Wirbel um Inklusions-Gutachten: „Wie viele Schulkinder werden fälschlich als lernbehindert diagnostiziert?“

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DÜSSELDORF. Immer mehr Schülerinnen und Schülern in Deutschland wird ein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert, und damit schulrechtlich eine Behinderung. Was hinter dieser Entwicklung steckt, hatte das NRW-Schulministerium in einem wissenschaftlichen Gutachten beleuchten lassen. Demnach bekommen offenbar viele Kinder den Stempel „sonderpädagogisch förderbedürftig“, weil Schulen sich davon mehr Unterstützung erhoffen. Die Betroffenen-Initiative mittendrin sieht darin einen „Skandal erheblichen Ausmaßes“.

Mogelpackung Inklusion? Immer mehr Kinder bekommen den Stempel „sonderpädagogisch förderbedürftig“, wodurch die Inklusionsquote an Regelschulen steigt, obwohl die Zahl der Schülerinnen und Schüler an Förderschulen kaum abnimmt (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Wie viele Schulkinder werden fälschlich als lernbehindert diagnostiziert, fragt mittendrin in einer Pressemitteilung. Hintergrund: In Nordrhein-Westfalen besuchten im Schuljahr 2021/2022 insgesamt rund 155.000 Schülerinnen und Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung eine allgemeine Schule oder eine Förderschule. Diese Gruppe ist seit 2011 um fast 27.500 Kinder und Jugendliche gewachsen. Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung ist von 4,7 Prozent auf 6,4 Prozent angestiegen. „Die Quote liegt damit so hoch wie nie zuvor und reiht sich in die bundesweite Tendenz ein“, so heißt es im Gutachten, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von fünf Hochschulen im Auftrag des NRW-Schulministeriums erarbeitet haben (News4teachers berichtete).

Die Autorinnen und Autoren zitieren aus einer früheren Studie, wonach „Lehrkräfte die AO-SF-Verfahren (das Kürzel steht für „Ausbildungsordnung sonderpädagogische Förderung“, d. Red.) nicht in erster Linie vorantreiben, um Schülerinnen und Schüler zu einer besseren Förderung zu verhelfen, sondern diese nutzen, um sich z. B. von Verantwortung zu entlasten, Handlungskontrolle wiederzuerlangen oder um (sonder-)pädagogische Ressourcen zu generieren.“

„Was die Wissenschaftler jetzt vorgefunden haben, offenbart eine Praxis, die keine Vorkehrungen gegen Willkür kennt“

Diesen Befund bestätigen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun. Als Ursachen der steigenden Quoten der AO-SF-Verfahren machen sie vor allem „systemische Problemlagen als zentrale Ursachen“ aus: nämlich „Bedarf nach Entlastung in allgemeinen Schulen“, „prekäre Ressourcensituation im Regelsystem und Gemeinsamen Lernen, „Homogenitätsdruck/geringe Flexibilität im Regelsystem“. Schlussfolgerung: Die aktuelle Konzeption der Feststellungsverfahren im Schul- und Bildungssystem sei Teil der zahlreichen aktuellen Problemlagen – und nicht deren Lösung.

Die Initiative mittendrin schreibt nun in ihrer Presseerklärung von erschreckenden Zuständen“. Weiter heißt es: „Die sogenannten ‚AO-SF-Verfahren‘ sind reine Gutachter-Verfahren. Die Schüler werden von Sonderpädagogen begutachtet und anschließend wird der Antrag von der Schulaufsicht nach Aktenlage entschieden. Was die Wissenschaftler jetzt vorgefunden haben, offenbart eine Praxis, die keine Vorkehrungen gegen Willkür kennt. Die Verfahren werden nicht nach einheitlichen Kriterien durchgeführt und fast hundert Prozent der Anträge führen zum Bescheid. Die Wissenschaftler entdeckten reihenweise Unregelmäßigkeiten. So wurde unter anderem Schülern eine sonderpädagogischer Förderbedarf bestätigt, auch wenn sie nicht getestet werden konnten, weil sie sich etwa verweigerten. In vielen Fällen gibt es keine Angaben, welche Fördermaßnahmen die Schule im Vorfeld eines Antrags vorgenommen hat.  Das entsprechende Feld im Vordruck war einfach nicht ausgefüllt. Genehmigt wurde der Förderbedarf in diesen Fällen trotzdem.“

„Für die einzelnen Schüler hat der Förderbescheid Folgen, die das gesamte Leben prägen“

Warum es angeblich immer mehr Schüler mit Behinderung gibt, habe in der Schulpolitik jahrelang nicht interessiert. Erst im vergangenen Jahr sei vom Schulministerium der wissenschaftliche Prüfauftrag erteilt worden, um den Gründen für die steigende Zahl an Bescheiden auf die Spur zu kommen, kritisiert mittendrin-Vorsitzende Eva-Maria Thoms. „Für die einzelnen Schüler hat der Förderbescheid Folgen, die das gesamte Leben prägen“, betont sie. „Dies gilt insbesondere, wenn sie in die zieldifferenten Förderbedarfe Lernen oder Geistige Entwicklung eingeordnet werden. Dann werden sie nach deutlich reduzierten Lehrplänen unterrichtet. Der Weg zurück zum Regel-Lehrstoff gelingt dann nur noch in Ausnahmefällen.“

Thoms: „Deshalb fordern wir schon seit Jahren grundlegende Reformen bei den sonderpädagogischen Feststellungsverfahren.“ Zumindest müsse kurzfristig in allen Fällen, in denen es keine medizinische Diagnose einer Behinderung gibt, die Schwelle für die Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs erheblich höher gelegt werden. Letztlich müssten die Schulen so gut ausgestattet und die Lehrkräfte so gut fortgebildet werden, dass sie alle ihre Schülerinnen und Schüler gut fördern können. Ziel müsse sein, dass das fatale Etikettieren von Kindern aufhört.

Allerdings bezweifelt mittendrin, dass der politische Wille für die eigentlich gebotene Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Schulsystem fehlt. Bereits im März hatte die Initiative festgestellt: „Der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die eine allgemeine Schule besuchen, ist zwar auf weit über 40 Prozent gestiegen, aber die Förderschulen sind nach wie vor voll. Der angeblich so hohe Inklusionsanteil hat vor allem einen Grund: immer mehr Schüler*innen der allgemeinen Schulen wird ein sonderpädagogischer Förderbedarf zugeschrieben. Vielerorts planen und bauen die Kommunen und die Landschaftsverbände sogar neue zusätzliche Förderschulen. Absehbar ist: Nach 15 Jahren Rechtsgültigkeit der UN-Behindertenrechtskonvention baut Nordrhein-Westfalen nicht die inklusive Bildung aus, sondern das Förderschulsystem.“ News4teachers

Mogelpackung Inklusion? Gutachten deckt auf, warum es immer mehr Kinder mit dem Stempel „förderbedürftig“ gibt

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Kolumbus
1 Monat zuvor

Für die Inklusionskinder und andere Statuskinder gibt es zusätzliche Stunden, also mehr Personal, wenngleich die dann oft für Vertretungen eingesetzt werden. Aber schon alleine deshalb hat jede Schule ein Interesse daran, solche Kinder bei sich zu haben.

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Kolumbus

Bei uns gibt es keine zusätzlichen Stunden.

I-Mama Kati
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Nein, es gibt für die Kinder keine zusätzlichen Stunden. Der eigentliche Skandal ist aber doch, daß die Schulen das Geld bekommen ! Und es in die eigene Tasche stecken !

Alex
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

Von welchem Geld genau sprechen Sie denn da? Noch mal ganz deutlich: wir bekommen weder mehr Geld noch mehr Personal für die Schulen! Die derzeitige Inklusion ist eine reine Sparmaßnahme der Länder, das sagen LK schon seit Jahren. Will nur leider keiner hören.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

Welches Geld???

I-Mama Kati
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

In Hamburg läßt sich die Schulbehörde die Inklusion sehr viel Geld kosten.
Bei meinem Kind waren das dreizehn Wochenstunden Sonderpädagogik á 60,00€, also über 3000,00€ Monat für Monat. Für das Kind gab es von der Schule nur einen Bruchteil davon als billige studentische Schulbegleitungsstunden. Den Rest Geld behielt die Schule.
Das halten wir Eltern für einen Skandal, Betrug , Unterschlagung uswusf.
Es ärgert uns immer fürchterlich, wenn in diesem Forum behauptet wird, es gäbe keine Gelder für die Inklusion, denn das stimmt nicht.
Es gibt zu wenige Sonderpädagogen, ja, aber diejenigen verplempern ihre Zeit dann auch noch mit Luxusangeboten für Normalokinder, der Organisation von Schulfesten oder Vertretungsunterricht. Ihre eigentliche Arbeit machen die nicht.
Das ärgert und Eltern ebenfalls sehr.
Für diese Riesensummen lohnt sich das AO-SF-Verfahren allemal.
Die Kinder werden etikettiert, sind fürs Leben gezeichnet, schon aussortiert. Das machen wir Eltern mit, weil die Schule uns Hilfe und Förderung für die Kinder verspricht….
…die dann aber nicht erfolgt
Auch das ist ein Skandal, da hat der Bericht völlig recht !

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

Was für eine Schule ist das denn, wenn sie Geld einfach behalten kann?
Offensichtlich verstehen Sie nicht, wie staatliche Schulen in Deutschland funktionieren.
Die Lehrkräfte sind beim Land (in diesem Fall bei der Stadt Hamburg) beschäftigt. Schulen können Stellen ausschreiben, aber sie erhalten kein Geld, um Lehrkräfte zu bezahlen.

Vielleicht meinen Sie aber auch ein anderes Hamburg. In den USA vielleicht?

Keno
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

Wie unterschiedlich das in den Bundesländern gehandhabt wird, beeindruckt mich (auf eine unangenehme Weise) immer wieder.
In Hamburg gibt es Geld, in Niedersachsen nicht.

Für den Primarbereich in Niedersachsen gibt es keine zusätzlichen Stunden bei LE, ESE, SPRACHE,HÖREN, SEHEN weil es dafür zwei Stunden Grundversorgung für jede Klasse einer Schule gibt (Wenn, als Beispiel, eine Schule zweizügig ist, erhält sie für diese 8 Klassen rechnerisch 16 Stunden. Diese sollen dann passend eingesetzt werden – so die Idee – werden aber, auf Grund des sehr hohen Personalmangels im Bereich der Sonderpädagogik hier, oft gar nicht besetzt). Wenn dann mehrere Bedarfe da sind, müssen auf diese die Stunden verteilt werden, es gibt keine weiteren Stunden. Für Schulen mit besonderen Einzugsgebieten ist das dann oft sehr ernüchternd.

Es gibt zusätzliche Stunden bei GE (5 Stunden) und KME (3 Stnden), die von Fachkräften für diese Bereiche gegeben werden sollen (auch hier macht uns oft die Personalsituation Probleme und die Kinder erhalten nicht die Förderung,die sie so dringend benötigen).
Für die Schulen gibt es keinerlei Budgeterhöhung dafür.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Keno

Die sonderpädagogische Grundversorgung in Niedersachsen bezieht sich meines Wissens lediglich auf die Förderschwerpunkte Sprache, Lernen und ESE. Alle anderen Förderschwerpunkte bekommen Stunden für sonderpädagogische Förderung:
GE: 5 Stunden
Hören, Sehen bis 4. SJG: 3 Stunden
KME: 3 Stunden

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

So sagt es der Erlass,
wenn aber die Lehrkraft mit dem Schwerpunkt Hören anreisen müsste, bekommt die Schule vielleicht noch 1-2 Stunden zur üblichen Zuweisung für die Regelschullehrkräfte,
die sonderpädagogische Versorgung besteht in einem jährlichen Beratungsbesuch durch den mobilen Dienst Förderschwerpunkt Hören.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

In der Regel ist es so, dass die sonderpädagogische Grundversorgung an den Schulen sichergestellt wird. Für Schülerinnen und Schüler anderer Förderschwerpunkte ist das nicht unbedingt der Fall, da werden den Schulen dann zusätzliche Lehrerstunden zugewiesen, weil wegen des Fachkräftemangels eine sonderpädagogische Abordnung nicht möglich ist.

Kinder lernzielgleicher Förderschwerpunkte, die weiterführende Schulen besuchen, werden von der Zuteilung sonderpädagogischer Fachexpertise, in Form sonderpädagogischer Abordnungen, dann komplett ausgeschlossen. Da gibt es dann nur noch die Zuteilung von Zusatzbedarfen in Form von zusätzlichen Lehrerstunden….Und die Mobilen Dienste beziehen auch nicht alle Förderschwerpunkte mit ein. Es gibt keinen Mobilen Dienst Sprache, auch für die Förderschwerpunkte Lernen und GE halten diese keine Fachlichkeit vor…

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

„In der Regel ist es so, dass die sonderpädagogische Grundversorgung an den Schulen sichergestellt wird.“
Können Sie das belegen?

Wenn die Förderschule nicht entsprechend versorgt ist, kann sie die Stunden für Abordnungen an die Regelschulen nicht aufbringen.
An sämtlichen umliegenden Schulen fehlen Stunden, fällt eine FöS-Lehrkraft aus, muss man lange warten, bis man jemanden bekommt.

GE-Kinder bekommen an sich Stunden, der Stichtag für die Zuweisung liegt hier aber Anfang Mai. Ist das Gutachten dann noch nicht erstellt udn der Bescheid nicht zugegangen, kann man ein weiteres Jahr warten.

Die Grundversorgung soll Lernen, Sprache und ESE abdecken, da die FöS-Lehrkräfte 2 Schwerpunkte im Studium hatten, wird einer fehlen, den Grundschullehrkräften fehlen alle Schwerpunkte, dennoch sind sie voll für die Beschulung zuständig.

Für andere Schwerpunkte erfolgt die Zuweisung bei uns gel. über Lehrerstunden, die speziellen Förderschulen sind zu weit entfernt, sodass eine Lehrkraft nicht regelmäßig anreisen kann. Dann müsste es FöS-Lehrkräfte mit dieser Schwerpunktsetzung in der Fläche geben, die dann die Schulen anfahren, so wie es die Lehrkräfte in der Grundversorgung auch machen und nur zu Konferenzen ihre FöS aufsuchen.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Ich habe keinen schriftlichen Nachweis, aber im Rahmen meiner Tätigkeit als Elternvertreterin ist mir das bekannt.

Meines Wissens sind die RLSB angewiesen Grundschulen die sonderpädagogische Grundversorgung sicherzustellen und im Zweifel eher im Sekundarbereich „zu sparen“.

Leider gibt es keine rechtliche Regelung wieviel Unterrichtsversorgung den Förderschulen „zustehen“ – das liegt im Ermessen des jeweiligen Dezernenten. Es gibt Regionen da müssen Förderschulen abordnen, egal wie es um ihre eigene UV bestellt ist….in anderen Regionen wird mehr Rücksicht auf die Förderschulen genommen.

Mir ist bekannt, dass im Sekundarbereich die lernzielgleichen Förderschwerpunkte (Sprache, ESE und KME) bei der Abordnung sonderpädagogischer Expertise gar nicht mehr berücksichtigt werden. Ebenso wie die Tatsache, dass Sonderpädagogen, unabhängig der zwei Förderschwerpunkte in denen sie ausgebildet werden, universell eingesetzt werden.

Alles Kritikpunkte auf die ich, im Rahmen meiner Tätigkeit als Elternvertreterin auf kommunaler und Landesebene, schon mehrfach hingewiesen habe – in Stellungnahmen, in politischen Gesprächen usw.

Auch wenn ich jetzt keines dieser Mandate mehr habe, werde ich nicht müde darauf aufmerksam zu machen. Steter Tropfen höhlt den Stein….hoffentlich.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

Sprechen Sie von einer staatlichen Schule? Für freie Schulen gibt es sowas, aber das staatliche Schulen Gelder für Sonderpädagogik ausgezahlt bekommen, wäre mir neu. Da werden dann stundenweise Sonderpädagogen zugeteilt, die ihr Gehalt regulär vom Land beziehen – Geld an die Schule fließt keins.
An die Kollegen aus HH: wie läuft das bei Euch?

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

In NDS erhält die Schule eine Grundversorgung von maximal 2 Std Sonderpädagogik pro Klasse pro Woche.
Die Stunden sind keinem Kind zugeordnet, selbst bei Zusatzbedarfen mit Stunden, z.B. GE, Hören, kann die Schule über den Einsatz der Stunden entscheiden. Die Eltern bzw. das Kind erwerben keine personenbezogenen Ansprüche.

Alle Lehrkräfte werden auch für Vertretung eingesetzt, auch für Schulfeste und für viele andere Aufgaben. Neben dem Unterricht, den sie erteilen und dessen Umfang festgelegt ist, kommen viele Aufgaben hinzu, die nicht auf den Unterricht/das Deputat angerechnet werden. Das ist selbst in HH vermutlich so, auch wenn es da ein anderes Arbeitszeitmodell gibt.

Ich denke eher, dass Sie andere Erwartungen hatten. Länder kommunizieren die erbärmlichen Bedingungen für Inklusion nicht, sodass sie wenig transparent sind und Eltern andere Vorstellungen haben. Die Realität ist oft bitter und enttäuschend.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Es stimmt leider was Sie hier ausführen, das ist ein Skandal! Kinder die einen festgestellten sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf haben, können sich nicht darauf verlassen, dass ihnen die Stunden die auf der Grundlage ihres Fördergutachtens der Schule zugeteilt wurden, auch zugute kommen.

HellaWahnsinn
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

„Bei meinem Kind waren das dreizehn Wochenstunden Sonderpädagogik á 60,00€, also über 3000,00€ Monat für Monat. Für das Kind gab es von der Schule nur einen Bruchteil davon als billige studentische Schulbegleitungsstunden. Den Rest Geld behielt die Schule.“

Werden in Hamburg die Sonderpädagogen und andere Lehrer denn direkt von der Schule bezahlt, so wie z. B. ein Verkäufer für die Firma für die er im Verkaufsraum steht?

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

Sie schreiben die Schulbehörde ließe sich
die Inklusion sehr viel Geld kosten, ihr Kind
profitierte davon, 3000 Euro im Monat,
wovon ihr Kind nur einen Bruchteil erhält.
Sie liefern keinen Beweis für ihre Behauptungen,
wie etwa eine amtliche Verfahrensvorschrift.
Dann folgt ihr Statement, mit dem Sie das
Unterbewusstsein der Leser stimulieren :
Skandal, Betrug ,Unterschlagung usw.

Mein Fazit ist, dass sie pauschal gegen Inklusion hetzen,
den Behörden Geldmissbrauch vorwerfen,
Fehleinsätze der Sonderpädagogen vorwerfen,
Skandal, Skandal …….

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  I-Mama Kati

Es gibt weder Geld noch Stunden für I-Kinder.

Dass Schulen irgendwelches Geld in Taschen stecken würden, ist dazu Unsinn.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Kolumbus

Ist das in NRW so?

In anderen Bundesländern stimmt dies nicht uneingeschränkt, dennoch steigt die Anzahl der Förderschüler:innen. Genannt wird ein bundesweiter Trend, als Ursache werden nun unehrliche Lehrkräfte genannt?

Das ist der eigentliche Skandal.

Wenn Lehrkräfte sagen, sie wünschen sich durch das Verfahren eine Entlastung der Verantwortung, bedeutet dies, dass sie Fachkräfte hinzuziehen, die das Kind begutachten. Die Lehrkräfte entscheiden nicht selbst, sie geben die Begutachtung in andere Hände. Wenn die Quote hoch ist, zeigt dies eher, dass die Lehrkräfte sich schon sehr sicher sind, dass sie zuvor alles ausgeschöpft haben und dass sie angesichts der immensen Arbeit, die das Gutachten bedeutet, keine Zweifelsfälle mehr begutachten lassen, sondern nur die Kinder, die offensichtlich weit mehr Unterstützung benötigen. Es gibt also durch den Arbeitsaufwand, der nicht entlastet wird, eine Vorauswahl.

Im Anschluss an das Verfahren wird eine zieldifferente Beschulung möglich, die zuvor nicht erlaubt ist, selbst wenn sie dem Kind zuträglich wäre. Um Kinder inklusiv beschulen zu dürfen, benötigt man also ein Gutachten. Das ist aufwändig, soll aber sicher davor schützen, dass Kinder nicht unbegründet zieldifferent beschult werden. Auch an dieser Stelle gibt es also eine Kontrolle der Lehrkraft, der man nicht traut, richtige Schritte der Förderung zu wählen.
Die Arbeit mit dem Kind gibt die Lehrkraft durch das Gutachten gar nicht ab, da das Kind zumeist in der Klasse bleibt. Förderstunden von Sonderpädagog:innen oder anderes Personal gibt es mit oder ohne Gutachten nicht oder nur sporadisch. Es ist und bleibt also die Aufgabe der Lehrkraft der Regelschule, die Inklusion umzusetzen, das Gutachten ist eine Bestätigung der Einschätzung. Eine hohe Quote positiv beschiedener Gutachten könnte also auch bedeuten, dass die Lehrkräfte die Kinder zu einem hohen Prozentsatz genau richtig einschätzen und beurteilen.

Dass es Standards für Gutachten geben sollte, ist richtig. In NDS wird die Einhaltung durch die Landesämter geprüft. Sind die Angaben im Gutachten nicht vollständig, geht die Akte an die Schule zurück und muss überarbeitet werden. Die Hürden, ein Gutachten erstellen zu dürfen, sind schon vor Eröffnung des Verfahrens hoch und in den letzten Jahren immer weiter erhöht worden. Die Förderung wurde aber nicht verbessert.

Man versucht also, die Inklusion nicht besser auszustatten, sondern Gutachten zu verhindern, um Ressourcen unnötig erscheinen zu lassen.

In Wirklichkeit lässt man Schüler:innen und Lehrkräfte allein.

In den nächsten Wochen müssen Lehrkräfte sich nun Vorwürfe anhören, man hätte das Gutachten zu Unrecht angestrebt und die Entscheidung sei nicht rechtens. Denn das wird von der Schlagzeile übrig bleiben. Und auch damit stehen die Lehrkräfte wieder allein, führen Gespräche, begründen, bemühen sich um Transparenz.

Und auch an diese Stelle frage ich mich, ob den Außenstehenden, die solche Behauptungen veröffentlichen, die Tragweite und die Auswirkungen nicht bekannt sind und ob sie selbst sich dieser Verantwortung stellen wollen: Wie wäre es, wenn alle in Zweifel gezogenen Gutachten nun bei diesen Wissenschaftler:innen auf dem Schreibtisch landen und dort zusätzlich zum Alltagsgeschäft zu erledigen wären?

Katinka Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Kolumbus

Das stimmt so leider nicht. In NDS gibt es an GS 2 Std . Grundversorgung pro Klasse unabhängig davon, wieviele Kinder mit Förderbedarf Lernen , Sprache oder ES in der Klasse sind. Nur beim Förderbedarf Geistige Behinderung gibt es pro Kind mehr Stunden. Zudem liegt die Versorgung unserer Schule seit mindestens 5 Jahren bei etwa 40 % der uns zustehenden Stunden. Tendenz weiter fallend. Dazu kommt, dass der Dokumentationsaufwand bei den zu erstellenden Gutachten stetig steigt und man regelmäßig Förderpläne schreiben muss. Der Vorteil liegt beim Kind, denn das kann zumindest beim Förderbedarf Lernen zieldifferenziert beschult werden, also leichtere Aufgaben bekommen und keine Benotung erhalten. Also vielleicht erstmal genau sachkundig machen, was wirkliche Schulrealität ist, bevor man mit Vorurteilen um sich schmeißt.
Vielleicht ist der Bedarf ja einfach tatsächlich höher geworden. (Erziehung, Genetik, Lebensumstände , etc.)

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka Katze

Das fürchte ich auch. Und der eigentliche Skandal wäre doch, wenn unsere Schüler durch ihre Lebensumstände immer “ behinderter“ gemacht werden, da ihnen vieles für eine gesunde Entwicklung verwehrt wird

Mathea Kühnel
1 Monat zuvor
Antwortet  Katinka Katze

Ich als Grundschullehrerin finde den Artikel eine Unverschämtheit. Wir Lehrer:innen sind also mal wieder Schuld daran, dass so viele Kinder massive Defizite haben. Mit keinem Wort wird das Elternhaus erwähnt. Eltern sind dafür verantwortlich, was Kinder können, wenn sie zur Schule kommen. Leider ist das, was die Kinder mitbringen, mittlerweile bei Null. Es ist erschreckend. Und das Problem hat überhaupt nichts mit Migration zu tun. Ganz viele “ deutsche“ Kinder können die elementarsten Dinge nicht und haben einen Wortschatz, der eine Katastrophe ist.
Aber natürlich ist es einfacher die Schulen und Lehrer:innen für alles verantwortlich zu machen.

Bernie
1 Monat zuvor
Antwortet  Kolumbus

gewagte These…
Ich war an einigen Schulen abgeordnet und die Tendenz war eher: lieber ohne Inklusion, weil die Regelschullehrkräfte nicht dafür ausgebildet sind.
Zusätzliche Stunden existieren nur auf dem Papier, in der Praxis trifft man eher ein rosa Einhorn, als einen freien Sonderpädagogen. Es gibt zuwenige – warum und wie sollten also Stunden geschaffen werden? Und die, die da sind, brennen aus.
Ich schätze, dass Sie nicht aus der Inklusionspraxis kommen…

Katze
1 Monat zuvor

Im Fach Chemie kann man sich durch „Faulheit“ und Verweigerungshaltung auch als Gymnasiast eine in höheren Schuljahren zunehmend spürbare Lernbehinderung „erarbeiten“.
Wenn Grundlagen nicht verstanden, geübt und gefestigt werden, weil SuS weder mit Aufmerksamkeit und Arbeitswillen im Unterricht präsent sind, noch die Bereitschaft zu häuslicher Lernarbeit zeigen, dann werden die aufeinander aufbauenden fachspezifischen Inhalte überhaupt nicht mehr verstanden. Der fachspezifische Sonderförderbedarf ist dann nicht mehr zu befriedigen.
„Der Zug ist abgefahren.“
Eine Kollegin formulierte es treffend: „Man kann sich auch dumm (lernbehindert) faulenzen.“

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Offenbar haben Sie noch nie ein Gutachten verfasst und sich auch nicht mit Lernbeeinträchtigung oder Inklusion beschäftigt.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Ich habe schon mehrere SuS mit Asperger-Syndrom (Autismus) sehr effektiv in meinen Chemie-Unterricht inkludiert.
Diese jungen Menschen zeigten oftmals beachtliche fachliche Leistungen.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Und das Asperger-Syndrom hat mit einer Lernbeeinträchtigung genau was zu tun?

Sie haben behauptet, eine Behinderung ergebe sich aus Faulheit. Das ist schlicht falsch.
Ebenso könnten Sie einem Kind im Rollstuhl oder mit Sehbeeinträchtigung Faulheit vorwerfen, wenn sie sich mehr anstrengen würden, wäre dann die Beeinträchtigung auch verschwunden?

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Darum ging’s/geht’s doch gar nicht?
Maximal ein Strohmann daher …

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Solange es nicht zu stark ausgeprägte Asperger sind, halte ich sie im Bereich Naturwissenschaften für nicht sonderlich inklusionsbedürftig. Man, also Lehrer und Klasse/Kurs, muss sie aber so nehmen wie sie sind, was mitunter aufgrund der direkten Art und dem fehlenden Distanzempfinden schwierig ist.

Im Übrigen halte ich eine geringe Portion Asperger für durchaus sinnvoll, weil sie erstens das Gehirn ordnet und zweitens dringend benötigte Rationalität in die Köpfe bringt. Emotionalisierung und Moralisierung losgelöst von Sachinhalten haben wir in der aktuell sehr schwierigen Zeit leider viel zu viel.

Sokrates
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Zu viele – zum Glück keinesfalls alle – NaWi-Lehrkräfte fallen nicht unbedingt durch Empathie und multikausale Erklärungsansätze auf, sondern bevorzugen lieber einfache Erklärungen.
Man braucht nur diverse Forenbeiträge lesen, um diesen Trend relativ schnell erkennen zu können. Geistes- und gesellschaftswissenschaftliche Ansätze und Herangehensweisen werden dabei gerne ins Lächerliche gezogen und sich selbst direkt oder indirekt eine höhere wissenschaftliche Reputation zugesprochen.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Sokrates

Zum Glück sind Sie keinesfalls irgendwelchen Klischees verhaftet…

Sokrates
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Zum Glück nicht, da ich meine Aussage zum einen durchaus relativierend formuliert habe und zum anderen selbst MINTler bin.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Sokrates

Empathielose auf eine höhere wissenschaftliche Reputation erpichte Naturwissenschaftler wären sicher lieber Professoren als Lehrer geworden.
Über ein Zusatzstudium in Sonder- oder Förderpädagogik verfügt eine MINT-Lehrkraft für das Höhere Lehramt an Gymnasien jedoch nicht.

Sokrates
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Empathie und weniger Überhöhung von MINT würde schon ausreichen. Ich kenne leider zu viele, die einen deutlichen Absolutheitsanspruch z.B. bei ihrer Notengebung haben und dies aus der Messgenauigkeit von Naturwissenschaften ableiten und für sich in Anspruch nehmen.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Sokrates

Dann belegen Sie mal das Gegenteil anhand harter Fakten. Ich halte erst einmal so ziemlich jede technische Erfindung in den Raum, die das aktuelle Leben in der westlichen Welt so komfortabel machen. Jetzt sind Sie dran.

Sokrates
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Womit? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse zumindest unsere technische Zivilisation vorangetrieben haben, steht außer Frage.
Daraus resultiert aber keine Absolution für das fragwürdige Verhalten einiger MINT-Lehrkräfte, die Empathie und Psychologie für Esoterik halten.

Unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Palim

Ich persönlich brauchte bislang nie so ein Gutachten zu schreiben, habe aber immer mal wieder Kinder mit Inklusionsbegleiter im Unterricht. Solange mir abgesehen von der zusätzlichen Person und ggf. Schreibzeitverlängerungen in Klassenarbeiten keine weiteren Besonderheiten über das Kind mitgeteilt oder aufgetragen werden, behandle ich es genau so wie alle anderen ohne Begleiter auch. Ich gebe aber zu, mich für diese Kinder doch etwas mehr zu freuen als bei den anderen, wenn sie gute Ergebnisse bringen. Hoffentlich drehen Sie mir daraus keinen Strick.

Palim
1 Monat zuvor
Antwortet  Unfassbar

Es ist doch dagegen ganz etwas anderes, wenn in Ihrem Unterricht mehrere Kinder säßen, die zieldifferenten Unterricht benötigen, weil sie eingeschränkt sind, oder deren Lernmaterialien angepasst werden müssen, weil sie nicht gut sehen oder hören.

Das Schreiben eines Gutachtens ist umfangreich, am Ende wird der Förderbedarf für die weitere Schulzeit umrissen. Lehrkräfte aller Fächer müssen darauf eingehen und den Unterricht entsprechend planen und ausrichten. Das bleibt zumeist Aufgabe der Lehrkraft, die I-Hilfe begleitet.

Hier wird die Genehmigung von I-Hilfen erschwert, teilweise wird ein sonderpädagogische Gutachten der Schule eingefordert… entsprechend lange dauert die Bewilligung und entsprechend lange erhält man keinerlei Unterstützung bei der Beschulung. Das Kind hat zwar Beeinträchtigungen, diese gelten aber fpr die Hilfestellung erst nach Abschluss des Gutachtens, kein Gutachten, keine Beeinträchtigung, keine Hilfe.

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Auch Ihre Antwort auf Palim offenbart, dass sie als Pädagogin weniger von behinderten Kindern verstehen als Laien, wie ich als Mutter, denn Sie meinen, Autisten mit Lernbehinderten vergleichen zu können. Autisten sind oft sogar hochbegabt. „Behindert“ und „lernschwach“ sind nicht immer dasselbe. Deshalb haben Sie nichts bewiesen, widerlegt oder besonderes erreicht, wenn Sie einen lernwilligen – und starken Autisten in der Klasse haben. Und dies bedeutet vor allem nicht, dass man dann schlußfolgern könnte, jedes andere behinderte Kind könnte ebenfalls Abi machen, wenn es nur wollte.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Meine Antwort auf Palim bezog sich auf meine „Beschäftigung“ mit Inklusion.
Kinder mit Autismus werden auch inklusiv beschult.
„Lernschwach“ hingegen sind (werden während ihres Bildungsgangs) auch Gymnasiasten aus den von mir beschriebenen Gründen und nicht aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten.

Mika
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Als stinknormale Lehrkraft BIN ich Laie im Bereich von Kindern mit Einschränkungen! Der Experte dafür nennt sich SONDERPÄDAGOGE.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Ich wollte (muss) in diesem Forum nichts beweisen oder widerlegen und schlussfolgere lediglich, dass Kinder mit den entsprechenden Neigungen und Begabungen trotz „Einschränkungen“ in meinen Fächern Abitur machen können.
„Lernbehinderte“ nach Ihrer Definition unterrichte ich in der Abiturstufe nicht. Die Anzahl der Schüler mit Lernschwächen- und Lernproblemen, welche aus mangelnden fachlichen Grundlagen sowie bereits in der Sekundarstufe 1 manifestierter fehlender Lern- und Leistungsbereitschaft und damit einhergehender emotionaler Überforderung und Frustration resultieren, wächst auch in der Abiturstufe stetig. Diese Jugendlichen schaffen obgleich kognitiver Eignung, selbst wenn sie (oder deren Eltern) es wollen, auch kein Abitur. Diagnose???
Nichts anderes wollte ich zum Ausdruck bringen.
Übrigens bin ich nicht nur Fachlehrerin und Pädagogin, sondern auch Mutter.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

„Autismus“ ist ein sehr weites Feld. Den „typischen Autisten“ gibt es nicht, deshalb spricht man auch von „Autismus Spektrum Störung“. Selbst ich, als studierte Sonderpädagogin, könnte nicht einfach so jeden „Autisten“ individuell fördern, obwohl „Autismus“ während meines Studiums auch ein Thema unter vielen war. Ich bin aber „nur“ Sonderpädagoge für Lernen und Sprachstörungen, nicht für „Autismus“. Meinen Sie jeder Lehrer soll neben seinen studierten Fächern auch noch alle Arten von Beeinträchtigungen „behandeln“ können, so wie ein Zahnarzt Herzpatienten?

AvL
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wenn ein Allgemeinmediziner die verschiedenen
Formen des Autismus auch nur annähernd kennen
sollte, wäre es eher unwahrscheinlich, dass er das
Persönlichkeitsprofil und die unterschiedlichen
Wahrnehmungsformen richtig zuordnen könnte.
Es trifft zu, was Sie einleitend schreiben.

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Wir haben eine Legasthenie-Überprüfung gemacht (da gibt es ja die gleichen Vorurteile des Faulenzens). Das sah so aus:

– Eltern bekommen einen langen Fragebogen zur Vorgeschichte, zur Schwangerschaft, Geburt, zu Familienkonflikten . Man wird zB auch gefragt, was man an seinem Kind schätzt. Damit soll analysiert werden, wie es um die häusliche Situation steht, ob das Kind zB unter (Leistungs-) Druck steht oder unter Vernachlässigung, psychisch belastet ist ect. Auch gibt es viele Fragen, die eine eventuelle Schulangst oder Schulunlust analysieren sollen. Man soll eventuelle Konflikte bei den Hausaufgaben beschreiben und auch wieviel man mit dem Kind übt – oder auch nicht.

– Das Kind macht derweil, 1,5h lang, verschiedene Tests, dem Alter entsprechend. Dabei wird die Ausdauer und Konzentration getestet, der IQ, die Auditive Wahrnehmung, Lesekompetenz und Textverständnis. Es gibt einen Rechtschreibtest, altersorientiert, der u a auch erkennen lässt, ob das Kind sich bemüht, richtig zu schreiben oder absichtlich oder aus Provokation oder Langeweile falsch schreibt. Dies erkennt man am Fehlermuster! ZB, weil das Kind erkennen lässt, daß es Wörter versucht, richtig zu schreiben, aber u a immer eu und äu verwechselt oder bei einfachen Wörtern den Doppellaut erkennt, aber bei schwierigen Wörtern in die Rechtschreibfalle tappt. Das ist dann anders zu beurteilen, als wenn es scheinbar egalweg agiert. Dann gibt es Fragen zu anderen Schulfächern, zu Zukunftsplänen, Praktika, Interessen, Hobbys,…
Den Großteil der Überprüfung, so mein 17jähriger Sohn, macht tatsächlich die Analyse eventueller Schulangst/Unlust aus!

Legasthenie ist der Oberbegriff und kann sowohl eine isolierte Lese-, Rechtschreib-oder auch Lese-und Rechtschreibstörung bedeuten. Erfüllt sind die Kriterien, wenn ein Kind trotz vieler Unaufälligkeiten, normalem IQ, guter Leistungen in anderen Bereichen, Interessen, Plänen, Zielstrebigkeit und ausgeschlossener Schulangst/unlust, eine abstrakt abweichende Leistung in diesem isolierten Bereich hat, evtl in Kombination mit einer auditiven Wahrnehmungsstörung.

Warum haben wir das eigentlich erst in Klasse 11 gemacht?

– Weil wir keinen Bedarf sahen, in zwei Fächern eine Note besser zu bekommen, da die Noten aufgrund mündlicher Leistungen trotzdem OK waren und dafür in anderen Fächern besonders gut.
– Weil wir 10 Jahre lang zu diesem Thema von jedem Lehrer etwas anderes gehört haben und auch in die Irre geführt wurden.
– Weil wir nach wie vor in Schulen immer wieder mal auf Personal treffen, das gaaaanz viel Angst davor hat, jemand könne da mit seiner Faulheit durchkommen.

Bla
1 Monat zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Stimmt weitgehend.
Als Ergänzung/“Verbesserung“ trotzdem: Legasthenie ist nicht der Oberbegriff von iso. LS/iso. RS/LRS.
Die genaue(n) Definition(en) ist(/sind) teilweise auch recht umstritten und verschieden.

Generell geht Legasthenie (oder auch Dyslexie) in den Bereich des „Erbes“.
LRS (und iso. RS, iso. LS) geht eher in den Bereich des „falsch gelernten“ oder „zu wenig geübten“.
Diese Trennung wird nur leider überwiegend nicht mehr gemacht.
Warum eine Trennung allerdings oft sinnvoll ist:
Während man bei Legasthenie ein lerntherapeutisches Vorgehen bräuchte, reicht es bei LRS oft schon zu „üben“ und zu „fördern“ im direkten Bereich (Symptomatik fördern) … Also Lesen und Schreiben. Bei Legasthenie sollte man zusätzlich noch v. A. die Denkmuster und Konzentrationstraining mit einbauen. Dazu die Sinneswahrnehmung einbeziehen.

ginny92
1 Monat zuvor
Antwortet  Bla

Dem letzten Teil möchte ich ein wenig wieder sprechen, es reicht bei einer LRS oft nicht nur das reine lesen und schreiben zu üben. Viele brauchen auch Unterstützung in den Bereich Denkmuster, Stärkung des Selbstbewusstsein etc.
Was stimmt ist, dass man durch intensive Förderung im Lesen und Schreiben bei einer LRS andere Erfolge sieht als bei einer Legasthenie.

RainerZufall
1 Monat zuvor

Mal die Kirche im Dorf lassen: die Politik interessiert sich für alle Kinder gleich wenig 😉

Ich will die Sorgen nicht in Abrede stellen, im Gegenteil, aber es kommen ja noch erhebliche Zusatzbelastungen dazu: Geringere Unterstützung daheim, aufgrund von Arbeit oder Sprachbarriere, (für die Zielgruppe) unpassende Testverfahren, kein/e Kitaplätze/ -personal, keine zuverlässigen DaZ-/ DaF-Angebote (diese werden bei Krankmeldung nicht selten zuerst gestrichen) oder einfach die „Vorbereitungs“-Klassen, wo Kinder und Jugendliche nach zwei Jahren in den Regelunterricht geschoben werden.
Ein Jahr später werden dann der Sonderpädagogische Dienst kontaktiert, dass die Betroffenen die achte Klasse nicht zu schaffen drohen – trotz der drei Schulbesuchsjahre…

Uwe
1 Monat zuvor

Grade der Förderschwerpunkt Lernen (und auch der Förderschwerpunkt ESE) ist komplett willkürlich, sind ja auch zwei „Behinderungen“ die es außerhalb der Schule gar nicht gibt. Mit beiden Förderschwerpunkten werden Schüler*innen stigmatisiert die nix gemeinsam haben, Flüchtlinge die nie eine Schule besucht haben (und deswegen nix verstehen) , schwertstraumatiserte Flüchtlinge oder innerfamiliäre traumatisierte Schüler*innen, schwerstvernachlässigte Schüler*innen ++++. Wie man da gezielt Fördern oder intervenieren soll und was die „Diagnose“ dabei helfen soll ist mir schleierhaft. Allerdings hat man als Lehrer*in und auch als Schule natürlich den Vorteil: LB braucht keinen Abschluss zu machen, gut für die Statistik.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Sie vermischen lustig Förderschwerpunkte, die so gar nichts miteinander zu tun haben.
Und natürlich gibt es die Sozial-Emotionale-Behinderung auch im Leben neben oder nach der Schule. Dahinter stecken meist sehr unterschiedliche Krankheitsbilder, die durchaus pathologisch sind und meist (nicht immer) therapierbar sind.
Und man macht als Lehrkraft doch nicht aus eigennützigen Beweggründen ein AOSF (wissen Sie eigentlich wie aufwändig das ist?), sondern weil man sieht, dass das Kind trotz intensiver Fördermaßnahmen z.B. in den Fächern so gar keine Fortschritte macht, oder schlimmstenfalls Rückschritte. Um abzuklären, was dahinter steckt, stellt man einen AOSF-Antrag, der genau das abklären soll.
Wenn dann dabei herauskommt, dass das Kind in seiner Aufnahmefähigkeit und in der Verarbeitung von schulischen Inhalten eingeschränkt ist, dann braucht das Kind nicht mehr zielgleich unterrichtet werden. Das kann ein echter Segen sein, denn endlich darf das Kind in seinem Tempo lernen und ist nicht mehr dem wahnsinnigen Druck des Lehrplans der Regelschule unterworfen.

Uwe
1 Monat zuvor

Und man macht als Lehrkraft doch nicht aus eigennützigen Beweggründen ein AOSF (wissen Sie eigentlich wie aufwändig das ist?),“

Ja, ich habe im Laufe meines Berufslebens 60 bis 70 gemacht. Genau gezählt habe ich nicht. Aufwand geht so. Gibt schlimmeres.

„Wenn dann dabei herauskommt, dass das Kind in seiner Aufnahmefähigkeit und in der Verarbeitung von schulischen Inhalten eingeschränkt ist, dann braucht das Kind nicht mehr zielgleich unterrichtet werden. Das kann ein echter Segen sein, denn endlich darf das Kind in seinem Tempo lernen und ist nicht mehr dem wahnsinnigen Druck des Lehrplans der Regelschule unterworfen.“

Ist mir bekannt, nutzt aber am Ende natürlich nichts. Kein Abschluss ist halt kein Abschluss.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Aus Ihrer Antwort schlussfolgere ich: Der ganze AOSF Kram ist Quark, weil nicht wissenschaftlich. Für die Kinder ist er sogar hinderlich, weil am Ende kein Abschluss erfolgt…..

Was schlagen Sie also vor? Wie gehen wir also mit wahrscheinlich (wir wissen es ja nicht genau, weil keine Testung) Lernbehinderten Kindern um, schleifen wir sie mit am ganz unteren Ende im gerade noch vertretbaren Rahmen?

Was machen wir mit den ESE Kindern? Hoffen wir darauf, dass sich das „Problem“ auswächst?

Uwe
1 Monat zuvor

Was schlagen Sie also vor? Wie gehen wir also mit wahrscheinlich (wir wissen es ja nicht genau, weil keine Testung) Lernbehinderten Kindern um, schleifen wir sie mit am ganz unteren Ende im gerade noch vertretbaren Rahmen?“

Nichts schlage ich vor, Ich stelle nur fest : So wie es jetzt gemacht wird funktioniert es nicht , AOSF Lernen und ESE ist unwissenschaftlich und extrem willkürlich und eine für die Schüler*innen sinnlose Diagnose. LB kriegt halt keine Noten, ESE einen verkürzten Stundenplan.

Und was sind Lernbehinderte Kinder. Eine Förderschulkollegin hat sich da mal verplappert : Alle die halt den Anschluss verpasst haben. Und das kann Millionen von Gründen haben, als Diagnose komplett wertlos.

Und ich habe als Klassenlehrer Schüler*innen die nicht mitkommen einfach so mitgeschliffen.

„Was machen wir mit den ESE Kindern?“

Verkürzter Stundenplan, Auszeitraum , was soll man da schon machen?

Solange die Schulen derart unterfinanziert sind wird auch eine exzessive Häufung von AOSFs nichts bringen: Es müsste in dem Fall eine Sozialanamnese gemacht werden, eventuell die Familien unterstützt werden bis hin zur Fremdunterbringung, Therapie müsste an den Start, solange auf ein AOSF nichts folgt (und bei LB und ESE nicht differenziertere Diagnosen erstellt werden) sinnlos verschwendetes Papier- Schade um die Bäume.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Aber warum haben Sie mit dieser Einstellung so viele AOSFs gestellt. Wenn man doch so gar nichts davon hält, dann macht man sich doch gar nicht erst die Arbeit….

Mit den Umgang von mutmaßlichen LB- Kindern könnte ich noch mitgehen….man schleift sich am unteren Limit mit….ungeachtet der Frage, was das mit den Kindern macht (trotz Üben,üben,üben immer nur Minderleistungen bringen zu können…).
Aber mit Ihren Vorschlag zur Beschulung von ESE-Kinder kann ich nicht mitgehen. Wie viele Jahre kürze ich diesen Kindern den Stundenplan? Das ist eine Ordnungsmaßnahme und kann nicht über einen längeren Zeitraum umgesetzt werden. Zudem haben diese Kinder auch ein Anrecht auf Unterricht….
Nee, auch wenn Sie von@Anika dafür Applaus erhalten, es ist – angewendet auf einem längeren Zeitraum – gegen das Schulrecht….

Uwe
1 Monat zuvor

Ich war auch mal jung und naiv. Und als Junglehrer habe ich wirklich geglaubt man hilft Schüler*innen an der Förderschule und die „Diagnose“ dient nicht der Selektion sondern der auf die Schüler*innen abgestimmte Hilfe. ESE Kinder können einen verkürzten Stundenplan haben und wenn jetzt hier wieder rumgejault wird : Typisch Regelschule , auf der Förderschule werden die ESE Schüler*innen besser gefördert, verkürzte Stundenpläne, teilweise auf 30 Minuten/Tag verkürzt sind an E Förderschulen gängige Praxis.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Ja, typisch Regelschule….aber was sollen wir denn machen? Das Schulgesetz ist ja auch keinen Kann-Bestimmung….
Wenn verkürzter Unterricht an E-Schulen gängige Praxis ist und dort auch über längere Zeiträume umgesetzt werden kann, ok, aber bei uns ginge das nicht.

Und ja, tatsächlich haben wir die Hoffnung, dass den Kindern durch ein AOSF geholfen werden kann, dass sie eine gute Förderung erhalten, dass therapeutische Maßnahmen ergriffen werden….
Wir beraten in solchen Fällen auch immer zur Förderschule, kleine Systeme, wo die Kinder intensiv gefördert werden können.
Diese Hoffnung möchte ich nicht aufgeben…..

Uwe
1 Monat zuvor

Ich berate niemals zur Förderschule warum sollte ich meinen Schüler*innen so etwas antun? Und die kleinen Systeme haben sich auch erledigt, an den LB Förderschulen liegt die reale Klassenstärke inzwischen bei 20.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Immer noch besser als bei uns in den Grundschulen, da gibt es inzwischen 28, 29 Kinder in den Eingangsklassen.

Anika von Bose
1 Monat zuvor

Natürlich haben diese Kinder ein Recht auf Unterricht, findet in der Praxis häufig nicht statt. Da folgt dann eine Ordnungsmaßnahme der nächsten bis zum vorübergehenden Unterrichtsausschluss. Das hilft aber nicht weiter, da stehen die Probleme die solche Kinder verursachen im Vordergrund und nicht die Probleme der Kinder. Das hilft nicht weiter. Das Unsägliche ist, dass Inklusion in unseren Schulen immer noch etwas Additives ist und Überprüfungsverfahren die Grundlage für die Zuteilung von Ressourcen sind.

Was mir an Uwe‘s Ausführungen gefallen hat ist zum einen, dass er auf die Willkürlichkeit und die Unbestimmtheit der Förderschwerpunkte Lernen und ESE hingewiesen hat und zum anderen das er nicht seine Überlastung als Lehrer in den Vordergrund gestellt hat.

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Ich erlebe derzeit in meiner Klasse viele Kinder, deren Anspruch auf Unterricht täglich nur eingeschränkt erfüllt werden kann, wegen der beiden sehr verhaltensauffälligen Kinder. Ich mache mir, wie schon an anderer Stelle beschrieben, gar nicht mehr die Mühe, auf ESE testen zu lassen, weil in meinem Bundesland keinerlei personelle Unterstützung damit verbunden ist.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Ich BIN als Lk überlastet mit den Förderkindern, egal, ob sie einen Schein haben oder nicht. Die ganze extra kleinschrittige Förderung bleibt nämlich sowieso an mir hängen.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Marie

Ich will Ihnen Ihre Überlastung auch nicht grundsätzlich absprechen. Aber diese Überlastungsanzeige überdeckt in der öffentlichen Debatte jeden lösungsorientierten Diskurs für die Probleme der Kinder. Ich bin sofort an Ihrer Seite, wenn es darum geht auf die Probleme der gesamten Schulgemeinschaft zu sprechen und Forderungen für bessere Rahmenbedingungen zu stellen. Was mir aber wirklich „gegen den Strich geht“ ist die isolierte Betrachtung der Perspektive der Lehrkräfte.

Fräulein Rottenmeier
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

„Ja, ich habe im Laufe meines Berufslebens 60 bis 70 gemacht. Genau gezählt habe ich nicht. Aufwand geht so. Gibt schlimmeres.“

Ach ja?
Ein AOSF fallt ja nicht vom Himmel….“Heute machen wir mal ein AOSF…“
Dazu gehören zeitaufwändige Vorbereitungen:
– Dokumentation der bisherigen Lernentwicklung, Dokumentation des Sozialverhaltens (bei ESE alle Vorkommnisse),
– alle Förderpläne, alle bisher getroffen pädagogischen Maßnahmen einschließlich der notwendigen Ordnungsmaßnahmen (bei ESE)
– Protokolle alle Hilfeplansitzungen
– Sammlung der Schülerarbeiten
– Sammlung von ärztlichen Dokumentationen

Und wenn ich das dann alles zusammengetragen habe (was schon wirklich viele Stunden dann umfasst hat), kann ich anfangen den Antrag auszufüllen:
– detaillierte Beschreibung des Arbeits- und Sozialverhalten, die Leistung in den Fächern
– detaillierte Problembeschreibung mit Verweisen auf die Dokumentation….

Erst dann kann ich den Antrag einreichen….hat dann bei einem normalen AOSF etwa den Umfang einer Wochenarbeitszeit….

Wo ich Ihnen Recht gebe, das die AOSFs vor Einschulung nicht ganz so aufwändig sind, da die ausführliche Beschreibung der bisherigen Schulkarriere entfällt….

Uwe
1 Monat zuvor

Ist mir bekannt und? Als Klassenlehrer habe ich das routiniert in relativ kurzer Zeit ohne Probleme durchgezogen. Gibt schlimmeres und zeitaufwendigeres, kein besonderes Problem.Und das war vor ChatGTP mit dem man das vermutlich in unter einer Stunde schafft.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Uwe

Danke für Ihre Ausführungen. Ich teile Ihre Auffassung in Bezug auf die Förderschwerpunkte Lernen und ESE. Dazu sollte man weniger die Probleme die durch diese Kinder verursacht werden in den Fokus nehmen, sondern die Probleme die die Kinder haben in den Mittelpunkt stellen.

Ich finde es sehr mutig von Ihnen als Lehrer in diesem Umfeld so zu argumentieren. Aber es ist auch sehr ermutigend das Sie es tun. Danke!

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Die Bearbeitung der Probleme, die diese Kinder haben, gehört eher in den therapeutischen als in den schulischen Bereich. Leider sind viele Eltern nicht bereit diesen Weg zu gehen, und neigen eher dazu das Verhalten ihrer Kinder zu bagatellisieren.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Das Problem ist aber auch, dass viele Erziehungsberechtigte überfordert sind ein entsprechendes Beratungs- und Unterstützungsangebot zu generieren. Die Probleme tauchen in der Regel schon früher auf, nur wohin soll man sich wenden? An die SPZ? Da können sie bis zu einem Jahr warten bis sie einen Termin bekommen…Hier in Niedersachsen gibt es ein ziemlich unübersichtliches Angebot und dann stellt sich noch die Frage wer kommt dafür auf? Häufig sind noch aufwändige Antragsverfahren für die notwendige Unterstützung erforderlich…Hier ist das Generieren eines passenden, wirksamen Angebots und ggfs. das notwendige Antragsverfahren oder die Kostenübernahme aus der eigenen Tasche abhängig vom sozioökonomischen Umfelds des betroffenen Kindes….
Schlussendlich fehlt ein niedrigschwelliges, institutionalisiert vernetztes Beratungs- und Unterstützungszentrum, dass Familien von Geburt an begleitet, berät und unterstützt.

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Sie beschreiben völlig korrekt ein gesamtgesellschaftliches Manko, und erwarten,wie oft in so einem Fall, dass dies in der Schule kompensiert wird. Als Grundschullehrerin mit einem eng getakteten Stundenplan mit 27 Wochenstunden habe ich tatsächlich eigentlich nicht mal Zeit für Einzelgespräche mit Kindern. So eine Zeit ist nicht vorgesehen. Einzelgespräche finden also vor der Klassenraumtür statt, während einer Stillarbeitsphase, die dann aber nicht still bleibt (ich habe ja zwei extrem auffällige Kinder in der Klasse und befinde mich dabei schätzungsweise im guten Durchschnitt), also ich befinde mich während solcher Gespräche in einem Aufsichtskonflikt und muss sie entsprechend kurz halten. Zudem besitze ich keine therapeutische Ausbildung und muss Prioritäten setzen. Die liegen bei mir in der Gewährleistung (bzw. dem Versuch, klappt leider nicht durchgehend) der körperlichen Unversehrtheit unbeteiligter Mitschüler, und dem, was ich gelernt habe, nämlich, Kinder zu unterrichten. Immerhin haben wir inzwischen stundenweise eine Schulsozialarbeiterin, die einen tollen Job macht, Zeit für längere Gespräche hat, Eltern Anlaufstellen nennt. Aber wenn die Eltern nicht wollen, ist da dann nicht zu machen.
Ich habe bei meinen beiden Kindern beides erlebt. Das eine Kind hat jetzt einen Therapieplatz, weil die Eltern das so wollten, das andere nicht, weil die Eltern das ablehnten und das Verhalten Ihres Kindes weiterhin bagatellisieren.

Anika von Bose
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Eltern die Therapieangebote ablehnen oder sich nicht drum kümmern und das Verhalten ihrer Kinder bagatellisieren, wird es immer geben. Es gibt auch Lehrkräfte die nicht so engagiert arbeiten wie Sie. Solche Menschen, ob nun auf Seite der Erziehungsberechtigten oder der Lehrkräfte, wird es immer geben.

Ich bin dennoch überzeugt, wenn es ein entsprechend niedrigschwellige und institionalisiert arbeitende Beratungs- und Unterstützungsangebote gäbe, würden mehr Erziehungsberechtigte sie in Anspruch nehmen. Schlussendlich würde das auch die Bildungeinrichtungen effektiv entlasten, wenn es ein solches Angebot endlich gäbe…Dann bestünde die Möglichkeit Defizite im häuslichen Umfeld betroffener Kinder auszugleichen und Kompetenzen durch frühzeitige gezielte Maßnahmen zu verbessern und so deutlich mehr Kindern die gleichen Bildungschancen zu generieren. Kinder würden besser vorbereitet eingeschult werden, und die Anzahl der Überprüfungsverfahren ließe sich reduzieren, wenn Entwicklungsverzögerungen früher erkannt und schneller behandelt werden.

Und um das noch mal festzuhalten: ich bin absolut Ihrer Meinung die Rahmenbedingungen an den Schulen müssen endlich angepasst werden, damit nicht nur „inklusive Schule“ auf dem Türschild steht, sondern Inklusion endlich auch umgesetzt werden kann.

Lanayah
1 Monat zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Da stimme ich Ihnen voll zu.

Mika
1 Monat zuvor

Klar, als Lehrer bin ich scharf drauf, an Förderausschusssitzungen teilzunehmen und zieldifferente Unterrichtsmaterialien zu erstellen, weil das bei mir im Gegensatz zu den Sonderpädagogen und Jugendamtsmitarbeitern (bei denen gehört das zur regulären Arbeitszeit) noch on top kommt. Wenn ich das für 4 Kinder meiner Klasse durch habe, dann bekomme ich die Wahnsinnsentlastung, dass der Sonderpädagoge insgesamt 2h pro Woche in meiner Klasse ist, wenn er denn nicht krank oder in einer Sitzung oder anderweitig eingesetzt ist. Die zwei Stunden ist er im besten Fall dann in der Klasse, wenn ich woanders unterrichte.
Wie man auf den Gedanken kommen kann, dass eine Lehrkraft ohne Not ein Gutachtenverfahren für Kinder anleiert, allein um weniger arbeiten zu müssen, denn das lese ich hinter den Zeilen heraus, erschließt sich mir nicht. Ich müsste ja bescheuert sein, mir für ein offensichtlich nicht hilfsbedürftiges Kind ein Verfahren ans Bein zu binden, welches mich irre viel Zeit kostet und im Falle des positiven Bescheids zuverlässig mit Mehrarbeit durch zieldifferentes Unterrichten und Förderausschusssitzungen versorgt. Auch die Sonderpädagogen schreiben nicht förderbedürftigen Kindern im Rahmen des Verfahrens einen Förderbedarf zu, weil sie zu viel Zeit haben und ansonsten arbeitslos würden? Weil wir zu viele Sonderpädagogen rumlaufen haben und der Konkurrenzdruck so hoch ist?
Ey ganz ehrlich: wer so denkt, der hat doch einen an der Waffel!
Wenn ich in den sauren Apfel beiße und ein solches Verfahren in Gang setze, dann weil das Kind ganz offensichtlich Hilfe und Unterstützung braucht. Und da ich kein Profi für Sonderpädagogik bin, beziehe ich den Sonderpädagogen über ein Gutachtenverfahren ein, logisch. Und wenn der feststellt, dass ein Förderbedarf vorliegt, dann geht das Ganze weiter. Wie sonst soll das funktionieren?

DienstnachVorschrift
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

An meiner Berufsschule sind die Inklusionsjugendlichen auch anzutreffen. Diese bekommen mit Gutachten einen Nachtteilsausgleich (meistens mehr Zeit bei Leistungskontrollen). Das war es. Es gibt null sonstige Förderung und null differenzierten Unterricht. Die Schüler schaffen dementsprechend auch selten eine reguläre Ausbildung, vor allem wenn Sie sehr schlecht im Leseverstehen sind und sich kaum schriftlich ausdrücken können. Die Praxis ist fast nie das Problem. Hier müsste es auch mal Unterstützung geben!

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Mika

Sie haben natürluch völlig recht – aber glauben Sie denn, einer der Entscheider weiß das oder es interessiert?

Der echte, geheime Fahrplan sieht so aus:

1) Über Gerechtigkeitsframing medial und politisch etablieren: „Gleiche Chancen nur bei gleicher Beschulung!“
2) Förderschulen dicht machen = massiv Knete sparen!
3) Parallel dazu (bewusst falsche) Versprechen abgeben: „Ja, ihr kriegt IMMER Doppelbesetzung, Sonderpädagogen“ (ich hab den Schrieb noch, auf orangenem Papier gedruckt, LÜGE!) // „Ja, dann wird es den Kindern besser gehen“ // „Wir MÜSSEN das machen wegen Uno blah blah“ (natürlich Quark)
4) Abwicklung: „Ne, die vielen Diagnosen dind fake“, „Die faulen Lehrer machen das weil X“…

Der letzte Schritt wird sein:
x) alle Hilfssysteme (faktisch, nicht auf Papier) GESTRICHEN, Lehrer, macht halt, Dienstpflicht!

Hysterican
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Danke!! Touche‘!!!

Lera
1 Monat zuvor

Und:

Wie viele Kinder werden eingeschult, obwohl sie eindeutig nicht schulreif sind?

Wie viele Kinder werden versetzt, obwohl sie die Lernziele der Jahrgangsstufe eindeutig nicht erreicht haben?

Lehrer
1 Monat zuvor

Was für ein Quatsch. Die sollen sich mal angucken, wie schwer es in NRW ist, so einen Förderschwerpunkt zu verhängen. Darüber hinaus werden die Schüler alle fremdbegutachtet. Die Schule als hier angenommener Nutznießer, kann da nicht manipulieren, wie das hier impliziert unterstellt wird.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Lehrer

In Berlin auch.

Elma283
1 Monat zuvor

Für so eine Schwachsinnstudie ist Geld da? In NRW ist es nicht möglich ohne einen Test einen Förderbedarf zu bekommen. Kein Lehrer macht sich die Arbeit und eröffnet ein AO-SF aus Spaß, wenn es nicht zu begründen ist. Meistens werden die Kinder durchgeschleift bis in Klasse 3 wenn dann garnichts mehr notentechnisch geht, weil die Anträge vorher selbst mit Diagnose von Schulaufsicht abgelehnt werden, mit der Begründung es gibt ja eine sonderpädagogische Ressource. Das sieht nur so aus, dass die Ressource in erster Linie für die Kinder mit offiziellem AO-SF benötigt wird. Für die anderen bleibt nichts mehr. Dieses System ist so krank und vor die Wand gefahren, dass es als Sonderpädagoge kaum zum aushalten ist, wenn man seinen Job halbwegs ernst nimmt.

Lisa
1 Monat zuvor

Eine Frage: Wie hoch ist denn die Anzahl der Fehldiagnosen? Gibt es da auch schon eine Studie? Im medizinischen Bereich weiß man es ungefähr, im schulischen Bereich würden mich Zahlen interessieren.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Mich würde das auch sehr interessiern, deshalb auch meine Fragen an @Hans Wocken weiter oben.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Sorry. Die Fragen stehen im anderen thread („Mogelpackung Inklusion“)

Herbstzeitlose
1 Monat zuvor

Der Artikel bezieht sich auf eine Stellungnahme bzw. Interpretation der Studie durch die Betroffeneninitiative “ mittendrin“. Der Text ist also stark interessengeleitet. Die Studie selbst und die Konsequenzen, die aus den Ergebnissen durch die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen werden, klingen völlig anders. Dies ist in einem anderen Artikel zum Thema bei News4teachers nachlesbar.

Britta
1 Monat zuvor

Das Problem im Bereich der Primarstufe in NRW ist u.A. Folgendes: Ein Kind darf 3 Jahre in der Schuleingangsphase verbringen. Erreicht es die Lernziele jedoch dann wieder nicht am Ende der 2, kann es nicht versetzt werden. Es kann aber auch nicht die 2 NOCH EINMAL wiederholen. Also muss zwangsläufig ein Antrag auf ein AO-SF gestellt werden. Und ja, der geht in der Regel durch, da es sich um Kinder handelt, die im Zahlenraum bis 20, ggf 100 zählend rechnen, stockend und ohne Sinnentnahme lesen und kaum einen kleinen Text selbstständig schreiben können Das hat diverse Gründe, die ich hier nicht alle aufzähle. Ich bin selbst Förderschullehrerin im Gemeinsamen Lernen, arbeite zurzeit in der 1 und 2 (mit 26 Stunden in vier Klassen, macht für jede Klasse circa 1 Stunde am Tag Doppelbesetzung – ein Tropfen auf den heißen Stein..ach ja, und Vertretungen fallen auch so einige an.). Das veraltete Schulsystem mit seinem „im Gleichschritt Marsch“, nur wenn du Ziele zum passenden Zeitpunkt erreichst, darfst du weiter, stößt mit unserer sehr heterogenen Schülerschaft an seine Grenzen…. mir fallen solche Gutachten über die wachsende Zahl an Förderkindern gehörig auf die Nerven, weil sie am Schulalltag nichts ändern.

Hysterican
1 Monat zuvor

Gut zu wissen, dass es die üblichen Verdächtigen sind, die hier unprofessionell und zulasten der SuS „arbeiten“ – die LuL nämlich.

Ich war bereits beunruhigt, dass evtl doch mal strukturelle Probleme und die Erlasse der Bildungshoheit Schuld sein könnten. Mein Weltbild bekam bereits Risse.

Btw:
Das Teaser-Bild ist m.M.n. in höchstem Maße geschmacklos und geschichtsklitternd…nur mal so angemerkt