Immer mehr Abiturienten, immer mehr Spitzennoten – immer weniger Niveau: Deutschland im Akademisierungswahn

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BERLIN. In den Neunziger Jahren lag die Abiturientenquote in den einzelnen Bundesländern noch zwischen knapp 20 Prozent und knapp unter 30 Prozent, je nach Bundesland. Mittlerweile ist sie auf Werte zwischen 40 und 55 Prozent angestiegen. Wie ist es möglich, die Abiturientenquote binnen kürzester Zeit fast zu verdoppeln? Sind wir in Deutschland schlauer als noch vor zwanzig Jahren? Die Antwort unseres Gastautoren, Prof. Hans Peter Klein: „Man hat einfach insbesondere die fachlichen Anforderungen selbst an den Gymnasien auf politischen Druck hin teils massiv abgesenkt.“ Aus seiner Sicht ein großes Problem.

Absturz: Der aktuelle IQB-Viertklässler-Test ist schlechter ausgefallen als der von 2011. Illustration: Shutterstock
Absturz: Das Leistungsniveau der Schülerinnen und Schüler sinkt – meint jedenfalls unser Gastautor. Illustration: Shutterstock

Wie Akademiker- und Akademisierungswahn der deutschen Bildungspolitik Wohlstand und Fortschritt gefährden

Eklatanter Fachkräfte- und Handwerkermangel bedrohen den Wirtschaftsstandort Deutschland

In der aktuellen Talkschau „Hart aber Fair“ griff Frank Plasberg ein für den Wirtschaftsstandort Deutschland immer bedrohlicher werdendes Szenario auf dem Arbeitsmarkt auf: „Die neue Arbeiter-Losigkeit – warum gehen Deutschland die Fachkräfte aus?“ Ob Pflegekraft, Kellnerin oder Handwerker – in Deutschland fehlten überall Fachkräfte. Die Unis seien voll, doch der Handwerker-Markt wäre trotz oft guter Bezahlung leer. Was kann man da tun? Sind Fachkräfte aus dem Ausland die Lösung, womöglich die Menschen aus der Ukraine eine Hilfe? Darüber diskutierten die Gäste mehr oder weniger diffus an diesem Abend.

Die schon in den neunziger Jahren befürchteten Massenuniversitäten mit deutlich verschlechterten Lernbedingen sind heute Realität

Schauen wir uns die für diese Entwicklung ursächlichen Fakten einmal näher an. Fakt ist, dass die Hochschulen seit etwa einem Jahrzehnt von immer mehr Studierwilligen geflutet werden. Fast alle Universitäten haben binnen kürzester Zeit ihre Studierendenzahlen um mehr als 50% erhöhen müssen, wie beispielsweise die die Goethe-Universität Frankfurt von noch knapp unter 30.000 Studierenden zu Beginn des letzten Jahrzehnts bis hin zu rund 47.000 nur wenige Jahre später. Die schon in den neunziger Jahren befürchteten Massenuniversitäten mit deutlich verschlechterten Lernbedingen sind heute Realität. Was aber ist der Grund und was sind die Folgen dieser Entwicklung?

Spätestens seit der PISA-Studie 2000 wurde insbesondere Deutschland kontinuierlich auf die Anklagebank vom PISA-Chef der OECD in Paris, Andreas Schleicher, gesetzt. Im internationalen Vergleich sei die Abiturientenquote viel zu gering. Der Wirtschaftsstandort Deutschland sei in Gefahr, wenn nicht entsprechend gegengesteuert würde. Bildungsökonomen rechneten gleich vor, wie viele Prozente an zukünftigen Bruttosozialprodukten jährlich verloren gingen, wenn hier nicht sofort gegengesteuert würde.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung begab sich fatalerweise frühzeitig in die babylonische Gefangenschaft der empirischen Bildungsforschung, die ab dem Millennium wie ein Phoenix aus der Asche emporstieg. Frühzeitige Kritik vor allem aus den Erziehungswissenschaften an der bildungsökonomischen Entwicklung wurden als unerwünschtes Störfeuer abgetan, ihre Einsprüche schlichtweg missachtet. Die meisten Eltern waren allerdings durchaus erfreut, bedeutete dies doch das relativ sichere Abitur für ihre Zöglinge und die Aussicht auf deren Akademikerstatus.

Fakt ist weiterhin, dass in den Neunziger Jahren die Abiturientenquote in den einzelnen Bundesländern noch zwischen knapp 20% und knapp unter 30% lag, je nach Bundesland. Schon damals wurde von Kritikern der Niveauverlust im Abitur gegenüber früheren Jahren kritisiert. Gut zwanzig Jahre später hat sich geradezu ein Wunder vollzogen: Bereits 2015 betrug die Abiturientenquote zwischen 40% und 55% je nach Bundesland, bei immer besser werdenden Durchschnittsnoten und einer exponentiellen Zunahme an Einser-Abituren. Tendenz fortschreitend. Gleichzeitig begrüßten nicht nur die Kultusministerien der Länder die inflationäre Vergabe des Abiturs. Bildungs- und Gewerkschaftsverbänden und auch so manchem Reformpädagogen kam diese politische Stoßrichtung gerade recht, war doch schon immer die als elitär betrachtete geringe Abiturientenquote ein Dorn in deren linken Auge.

Wie aber ist es möglich, die Abiturientenquote binnen kürzester Zeit fast zu verdoppeln? Sind wir also in Deutschland doppelt so schlau wie noch vor zwanzig Jahren? Wohl kaum. Die Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand: man hat einfach insbesondere die fachlichen Anforderungen selbst an den Gymnasien auf politischen Druck hin teils massiv abgesenkt. Zahlreiche Vergleiche der Zentralabituraufgaben der einzelnen Bundesländer im Laufe der Jahre konnten dies zweifelsfrei nachweisen. Mathematische Leistungen, die in Baden-Württemberg noch in den 70er Jahren jeder Realschüler in seiner Abschlussprüfung zu bearbeiten hatte, fehlen heute in diesem Schwierigkeitsgrad weitgehend, selbst in den Leistungskursen. Jährliche Rekorde in den Durchschnittsnoten gepaart mit einer exponentiellen Zunahme der Einser-Abiture werden selbst in der Presse meist nur noch mit ironischen Kommentaren versehen.

Als Folge dieser Entwicklung strömen immer mehr nicht studierfähige Abiturientinnen und Abiturienten an die Hochschulen. Auch dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin (BMBF) ist diese Entwicklung durchaus bekannt. Um nun die Durchfall- und Abbrecherquoten nicht ins Uferlose ansteigen zu lassen, wurden die Hochschulen angehalten, eine Art Nachhilfekurse für nicht studierfähige Studierwillige vor Aufnahme des Studiums anzubieten, in denen thematisch fachliche Grundlagen in den Fächern zu lehren sind, deren Vermittlung vormals die genuine Aufgabe der abiturvergebenden Schulformen war. Dass diese vom Steuerzahler durch das BMBF finanzierten Kurse in der Öffentlichkeit nicht so heißen dürfen, liegt auf der Hand. „Ein starker Start ins Studium“ beispielsweise klingt doch sehr viel positiver und nur für derartige Wortkreationen gibt’s dann Geld. Allein an der Goethe Universität Frankfurt schlägt dies mit einem zusätzlichen Budget von 42 Millionen Euro über einen Zeitraum von 10 Jahren zu Buche. Weiterhin wurden die klammen Hochschulen mit weiterem Geld zwecks Senkung der Misserfolgsquoten geködert: für jeden in der vorgesehenen Studienzeit zum Abschluss gebrachten Studierenden gibt´s bereits seit 2015 in fast allen Bundesländern Korrumptionsprämien von rund 4000 € und mehr (Bsp.  NRW).

Laut „Studycheck“ gibt es derzeit 20.185 Studiengänge an 585 Hochschulen in Deutschland

Gleichzeitig wurde das duale berufsbildende System vor allem dadurch weiter ausgehöhlt, indem in einem vorher nicht gekannten Akademisierungswahn berufliche Ausbildungsgänge gleich massenhaft akademisiert wurden. Bereits 2018 boten 78 Universitäten, Hochschulen und Akademien 149 verschiedene Studiengänge allein in der Pflege an, davon 105 mit einem Bachelor- und 44 mit einem Masterabschluss. Laut „Studycheck“ gibt es derzeit 20.185 Studiengänge an 585 Hochschulen in Deutschland. Blumige Beschreibungen klingen eher als Realsatire: Dentalhygiene und Präventionsmanagment, Service Center-Management, Cruise-Management, Golf- Management, Accessoire Design, Coffee-Management, Citizenship, Civic Engagement oder Culinary Arts und Food Management. Für derartige Studiengänge kennt man im anglo-amerikanischen Raum einen zutreffenden Namen: „Mickey Mouse-Studiengänge“, die schon allein wegen ihrer geringen Nachhaltigkeit letztlich ins Nichts führen. Die Absolvierenden sitzen in der oftmals zitierten „Bachelor-Falle“. Über- und Fehlqualifikationen sind die Folge.

Für das berufsausbildende System bleibt dann nur noch eine Restpopulation an Bewerbern übrig, die aufgrund der Absenkung der Ansprüche teilweise nicht mal über die grundlegenden Kompetenzen des Lesens, des Schreibens oder des basalen Rechnens verfügen. Das Ergebnis liegt auf der Hand: ein eklatanter Fachkräfte- und Handwerkermangel.

Das Beispiel der Schweiz widerlegt zudem die Aussagen der Bildungsökonomen nach einer derartigen Entwicklung. Man ist dort nicht auf die Propaganda der OECD hereingefallen und hat weiterhin eine Abiturientenquote von rund 20%. Entsprechend der OECD müssten dort die Lichter längst ausgegangen sein. Das Gegenteil ist der Fall. Mit ihrer ausgeklügelten und stark geförderten beruflichen Ausbildung im dualen System hat die Schweiz die niedrigste Arbeitslosen- und Jugendarbeitslosigkeitsquote und eine der höchsten Pro-Kopf-Einkommen. Ganz im Gegensatz dazu haben Länder ohne duales System zwar deutlich höhere Akademikerquoten, wie etwa Großbritannien oder die südeuropäischen Länder, aber auch eine deutlich höhere Jugendarbeitslosigkeit. Nicht nur in südeuropäischen Ländern, auch in China und Australien ist längst von einem akademischen Prekariat die Rede.

Fakt ist auch, dass sich die Schere zwischen den Einkommen von Akademikern und Handwerkern und Fachkräften zusehends schließt. Das liegt schon allein an der Nachfrage und dem Angebot, dass auf Jahrzehnte hin knapp bleiben dürfte.  In der Sendung „Hart aber Fair“ wurde vor der „Londonisierung“ gewarnt. Mittlerweile sind dort Headhunter vielfach unterwegs, um Handwerker ausfindig zu machen. Diese können aufgrund der enormen Nachfrage finanziell verlangen, was sie wollen. Teilweise finden Bietverfahren statt. Jeder, der im Ahrtal oder der Eifel vom Hochwasser heimgesucht wurde weiß, dass der Wiederaufbau keine Frage des Geldes, sondern der nicht vorhandenen Handwerker und Fachkräfte im Baubereich ist. Es wird noch viele Jahre dauern, bis alle Schäden auch an der Infrastruktur behoben sein werden. Ohne die teilweise aus dem Osten stammenden und dort angemeldeten Handwerkerkolonnen geht derzeit in diesen Regionen gar nichts. Auch der politisch binnen kürzester Zeit eingeforderte Ausbau der erneuerbaren Energien, der Hausdämmung, der Solardächer der Wärmepumpen u.a. wird weniger am Geld, als an den nicht vorhandenen Kapazitäten auf dem Handwerker- und Fachkräftebereich scheitern.

Zu glauben, dass jetzt in großem Maße Hilfe aus der Ukraine kommt, ist wenig empathisch. Die Menschen aus der Ukraine haben andere Sorgen als Lückenbüßer für eine verfehlte Bildungspolitik in Deutschland zu sein. Da müssen wir uns schon an der eigenen Nase fassen. Außerdem hat uns 2015 gezeigt, dass diese Lücke durch die rund 900.000 Flüchtlinge von damals, die ja der Bevölkerung als bestens ausgebildet präsentiert wurden, nicht geschlossen werden konnte (laut ZEIT von 2021 bedürfen immer noch 67% der staatlichen Unterstützung).  Auch hier ist möglicherweise ein DEJAVU zu erwarten. Denn auch zwischen einem Bachelor oder Master einer Eliteuni aus den USA, aus Großbritannien, aus Ecuador, aus Syrien, aus der Ukraine, aus Marokko oder auch aus Deutschland u.a. liegen Welten im Anforderungsniveau. Dies ist einer der wesentlichen Gründe für die unterschiedliche Prosperität der entsprechenden Volkswirtschaften. Dies scheint sich bis in die obersten Kreise des BMBF, der Kultusministerien der Länder und der Politik generell noch nicht herum gesprochen zu haben.

Was ist zu tun? Man wird diese jahrzehntelange Fehlentwicklung nicht in wenigen Jahren in eine vernünftige Richtung leiten können. Eine sofortige 180-Grad Drehung der Bildungspolitik durch die entsprechenden Institutionen des Bundes und der Länder ist gefordert, die allerdings jahrelang der Bevölkerung ins Ohr geflüstert haben, man könne nur als Akademiker ein zufriedenes und finanziell abgesichertes Dasein fristen. Zusammen mit der Deutschen Wirtschaft, den Handwerker- und Fachkräfteverbänden muss sofort ein Bewerbungsprogramm in den Schulen und der Öffentlichkeit gestartet werden, dass dem dualen berufsausbildenden System eindeutig den Vorrang einräumt. Auch eine Umsteuerung in der finanziellen Zuwendung ist oberstes Gebot. Anstatt im Bildungsbereich weiterhin meist nutzlose Studien – dazu gehören auch die PISA-Studien und alle ihre Abkömmlinge, mit denen die Schulen heimgesucht werden – mit zweifachen Million Beträgen pro Jahr auszusttatten, ist dieses Geld viel besser in der Förderung der dualen Ausbildung in allen notwendigen Schritten sehr viel besser angelegt. Eine Thematisierung in den Schulen ist Voraussetzung dafür, dass die Schülerinnen und Schüler hier die verschiedensten Möglichkeiten der dualen Ausbildung vorgestellt bekommen. Gerade auch die digitale Transformation des Handwerks hin zu einer zunehmend digitalen Arbeitswelt darf in den Schulen nicht zu kurz kommen.

„Man soll doch mit dem Irrtum aufhören, dass man aus dem letzten Dorftrottel einen Hochschulprofessor machen kann“

Dann werden auch die Hochschulen entlastet und können sich mit deutlich geringeren Studierendenzahlen und wesentlich verbesserten Betreuungsverhältnissen der Forschung und Lehre wieder erfolgreicher widmen, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Seit Jahren schafft es keine deutsche Universität im Shanghai-Ranking unter die ersten 50! (aktuell erreicht die die LMU Platz 48 (!), die TUM Platz 54, Heidelberg 57 und Bonn den Platz 87) Die ETH-Zürich – von vielen deutschen Bildungsexperten lange belächelt, zeigt – zeigt, wie es geht, einen der Plätze unter den ersten 20 zu erreichen. Die ersten 10 Plätze sind stets den bekannten acht US-amerikanischen Elitehochschulen und den beiden bekannten britischen Hochschulen Oxford und Cambridge vorbehalten.

Mit „Hart aber Fair“ hat dieser Beitrag begonnen und soll damit auch enden. Frank Plasberg stellte in seiner Sendung leider erst zum Schluss einen Videoclip vor, in dem der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Joseph Wild, vor 50 Jahren zu Wort kam: „Wir haben einen kolossalen Mangel an Facharbeitern und man soll doch mit dem Irrtum aufhören, dass man aus dem letzten Dorftrottel einen Hochschulprofessor machen kann“.

Der Beitrag ist ursprünglich im Magazin Cicero erschienen.

Prof. Dr. Hans Peter Klein hatte bis 2018 den Lehrstuhl für Didaktik der Biowissenschaften der Goethe Universität Frankfurt inne, war Mitbegründer der Gesellschaft für Bildung und Wissen und ist Präsident der Gesellschaft für Didaktik der Biowissenschaften

Weiterführende Informationen: H.P. Klein: Abitur und Bachelor für alle – wie ein Land seine Zukunft verspielt. ZuKlampen (2018)

„Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung ist ein Märchen“: Warum der Ansturm aufs Gymnasium gute Gründe hat

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Frieda
1 Monat zuvor

Welcher Notendurchschnitt genügt heute in einem Gymnasium für den Übergang von der Klasse 10 in die Klasse 11? Meines Wissens nach lag er in der ehemaligen DDR bei mindestens 1,5.

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Frieda

Wer in Jahrganmg 5 auf dem GY anfängt kommt solange er lediglich eine 5 in den Zeugnissen am Schuljahresende hat mühelos bis zum Abi. Eine zu erreichende Durchschnittsnote am Ende der SekI gibt es nicht. Das Erreichen eines FOR-QE gem. APO-SI an einer GeS in NRW hingegen ist deutlich schwieriger.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

An den Gesamtschulen in NRW kommt man meines Wissens aber mit nahezu beliebig vielen Fünfen bis in Klasse 9. Dafür ist dann der Kulturschock gerade in der pubertätsbedingt hochproblematischen Klasse 9, wenn die Noten auf einmal versetzungsrelevant werden, umso heftiger. Aber ja, die Qualifikation für die Oberstufe ist an der Gesamtschule schon wegen der relevanten Noten aus Klasse 9 und 10 nicht trivial.

Werner Hasenbrot
1 Monat zuvor
Antwortet  Frieda

In der DDR gab es doch gar keine Gymnasien, sondern eine Einheitsschule, die allgemeine polytechnische Oberschule. Insofern sind Notenschnitte doch gar nicht vergleichbar, zumal die Auslese in der DDR keine reine Leistungauslese, sondern auch eine Auslese des politischen Wohlbetragens war.

An Gymnasien geht jeder in die 11. Klasse über, der nicht in der zehnten sitzengeblieben ist.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Werner Hasenbrot

@ Werner Hasenbrot:
Auch an den Berliner Sekundarschulen gibt es mittlerweile eine Inflation von Übergängen in die „gymnasiale“ Oberstufe, das steht sogar als kritische Anmerkung im Bericht der Köller-Kommission. Diese Quantität steht nicht im Einklang mit der von empirischen Bildungswissenschaftlern gemessenen Qualität, heißt es. Aber der neue Berliner Senat von rot-grün-rot denkt offenbar nicht daran, dem Rat der Bildungsexperten zu folgen. Man folgt lieber dem Rat der Partei-Ideologen.
In der DDR durften nur ca. 10 – 15 % eines Jahrgangs in die Oberstufe bis zum Abitur, habe ich mehrfach gelesen. So sah die „Bildungsgerechtigkeit“ a la realem Sozialismus aus. Die heutige Linkspartei könnte sich mal daran erinnern statt nur über die „Bildungsungerechtigkeit“ zu meckern. Aber sie ist ja dabei, sich aus anderen Gründen zu verzwergen. Da braucht es keine Tränen des Abschieds.

Anne
1 Monat zuvor
Antwortet  Werner Hasenbrot

Falsch, die POS endete mit Klasse 10, wer Abitur machen und studieren wollte, wechselte dann auf die EOS (Erweiterte Oberschule) für Klasse 11 und 12.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Werner Hasenbrot

In der ehemaligen DDR gab es zuerst die Grundschule (Klasse 1-4), danach ist man auf die polytechnische Oberschule (Klasse 5-10) gegangen. Für die zwei leistungsbesten SuS aus jeder Klasse gab es anschließend die Möglichkeit, die Erweiterte Oberschule zu besuchen und dort das Abitur abzulegen also für ca. 10% des Jahrgangs. Es gab weiterhin Spezialschulen, etwa für Mintfächer oder Sprachen, welche Schüler bereits früher, etwa ab Klasse 9, aufnahmen und zum Abitur führten, ebenso Spezialschulen für Musik oder Sport. Bis (glaube ich) Anfang der 80ger Jahre erfolgte der Übertritt an die EOS generell ab Klasse 9.
Schüler, deren Eltern nicht studiert hatten und nicht in einem Akademikerberuf arbeiteten, wurden bevorzugt an die EOS aufgenommen. So wollte man mehr Arbeiter- und Bauernkinder an die Universitäten bringen. Ob das jetzt sinnvoll war oder nicht und inwiefern die Kinder politisch unliebsamer Menschen vom Abitur ausgeschlossen waren, wäre eine andere Diskussion (in meine Klasse an der EOS) ging übrigens auch ein „Dissidentenkind“).
Fakt ist, dass deutlich weniger SuS zum Abitur zugelassen wurden als vergleichbar in der damaligen BRD, und schon dadurch die Leistungsauswahl deutlich gezielter erfolgte als heute. Auch in der ehemaligen DDR hatte ein Arbeiter-oder Bauernkind mit einem Schnitt von 2,5 kaum eine Chance, die EOS zu besuchen. In der EOS selbst gab es keinen „Herkunftsbonus“: hast Du die geforderte Leistung nicht erbracht, musstest Du gehen. Aufgrund der Aufnahmekriterien erfolgte das allerdings sehr selten.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Sorry für die Tipp- und Kommafehler: auf dem Handy liest es sich einfach schlecht Korrektur.

Britta
29 Tage zuvor
Antwortet  Werner Hasenbrot

In der DDR gab es sehr wohl ein Gymnasium. Erst nach der 8., später nach der 10. Klasse. Das mit dem politischen Wohlbetragen stimmt zumindest in Maßen. Wobei zwischen Gesinnung und Wohlbetragen ein großer Unterschied liegen konnte.

Georg
1 Monat zuvor

Kurze Zusammenfassung: Der aktuelle Bildungsmarxismus sorgt für eine Nivellierung auf niedrigem Niveau. Bitte erneut durch eine Leistungsorientierung ablösen. Danke.

@Gerd Möller: Ich freue mich auf eine Entgegnung Ihrerseits auf diesen Artikel.

Gerd Möller
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Ich bin entsetzt, wie leichtfertig hier die meisten Kommentatoren im Sinne von Prof Klein im Gleichklang das Lied anstimmen: „Früher war alles besser, wurde mehr verlangt, das Abitur war viel schwerer, mehr als die Hälfte gehört nicht auf das Gymnasium, das Abitur ist nichts mehr wert, die Anforderungen wurden auf politischen Druck abgesenkt, usw.“
So sieht das auch Prof. Hans Peter Klein in seinem Artikel.

Aber stimmt das denn wirklich? Woher kommen denn die Erkenntnisse? Kann es sein, dass es sich lediglich um anekdotische Erlebnisse der Kommentatoren handelt? Wo sind die abgesicherten Belege hierfür, die auch Prof Klein nur andeutet, aber nicht belegt? Auch Professoren haben die Pflicht, Vermutungen zu belegen: hier reichen nicht an anderer Stelle publizierte Beispiele von Prof Klein aus Biologie-Abiturarbeiten, die in der Tat nicht als gelungen bezeichnet werden können.

Noch eine nicht triviale Frage: Wann ist eine Aufgabe schwerer als eine andere?

Und noch eine letzte Frage: Wann war eigentlich „früher“?
War das z.B. 1964?:
Ich habe 1964 Abitur in NRW gemacht. 7,1% des damaligen Durchschnittsjahrgangs der 18- 21jährigen haben Abitur gemacht. Neun Jahre vorher sind 19,1% des damaligen Durchschnittsjahrgangs der 10- 12jährigen in die 5. Klasse des Gymnasiums aufgenommen worden. D.h. lediglich 37% von denen haben ohne Wiederholung das Abitur bestanden.

Carsten60
29 Tage zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Herr Möller: ich bin eher entsetzt über das Drumherumreden von Ihnen. Wo sind denn Ihre Belege dafür, dass eine Hochschulzugangsberechtigungsquote von 50-60 % (Tendenz: steigend) nicht logischerweise (!) zu geringeren Fähigkeiten von Studienanfängern im Durchschnitt führt und auch dazu, dass ungeeignete Leute anfangen zu studieren? Wenn sie scheitern (und das passiert ja nun nachweislich häufig), wird das den Hochschulen angelastet, nicht der Schulbildung. Wer zu Ihrer Zeit Abitur machte, war meist auch studierfähig, aber heute?
Zu Ihrer rhetorischen Frage „wann ist eine Aufgabe schwerer als eine andere“: Warum ordnet denn PISA jeder Testaufgabe eine „Kompetenzstufe“ zu, so zwischen 300 und 700 Punkten, warum werden überhaupt Kompetenzstufen gemessen?
Und warum ist es wohl so, dass bei jedem IQB-Test (inkl. VerA) herauskommt, dass nur etwa die Hälfte der SuS die KMK-Bildungsstandards erfüllen? Das gilt vermutlich auch für Abiturienten, obwohl die nie getestet werden. Und was passiert wohl, wenn Abiturienten anfangen zu studieren, obwohl sie die KMK-Abiturstandards definitiv nicht erfüllen? Raten Sie mal. So widerlegt sich das System mit den Bildungsstandards und den Kompetenzstufen selbst. Alles degeneriert zu einer Reklame seiner selbst, mit der aufgeblasenen, Respekt heischenden Terminologie einer „Herrschaftswissenschaft“, bei der das Volk nicht durchblicken soll.
Und schauen Sie mal in den Bericht zum IQB-Bildungstrend 2018. In den meisten Bundesländern sind die Ergebnisse an den Gymnasien deutlich schlechter geworden, jedenfalls in Mathematik.
Last not least: Wenn man mit Bildungsexperten, auch Didaktikern oder höheren Schulbürokraten, mal spricht, geben die unter 4 Augen immer zu: „Ja klar, bei der heutigen Abiturquote kann man nicht mehr die Ansprüche von damals haben, als Sie und ich am Gymnasium waren. Das ist doch logisch.“ Aber in Veröffentlichungen wird genau das tapfer geleugnet.

Georg
29 Tage zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Danke für die Antwort.

Auch wenn ich mich wiederhole: Vergleichen Sie die Anforderungen für die jeweiligen Abschlüsse und die Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler nach Erreichen dieser Abschlüsse. Mein Lieblingsbeispiel neben den von Ihnen bereits genannten Biologieklausur ist die Feldpost aus dem ersten Weltkrieg. Diese Wortgewandtheit von damals auf heute übertragen meist Hauptschulabsolventen ist von heutigen Abiturienten nicht mehr zu erwarten.

Überlegen Sie, wie gut die heutige gymnasiale Schülerschaft mit damaligen mittelschweren Realschulaufgaben klarkommen würde. Anschließend überlegen Sie, wie gut heutige Realschüler damit klarkommen würden.

KARIN
29 Tage zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Beim Aussortieren alter Prüfungsunterlagen, Arbeitsblättern und Unterrichtsvorbereitungen von Berufskolleg, Zweijähriger Berufsfachschule ( macht Mittlere Reife) und anderen Schularten , sah ich sehr deutlich, dass das Niveau vom Berufskolleg, jetzt das von der Zweijährigen Berufsfachschule und dieses, das vom früheren BVJ, jetzt VAB oder AVdual erreicht hat! Meine aussortierten Unterlagen betrafen ca.. 1980 – 1990!
Der Stoff in diesen Klassen ist weniger geworden und ausserdem nicht mehr so tiefgreifend!
Stoff der damals in Klassenarbeiten von 45 Min. problemlos abgefragt wurde, wird heute in der Menge der Fragen schon reduziert, wobei dann immer noch Teile davon nicht beantwortet werden!
Also ich habe zweifelsfrei feststellen können, dass der Anspruch sehr weit runter gefahren wurde.
Jüngere Kolleginnen, welchen ich diese Unterlagen zur Einsicht und Kenntnisnahme vorlegte, meinten überrascht, dass man damals ja wirklich noch mit Klassen gut arbeiten konnte, fundiertes Wissen vorhanden und abrufbereit war!
Teilweise haben sich in diesen Klassen in der Zwischenzeit sogar in meinen Fächern zusätzlich noch die Zeiten meines Unterrichts verlängert!
Unterricht früher war: Thema ausführlich , teilweise mit Vorarbeit, immer mit Arbeitsblatt durchgearbeitet!
Schüler gehen in die anschließende Praxis und fangen mit ihrer Arbeit an. Es ist für mindestens 15 Minuten Ruhe, es werden selten Rückfragen gestellt!
Unterricht heute: wie damals, nur! !!! Nach wenigen Sekunden kommen die ersten Rückfragen, dies aber nicht vereinzelt!
Ich gehe einmal davon aus, dass mein Unterricht in der Zwischenzeit nicht schlechter geworden ist!
Bei Versuchen hat man früher geschrien : erhitze Wasser und löse …… auf!
Heute schreibe jch: erhitze Wasser in einem kleinen Topf auf 100 Grad und gebe mit einem Esslöffel … hinein und löse auf!
Immer genauer, jedes Gerät vorgegeben, da Schüler nicht mehr eigenständig denken können oder wollen!
Oder Schüler bringen kein Papier/ Block mit bei angekündigter Klassenarbeit!
Fragen mich ob die Rückseite ihres Aufgabenblattes zur Beantwortung ausreichen wird???
Verstehe ich nicht! Was denken diese Jugendlichen überhaupt? Alter zwischen 15 und teilweise Mitte Zwanzig!
Kaum bis keine Eigenverantwortung!

Klugscheisser
1 Monat zuvor

Berufsschulen werden seit jahrzehnten stiefmütterlich behandelt. Die Gymnasien bis zum Anschlag gepampert. Die länger exisierenden BKs die ich in NRW kenne, sehen allesamt total abgeranzt aus. Wenn man hineingeht, will man sofort wieder gehen. Der ganze Bau strömt in keinster Weise Wertschätzung aus.

Wäre mal Zeit, sich auf die Stärken, die unser Bildungssystem hat, zu schauen und von dort aus das in Schiefllage geratene System nachzujustieren. Neben Geld zum Gebäude aufhübschen.

Bei meinen Schülern gibt es bspw. kaum noch noch den mittleren Bereich der Leistungsfähigkeit. Es gibt viele Schwache und einige Leistungsstarke (hat auch an der Stelle was mit Fleiss zu tun). Der Leistungsmittelblock ist praktisch nicht existent an meinem BK.

Und dazu kommt, dass Handwerk als schmutzig empfunden wird oder zu harte Arbeit bedeutet. Oder die Arbeitszeiten sind doof.

Es hat sich ein allgemein anerkannter Konsumanspruch eingestellt, der nichts mehr mit der Realität zu tun hat.

Seit Jahren wird dauernd suggeriert, dass alle ausserhalb eines Gymnasiums nichts wert sind; jetzt liegt jetzt die Rechnung auf dem Tisch.

Aber keiner wird sie zahlen wollen.

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Klugscheisser

@Klugscheisser, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Das Gymnasium wird durch irreführende und zum Teil falsche Politik mit Schülern geflutet, die dort nichts zu suchen haben und oft von den Eltern dorthin gepresst wurden mit viel Nachhilfe und Druck auf die Lehrer. Jeder soll die Chance haben …. ein falsches Mantra, denn wo ein Bereich stark gepampert wird, trocknen andere aus. Unserem Land ist nicht geholfen, wenn jeder das Abitur hat, und dann 2-3 mal den Studiengang wechselt und doch ohne Abschluss dasteht. Teuer und wenig zielführend. Wer 6-8 Jahre studiert hat, wird keinen Handwerksberuf mehr ergreifen. Es ist an der Zeit, dass die anderen Bildungswege wieder aufgewertet werden und die Politiker in ihrem Denken mal von ihrem hohen Ross herungerkommen. Und diese utopischen Noten beim Abitur sollten längst auf den Prüfstand. Hier wird das Niveau gesenkt nur um sagen zu können, „wir haben die meisten Akademiker“.
Politsprech ohne Nachhaltigkeit, wie so oft.

Marc
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Das Problem sind ja oft die Eltern. Meine eigene Mutter ist da keine Ausnahme. Ich als Lehrer bin in ihren Augen „ein Erfolg“. Bei meinem Bruder als ausgebildeter Einzelhandelskaufmann „ist was schief gelaufen“. Das sagt sie auch unverblümt. Dabei ist mein Bruder total zufrieden in seinem Job.

Finanziell steht man mit einer Ausbildung und einem Meister nicht mehr schlechter da als mancher Akademiker. Als Handwerker kann man sich vor Aufträgen nicht mehr retten und kann Preise setzen wie man sie will. Irgendeiner muss ja schließlich für die ganzen Akademiker die Handwerksarbeiten erledigen…
Wir müssen nur die Denke in den Köpfen der Leute ändern. Motorische Begabungen sind nicht schlechter als kognitive Begabungen. Doch was meinen Sie wie man das schaffen kann? Ich sehe aktuell keine Perspektive wie man dem Bildungswahn entgegen kommen soll. Vor allem in Zeiten von Wohlstandsverlusten und ungewisser geopolitischer Zukunft sind Eltern nur umso mehr hinterher, dass ihr Kind nicht hinten runter fällt.

Sissi
28 Tage zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ich stimme @ Klugscheisser und @ Teacher Andi absolut zu.
Dazu kommt, dass an BS auch Abiturienten, z.B Meisterssöhne/Töchter, abgebrochene Student:innen sind.
Mir wäre noch nicht aufgefallen, dass sie sich langweilen, überqualifiziert sind. Gerade in allgemein bildenden Fächern hätte ich mehr erwartet.
Das zeitgen. Wissen in Sk lässt oft sehr zu wünschen übrig. Die D- Kenntnisse zeugen nicht von Abiturreife ( wobei D auch an FOS/BOS gefürchtetes Abiturfach ist)
Was mir auch nicht gefällt, ist, dass die BFS oft genutzt wird
(z.B. Kinderpflege, Versorgung….), um den mittleren Bildungsabschluss, meist mit sehr guten Noten ( ähnliches Problem wie beim Abitur) nachzuholen.
D.h. die SuS wechseln nach dem Abgang häufig, obwohl sie dringend im Beruf nötig wären. Auch aus finanz. Gründen bewerben sich viele dann außerdem an der FOS.
Leider gibt es die FAK in ihrer früheren Bedeutung nicht mehr. Dadurch ließ sich wirklich eine Klasse gestaffelte Ausbildung abschließen. Absolventin:nen waren gesucht.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

Die Schweiz wird mir immer sympathischer, die haben in der Regel alles richtig gemacht. Die Schweizer haben noch ein nationales Konzept, eine Poltik der Vernunft, bei der die Bürger aktiv eingebunden sind, und lassen sich ihre Einstellung nicht von Pseudowissenschaftlern verbiegen. Hier in Deutschland hat man das Gefühl, man muss jedem Experten hinterherrennen, oft Zickzack, mal so, dann wieder anders. Das Ergebnis kann kein gutes sein. Mit charakterstärkeren Politikern, die Führungsqualitäten und vernünftige Ansätze mit in die Verantwortung nehmen, ließe sich das Fortschreiten dieses Dilemmas vielleicht noch verhindern. Aber leider sieht man weit und breit keine kompetenten und verlässlichen Politiker, und mit der Groko hat es begonnen, mit der Ampel potenziert sich das Ganze noch: nur ein Gerangel statt Zusammenarbeit. Die gesamte Entwicklung in Deutschland motiviert sehr stark zum Auswandern.

Carsten60
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

„Die Schweiz hat’s richtig gemacht“
Das ist auch mein Eindruck (abgesehen von einer gewissen kantonalen Kleinstaaterei). Die Schweiz war auch bei PISA immer und konstant gut. Aber nie galt sie den ach so progressiven Leuten wie Schleicher oder den Parteigenossen als Vorbild. Nein, Vorbild waren „die skandinavischen PISA-Sieger“, bis Schweden abstürzte, heute ist es Finnland (ist auch dabei abzustürzen), dann bleibt noch Estland (ist ein Zwergstaat von der Bevölkerungszahl her), die Vorbilder lösen sich in Luft auf. Die Schweiz wird nie erwähnt, denn dort ist die Gymnasiastenquote nur ca. 20 %. Wenn dennoch die PISA-Werte im Durchschnitt gut sind, bedeutet das logischerweise (!), dass die 80 % Nicht-Gymnasiasten gut sein müssen, sonst könnten die wenigen Gymnasiasten das nicht wettmachen.
Diese Logik leuchtet aber manchen partout nicht ein. Herr Möller, übernehmen Sie! Sie sind doch der PISA-Experte, haben Sie selbst mal geschrieben. Wie steht es wohl um die Bildungsgerechtigkeit in der Schweiz?

Gerd Möller
29 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

@ Carsten60:
PISA-Befunde und die Schweiz:
Georges Felouzis und Samuel Charmillot von der Genfer Forschungsgruppe zur Bildungspolitik der Psychologischen und Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Genf haben PISA-Daten von 2003 und 2012 von Schweizer Kantonen analysiert (Felouzis, G. & Charmillot, S. (April 2017). Schulische Ungleichheit in der Schweiz. Social Change in Switzerland (8). doi://​10.22019/​SC-​2017-​00002.)
Sie stellen einen Zusammenhang fest zwischen der Separation von Schularten und dem Erwerb von Kenntnissen. Hierzu 3 zentrale Befunde:
 
Getrennte Schulsysteme verstärken Ungleichheiten:

„Danach vergleichen wir zwei Formen, wie Schülerinnen und Schüler auf der Sekundarstufe I Leistungsklassen zugeteilt werden: einerseits solche, die gleichaltrige Schüler in mehreren, nach schulischem Niveau getrennten Schultypen unterrichten; andrerseits integrierte Systeme, die alle Leistungsniveaus in denselben Klassen einschulen. Dabei zeigt sich, dass getrennte Schulsysteme tendenziell Ungleichheiten im Erwerb von Kenntnissen zwischen den Schülern verstärken. Dies erklärt sich aus der Rolle der schulischen Segregation. Schultypen, die Schülerinnen und Schüler nach dem Niveau ihrer schulischen Leistungen in getrennten Schulen und Klassen unterrichten, separieren sie indirekt auch nach ihren sozialen Merkmalen. Das hat einen Einfluss darauf, welche Bildung Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen sozialen Milieus angeboten wird.“ (Felouzis und Charmillot 2017, S. 3)

 

Getrennte Systeme sind ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von sozialen Ungleichheiten:Alles weist somit darauf hin, dass die getrennten Schulsysteme dazu tendieren, die Ungleichheiten im Kompetenzerwerb zwischen Schülern am Ende der obligatorischen Schulzeit zu verstärken. Umgekehrt erzeugen die integrierten und gemischten Systeme weniger Lernungleichheiten. Es stellt sich somit die Frage, welche Mechanismen derartige Ungleichheiten im Kompetenzerwerb verursachen. Die internationale Forschungsliteratur betont, dass getrennte Schulsysteme ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Ungleichheiten zwischen Schülern und Schülergruppen sind (Gamoran et al., 1995; Buchmann et al., 2016). Systeme, die Schüler am Ende der Primarstufe aufgrund ihres schulischen Niveaus trennen, segregieren sie damit auch nach ihren sozialen und kulturellen Merkmalen und nach ihrem Migrationshintergrund. Deshalb unterscheidet sich die Schülern aus unterschiedlichen sozialen Milieus angebotene Bildung qualitativ und quantitativ umso mehr, je stärker der Unterricht getrennt ist.“ (Felouzis und Charmillot 2017, S. 9)Schlussfolgerungen zur familiären und wirtschaftlichen Nachfrage:Daraus ergibt sich, dass in Kantonen, welche sich für eine getrennte Organisation des Unterrichts auf Sekundarstuft I entscheiden, die in der Schule erworbenen Fähigkeiten am stärksten von der sozialen Herkunft der Schüler abhängen. Der Entscheid für eine durchlässigere Organisation – gemäss einem «integrierten» oder «gemischten» Modell – ermöglicht es umgekehrt besser, das Prinzip der Chancengerechtigkeit beim Kompetenzerwerb am Ende der obligatorischen Schulzeit zu verwirklichen. Heute entscheiden sich eine wachsende Anzahl Kantone für weniger segmentierte oder sogar gänzlich integrierte Schulsysteme. Dies geschieht auch unter dem Druck der Bildungsnachfrage der Familien und den Erwartungen der schweizerischen Wirtschaft, deren Bedürfnis nach qualifizierten Arbeitskräften stark zunimmt (SECO, 2016).“ (Felouzis und Charmillot 2017, S. 11;)

Teacher Andi
29 Tage zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Herr Möller, das sind die Darlegungen von zwei Soziologen und Universitätsprofessoren (beide sicher keine Schulerfahrung als Lehrkraft), die sicher Beachtung verdienen, aber im Denkansatz nicht allgemeingültig sind. Man kann dass auch anders sehen. Die einen sagen „Separation“, die anderen reden von „Differenzierung“, was ja in der Pädagogik ein wichtiger Bestandteil ist (allerdings schwer durchzuführen in 30+ Klassen). Wo ist da der Unterschied? Dass unterschiedliches Lernniveau im selben Klassenzimmer sitzt? Macht für mich wenig Sinn.
Und wissen Sie was für mich Separation ist? Wenn eine Elite, die es sich leisten kann, aus den staatlichen in private Schulen flüchtet, da sie diese gut gemeinte Nivellierung in Regelschulen eben nicht gut findet. Warum spricht man hier von Separation, wenn es möglich ist, seinen individuellen Stärken nachzugehen und diese zu fördern? Wenn jetzt in idealistischer Vorstellung durch das Gesamtschulsystem alles in einen Topf geworfen wird, ist das Kochergebnis zwar einheitlich und praktisch, aber es wird Vielen nicht schmecken und diese werden sich Alternativen suchen (privat). Kreativität, Eigenverantwortung, Motivation und Genie bleiben da größtenteils auf der Strecke. Das kann nicht Sinn und Zweck der Bildung sein.

Carsten60
29 Tage zuvor
Antwortet  Gerd Möller

Herr Möller: Eine dieser Untersuchungen von Felouzis hatte ich schon vorher gesehen (Titel: Schulische Ungleichheit in der Schweiz). Darin wird angegeben, dass im Schweizer Durchschnitt ganze 11 % der Leistungsunterschiede von Schülern auf die soziale Herkunft zurückgeführt werden können. Das heißt umgekehrt: 89 % dieser Unterschiede haben andere Ursachen. Und wenn es im Kanton Aargau 14 % statt 11 % sind, dann wird gleich laut geschrien, huch, wie ungerecht. Ich halte das für einen Sturm im Wasserglas. Leute wie Sie schauen einfach nicht mehr nach dem „was können die Schüler eigentlich?“, sondern nur noch nach dem „wie groß sind die Unterschiede bei dem, was die können?“.
Für eine prosperierende Wirtschaft ist es aber vollkommen gleichgültig, woher die Arbeitskräfte kommen und wie gerecht es zugeht. Entscheidend ist, was sie können. Bekanntlich hat ja auch die Schweiz – wie Deutschland — eine starke Zuwanderung von Fachkräften. Als Manko gilt das eigentlich nicht. Oder sollten beide sich lieber abschotten in dieser Hinsicht? Finnland hat übrigens trotz seines „integrativen“ Schulsystems eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, wie kommt das denn?
Die Schweiz hatte ja keinen „PISA-Schock“, weil die Werte gut waren, aber dennoch will man dort jetzt alles umkrempeln. Von dem „Lehrplan 21“ habe ich eigentlich nur Schlechtes gehört. Da hatte man angeblich für die Grundschule 4000 verschiedene Kompetenzen als Ziel angegeben, für jeden Schultag gleich mehrere. Selbst Wikipedia schreibt dazu einen Abschnitt „Kritik“. Dazu kann man auch einiges auf
https://condorcet.ch
nachlesen. Dort erfährt man ohne Filterung durch Polit-Funktionäre, wie es in der Schweiz um die Bildung bestellt ist. fragen Sie Herrn Pichard, der kennt die Sache auf jahrzehntelanger Praxis.

Tom
1 Monat zuvor

Der Fachkräftemangel kommt auch deswegen zustande, weil es eine nicht unerhebliche Anzahl von Lehrlingen (vormals MSA und ESA) gibt, die ihre Berufsausbildung nicht beenden. Und es gibt u.a. einen Mangel an Fachkräften im MINT-Bereich bzw. in der Human- und Zahnmedizin. Hier ist ein (Top-)Abitur die Voraussetzung für entsprechende Studiengänge.

Andre Hog
1 Monat zuvor

„Fast alle Kinder wollen später mal was mit den Händen / im Handwerk arbeiten – bis die Erwachsenen sich einmischen!“

Steht auf einem Plakat der Handwerkskammer, um für das Handwerk zu werben….und genau das ist das Problem.
Während z.T. auch viele intellektuelle Totalausfälle an deutschen Gymansien bis zu einem grottigen Abitur mitgeschleppt werden – zunächst traut man sich nicht, nach der Orientierungsstufe die entsprechenden Fälle mit z.T. nur eingeschränkten Realschulempfehlungen entgegen des Elternwunsches an die passenden Schulformen abzugeben, dann wird gegen jede Vernunft versucht, über absolut sinnfreie Förderempfehlungen der juristische Schein der individuellen Förderung in z.T. 30er Gruppen aufrecht zu halten, später – in der Oberstufe angekommen heißt es dann, jetzt ist der / die SoS* schon so weit gekommen – da kann man nicht die Notbremse ziehen – nun soll er / sie es auch versuchen und letztlich werden dann notwendige Punkte verschenkt, um die Kids mit einer Reifeprüfung zu verabschieden.

Spätestens dann haben die gelernt, dass der „träge Arsch“ von anderen über jedes Hindernis geschleppt wird und quasi jede Entschuldigung für eklatanten intrinsischen Motiavtionsmangel akzeptiert wird.

Wir ziehen uns das oben beschrieben Problem seit mindestens 25 Jahren heran…und ja…Pusa und die falschen Lehren daraus sind erheblich mit Schuld daran.
Denn die politischen Vorgaben haben bereits vor über 15 Jahren eine Abi-Abschlussquote von 55% vorgegeben.

Dadurch wurden die anderen Bildungsgänge, die z.B. ins dringend benötigte Handwerk führen, abgewertet…für jeden dämlichen Ausbildungsberuf wird mindestens ein Abitur erwartet – auch wenn die Absolventen gerade die dort benötigten Qualifikationen gar nicht mehr mitbringen…z.B. ein gewisses Maß an praktischer Orientierung (z.B. durch Werkunterricht – gibt es am Gym nicht) oder auch die Bereitschaft, sich bei akuter Lustlosigkeit und eingeübtem Stoizismus gegenüber Anforderungen zu körperlicher Anstrengung nicht gleich mit Arbeitsrecht zu drohen (Rechtskunde wird sehr wohl am Gym unterrichtet) , sondern die Arschbacken zusammen zu kneifen und mal widerspruchslos den Anweisungen des Gesellen* oder des Meisters* Folge zu leisten. „Fördern durch Fordern“ ist nämlich auch in der gymnasialen Schulzeit ein beliebter Spruch gewesen – wird aber gegen schülerische und oftmals auch elterliche Gegenwehr und Widerstände irgendwann entnervt aufgegeben. Ergebnis?? s.o.

Ich weiß, dass das für viele unserer SuS nicht so gilt….aber mittlerweile für eine große und immer größer werdende Zahl von ihnen.

Bin ich kutlurpessimistisch??
Zunehmend ja…und die beschissene Kultuspolitik, die erheblichen Anteil an der bereits jahrelang andauernden Bildungsmisere und den Frust bei LuL hat, lässt mich mittlerweile daran verzweifeln.

Erfolg in der Bildungspolitik wird nicht mehr an der Qualität der Absolvent*en und der tatsächlichen Abschlüsse und die damit erworbenen Qualifikationen, Fähigkeiten und Fertigkeiten gemessen, sondern lediglich an der Anzahl der Säue, die man während einer Legislatur durch die Dörfer treibt.

Carsten60
29 Tage zuvor
Antwortet  Andre Hog

Herr Möller: was sagen Sie zu dem Beitrag von Andre Hog? Es gibt etliche Foristen, die sich so ähnlich äußern, nicht nur die, auf die Sie gerne schimpfen. Könnte das was mit der Realität zu tun haben?

tozitna
1 Monat zuvor

ENDLICH wird das Problem beim Namen genannt – vielen Dank für den Artikel, der mir aus der Seele spricht!

Klaus Lehmkuhl
1 Monat zuvor

Das Abitur hat keinen Wert mehr , da es inzwischen der “ normale “ Schulabschluss ist . Man muss es haben , da man sonst einen Wettbewerbsnachteil hat . Das Niveau der Oberstufe ist massiv gesunken , kaum einer kann noch vernünftig rechnen oder schreiben . Das muss er auch nicht , dann gibt es eben einen Nachteilsausgleich wegen Dyskalkulie und LRS .

Dirk Meier
1 Monat zuvor
Antwortet  Klaus Lehmkuhl

Für Dyskalkulie gibt es in meinem Bundesland (Niedersachsen) keinen Nachteilsausgleich. In welchen Bundesländern ist das möglich? Welche Vorteile hat der betreffende Schüler dann?

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Dirk Meier

In NRW nur in der Sek I, weil angenommen wird, dass ein echter Dyskalkuloge unmöglich die Qualifikation zur Oberstufe schaffen kann. Daher erübrigt sich ein Nachteilsausgleich. Abgesehen davon habe ich in meiner gesamten Karriere nur drei ehemalige Dyskalkulogen erlebt, sprich die immens hohe Anzahl LRS’ler ist näher an der Gefälligkeit als an echter LRS.

DerDip
29 Tage zuvor
Antwortet  Klaus Lehmkuhl

@Klaus Lehmkuhl: Exakt so ist es. Das Abitur an sich hat keinen Wert mehr, ist inzwischen für viele Ausbildungsgänge allerdings Voraussetzung.
Meiner Meinung nach kann man das Dilemma recht leicht lösen, wenn man denn wollte, indem man sowohl für Studiengänge als auch Berufsausbildungsgänge Zulassungsprüfungen einführt. Dann erhalten auch wirklich diejenigen Zugang, die die notwendigen Voraussetzungen mitbringen. (Unabhängig vom Notendurchschnitt oder Abschluss)

Anna
28 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Ich hab vor kurzer Zeit begonnen zu studieren. Als die Tutorin in einer Infoveranstaltung sagte, man solle xxx alphabetisch sortieren, fragte eine Studentin ernsthaft:“Was bedeutet ‚alphabetisch‘ ?“

Ich bin fast rückwärts umgefallen…

Georg
28 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Diese Prüfungen wären ungleich härter als das Abitur und würde die von Soziologen postulierte soziale Spaltung andie Universitäten verlagern. Der einfachere und sinnvollere Weg wäre ein wieder anspruchsvolles Abitur und die Erkenntnis, dass Chancengleichheit nicht zwangsläufig Ergebnisgleichheit bedeutet. Die erzwungene Gleichheit im Sinne von gleich mittelmäßig kann sich Deutschland schon lange nicht mehr leisten.

Grottenolm
28 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Das ist der beste Vorschlag den ich hier gelesen habe. Als Schüler habe ich keine Lust auf die Schule gehabt. Das Angebot an Fächern war durch das erzwungene Mischungsverhältnis und den Fachlehrermangel nicht für mein von meinem naturwissenschaftlichen Interesse geeignet. Nach einem Abi mit 3,5 fürs „Nichtstun“ folgte ein schneller Studiendurchmarsch im 1er Bereich.

Warum kann ein Abi nicht schon von der spätere Studienrichtung geprägt sein. Von einem Schüler mit Realschulabschluss erwartet man doch auch, dass er in dem Alter einen Beruf erwählt. Ist ein Abiturient unmündiger? Ich denke nicht!

Carsten60
27 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

Zulassungsprüfungen für alles und jedes würden in kürzester Zeit den Vorwurf nach sich ziehen, sie seien UNGERECHT, weil sie eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Prüfung zum absoluten Maßstab erklären. Sofort würden Probejahre oder ähnliches gefordert.
Wenn man die Aufnahme aufs Gymnasium von Aufnahmeprüfungen abhängig machte, dann wäre auch sofort der Vorwurf der sozialen Ungerechtigkeit da, weil selbstverständlich die Kinder von gebildeten Leuten da besser vorbereitet wären. Diesen Vorwurf gibt’s doch auch gegen Intelligenztests. Bitte immer die Folgen bedenken, bevor hier schlaue Patentvorschläge gemacht werden.

DerDip
25 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60: Es wird immer irgendwelche Vorwürfe geben.
Es gibt übrigens Länder in denen solche Eingangsprüfungen für Studiengänge üblich sind und die Kandidaten bereiten sich darauf entsprechend vor. Im Falle eines Scheiterns können solche Prüfungen zum nächsten Ausbildungsbeginn erneut angegangen werden. Wer ein gutes Abitur hat und in der Schule die entsprechenden Schwerpunktfächer gewählt hat, hat mit diesen Tests in der Regel kein Problem.
Es geht dabei hauptsächlich um den Zugang zu Studien- und Ausbildungsgängen und damit einhergehend um eine objektive Auswahl der geeigneten Kandidaten. Dies würde übrigens die Abbrecher Quoten an den Unis senken.
Es geht dabei nicht um den Wechsel von der Grundschule auf die weiterführende Schule, sondern hauptsächlich um Studiengänge oder anspruchsvolle Berufsausbildungen.

laromir
1 Monat zuvor

Kommentare der Schüler nach dem Praktikum ob jetzt KFZ, Winzer oder Service Bereich: da wird man ja schmutzig, dass ist aber anstrengend so draußen, da muss man ja die ganze Zeit freundliche sein usw…. getoppt von, als Gamer kann man aber mehr verdienen. Es halt halt nicht nur an der Ausbildung, sondern auch an der Einstellung. Ach ja, das Gemecker, wenn man während des Studiums nicht alles bezahlt bekommt, fehlt auch noch. Hinweise auf einen Studentenjob werden mit Empörung aufgenommen… (auch vor Corona). Es hakt an vielen Stellen.

DerechteNorden
1 Monat zuvor

Das ist der Tatsache geschuldet, dass man in Deutschland auch so gern eine so tolle Anzahl von Abiturient*innen wie z.B. in Schweden haben möchte. Dass man dort aber sein Abitur mit dem Abschluss an einer Art Berufsschule erhält, wo man in Theorie zum Kellner, zur Elektrikerin usw. ausgebildet wird, und es keine Ausbildung wie bei uns gibt, interessiert die Politik hier nicht. Hauptsache, die Zahl der Abiturient*innen ist hoch.
Für diejenigen, die sich nicht vorstellen können, wie man das erreicht, hier ein paar Informationen zu SH, wo ich an einer Gemeinschaftsschule mit Oberstufe arbeite: Es gibt in der Sek. I drei Leistungsniveaus, die mit Sternchen ausgewiesen werden sollen. Die S*S sollen auf diesen Niveaus arbeiten und erhalten dann am Ende eine Note auf ihrem jeweiligen Niveau, wobei eine 1*** einer gymn. Eins, einer 6* eine Hauptschul-Sechs usw. entsprechen. Ab Klassenstufe 9 wird einfach umgerechnet, obwohl es in den Jahrgängen zuvor absolut verboten ist. Aus einer 3* wird eine 4**, obwohl das Bearbeitungsniveau weit unter dem des **Sternchen-Niveaus liegt. Das reicht dann aber, um in die 10. Klasse zu kommen und dann mit kruden Verrechnungsmethoden am Ende sogar einen MSA (Äquivalent zum Realschulabschluss) zu erhalten. Analog verläuft es auf dem Niveau darüber, so dass aus Klassenstufe 10 lauter ungeeignete junge Menschen in die Oberstufe gehen können. Man will denen ja nichts versauen, so dass sie, wenn es wirklich sehr knapp ist (eine 5 auf ***Niveau), per Konferenzbeschluss in die Oberstufe versetzt werden. Die Begründung lautet, dass sie ja dann nach der 12. mit der Fachhochschulreife abgehen könnten. Viele tun das dann aber nicht, weil das nix hermacht und wiederholen dann gern 2x in der Oberstufe, erst Klasse 11 oder 12, dann, nachdem sie durchs Abitur gefallen sind, auch den 13. Jahrgang. Und weil man sie dann loswerden will, schaffen sie dann auch irgendwie ihr Abi und …
Meine Schule arbeitet immerhin auf drei Leistungsniveaus in der Sek. I, viele andere Schulen jedoch nicht, einige haben komplette Binnendifferenzierung … Von dort erhalten wir jedes Jahr S*S mit Zeugnissen, die NULL widerspiegeln, was sie wirklich können. Und das Schicksal nimmt seinen Lauf … Und damit es nicht zu fies ist, senkt man dann im Ministerium die Anforderungen.
Aussieben ist auch von der Schulleitung nicht erwünscht, weil ja die Anmeldezahlen die größte Rolle spielen: Große Oberstufe = viele Anmeldungen im 11. und auch im 5. Jahrgang.
Ich denke, es ist nun sehr einfach nachzuvollziehen, wie diese hohe Anzahl an Abiturient*innen zustande kommt. Aber de facto ist sie politisch gewollt (s.o.)

Lanayah
1 Monat zuvor

Das geht doch schon an der Grundschule los. Ich habe schon Diskussionen mit Eltern gehabt, warum ihr Kind nur eine 2 bekommen hat, eine 3 gilt schon als schlechte Note. In Deutsch eine 4 zu bekommen ist bei unseren curricularen Vorgaben schon schwer, eine 5 fast unmöglich. Die unverbindliche Schullaufbahnempfehlung wurde abgeschafft. Statt dessen gibt es jetzt zwei merkwürdig zweckfreie Beratungsgespräche, in denen man als Lehrkraft nur bestimmte Formulierungen verwenden darf, um nichts falsch zu machen. Einen Satz wie: „Ihr Kind wäre an einer Hauptschule genau richtig.“ darf man beispielsweise in diesem Zusammenhang nicht von sich geben.
Ich denke, darum ist das Universitätsstudium heute auch erheblich verschulter, als seinerzeit in den 80igern. Ich bekomme das bei meiner Tochter mit, die an der Uni quasi weiter zu Schule geht, während ich meine eigene Uni-Zeit als ultimative Freiheit in Erinnerung habe.

Thomas Seidel
1 Monat zuvor

Hallo,
ein Niveauproblem auch hier 😉
5. Absatz:
„… dass in den Neuziger Jahren …“

Weiter unten:
„… Mathematische Leistungen, die die Baden-Württemberg noch in den 70er Jahren jeder Realschüler …“
Es sollte möglich sein, so einen Artikel ohne Rechtschreibfehler zu veröffentlichen.

mama51
1 Monat zuvor
Antwortet  Thomas Seidel

… Erbsenzähler und Besserwisser… Du meine Güte! Lehrkraft „halt“, das gelebte Vorurteil.

Teacher Andi
1 Monat zuvor

@Lanaya, richtig. Ein veheerender Weg zu Egalismus und Konformismus. Offensichtlich ist da Methode dahinter, politisch gesehen. Kreativität und Eigenvernatwortung sind kein Thema mehr. Ich denke auch noch mit Wehmut an unsere Studentenzeit, man hatte Freiheiten, musste sich aber durchbeißen, und auch in der Schule, vonwegen Förderkurse, Übertrittsangebote, Vorklasse, Lernwochenenden, schulische Nachhilfe und Prüfungsvorbereitungskurse. Die Schüler verlassen sich voll auf Hilfe von außen, ganz selbstverständlich dem individuellen Lerntempo und eigenen Befindlichkeiten angepasst. Diese „Bedien-mich-Mentalität“ führt zu dem, was wir jetzt größtenteils vorfinden: hilflose, unfähige, oft unmotivierte junge Leute, die es nicht gewohnt sind, auch mal Niederlagen einzustecken. Völlig überfordert in Krisensitautiionen und für den realen Arbeitsmarkt fast untauglich. „Dann werde ich Blogger, Gamer, Influencer (irgendwas mit Medien) oder bereise die Welt.“ …..

Teacher Andi
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Sorry für die Tippfehler, manchmal tippe ich mich in Rage und vergesse das Korrigieren. Ganz schlecht für einen Lehrer!!

Dirk Z
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Meine Erfahrung ist häufig daß Schüler, die mit sehr guten Noten in der vorgesehenen durchs Abi gekommen sind, später Probleme haben in Organisation, wenn irgendwann es nicht so läuft wie vorgesehen. Das sieht man dann an Hochschulen, wenn Mami und Papi nicht mehr mal eben vorbeikommen können. Oft kommen Leute, die für ihren Erfolg kämpfen mussten, später besser durch das Leben. Eine hartverdiente Vier ist oft wertvoller als eine Flut von Einsen. Die Leute, die nur gute Noten bekommen haben oft nicht gelernt, mit Rückschlägen umzugehen.

DerDip
29 Tage zuvor
Antwortet  Dirk Z

@Dirk Z: Ihre Erfahrungen werden von meinen gedeckt, wobei es meiner Meinung nach verschiedene Gründe für diese Diskrepanz gibt. Neben der von Ihnen erwähnten Erfahrungen, sich selbst durchzubeißen und nach Rückschlägen wieder auf die Beine zu kommen, hat dies m. E. auch mit der Art der Benotung an vielen Schulen zu tun. In vielen Fächern ist es recht einfach eine gute bzw sehr gute Note zu erhalten, wenn sich die Schüler mündlich viel beteiligen und das sagen, was die Lehrer hören wollen (auch wenn die Substanz der Aussagen auf niedrigem Niveau liegt). In MINT Fächern an der Uni ist diese von Lehrerseite gern gesehene Beteiligung nichts Wert, wenn die Substanz dahinter nicht vorhanden ist. Dies wird in Prüfungssituationen dann sehr deutlich.
Den gleichen Fehler machen auch viele Personalabteilungen. Gerade in MINT relevanten Ausbildungsberufen werden im ersten Gespräch nicht selten Kandidaten aussortiert, weil sie nicht besonders Kommunikativ sind. (gemessen an den Mitarbeitern im Personalbereich ist das auch so). Wer aber einen guten Programmierer braucht, muss die Schwerpunkte woanders legen. In einem mir bekannten Unternehmen wurde daher entscheiden, dass Kandidaten für Ausbildungen in diesem Bereich nicht mehr durch Personaler vorsortiert werden sollen. Stattdessen haben die Fachbereich dies an sich gezogen und finden nun leichter die passenden Kandidaten.

Dirk Z
28 Tage zuvor
Antwortet  DerDip

@DerDip: Sie sprechen mir aus der Seele. Es sind schon hervorragende Kandidaten, die für die Stelle ideal geeignet sind aussortiert worden, weil im Lebenslauf ein bestimmtes Stichwort (z.B. war ein bestimmtes IT-Programm als Skill nicht aufgelistet, in das man sich innerhalb kurzer Zeit einarbeitet…) fehlte. Am besten ist es, wenn Bewerber für ein paar Tage Probearbeiten kommen- da sieht man viel mehr als sich 60 min mit einem zu unterhalten.
Und selbst in der Generation meiner Grosseltern gab es in der Schule einen Fall, daß ein Deutschlehrer einen bestimmten Schüler nicht mochte und ihm immer egal wie er sich angestrengt hatte mit Fünfen und Sechsen zugeschüttet hat. Eines Tages sollte er eine Deutschausarbeitung abgeben. Eine befreundete Person, der in seiner Schulzeit in Deutsch die Einsen und Zweien abkassiert hat, hat die Ausarbeitung geschrieben und der betroffene Schüler hat die Arbeit wortwörtlich abgeschieben und seinen Namen raufgeschieben. Nun dürfen Sie raten, welche Note der Schüler bekam…
Ergebnis war, daß er dann das eine Jahr wiederholt hat und er bekam einen neuen Deutschlehrer und damit auch erheblich bessere Noten in Deutsch.

Klugscheisser
1 Monat zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ja. Das Durchbeissen übernehmen die Eltern. Tun sie es nicht, werden die KuJ auch so durch das Schulsystem (etwas weniger erfolgreich) durchgewunken.
Anstrengen muss sich keiner mehr wirklich.
Eine Welt voller Gläser und Becher aus Plastik, die man als Kleinkind rumwerfen konnte, oder Klettverschlüsse an Schuhen, die man nicht mehr althergebracht zubinden muss. Überall Erleichterungen für die Kinder. Und dann wird plötzlich etwas von ihnen verlangt.
Realitätsschock.

Tom
1 Monat zuvor

Gy und Realer von heute: Schulintelligenz vs. Lebenskompetenz;-). Früher (die gute alte Zeit) gabs wenigstens die Wehrpflicht/ BW mit dem nützlichen Nebeneffekt: endlich mal weg von Mama und Papa.

Georg
29 Tage zuvor
Antwortet  Tom

Früher ja, heute heute nicht mehr, weil die ehemaligen Realschüler zum guten Teil auf dem Gymnasium zum mittelmäßigen bis schwachen Abitur durchgeschleift werden. Die heutigen Realschüler sind die ehemaligen Hauptschüler. Deren Lebenskompetenz ist durch Versagen der Politik ganz anders als möglich.

laromir
1 Monat zuvor

Das System will es so. Wenn man als LuL „zu schlechte“ Schnitte hat, bekommt man einen Anpfiff. Egal ob man vorher 3 Wiederholingseinheiten hatte oder z.B. HÜ oder Vokabeltest angekündigt hat. Die LuL sind Schuld und sollen es halt einfach genug halten, dass es jeder irgendwie hinbekommt. Und von MINT sind wir meilenweit entfernt. Transferaufgaben im NAWI-Unterricht schafft kaum noch jemand wenn es in der Arbeit nicht das gleiche Bild ist wie im.Unzerricht, wird es schonn kritisch. Aber statt Zeit oder andere Lehrpläne oder andere Übergangsprofile gibt es für die LuL Ärger, die versuchen halbwegs Niveau zu halten. Von daher will das System dass jeder Abi macht, egal wie und wir sind einfach nur da um das jedem gefälligst möglich zu machen.

Katinka
1 Monat zuvor

Da, wo ich unterrichte, beträgt die Übertrittsquote über 60% (Grundschuel –> Gymnasium). In jeder Klasse kämpfen wir mit den 10-20%, die eigentlich nicht an diese Schulart gehören und auch die anderen, gymnasial geeigneten SchülerInnen ausbremsen. Ich habe regelmäßig Eltern in der Sprechstunde, die sagen, ihr Kind MUSS es aber unbedingt schaffen. Ich frage mich auch oft, was das mit den Kindern macht, wenn sie einen Misserfolg nach dem anderen haben und schon sehr früh an ihre Leistungsgrenze kommen, während sie an einer Realschule sehr wahrscheinlich deutlich besser klarkämen. Ich verstehe die Eltern manchmal nicht!

Gleichzeitig nerven mich die Diskussionen um jeden Punkt in der Oberstrufe, weil man ja ein Abitur mit dem Schnitt 1,x unbedingt schaffen muss (auch, wenn man noch gar nicht weiß, was man damit dann machen will). Wo soll das hinführen mit den immer mehr werdenden AbiturientInnen und sehr guten Schnitten? Ein Abitur ist heute nur noch halb so viel wert wie vor 25 oder 30 Jahren!

Katinka
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka

Grundschule

Marc
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka

Naja kann man es den Eltern verdenken? Die Gesellschaft gibt den Druck ja vor. Wir sind auch alle Lehrer geworden mit Universitätsabschluss und keine Bäcker, Elektriker oder Schlosser.
So lange wir denken dass Akademiker per se die Oberschicht und Handwerker maximal die Mittelschicht darstellen, so lange wollen alle Schüler an die Unis. Aufstieg durch Bildung ist eine Maxime, die in vielen Köpfen noch verankert ist, aber schon lange so nicht mehr direkt stimmt.
Wir müssten eigentlich eine Politik machen, wo die Wertschätzung des Handwerks in den Mittelpunkt gerückt wird. So lange wir aber denken dass nur derjenige Handwerker werden muss, der zu blöd für die Uni ist, so lange wird sich am Bildungswahn auch nichts ändern.

Tom
1 Monat zuvor

So ziemlich am Anfang las ich hier, dass es in der ehemaligen DDR gerade mal zwei Schüler aus einer POS-Klasse schafften, in die Abiturstufe (EOS) aufgenommen zu werden und der dafür notwendige Gesamtnotenschnitt weit besser als 2,5 sein musste. Würde man diese Kriterien auf die Neuzeit anwenden, würden nicht mehr 50-60 Prozent der SuS nach Klasse 4 auf ein Gymnasium gehen. Das wiederum kann zur Folge gaben, dass man hier in DE wohl 2/3 der Gymnasien zu Gesamtschulen umwandeln muss… Nun mal Hand aufs Herz liebe LuL aus dem Gymnasien: Möchtet ihr das wirklich?

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Tom

Wenn die Klientel so ist, wie aktuell an den Gesamtschulen sicherlich nicht. Sie müssen dann aber bedenken, dass die Hälfte der aktuellen gymnasialen Klientel dann auf die Gesamtschulen besucht. Das verbessert die dortigen Zustände dann erheblich.

Tom
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Dann kann die Lösung doch nur folgende sein: Abschaffung der Gymnasien und einheitliche Bildung für alle bis Ende Klasse 10. Wer dann das Zeug für das Abi hat (Notenschnitt besser als 4,0/ eigentlich 1,5 und besser) sollte das Abi machen können. Ich setze dem noch eine Schippe drauf, das Abi sollte nur noch auf Oberstufen in Gesamtschulen ode auf Beruflichen Gymnasien möglich sein.

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Tom

Ja und nein bzw. nur, wenn es leistungshomogene Gruppen innerhalb der Jahrgänge mit jeweils maximal möglicher Progression gibt.

Carsten60
29 Tage zuvor
Antwortet  Tom

Das Problem dabei ist nur: Das Gymnasium (ursprünglich mal 9 Schuljahre, jetzt vielfach nur 8 oder — in Berlin — 6) würde dann auf 3 (oder gar 2) Schuljahre verkürzt, weil man bis Klasse 10 eben auf die Schwachen Rücksicht nehmen muss. Sie wissen sicher auch, dass es an Gymnasien in Mathematik und Fremdsprachen schneller vorangeht als an Hauptschulen. Jedenfalls war das mal die Intention, und früher war nicht alles besser, aber früher war das so mit dem „schneller Vorangehen“. Das war entscheidender als Noten.

Tom
28 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

Von „Hauptschulen“ war bei mir nicht die Rede. Viele klassische Gymnasien wechselten wieder von G8 zurück auf G9 und Reihen sich damit auf gleiche Stufe mit den Beruflichen Gymnasien oder den Oberstufen von Gesamtschulen ein. Warum eigentlich? Gerade bei den Ansprüchen, die man dort an sich selbst stellt

Im Allgemein ist es nie verkehrt, „auf die Schwachen Rücksicht“ zu nehmen. Das foedert die Entwicklung von so etwas wie wertvolle Lebenskompetenzen. Aus meiner Sicht fehlt es genau hieran bei den vielen Ex-Gymnasiasten, die ihr späteres Studie nicht beenden, ihren weiteren Weg als Berufsstudenten suchen oder sich gar in das Heer der beschäftigungslosen oder mutmaßlich unterbezahlten Akademiker einreihen.

Tom
28 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

Studium

Carsten60
27 Tage zuvor
Antwortet  Tom

Das Problem ist aus meiner Sicht, dass 10 Jahre längeres gemeinsames Lernen eben nicht annähernd dorthin führen, wo ursprünglich mal ein Gymnasium am Ende des 10. Schuljahres angelangt war, besonders in Mathematik und Fremdsprachen. Folglich ist das G3-Gymnasium, das man dann obendrauf zu setzen gedenkt, einfach nur ein schwacher Abklatsch des ursprünglichen Gymnasiums (von dem einen Jahr Verlängerung mal abgesehen, warum gab’s denn G8 ? Wer hatte denn dafür blumige Begründungen abgeliefert ?).
Man kann alles machen, muss sich aber klar darüber sein was man da macht. Man sollte nicht die Wirklichkeit hinter wohlklingenden Allgemeinplätzen verstecken („wertvolle Lebenskompetenzen“). Die „echten“ Gymnasiasten langweilen sich schon in 4 Jahren Grundschule, genügt das nicht als „Lebenskompetenz“ ? Natürlich steht und fällt alles mit dem Anspruch, den man an ein Gymnasium hat. Das Wort „Gymnasium“ alleine ist nicht entscheidend.

KARIN
1 Monat zuvor
Antwortet  Georg

Und zieht das Niveau aller Schüler bis zur 10 Klasse runter!
Wer dann noch Abi machen will ist im Vergleich zu anderen Länder weit zurückgeworfen in punkto Wissenstand/ Vorkenntnissen!
Deutschland würde ausgelacht ,wenn in fremden Ländern dann ein Studium begonnen würde und unsere Studenten dort kläglich scheitern ,da total überfordert und nicht studienreif, die meisten.
Seit Jahren/ Jahrzehnten wird über alle Schularten hinweg der Anspruch bewusst heruntergefahren.
Man sieht, was aus diesen Jugendlichen wird, sofern nicht durchs Elternhaus gefördert und eingeübt( Rechtschreibung, Grundrechenarten, das kleine und große Einmaleins usw. z.B.), in den Unis sitzen Menschen, welche glauben sie wären hochbegabt, welche aber vor 40 Jahren nur gute Absolventen der Gymnasien gewesen wären. Diese scheitern oft, brechen ab oder wechseln ihr Studienfach und geben dann doch auf, da total überfordert!
Können nicht konzentriert arbeiten oder recherchieren, kaum Ausdauer haben Lerntechniken kennengelernt aber nicht eingeübt!
Suchen dann mit Mitte oder Ende zwanzig einen Ausbildungsplatz, wo sie dann glücklich werden aber leider viele Jahre vergeudet haben.

Tom
1 Monat zuvor
Antwortet  KARIN

Stimmt, auch bildungsnahe Elternhaeuser sind von Vorteil oder auch außerschulische Lernorte (talenrcampus, Junge-VHS, …). Ich verfolge jedes Jahr diese unsäglichen Abschulungen aus den Gymnasien (Ende Klasse 6). Dabei finde ich die Grenzen skuril. Wer von den SuS gerade noch einen Schnitt von 4 hat, der/ die darf auf dem Gymnasium bleiben. Das soll die Wissenselite sein?

Georg
1 Monat zuvor
Antwortet  Tom

Das liegt aber an den sehr laschen Anforderungen der Gymnasien und den sehr starken Rechten der Eltern. Wenn die Eltern nicht wollen, brauchen sie auf monatelange Beratung nicht zu hören.

Tom
29 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Die Rückkehr von G8 auf G9 war doch nichts anderes als eine Kapitulation.

Georg
28 Tage zuvor
Antwortet  Tom

Dem stimme ich zu. Allerdings sind die Schülergruppen verantwortlich, die den politisch verordneten Niveauverlust auch verursachten.

Carsten60
26 Tage zuvor
Antwortet  Tom

Natürlich ist in den Gymnasien nicht nur eine Wissenselite. Man will ja auch gar keine „Elite“ mehr haben, das Wort ist in Verruf geraten. „Wissen“ ist ohnehin nicht mehr wichtig, „Kompetenzen“ lautet das neue Zauberwort.

  1. Das alles sind ohnehin politische Kompromisse.
  2. Wieso ist die Grenze bei 4,0 skurril? Seit Urzeiten wird die Grenze zwischen „ausreichend“ und „mangelhaft“ gezogen, zwischen „bestanden“ und „nicht bestanden“. Das steht auch in allen Gesetzestexten zu Examina so. Was soll man denn sonst machen?
Schattenläufer
1 Monat zuvor

Das Problem wird schon durch das System der Fächerwahl geschaffen.
Ist doch toll, wenn man das Abi mit Leistungsfach 1: Singen und Leistungsfach 2: Klatschen machen kann.
So wird der hohe Anteil an Gym-Abschlüssen garantiert.
Läuft in der Bildungsreform .

Georg
29 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

In welchem Bundesland ist das noch möglich? Sogar in NRW braucht man von Deutsch, Mathe, Englisch zwei Fächer, Von Sport, Kunst oder Musik ist nur eines möglich und dann auch noch Mathe als Pflichtfach.

Carsten60
29 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

An diesem beruflichen Gymnasium hier kann man für die allg. Hochschulreife (!) die schriftlichen Prüfungsfächer Gesundheit, Biologie und Religion im Abitur haben:
https://www.bklm-ahaus.de/bildungsgang-slg/gesundheit-abitur/
Für die mündliche Prüfung kommt dann Psychologie in Betracht.

Dirk Meier
29 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

@Carsten60: Vielen Dank für dieses schöne Beispiel aus NRW. Die Schule wirbt auch noch offensiv mit diesem Schmalspurabitur: „Die allgemeine Hochschulreife berechtigt zu einem Studium jeder Fachrichtung an Universitäten, Technischen Hochschulen und Fachhochschulen. Besonders gut sind Sie aufgrund des gesundheitlichen Schwerpunktes der Ausbildung auf ein Studium im medizinischen, pharmakologischen, gesundheitsökonomischen oder psychologischen Bereich vorbereitet.“

Ein besonderes Highlight dieser Schule scheint das Fach Mathematik zu sein. Man darf es ausschließlich als Grundkurs wählen, aber im Abitur ist es weder schriftlich noch mündlich zu belegen. Inhaltlich wird dort in den drei Jahren vermutlich nur der halbe NRW-Lehrplan umgesetzt. Aber die Absolventen sind dann angeblich bestens für ein Medizinstudium vorbereitet.

dickebank
28 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Kurzer Hinweis:
Das „Abitur“ als Bildungsabschluss gibt es in NRW gar nicht. Es gibt lediglich die Fachhochschulreife (schulischer Teil) oder die allgemeine Hochschulreife als formelle Bildungsabschlüsse gem. APO-GOSt.

Sissi
27 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

@ Redaktion
Vielen Dank für die Klarstellung.
Obwohl ich weiterhin ein Fan des praktischen Werdegangs bin, z.B.
Rettungssanitäter-> Medstudium
Pflege unter 1,8 abgeschlossen-> Medstudium, finde ich es nicht o.k
LK Biologie, Gesundheit + Biochemie + Psychologie in die Schmalspurecke zu setzen (kommt auf die Wissensvermittler an – wie überall)
Das hört sich irgendwie an wie – Hauswirtschaft ist nur Kochen, nein es ist Management im Kleinen……
Wenn das Konzept noch nicht ganz passt, so ist es ijF ein ausbaulohnender Ansatz- wir brauchen Nachwuchs in diesen Bereichen – dringend.

Carsten60
28 Tage zuvor
Antwortet  Dirk Meier

Dieses berufliche Gymnasium umfasst aber nur die 3 Jahre der Oberstufe. Folglich wird das Leistungskursfach Gesundheit nur drei Jahre lang überhaupt unterrichtet. Da sehe ich durchaus einen Unterschied zu den sonst üblichen Leistungskursfächern, die in der Regel bereits etliche Jahre vorher unterrichtet wurden und dann im LK mehr in die Tiefe gehen: Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen, Naturwissenschaften.
Ich fürchte, die Gleichwertigkeit all dieser Abiture ist mehr theoretisch, sozusagen eine juristische Sache. Ein Gerücht besagt, dass schwache Gymnasiasten gern nach der Sek I auf ein berufliches Gymnasium wechseln, und es ist wohl mehr als ein Gerücht, dass dort das Abitur leichter zu erreichen ist (analog bei Gesamtschulen im Vergleich zu Gymnasien). Natürlich muss man eine gewisse Affinität zu der speziellen Richtung (hier: Gesundheit) mitbringen, aber man erspart sich einiges bei den anderen Fächern, denn die Hospitationen werden kaum alle zusätzlich erfolgen, sondern anderes ersetzen. Die Zahl der Stunden darf insgesamt ja nicht übermäßig groß werden.
In NRW gibt es auch bei den beruflichen Gymnasien ein Zentralabitur, aber eben andere Aufgaben als an den allgemeinbildenden Gymnasien. Das sieht man schon daran, dass die Termine entzerrt sind: 3.5.2022 LK an beruflichen Gymnasien, 3.5. 2022 nur Mathematik an den anderen Gymnasien (kommt nicht vor an dem mit Gesundheit), 6.5.2022 GK an beruflichen Gymnasien, 6.5.2022 aber nur LK an allgemeinen Gymnasien.
Außerdem: was passiert jetzt mit dem Schulversuch nach knapp 10 Jahren?

dickebank
28 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

Dann sehen Sie sich aber auch bitte die Lehrpläne für kaufmännische und technische GY an. Die FHR (schulischer Teil) kann ja ebenfalls an einem allgemeinbildenden GY erworben werden und muss im Anschluss mit einer Gesellenprüfung unterlegt werden, um die Hochschulzuhangsberechtigung zu erhalten.

Sabine
28 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Naja. So ist das halt. Man kann ja auch jedes Fach auf Lehramt studieren. Und alle Dächerkombinationen werden gleich bezahlt, also kann es da doch keinen Unterschied geben. Wäre auch ungerecht, wenn alle in Mathe und Deutsch und einer Fremdsprache Abi machen müssen – und sich einige da total leicht tun und die anderen nicht…. das ist nun mal das System und das System wird gestützt. So what.

Georg
28 Tage zuvor

Die meisten Kommentare hier beklagen die Niveauverflachung und Gleichmacherei. Vergleichen Sie dies mal mit der Bildungspolitik der von Ihnen gewählten Partei und den von Ihnen nicht gewählten Parteien. Es ist im Wesentlichen ein Geliefert wie bestellt.

KARIN
28 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Woher wissen Sie was ich gewählt habe?
Gleichmacherei oder das Wahlergebnis hauptsächlich einer Berufsgruppe zuzuordnen, ist sehr oberflächlich gedacht!
Nachdem sogar z.Z. drei Parteien regieren und mindestens zwei mit hoher % Beteiligung in der Opposition sitzen, verstehe ich Ihre Antwort hier eigentlich nicht!

Sissi
28 Tage zuvor
Antwortet  KARIN

Sehe ich wie @ Karin,
Ihr Vergleich hinkt gewaltig.

Georg
28 Tage zuvor
Antwortet  KARIN

Ich nehme an, dass unter den Kommentierenden hier der Anteil SPD, Linkspartei, Grüne signifikant vertreten ist. Alle drei Parteien stehen für die Gleichmacherei. FDP und CDU/CSU in etwas abgeschwächter Form ebenfalls.

KARIN
28 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Annehmen ist sehr realitätsfremd!
Jeder hier hat seine Meinung und dementsprechend gewählt!
Wenn Sie glauben dass die Lehrerschaft so wählt , gehören Sie nicht dazu!
Glauben ist nicht Wissen und eine Aussage Ihrer Art doch sehr übergriffig!

Sissi
28 Tage zuvor
Antwortet  Georg

@ Georg
MMn eine völlig unqualifizierte Antwort ohne Themabezug.
Was Schule angeht, muss man bei keiner Partei nach Fehlern suchen,
Diese sind deutlich sichtbar.
Schaun Sie sich doch an den Schulen um, reden Sie mit den KuK, den SuS. Die Fehler/ das Nichtgemachte, Unterlassene spiegeln sich u.a. in den Coronainzidenzen bei den kids.

Georg
27 Tage zuvor
Antwortet  Sissi

In diesem Artikel geht es aber um das Wissen und die Fertigkeiten.

Carsten60
27 Tage zuvor
Antwortet  KARIN

Die jetzige Bundesregierung ist für schulische Dinge doch gar nicht zuständig, das sind die Länderregierungen. Und in den großen Tests wie PISA, IQB-Bildungstrend sind nun mal leider die langjährig SPD-regierten Länder eher im hinteren Bereich. Durch mehr Gesamtschulen verbessert sich das gemessene Können der SuS (also die „Kompetenzen“) eben leider nicht, auch wenn viele das gerne glauben würden. Auch die Skandinavier mit ihren egalitären Systemen können das nicht „vorturnen“: Dänemark, Norwegen, Schweden liegen bei PISA hinter Deutschland, zumindest bei der Mathematik. Und besser lesen können die wohl deswegen, weil alle Spielfilme im Original mit Untertitel und nicht in Synchronisationen gesendet werden. Da gibt’s eben einen Zwang zum verständigen Lesen. Das täte uns in Deutschland vielleicht auch ganz gut, Wie wär’s denn? Untertitel als pädagogische Maßnahme.

Stromdoktor
28 Tage zuvor

Was etwas fehlt, ist der Überblick über potentielle Werdegänge auch ohne Abitur.

„Früher“ war das Abitur die einzige Möglichkeit, eine Universität besuchen zu dürfen. Damit waren viele Berufe schlichtweg nicht mehr erreichbar, wenn man die formale Qualifikation nicht besaß.

Dazu gab es die Alternative des Fachabiturs. Damit konnte man an einer Hochschule seinen Abschluss machen.

Mittlerweile besteht eine höhere Durchlässigkeit zwischen den Einrichtungen.

Bachelor an der Hochschule und im Anschluss der Master an der Universität. Später ist sogar die Promotion und/oder Habilitation möglich. Ohne Abitur.

Ich glaube, viele Eltern haben noch die alten Zeiten vor Augen. Die, in denen sich früh entscheidet, welche Berufe später überhaupt noch ergreifbar sind.

Da hat sich etwas geändert.

Btw. Die Kandidaten von der Hochschule machen sich später an der Universität nicht schlechter. Diese gehen mit einer gewissen Ernsthaftigkeit und Demut an die Sache heran…

Forumsleserin
27 Tage zuvor

Das Niveau wäre mir schön langsam egal, wenn ich nicht das verlogene Spiel zu spielen hätte, so zu tun, als ob es um Niveau ginge.