckige Klammern zu akzeptierem. Witzigerweise blieb der harte Kern der gekürzten Aussage erhalten.

        • Sie widersprechen mir gar nicht wirklich, lieber didih4. Die Fragen der Mutter setzen mitnichten dort an. Die Mutter möchte, dass sogar Kinder, die besagte Defizite mitbekommen haben, die Freiheit brkommen, alles selbst zu entscheiden. Sie möchte eigentlich nicht, dass solche Kinder besonders gefördert werden, weil das nämlich noch mehr Eingriff in die Entscheidungsgewalt der Eltern bedeutete.
          Die Autorin und Sie vergessen, dass es Menschen gibt, die man zu ihrem Glück „zwingen“ muss, weil sie sonst auf der Strecke bleiben. Die Mutter möchte, dass in Bildungseinrichtungen quasi die total Freiheit herrscht. Das aber widerspräche der von beschriebenen Bringschuld der Schule. Nichts für ungut.

  15. Der Artikel enthält zwei Aspekte.
    Einmal die Frage warum der Staat die Kinder bewertet, diszipliniert und unter Druck setzt.
    Zu anderen wird die Frage gestellt warum man nicht auf die eigenen Interessen und die eigene Motivation der Kinder mehr Augenmerk legt.
    Die Fragen sind leicht zu beantworten. Der Staat macht nicht Bildung um der Bildung wegen. Egal was da erzählt wird.
    Der Staat hat ein Bild des zukünftigen Bürgers vor Augen. Das entspricht einem Bürger der sich an die staatlichen Regeln (Gesetze) hält und einen Beitrag zur Gesellschaft leistet. Daher hält er es für wichtig, dass schon Kinder lernen Regeln ein zu halten.
    Die Bewertung der Leistung ist den wirtschaftlichen Aspekt geschuldet. Die Wirtschaft braucht qualifizierte Mitarbeiter, der Staat braucht Steuerzahler.
    Dazu ist es aus Sicht des Staates erforderlich gewisse Grundinhalte zu vermitteln, auch wenn diese nicht den Eigeninteressen der Schüler entsprechen.
    Eine Bewertung erfolgt dabei, um nach außen eine Rangfolge der Schüler anzuzeigen die den staatlichen Vorstellungen des erwarteten Lernerfolgs und der Einhaltung der erforderlichen Regeln an Besten entsprechen.
    Die Bewertung dient also Staat und Wirtschaft als Vergleichsmöglichkeit der Schulabgänger bezüglich ihrer Eignung ihre Rolle als Staatsbürger und Mitarbeiter zu erfüllen.

    Klar manches an der Kritik ist richtig!
    – Schüler sind eigene Individuen und sollten sehr ernst genommen werden. Eichhörnchen sind das Gegenteil davon.
    – Die Maßstäbe der Leistungsbewertung sind oft fragwürdig.
    – Die angesprochenen Grundinhalte sind ausgeufert. Lehrpläne quellen über. Deutschland eben.

    Manches kann ich aber nicht nach vollziehen.
    – Wie soll es ohne Regeln gehen. Klar man kann über jede Regel diskutieren! Wird das auch außerhalb der Schule gehen? Kann man in normalen Leben die Geschwindigkeitsbeschränkung ignorieren, weil man sie für unnötig hält. Kann man mit der Polizei über die Sinnhaftigkeit diskutieren?
    Ohne Regeln geht es nicht. Man kann nur über die Art der Vermittlung von Regeln diskutieren. Man sollte Schülern Regeln grundsätzlich im Vorfeld erklären. Einhalten muss man sie trotzdem.
    – Über die Lehrpläne müsste man schon seit Jahren sprechen. Unnötige Inhalte, zu viel.
    Aber nur Lernen nach den Eigeninteressen und der Motivation der Schüler. Beide Dinge sind bei vielen Schülern leider sehr begrenzt oder auf Themen bezogen die für den Staat keine bis sehr begrenzte Relevanz haben. Leider oft zu Recht. Videospiele, Fußball, Freibad, oder Geschlechtsverkehr sind zwar schön aber nicht staatstragend.
    Außerdem bezweifle ich, dass alle Schüler einer Klasse die gleichen Eigeninteressen haben. Wie gehe ich dann vor?
    Drei Schüler gehen im Wald spazieren, vier spielen Play-Station, fünf singen und klatschen, zwei malen ein Bild…

    Insgesamt spiegelt der Bericht ein sehr utopisches Bild der gewünschten Bildung dar. Außerdem nennt er nur Probleme ohne Lösungen zu erläutern.

    Er hat mich eher verwirrt als erleuchtet.

    Die akkurate englische Hecke der Regeln und Lehrpläne könnte ruhig etwas verwildern, mit brütenden Vögeln und ein paar mehr Gänseblümchen davor.
    Sie jedoch zu einen Dschungel verwuchern zu lassen ist auch nicht sinntragend.

    • Danke Schattenläufer, eine sehr sachdienliche und wahre Antwort, die ich so gerne mit unterschreibe.
      Auch ich als Lehrer wünschte mir eine offenere Schule, die SuS zum selbstständigen Lernen motiviert, ihre Stärken fördert, gemeinschaftliches Handeln mehr in den Focus rückt etc. aber das ist nur (m)eine Meinung. In unserer Gesellschaft, die rücksichtsloses egoistische Verhalten monitär stärker belohnt als Mitgefühl und Gemeinsinn und ständig zum Konsum auffordert, anstatt zu Kreativität und zum Nachdenken, fühle ich mich damit oft auf verlorenem Posten und renne mit meinen Mitteln schon bei der SL gegen die Wand, die Anweisungen von Kumus und der Schulaufsicgt umzusetzen und zu verkünden hat- ohne deren Nachhaltigkeit und Folgen in Frage zu stellen. Flache, kooperative Kommunikation und Strukturen sind schon auf dieser Ebene von der Persönlichkeit der SL und dann auch von der Motivation des Kollegiums abhängig, sich einzubringen. Da Schule eine Massenveranstaltung ist und durch Sparmaßnahmen ( große Klassen, Personalmangel, geringe Ausstattung mit pädagogischen Material etc. ) immer eingeschränkter handeln kann, ist eine gesellschaftliches Umdenken nötig.

    • Es ist 12:15, ich habe den Ausgangsartikel und alle bisher sichtbaren Kommentare gelesen.

      In den Kommentaren von
      @Schattenläufer 5. April 2021 um 09:16
      @Katinka 5. April 2021 um 09:22
      kann ich mich weitgehend wiederfinden, denn auch wer etwas verändern möchte, muss ja „mit dem arbeiten, was da ist“.
      (Egal in welche KONKRETE Richtung die Veränderung führen soll, diese Richtung lässt der Ausgangsartikel völlig offen – auch das nur wieder ein „Fahren auf Sicht“, woher kenne ich das bloß?)
      FAZIT:
      So einfach isses leider nicht!

      • Pit – wer hat denn behauptet, es gehe EINFACH?
        Es geht um mit-LEIDEN an den obwaltenden Bedingungen – und um mit-KÄMPFEN für eine schrittweise Verbesserung. Ihre „Zeugen“ und Sie selbst scheinen zu Beidem nicht ernsthaft bereit…. Und so bleibts eben bei dem Status Quo, perfekt aufrecht erhalten durch die fortwährenden MACHER, „mit dem, was da ist.“
        Sehr schade – wegen meinen Enkeln…

  16. Ich finde beides besser als den Status Quo: entweder knallhart selektieren und bewerten in einem homogenen System oder wir haben uns alle lieb im heterogenen Projektunterricht.
    Nur die gegenwärtige Vermischung der Nachteile beider Systeme ist klar abzulehnen. Wir berechnen zur Zeit Noten auf die dritte Kommastelle genau, die dann für nichts relevant sind; wir haben altershomogene Klassen, sollen aber individualisiert unterrichten; wir haben getrennte Fächer, sollen aber fächerübergreifend unterrichten; etc.
    DAS treibt mich persönlich in den Wahnsinn: die unvereinbaren Erwartungen, die durch das Mischsystem induziert werden. Ich soll Pelze waschen, aber niemand darf nass werden.

  17. Ich finde diesen Artikel ziemlich befremdlich und ich schreibe auch als Mutter. Sicher ist nicht alles super im Schulsystem und Veränderungen und Reformen werden immer wieder nötig sein, doch die Dinge, die die Mutter hier kritisiert (ohne mal eine Alternative aufzuzeigen) sehe ich nicht so.

    „Du sagst z. B. Kooperation – und meinst aber eigentlich den Zwang zum Mitmachen.“

    Was ist die Alternative? Es gibt eine Schulpflicht in Deutschland, dazu kann man seine Meinung haben – ok. Aber was ist der Gegenvorschlag der Mutter, dass die SchülerInnen nur dann am Unterricht teilnehmen, wenn sie grad wollen? Einfach mal eine Aufgabe weglassen, weil sie dazu gerade nicht gezwungen werden möchten?

    Putzen Ihre Kinder auch nur Zähne, wenn sie grad Lust drauf haben oder bleiben bis spät in die Nacht auf, weil sie nicht gezwungen werden möchten, schlafen zu gehen?
    Es soll ja Kinder geben, die ohne Regeln aufwachsen. Mir hat sich bis heute nicht erschlossen, warum das ein Vorteil sein soll, da es im Zusammenleben mit anderen Menschen (sei es zu Hause, in der Schule, unter Freunden, im Job) immer einen Mindestkonsens geben muss, an den sich jeder hält, das war schon bei unseren Urahnen so.

    „Warum bewertest und beurteilst Du Menschen ungefragt?“

    Damit sind wohl Schulnoten gemeint. (Die gibt es seit Jahrhunderten!) Wieder stellt sich die Frage der Alternative: Die SchülerInnen sollen gefragt werden, ob der Lehrer sie bewertet, ob sie das möchten? Jeder bewertet und beurteilt im Alltagsleben ständig Situationen, Aussagen, Menschen, das ist ja nicht nur in der Schule so. Und die Angst vor (schlechten) Noten kommt m. E. nur daher, dass die Eltern zu viel Druck machen und entsprechend reagieren, wenn das Kind die gewünschte Note nicht heimbringt und sie es dennoch unbedingt an der für das Kind ungeeigneten Schulart haben wollen, koste es, was es wolle. Ich frage mich schon lange, warum so viele Eltern das ihren Kindern antun.

    „Warum nennst Du Auswendiglernen und Reproduzieren eigentlich Lernen?“

    Ich kenne niemanden, der das so nennt. Nur ist es leider häufig so, dass viele SchülerInnen zu mehr nicht in der Lage sind (oft auch wegen des oben genannten Problems der falschen Schulart). Sobald eine Transferleistung in einer Klassenarbeit vorkommt, stehen die Eltern auf der Matte und beschweren sich (unter Umständen gleich direkt bei der Schulleitung), dass das ja so nicht im Heft steht und woher sollen die Kinder das wissen, das konnten wir (= Kind und seine Eltern) ja nicht so lernen. Oder wenn es für ein auswendig gelerntes und runtergeleiertes Referat keine so gute Note gibt, kommen die Eltern sofort in die Sprechstunde, dabei war vorher ganz klar, worauf es beim Referat ankommt.

    „Warum tust Du außerdem immer so, als gäbe es keine Alternative zu Dir?“

    Und wieder: Welche Alternative schwebt dieser Mutter vor?

    Ich kann mit diesem Artikel nichts anfangen, es bleiben einfach zu viele Fragen offen.

  18. Großartig!
    Gerade als Mutter einer Asperger Mädchens, welches so sehr gekämpft hat und mit nicht mal 15 Jahren komplett aus dem System geworfen wurde, finde ich das absolut richtig.
    Das war 2014.
    Seit Jahren arbeite ich mit Herzblut als Schulbegleiter.
    Als Kämpfer für die Inklusion finde ich den Text großartig!
    Denn es kann tatsächlich funktionieren.

    Ich bin voll bei 5nach12.

  19. Eines der Grundprobleme scheint mir zu sein, dass der Lehrerberuf, der weitgehend nur über ein ordentliches Studium „auf Lehramt“ zu erreichen ist, zum Einstieg erst einmal viel Geld kostet. Die Aussicht auf A13 und eine Pension ist eigentlich als Motivation nicht groß genug, sich für ein solches Studium zu entscheiden. Da gehört also eine gehörige Portion Leidenschaft dazu, sich durch den länderspezifischen Studiendschungel und den höchst unterschiedlichen Zulassungsbeschränkungen zu kämpfen. Und nach der eigenen Schulkarriere und dem Studium dann nach dem Praxisschock sich zu fragen, ob man die letzten Jahre nicht auf ein völlig falsches Pferd gesetzt hat.

    Ich frage mich, ob ein duales Studium als Lehreranwärter im gehobenen Dienst nicht zielführender wäre. Die Städte könnten in einem Bewerbungsverfahren geeignete Kandidaten auswählen, in Lehramtsakademien fachbezogen ausbilden und in Schulen die praktische Ausbildung parallel vertiefen. Die Anwärter hätten finanzielle Sicherheit und eine hoffentlich fundierte Ausbildung, die es ihnen ermöglicht, vor der Klasse zu bestehen.

    Professor und Doktor wird man damit nicht, so viel ist klar. Aber es geht in der Schule ja auch nicht darum, wissenschaftlich zu arbeiten und neue Erkenntnisse zu Themen zu gewinnen, sondern allgemeines und hie und da auch vertieftes Wissen an mehr oder weniger motivierte Schützlinge zu vermitteln. Dafür muss man in Teilen sicherlich auch Entertainer sein, damit Wissensvermittlung auch so etwas wie Spaß beinhaltet. Der Nürnberger Trichter ist da das genaue Gegenteil und vermutlich ungeeignet.

    Es geht in der Schule auch darum, bei Kindern Interesse zu wecken und, ja, auf ein Berufsleben vorzubereiten. Selbstverwirklichung ist eine tolle Sache, aber ich fürchte, das kann Schule nicht leisten. Der Lehrplan schreibt Themen vor, die am Ende des Schuljahres gekonnt werden sollen, wenigstens verstanden werden sollten und im Idealfall haften bleiben. Meine Kinder fragten mich bei manchen Mathethemen, wofür man das denn bitte später mal brauchen würde, und neben den Stanardantworten „wenn Du Dachdecker oder Physiker werden willst“ sagte ich immer: „um später Deinen Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen.“

    Es gibt das schöne Wort der Methodenkomptenz. Was hilft mir, Probleme zu lösen? Probleme überhaupt zu erkennen? Zusammenhänge herzustellen. Daran scheitert die Schule nach meiner Erfahrung. Der Stundenplan erfordert, dass erst Mathe, dann Geschichte und in der nächsten Stunde Englisch unterrichtet wird. Als Lehrer hat man das Ziel, den Lernstoff duchzubringen. Als Schüler aufgrund der Themenvielfalt lautet das Ziel eher, die Stunden zu überstehen. Eine Vernetzung der Themen wäre aus meiner Sicht hilfreich, beides zu unterstützen. Geschichte (auch Religionslehre), Erdkunde, Klimabiologie und -chemie könnten ein Themenkanon sein, der durch das Schuljahr begleitet. Sprachlehre als Bindeglied zwischen Deutsch und den Fremdsprachen könnte didaktische Themen vermitteln. Und gerade in der Klassenstufe 7-9 ist Soziologie als Hauptfach unerlässlich.

    Ob die Lehr- und Stundenplan darauf abgestimmt sind, kann ich aktuell nicht beurteilen. Ob das Schule besser macht, leider auch nicht. Wir scheuen uns verständlicherweise, die Schulen und damit unsere Kinder als Experimetierfeld zu verwenden, um Dinge mal auszuprobieren. Aber so wie es ist, kann es nicht bleiben.

    • Danke, DAS ist ein Beitrag, über den man reden kann. Ich würde das meiste so unterschreiben, vor allem den dringenden Bedarf nach mehr fächerübergreifendem, handlungs- und problemorientierten Unterricht. Was die Ausbildung der Lehrer angeht, bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob es eine Wissenschaftspropädeutik in der Abiturstufe geben kann ohne Lehrer, die auch selbst vollstudiert haben. Und wenn man dann nicht wieder Lehrer erster und zweiter Klasse (auch hinsichtlich der Bezahlung) haben will, dann muss man wohl das Studium allgemein voraussetzen.

  20. Liebe anonyme Mama von 4 Kindern,
    vielen lieben Dank für ihr Schreiben, welches die Defizite unseres Schulsystems aufzeigt.
    Als Grundschullehrerin ist es meine Aufgabe, komplexe Inhalte herunterzubrechen, damit sie von Kindern verstanden werden, auch auf die Gefahr hin, dabei Dinge zu sehr zu vereinfachen.
    Also nehme ich für eine Antwort auf Ihr Schreiben eine Gesellschaft an, die recht einfach gestrickt ist, also eine Steinzeitjäger-Gesellschaft, die Prärie-Indianer im 16.Jahrhundert.
    Die Menschen lebten in überschaubaren Gruppen, jedes Kind wurde von der ganzen Gruppe erzogen. Jeder war „Lehrer“, je nach seiner besonderen Expertise. Und jedes Kind konnte – je nach seinen individuellen Fähigkeiten – intrinsisch motiviert seinen „Unterrichtsstoff“ selbst bestimmen.
    Nach einigem Ausprobieren konnte sich das Kind seine Lehrer aussuchen. Wollte es das Feuersteinschlagen lernen, setzte es sich zum Feuersteinschläger, verfügte es über eine gute Mustererkennung und ein hervorragendes Gedächtnis, war die Medizinfrau an dem Kind interessiert, war es schnell, wendig und geschickt konnte es sich als Jäger profilieren.
    Jedes Kind konnte – je nach Begabung – seinen Platz in der Gruppe einnehmen.
    „Ich frage mich zum Beispiel, warum Du so viele Begriffe nicht nach ihrer eigentlichen Definition benutzt. Du sagst z. B. Kooperation – und meinst aber eigentlich den Zwang zum Mitmachen. Du bezeichnest Kinder oder Eltern, die anderer Meinung sind oder nicht das tun wollen, was Du ihnen aufgetragen hast, als unkooperativ. Sind sie wirklich unkooperativ, oder einfach nur anderer (eigener) Meinung?“
    Kooperation war überlebenswichtig, also der „Zwang zum Mitmachen“ zum Wohl der Gruppe. Eigene Meinungen waren willkommen, solange sie der Gruppe förderlich waren. Wenn nicht – nun, dann bekam man halt das Essen, das übrigblieb! Wenn etwas übrigblieb!
    „Ich frage mich außerdem: Warum bewertest und beurteilst Du Menschen ungefragt? Was bezweckst Du damit? Was möchtest Du erreichen? Und hast Du jemals geprüft, ob das, was Du damit erreichen möchtest, auch tatsächlich eintritt?“
    In unserer „idealen“ Gesellschaft muss niemand das Kind bewerten und beurteilen, das macht das Leben selbst! Ein Kind, dass sich in der Natur unkonzentriert und undiszipliniert bewegt, wird entweder nicht alt genug werden um seine Gene weiterzugeben, oder das Überleben der Gruppe gefährden (Stichwort: Vertreibung des Jagdwilds) und hungern. Die Konsequenz erfolgt unmittelbar!
    „Warum forderst Du Respekt und Rücksichtnahme ein, bewegst Dich selbst aber unentwegt und ungefragt in den persönlichen Bereich der Kinder hinein, in dem Du ihr Recht auf Freiheit beschränkst, ihnen Aufträge erteilst, sie in Klassen und Gruppen einteilst, sie bewertest, einstufst und selektierst… Und wunderst Dich dann, wenn Kinder über Dein Verhalten wütend werden und weist ihnen ein Aggressionsproblem zu?“
    In unserer „idealen“ Gesellschaft wird vorausgesetzt, dass – wenn du deine Kindheit überlebt und dadurch Überlebensstrategien gesammelt hast – du ein Experte geworden bist, der sein Wissen, seine Expertise, weitergibt, um das Überleben des noch unwissenden Kindes zu ermöglichen. Sollte es dadurch aggressiv werden, kann es sich natürlich darüber hinwegsetzen, aber die Realität wird es dann bewerten, einstufen und eventuell (heraus)selektieren.
    „Und dann das Thema Lernen. Darum geht es doch eigentlich bei Dir! Warum nennst Du Auswendiglernen und Reproduzieren eigentlich Lernen? Weißt Du denn gar nicht, was Lernen ist? Und wie es funktioniert? Darüber haben doch so viele kluge Menschen schon so viel geforscht, und viele Erkenntnisse gewonnen. Das kann jeder in klugen Büchern oder im Internet nachlesen. Hast Du das mal gemacht? Warum wendest Du diese ganzen Erkenntnisse denn nicht an? Ist echtes und vor allem auch nachhaltiges Lernen nicht leicht und lebendig, organisch und voller Begeisterung? Und ist dann auch nach Jahren noch präsent und abrufbar?“
    In unserer „idealen“ Gesellschaft ist Lernen mit Sicherheit „nachhaltig“! Aber deswegen nicht frei von Anstrengung und nur der reine Spaß! Schaffst du es nicht, mit viel Anstrengungsbereitschaft eine Tierhaut zu gerben, wird dir deine Kleidung auf der Haut verfaulen, dein Pfeilschaft, den du mal eben so „husch-husch“ begradigt hast, wird sein Ziel verfehlen und die pflanzliche Nahrung, die du – ohne genaue Kenntnis – gesammelt hast, wird dich vergiften. Ja, du musst (auswendig)lernen, dich anstrengen, dich auch mit unangenehmen Dingen abmühen, sonst wird das mit dem Überleben nichts!
    „Und eins noch: Du sagst doch, Du machst Demokratieerziehung. Und dann setzt Du aber alle Regeln selber und forderst ein, dass die Regeln eingehalten werden. Regeln einhalten lernen und selber keinen Einfluss darauf zu haben, das ist doch das Gegenteil von Demokratie. Oder was sagst Du dazu?“
    In unserer indianischen Jäger- und Sammlergemeinschaft legten die Mütter ihre Hand über Mund und Nase des schreienden Kleinkindes, bis es halb erstickte. Waren diese Mamas alle Sadisten? Nein! Aber sie wussten, dass Kinder nicht gruppenorientiert handeln! Kindern geht es um die eigene, unmittelbare Bedürfnisbefriedigung, ohne Rücksicht auf die Gruppe! Sie können nicht anders denken! Und es ist die Aufgabe der „Experten“, sie vor dem Verhungern (Vertreibung des Jagdwilds) zu schützen, auch wenn es unangenehm ist!
    „Warum tust Du außerdem immer so, als gäbe es keine Alternative zu Dir? Hast Du vielleicht Angst, dass wir Dich gar nicht mehr wollen? Fang doch mal bei Dir an! Könntest Du vielleicht aufhören, immer der Bestimmer sein zu wollen?“
    Wir können natürlich abwarten, bis das Leben der „Bestimmer“ ist. Bei Weitem nicht alles, was ich in der Schule lernen musste, hat noch seinen Platz in meinem jetzigen Leben! Es eröffnet aber Möglichkeiten! Exponentialfunktionen habe ich lange nicht gebraucht. Nun bin ich froh, dass ich mir etwas darunter vorstellen kann. Physik, Chemie, Biologie, Geschichte, Geografie? Viel Lernerei, viel Schweiß und „Tränen“. Hilft mir aber, mich nicht von „Fake-News“ und Verschwörungstheorien beeinflussen zu lassen!
    Auch in unserer wesentlich komplexeren Gesellschaft sind Kinder nun mal keine kleinen Erwachsenen! Sie kommen auch nicht als ausgebildete Mediziner, Virologen, Klempner…. auf die Welt. Und auch in unserer komplexen Gesellschaft, in der Konsequenzen erst sehr spät sichtbar werden und nicht unmittelbar erfolgen, in der Kinder nur wenig Bezug zur Erwachsenenwelt haben und mit Hartz4 überleben können, ist Ausbildung und Erziehung nicht obsolet! Spaß und Freude am Lernen sind wichtig, aber NUR darauf zu setzen, verkennt die Lebenswirklichkeit!

    • @Alla

      Liebe Alla,
      vielen Dank für diese ausführliche und stimmige Entgegnung.
      Manches (die Grundidee mit der „idealen Gesellschaft“ und dem „einfachen Leben“) ging mir in Ansätzen durch den Kopf. Jedoch verlangt mein Kopf nach über 1 Jahr Durcheinander auf allen möglichen Ebenen auch hie und da mal nach einer Pause.
      Ich bin dankbar für sinnvolle Beiträge, in denen ich mich einfach gedanklich wiederfinden kann. So etwas hilft mir persönlich zur Zeit ungemein weiter.
      Danke schön!
      🙂

    • Eine tolle Antwort auf diesen Artikel, sehr schön und anschaulich auf den Punkt gebracht und mit Beispielen aus dem Leben bzw. aus der Natur, vom Ursprung des Menschen gebracht.

  21. Ich als Lehrerin und Mutter von drei Kindern, kann mich da nur anschließen. Ich weiß nicht, warum so viele Kollegen*innen hier Angst vor Reformation zeigen. Durch einen Unterricht der jede Neugier und jeden Wissensdrang im Keim erstickt, ist keinem geholfen. Der Unterricht in so großer Klassenstärke (jede Tierschutzorganisation würde von Massentierhaltung sprechen) und das maßlose befüllen der Lehrpläne trägt ebenfalls nicht zu einer Verbesserung der Situation bei. Lehrer sind ebenso bei ihrer Entfaltung durch das System unterdrückt und werden in alte Strukturen gepresst. Ich bin für Erneuerung!

    • Es ist nicht Aufgabe der Lehrer, das Schulsystem zu reformieren oder Lehrpläne anzupassen. Ich kann nicht glauben, dass das immer noch nicht in den Köpfen ist! Einerseits wird immer gemeckert, wenn es um die Verbeamtung von Lehrer geht, aber nicht gesehen, dass das wohl ein Grund ist, da Lehrer sich eben nach den Vorgaben des Ministeriums richten müssen und eben gerade nicht einfach irgendwas ändern können, weil wir anderer Meinung sind. Wünsche zur Änderung unseres Schulsystems oder der Lehrpläne als bitte immer an die Kultusministerien, nicht an die Lehrer!!

  22. @Schattenläufer: 100prozentige Zustimmung.
    @die Mutter: wir leben in einer freiheitlichen Demokratie. Sie haben also das Recht, ihre Sachen zu packen und mit Familie in ein andres Land auszuwandern. Amerika zum Beispiel erlaubt homeschooling. Ich habe dort lange gelebt und hatte Nachbarn, die das gemacht haben. Trotz anfänglicher Skepsis hat mich das Modell der Familie für diese Kinder überzeugt. In anderen Familien muß das nicht unbedingt funktionieren. Ein weites Feld… aber: Sie kennen ihre Kinder am besten und wissen, was ihnen gut tut. Und: Kinder sind verschieden. Was der eine braucht (ständige Auseinandersetzung mit anderen Individuen), kann für den anderen einfach zu viel sein ( ständiger Lärm, Anweisungen, Streit, Reizüberflutung).

    • vielleicht haben manche Eltern in Amerika einfach nur Angst ihr Kind auf allgemeine Schulen zu schicken. Gewalt, Kriminalität und ein anderes, weniger effektives Schulsystem schreckt evtl. manche Eltern ab. Vor einiger Zeit wurde über Familien im Tv berichtet, die ihre Kinder zu Hause unterrichten (Auswanderer). Ich hatte den Eindruck, dass es hier mehr um den Willen der Eltern geht. Die Kinder machten auf mich keinen glücklichen Eindruck. Vielleicht wollen manche Eltern ihre Kinder einfach nur nicht „loslassen“. Die Kinder wollen aber nicht ewig „Baby“ sein. Sie wollen ihre eigene Persönlichkeit entwickeln, sich von den Eltern ablösen und Kontakt mit Gleichaltrigen aufnehmen. Davor haben manche Eltern Angst. Ich unterrichte schon seit 40 Jahren. Davon seit 20 Jahren in der 1. und 2.Klasse.

      • @Roswitha Kurz Es gibt Eltern in den USA, die aus Überzeugung ihre Kinder homeschoolen. Sie schließen sich zusammen und ermöglichen dadurch ihren Kindern in allen Fächern gut lernen zu können. Es kommt auch vor das die Eltern nur in den ersten Jahren homeschoolen und die Kinder später zur Schule gehen lassen. Schule in den USA ist ganz anders als in Deutschland. Da ich während meines Studiums an einer Grundschule K-1 (Kindergarden – First Grade) als Mentor gearbeitet habe darf ich das so sagen. Wenn ich da schon Kinder gehabt hätte, hätte ich Homeschooling auf jeden Fall bevorzugt.

  23. Ich greife ein paar Aspekte auf:

    Es gibt schon solche Schulen, die eher an das herankommen, was sich die Autorin so vorstellt: Ich denke z.B. an die preisgekrönte Gemeinschaftsschule in Wutöschingen oder an einige Versuchsschulen bzw. auch an Privatschulen. Den Ansatz, den diese Schulen haben, finde ich gar nicht schlecht – mit der Zeit wird sich erweisen, was praktikabel ist. Ein gutes Schulsystem sollte die Persönlichkeitsbildung (nicht zum Zweck einer Berufsausbildung) nicht vernachlässigen.

    Doch ohne Leistungsnachweise/Abschlussprüfungen kommt keine Schule aus, da diese Voraussetzungen für einen weiteren Berufseintritt sind.

    Allerdings können wir nicht so weit kommen, dass jedem Kind sein eigenes Süppchen gekocht wird, da geht in meinen Augen die soziale Denkweise unter bzw. wird aberzogen. Man muss auch einmal lernen, unangenehme Sachen durchzuziehen, sonst kann kam im Beruf nicht bestehen. Durchhaltevermögen ist eben auch wichtig, es geht nicht immer nur nach Lust, Laune und Motivation.

    Erste und zweite Grundschulklassen geben den Klassen Namen wie im Kindergarten um die Identifikation mit der Klasse zu erleichtern. Zu Tieren haben die Kinder meistens einen guten Zugang. Ich war nur an einer Schule, wo das so gemacht wurde, die Kinder waren ganz stolz in der ….. klasse zu sein.

    Man kann aber nicht immer alles am System festmachen. Unsere Schule braucht Lehrer, zu denen Kinder gerne in die Schule gehen. Menschen, die von ihrer Person bzw. Persönlichkeit im Umgang mit Kindern und Jugendlichen geeignet sind. Dieser Aspekt fällt oft unter den Tisch. Deswegen sollten solche Lehrer werden, die sich dazu berufen fühlen – nämlich mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, sie zu verstehen und sich für diese einzusetzen. Dazu sollte es im Studium genug Angebote geben, wo man lernt, Schüler zu verstehen. Das gehört unbedingt zum Fachwissen und der Fachdidaktik dazu.

  24. Das kann man alles machen und es wird an Waldorf- und Montessorischulen auch gemacht, zumindest am Anfang. Aber auch die beste Pädagogik aus einem Guss können die Schulen nicht durchhalten, wenn sie den überfrachteten, zentralen Abschluss anbieten wollen.

    • Was ist also in Frage zu stellen: Die Methoden dieser Schulen – oder die zentralen Abschlüsse?

      Es gibt seit Jahrzehnten, seit einem Jahrhundert Absolventen von Waldorf- und Montesorischulen (um sie als Beispiele zu nennen). Das sind nicht alles spielsüchtige Versager und Hartz-4-Empfänger geworden, wie es weiter oben als Folge eines „anderen“ Systems in Schule unterstellt wurde.
      Ach doch, es gibt Versager unter ihnen.
      Zum Beispiel Leute, die Lehrer geworden sind und im „normalen“ Schulsystem nicht zurechtkommen, die dort scheitern – weil sie nicht dahinterstehen können, weil sie wissen, dass es anders, dass es besser und kindgerechter geht.
      Und das geht, ohne lauter kleine Egoisten heranzuziehen – denn genau das wollen diese Schulen NICHT.

  25. Bei allem Respekt, aber die anonyme Mutter hat hier einige Begrifflichkeiten durcheinandergebracht und/oder nicht richtig definiert. Man findet bei jedem ihrer Argumente ein Fünkchen Wahrheit, deshalb auch die Zustimmung hier. Aber …..
    In einer Gesellschaft, wie hier bereits mehrfach beschrieben, lebt das Individuum nicht isoliert für sich alleine, oder sollte es zumindest nicht, deshalb bedarf es Regeln des Zusammenlebens. Sie verstehen unter Kooperation, dass jeder seine Meinung durchsetzen kann und nicht zum Mitmachen gezwungen werden soll? Dann ist allerdings keine Kooperation mehr möglich, denn da muss man auch kompromissbereit sein und in der Gruppe auf einen Konsens kommen, der für alle akzeptabel ist. Das versucht Schule zu vermitteln und das ist ein wichtiges Merkmal für die Sozialkompetenz.
    Disziplin ist für Sie reiner Gehorsam? Es wäre für sie also in Ordnung, wenn die Schüler herumschreien, wenn der Lehrer gerade etwas erklären möchte oder ein Mitschüler etwas vorlesen möchte? Wo bleibt dann das Lernen der Rücksicht auf Andere und das Zurückstecken eigener Interessen, sofern sie Anderen schaden? Laisser-faire hat noch nie zu einem sinnvollen Ziel geführt.
    Die Debatte, ob Noten abgeschafft werden sollen, wird schon lange geführt. Die Sache ist aber diffiziler und komplexer, als viele Befürworter das sehen. Alternativ müsste man dann ein neues und ausgereiftes Bewertungssystem erstellen, denn die Schüler wollen eine Vergleichbarkeit und einen Ansporn, auch wenn das Eltern nicht so sehen.
    So, so, man nimmt den Kindern das Recht auf Freiheit, indem man sie in ein Klassenzimmer zwingt und ihnen Aufgaben vorlegt. Also Sie müssen doch selbst zugeben, dass dies schon sehr weit hergeholt ist und einer euphorischen Ideologie entspringt, die Kinder seien von Haus aus perfekt und wissen genau, was gut für sie ist, sie haben dafür natürlich die umfassende Erfahrung und das Wissen. Wie soll denn diese große Freiheit aussehen?
    Am Ende des Vorwurfspamphlets wird ganz gezielt gegen die Lehrer vorgegangen und pauschal unterstellt, dass sie immer bestimmen wollen und den Schülerwillen wenig beachten. Das mag für einige wenige Lehrer zutreffen, aber ich kenne das anders. Die Zeiten sind vorbei, wo das Lehrerzimmer zugesperrt war, mit dem Lehrer kein Kontakt außerhalb des Unterrichts, Notengebung ein Geheimnis, Sprechstunden nur für Eltern vorgesehen, das verhasste Sprachlabor das Non-Plus-Ultra. Und werft doch bitte auch mal einen Blick auf die schulische Entwicklung, noch in den 50er/60er Jahren waren körperliche Züchtigung an der Tagesordnung, Lehrer waren tatsächlich oft gefürchtet und unnahbar, Klassenstärken von 60 Schülern und mehr die Normalität. Von daher hat sich das „System“ Bildung schon gewandelt, zum Glück.
    Der Idealfall nach den Ausführungen der „anonymen Mutter“ wäre eine individualisierte Lernsituation für jeden Schüler, das heißt aber auch, pro Schüler ein Lehrer, der auf alle speziellen Eigenheiten und Bedürfnisse des jeweiligen Schülers eingehen kann. Utopisch.
    Zum Lernprozess gehört nun mal auch, dass das Leben und Lernen nicht nur ein Wunschkonzert ist, aber es ist durchaus möglich, dass man seine Umwelt mitgestaltet, wenn man es denn gelernt hat. Und dazu gehört nun mal auch das Elternhaus.
    Und wie bereits von anderen Kommentatoren festgestellt: hier wird nur angeprangert, ohne praktikable Alternativen vorzuschlagen, und die Betonung liegt auf „praktikabel“. Wenn man mit solchen Eltern persönlich spricht, sind die Vorwürfe und Argumente schnell entkräftet.

  26. Ich bin dieser Mutter sehr dankbar für ihre sehr deutliche Fragestellungen, die durchaus ihre Berechtigung haben!

    Die Gesellschaft wird sich nach dieser Pandemie verändern und damit auch dieses leidige absolut veraltete Schulsystem- das hängt nämlich alles aufs engste zusammen.

    Zu diesem Thema lohnt es sich das Buch von Hüther und zwei Koautoren zu lesen „Education for future“. Wir brauchen unbedingt Menschen, die innovativ denken und nicht ewig, aus lauter Angst, an den „alten Zöpfen weiter stricken“.

  27. … Im Leben gibt es stets mehrere Wahrheiten, und so mag ich Alla oder vielen anderen ebenso zustimmen, wie ich der anonymen Mutter von vier Kindern nachfühlen kann, was sie äußert. Die EINE Wahrheit gibt es nie im Leben; aber es ist m.E. sehr viel gewonnen, wenn jeder seines zum Thema „Kinder und Lernen“ tut: mit so viel Liebe und Hingabe zum Kind, wie nur möglich. Und als Eltern kann man in der gemeinsamen Zeit mit dem Nachwuchs SEHR viel tun, um diesem die intrinsische Motivation zu erhalten…m.E. besonders in den Bereichen Musik, Kunst, finanzielle Bildung, Natur, Geschichte… bzw. generell Themen, die Schule nicht so gut abbilden kann.
    Schmerzlich finde ich seit Jahren, dass die Bereiche Musik (und Kunst) an den Schulen von Jahr zu Jahr weniger wahrnehmbar sind. Schade. (Zum Glück gibt es private Musikschulen….) Ich wünsche mir generell eine größere Diversifikation an Schulen – (es muss ja nicht jeder sein Kind an staatliche Schulen schicken? Es muss ja nicht jeder Lehrer an staatlichen Schulen arbeiten?) …ich denke, dass nach Corona auch noch etwas mehr schulische Vielfalt entstehen wird. Vielen Eltern wird der Zusammenhang zwischen z.B. prekär beengter Beförderung und Viren derzeit gerade intensiv bewusst. Auch die Kindergesundheit wertschätzende Themen wie Virenfilter werden Eltern zunehmend wichtiger werden…übrigens, interessanterweise gibt es das schon, z.B. hier https://einsteingymnasiumdus.de/startseite/aktuelles-2/neuigkeiten-2/virenfilter-am-aeg/

  28. Ja. Jetzt muss man wohl mit hätte, wäre, wenn kommen.

    Bei all der geforderten Freiwilligkeit geht man leider immer von dem Musterschüler aus oder eben von denen, die leicht zu motivieren sind.
    Was aber, wenn das Kind einfach gerade keine Lust hat. Man bedenke, es gibt so etwas, wie Pubertät. Da ist Schule einfach „Scheiße“. Und das wird auch immer so bleiben. Da kann man noch die tollsten Angebote machen. Nachmittags AGs Hip Hop, Theater, DJ, Sport… für jeden etwas dabei. Aber kaum jemand ab der 8. Klasse nimmt daran teil. Warum?
    Weil Schule sau uncool ist. Wer will mit 13 länger in der Schule bleiben als nötig? Lieber chillen in der Stadt oder zocken auf der Playsi. Hey Teacher, leave us kids alone, sang damals schon Pink Floyd. Und nun ja: Es ist immer noch so. Kids mögen Schule nicht, auch wenn sie noch so toll gestaltet wäre. Die Pubertät ist halt nun mal für die meisten die Zeit der Rebellion. Da können wir Erwachsen das noch so blöd finden, aber diese Zeit ist Fakt und sie wird kommen.
    Ein bisschen wie bei den Kultusministern und der 3. Welle.

    Lieber Schreiberin, das was Sie schreiben ist gar nicht mal schlecht. Aber einfach nicht zu realisieren. Selbst wenn alle wollten, wäre es etwas, das zum Scheitern verurteilt ist. Bissi Walldorf, bissi Skandinavien, aber weiterhin volle Klassen, kleine Räume und kein Geld. On top pubertierende Kinder mit Null-Bock und ohne Druck. Das endet in Woodstock!

    Kleine Anekdote: Bei nem Ausflug einer Kollegin mit ihrer siebenten Klasse, meinten zwei Jungen und ein Mädchen sich im Maisfeld abseilen zu müssen. Dort haben sie sich dann ein nettes Plätzchen gesucht und einen flotten Dreier geschoben inkl. Filmmaterial zum Mitnehmen und Weiterverbreiten im Internet.

    Und warum Lehrer immer wieder gerne eine Zielscheibe sind, bleibt weiterhin ein Rätsel.

    Fast so, wie wenn ich sagen würde: Wollen Eltern nur noch für die Zeugung der Kinder verantwortlich sein und den Rest machen dann Erzieherinnen und Erzieher und später Lehrerinnen und Lehrer?

    Also bitte: Hören Sie doch auf mit dem Quatsch!

  29. Komisch, dass man trotz dieses Schulsystems die Anzahl der absolvierten Schuljahre später im Gehalt nachweisen kann. So schlecht kann „das System“ ja dann eigentlich nicht sein.
    Wo in der Welt gibt es ein solches Schulsystem, wie oben beschrieben? Das würde mich sehr interessieren.

    • Glauben denn die Leute ernsthaft, dass LeherInnen nur folgsame, stromlinienförmige SchülerInnen haben möchten? Ich möchte SchülerInnen, die mitdenken, die sich kritisch äußern, die ihre eigenen Gedanken entwickeln, die nicht alles so hinnehmen. Was ich in den letzten Jahren leider feststellen muss ist, dass SchülerInnen z. B. politische Entwicklungen überhaupt nicht interessieren – nur noch mit sehr wenigen kann man diskutieren, den meisten ist es egal (Überwachungsstaat, Klimawandel, usw.) – Schade eigentlich.

      Noch ein interessanter Link
      https://www.jetzt.de/jetztgedruckt/sie-haben-uns-voellig-falsch-aufs-studium-vorbereitet-516359

      Außerdem lesenswert ist das Buch: „Wahnsinn Schule – was sich dringend ändern muss“. Die Erfahrungen dieses Schulleiters sind auch nicht von der Hand zu weisen.

  30. Schule ist eine Sozialisationsinstanz, d.h. sie macht die Kinder mit unserer Gesellschaft vertraut, so wie diese ist. (Im positivsten Fall im Kleinen auch mal damit, wie die Gesellschaft sein könnte, wenn sie sich zum Besseren entwickeln würde als Ansporn dazu, sich später für so eine Verbesserung auch gesellschaftlich einzusetzen.) Also treffen die Kinder dort nette und blöde „Kolleg*innen“, geniale und unmotivierte „Chefs“, Konzeptlosigkeit und klare Zielstellungen, Gruppendruck und Entfaltungsräume, intrinsische und extrinsische Motivationseinflüsse, strukturelle Nachteile und tolle Standortbedingungen … als Mutter von drei Kindern versuche ich, meine Kinder nicht in Kritik an der Schule zu trainieren, sondern in der Unterscheidung von guten und schlechten Rahmenbedingungen zu unterstützen und mit ihnen Lösungen zu finden, wie sie die guten Faktoren für sich nutzen können und wie sie mit den nervigen Systembedingungen konstruktiv umgehen lernen. Die guten Lehrer*innen, mit denen die Kooperation prima läuft, tun genau das auch – sie kennen die Grenzen des Systems und die Unzulänglichkeiten und nutzen ihre Spielräume darin, so gut es geht – zum möglichst Besten der Schüler*innen.

    • @Mrs.Braitwhistle: Besser geht es nicht. Ihre Kinder werden so auf das Leben optimal vorbereitet!
      Was die Verfasserin leider völlig außer Acht lässt, sind die Tatsachen, dass Kinder in der Schule sehr viel Dinge nebenbei lernen, die es ihnen später ermöglichen, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden, sowie dass es die Gesellschaft ist, die sich ändern müsste, damit ihre Träume wahr werden.
      Zwar können wir alle als Teil der Gesellschaft versuchen, etwas zu verändern, da aber nur die Gesellschaft als Ganzes erfolgreich sein kann und die Wünsche der Autorin nicht wirklich deckungsgleich mit den Ansichten der Gesellschaft sind, wird sie vergeblich warten müssen.
      Nicht, dass ich mir nicht auch bestimmte Veränderungen wünsche und sogar versuche, meinen Teil dazu beizutragen, aber Reallismus und Pragmatismus (wie Sie den hier an den tag gelegt haben) sind das A und O, um seine Kinder auf das Leben vorzubereiten.

  31. Ich mag diesen Satz „Lehren heißt, ein Feuer zu entfachen. Und nicht, einen leeren Eimer zu füllen!“. Aber genau das tut Schule, seit Generationen….Dabei haben Studien ergeben, dass man 2 Jahre nach Schulabschluss, bereits 90% des eingehämmerten, aufgezwungenen Wissens vergessen hat…..
    Bildung muss wirklich neu gedacht werden. Denn unsere Berufswelt wird sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten verändern. Und damit muss sich auch die Bildung verändern.
    Passiert dies nicht, sind unsere Kinder die Leidtragenden, die sich dann in der veränderten Arbeitswelt nicht zurechtfinden….

    • Wie verändert sich denn die Berufswelt? Keiner weiß es, also wie soll/muss sich Schule verändern?

      Zitat:
      „Dabei haben Studien ergeben, dass man 2 Jahre nach Schulabschluss, bereits 90% des eingehämmerten, aufgezwungenen Wissens vergessen hat“

      Aber man hat das Wissen, es geschafft zu haben – das gibt Selbstvertrauen. Man weiß, dass man sich etwas (schnell) aneignen kann. Ein großer Vorteil im Beruf. Wenn man etwas schon mal gekonnt hat, ist es einfacher sich in dieses Gebiet wieder einzuarbeiten – auch wenn man es vorübergehend vergessen haben sollte.
      Natürlich hat man 90 % des Wissens wieder vergessen – allerdings haben nicht alle die selben 90 % vergessen. Jeder hat das vergessen, was er nicht mehr benötigt. Aber wer weiß vorher schon, was nachher nicht benötigt wird? Jeder benötigt aus den 100 % die 10 %, die ihn interessieren oder für die er sich (im Beruf oder im Studium) interessieren muss. Allerdings sind die 10 % sehr verschieden.
      Auch, wenn der Lehrplan „entrümpelt“ würde, würden SchülerInnen 90 % vergessen. 10 % von weniger ist auch insgesamt weniger, also würden SchülerInnen nachher (noch) weniger wissen.

    • Waren Sie in letzter Zeit schon mal in der Schule und haben über längere Zeit dem Unterricht beigewohnt? Offensichtlich nicht, denn dann wüsten Sie, dass hier nicht nur Wissen eingehämmert wird. Ich zähle jetzt nicht die Vilefalt der Kompetenzen, die vermittelt werden, auf. Meine Schulzeit hat mich geprägt, damals schon (bin jetzt in Rente), ich profitiere heute noch davon, die negativen Erlebnisse gehören auch dazu. Mathe und Physik habe ich nie wieder gebraucht, aber das logische Denken und Kombinieren, das Lernen und Erarbeiten haben mir im Alltag und im Beruf geholfen. Man lernt nicht nur, um Wissen anzuhäufen und wieder zu vergessen, man entwickelt Stratgien und eröffnet Wege für weitere Denkanstöße und Ideen, auch mit Fächern, die man dann nicht mehr braucht. Leider ist den Schülern oft das Transferdenken abhanden gekommen. nicht ganz unschuldig sind dabei die Berieselung durch alle Arten von Medien. Das selbstständige Denken wird einem da größtenteils abgenommen. Mit der fortschreitenden Digitalisierung wird das zum großen Problem. Aber die Lehrer werden Wege finden.

  32. Schon seit vielen Jahren frage ich immer die Erst- und die Viertklässler, was sie werden wollen.

    Erstklässler sind in ihrem Berufswunsch ziemlich konstant. Die Jungen wollen Fußballer, Feuerwehrmann oder Polizist werden, die Mädchen Reit- oder Ballettlehrerin oder ganz allgemein Mama oder Lehrerin.
    In Klasse 4 sieht das schon ganz anders aus. Dieses Jahr waren die Berufswünsche, relativ unabhängig vom Geschlecht:
    Schriftsteller*in
    Klimaforscher*in
    Virolog*in
    Insektenforscher*in
    Menschenrechtler*in
    Astronom*in…..

    Je nachdem, welche Themen wir im Unterricht behandelt hatten. wurde der/die Virolog*in auch ersetzt durch Tsunamiforscher*in, Vulkanolog*in (Ejafjallayökuttel), o.ä.

    Wäre es nicht jammerschade, wenn wir uns von vorne herein auf die Berufswünsche der Erstklässler konzentriert hätten???

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