MÜNCHEN. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), der viele Grundschullehrkräfte vertritt, stellt das Übertrittsverfahren nach der vierten Klasse grundsätzlich infrage. „Wir glauben nicht, dass man zehnjährige Kinder valide auf drei Schularten aufteilen kann“, sagt BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Die Zahlen zeigten, „dass es nicht valide ist“. Der Verband kritisiert damit nicht nur den hohen Druck auf Kinder und Familien, sondern die Aussagekraft des gesamten Selektionsverfahrens. Die Folge seien zahlreiche Fehlentscheidungen – obwohl die Übertrittszeugnisse in Bayern weiterhin maßgeblich über den weiteren Bildungsweg entscheiden.

In dieser Woche haben Bayerns Viertklässlerinnen und Viertklässler ihre Übertrittszeugnisse erhalten. Entscheidend ist dabei der Notendurchschnitt aus Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht. Wer mindestens 2,33 erreicht, darf aufs Gymnasium wechseln, mit einem Schnitt bis 2,66 auf die Realschule. Darunter bleibt meist nur die Mittelschule.
Für viele Familien sind die Wochen vor der Zeugnisausgabe von erheblichem Druck geprägt. Kinder absolvieren zahlreiche Proben, der Unterricht richtet sich stark auf Leistungsnachweise aus. Genau diese Form der frühen Selektion kritisiert der BLLV nun scharf. „Es ist nicht so, dass Kinder immer dort bleiben, wo sie jetzt hinplatziert werden“, sagte Fleischmann im Gespräch mit Radio Oberland. Die hohe Zahl späterer Schulwechsel zeige vielmehr, dass die Entscheidungen häufig nicht dauerhaft trügen. Der Verband schreibt ausdrücklich von „zu vielen Fehlentscheidungen“.
Damit widerspricht der BLLV auch einer zentralen Argumentation der Staatsregierung. Diese verweist regelmäßig auf die „Durchlässigkeit“ des bayerischen Schulsystems und betont, Bildungswege könnten später korrigiert werden. Aus Sicht des BLLV belegt diese Durchlässigkeit jedoch gerade die Schwächen des Systems. „Die Zahlen zeigen, dass es nicht valide ist“, betont Fleischmann. Wenn viele Kinder ihre Schulart später wechselten, spreche das gegen die Zuverlässigkeit der frühen Aufteilung.
Die Kritik erhält zusätzliche Brisanz, weil sie von einem Verband kommt, der selbst die Grundschulen vertritt. Erst vergangene Woche hatten die bayerischen Gymnasiallehrkräfte implizit Vorwürfe gegen die Grundschulen erhoben (News4teachers berichtete). Der Bayerische Philologenverband (bpv) beklagte ein sinkendes Leistungsniveau der neuen Fünftklässler und sprach von Schülerinnen und Schülern, „für die diese Laufbahn nicht passend ist“. Grundlage war eine Verbandsumfrage unter mehr als 1.800 Gymnasiallehrkräften. 94 Prozent berichteten demnach von schlechteren Leistungen bei den ankommenden Klassen.
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Zugleich verwies der bpv auf erhebliche regionale Unterschiede bei den Gymnasialquoten. Während im Landkreis Starnberg etwa zwei Drittel eines Jahrgangs aufs Gymnasium wechselten, lag die Quote in anderen Regionen deutlich niedriger. Der Verband sieht darin Hinweise auf mangelnde Vergleichbarkeit der Übertrittsentscheidungen und fordert landeseinheitliche Aufgabenpools für die Übertrittsproben.
„Wir sind für einen anderen Übertritt und eine andere Leistungskultur“
Der BLLV zieht aus denselben Entwicklungen jedoch eine andere Schlussfolgerung. Statt die Vergleichbarkeit der Leistungstests weiter auszubauen, stellt der Verband das Verfahren selbst infrage. „Wir sind für einen anderen Übertritt und eine andere Leistungskultur“, sagt Fleischmann. Aus Sicht des BLLV lasse sich die Bildungsbiografie eines Kindes nicht sinnvoll auf die Ergebnisse weniger Prüfungen in drei Fächern reduzieren.
Der Verband verweist dabei auch auf wissenschaftliche Erkenntnisse zur Schulwahl nach der Grundschule. Bildungsforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass Übergangsempfehlungen stark von sozialen Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören Bildungsnähe der Eltern, regionale Schulstrukturen oder unterschiedliche Erwartungen an bestimmte Schularten.
Erst vor wenigen Tagen hatte eine Datenanalyse des Bayerischen Rundfunks deutliche regionale Unterschiede beim Übergang aufs Gymnasium sichtbar gemacht (News4teachers berichtete). Während im Landkreis München 56 Prozent der Kinder aufs Gymnasium wechselten, lag die Quote im Landkreis Regen bei lediglich 25,2 Prozent. Das Kultusministerium verwies dabei selbst auf unterschiedliche Erwartungshaltungen der Eltern sowie regionale Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrukturen.
Für den BLLV spricht all das gegen die Vorstellung eines objektiven und gerechten Ausleseverfahrens. Stattdessen fordert der Verband stärker gemeinsame Entscheidungsprozesse zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern. Andere Bundesländer setzten bereits auf solche Verfahren. Entscheidend seien individuelle Stärken, Entwicklungsmöglichkeiten – und die Frage, in welcher Lernumgebung Kinder langfristig erfolgreich sein könnten. News4teachers









Meine Güte, dann macht halt eine Schule für alle und gut is. Und in fünf Jahren spätestens wird man feststellen (weil es natürlich nicht mehr Personal gibt), dass es noch schlimmer ist als jetzt, weil die dann noch stärkere Heterogenität es unmöglich macht, irgendwie Wissen zu vermitteln. Aber dann kann man wieder sagen: „Das konnte ja keiner kommen sehn!“.
Mir ist das so dermaßen egal, ob ich am Gym oder in der Oberschule oder sonstwo unterrichte. Für Grundschule bin ich nicht ausgebildet, ebenso habe ich keinerlei validen therapeutischen Kenntnisse und Fähigkeiten, die man (zumindest hier) an Oberschulen durchaus brauchen kann, aber sowas interessiert eh keinen Bildungspolitiker in Regierungsverantwortung.
„Meine Güte, dann macht halt eine Schule für alle und gut is.“ So denke ich auch.
Das Problem mit all den Forderungen ist: Wer übernimmt die Verantwortung?
Niemand.
Wenn etwas klar und transparent, weil jahrzehntelang nicht nur anekdotisch bewiesen, dann ist es die Verantwortungungslosigkeit.
Und es gilt für mich das, was hier schon häufig beschrieben wurde:
Für etwas, auf das ich keinerlei Einfluss habe, kann und werde ich keine Verantwortung übernehmen.
Das ist die einzig logische Konsequenz, die man aus der stetig eimgeübten und praktizierten Verantwortungslosigkeit seitens der Bildungspolitik und der Bildungsverwaltung ziehen kann / muss.
Eigentlich doch eine recht unnötig Frage. Im Zweifelsfall ist immer die einzelne Lehrkraft verantwortlich
„ Stattdessen fordert der Verband stärker gemeinsame Entscheidungsprozesse zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern.“
Aaahja. Und wie genau stellt der BLLV sich ein geeignetes Übertrittsverfahren vor? Das geht aus dem Artikel nicht hervor.
„ Entscheidend seien individuelle Stärken, Entwicklungsmöglichkeiten – und die Frage, in welcher Lernumgebung Kinder langfristig erfolgreich sein könnten.“
Ja, einverstanden. Und, wie macht man daraus ein geeignetes Übertrittsverfahren? Ich hätte gern konkrete Vorschläge statt Geld fürs Phrasenschwein.
Oder solls eine Schule für alle sein, für die man dann kein Übertrittsverfahren braucht? Okay, dann nennt es halt so!
Die Eltern entscheiden schon genug mit.
Und genau was dürfen Eltern Ihrer Meinung nach im Schulsystem entscheiden? Genau – gar nichts.
Ich kann mir vorstellen, dass mit dieser Formulierung Lernentwicklungsgespräche gemeint seien könnten
Davon gehe ich aus. Aber: was sollen dann Kriterien für den Übertritt sein? Das wird dann wachsweich, und bringt im Endeffekt noch mehr (ungeeignete) Kinder aufs Gym, deren Eltern sich den Anwalt leisten können. Ein Schlag in die Fresse von Chancengleichheit.
“nicht sinnvoll auf die Ergebnisse weniger Prüfungen in drei Fächern reduzieren.“
Das wäre dann eine konträre Sicht zu den Stimmen, die sich über zu viele Prüfungen und zu viel Stress in der 4. Klasse in Bayern beklagen.
“Andere Bundesländer setzten bereits auf solche Verfahren. “
Dass andere Bundesländer andere Verfahren einsetzen sagt m.M. aber noch nichts über den Erfolg aus.
In Bayern erfüllten z.B. bei IQB-2024 bei den SuS an Gymnasien 87% die Regelstandards für den mittleren Schulabschluss, 11,2% den Optimalstandard. In einem anderen großen Bundesland, in dem die Übertrittsentscheidung nach mindestens zwei Beratungsgespräche über die individuelle Lernentwicklung und die mögliche Schullaufbahn erfolgt, waren es 57% / 1,4% .
Das spricht m.M. nicht unbedingt dafür, dass dort eine bessere Verteilung stattfand.
In einem anderen Bundesland, das als besonders gerecht eingestuft wird, schnitten SuS aus der unteren Schicht bei IQB-2024-Mathematik über 40 Pkt schlechter ab als die Pendants in Bayern, SuS mit Migrationshintergrund bei IQB-2022-Lesen um über 50 Pkt schlechter als in Bayern.
Im “gerechten” Bundesland blieben auch über 57% mehr junge Menschen ohne SEK-II-Abschluss als im “ungerechten” Bayern.
Aber ob man solche Kriterien bei der Meinungsbildung berücksichtigen will, ist natürlich individuell verschieden.
als ob es vorher keine Absprachen gab, kein Miteinander oder Elternarbeit.
Mika dir stimme ich zu, es wird immer heterogener und darauf gibt es keine Antwort. Baulich sind da die Schulen auch nicht ausgestattet für.
Sie wollen jetzt alle Module und aufbrechen. Das ist sicher ein Baustein, also 1/3 in Klasse und Gruppe, 1/3 Digital online-Unterricht und 1/3 eigenes Arbeiten mit Lernbegleitung.
Wie seht ihr das? Manche Schulen sind so heterogen, da sind die Lehrer weglaufen. Die machen jetzt auf SOL, 90 Min, pro Tag. Die Lehrkraft sitzt am Rand und kann Fragen beantworten. Man macht es einfach, weil die Lehrkräfte nicht mehr konnten. Ist das nicht traurig?
Dazu kommt der Berg mit dem Unattraktiven! Und der wird immer größer. Hatten gestern eine Kollegin, die geweint hat, fuhr zur Schule, fand keinen Parkplatz und ihr Wagen wurde dann abgeschleppt. Tja, das passiert vielen im Homeoffice nicht. Der Wagen bleibt in der Garage, du schläfst länger, hast weniger Stress und Zeitverbrauch. 1-2 Tage lohnen sich voll.
GenZ hat‘s erkannt. 5 Tage, 50 Stunden vor Ort passt da nicht rein :-O 🙁
Das frage ich mich auch. Schule, Konferenzen, Abitur. Alles ‚Budenzauber‘ vor Ort.
Warum bekommen wir Konferenzen generell nicht digital hin? Warum gibt es keine Abientlastung? Morgens Schule, nachmittags Konferenzen und abends Korrigieren klappt nicht. Kopf streikt!!
Und na klar, das ist Hohn. Da fährst du 5 Tage hin, hast den ‚Budenzauber‘ und andere feiern ihre 3 Tage Homeoffice und zahlen keine Abschleppgebühr. Ob Blitzer, Strafen oder was weiß ich. Eine Zweiklassenarbeitsgesellschaft ist somit entstanden!!
Ach du meine Güte 🙁 🙁
Das tut mir furchtbar leid für die Kollegin. Da hat sie schon nen stressigen Job, fährt dann weit und wird abgeschleppt. Das muss blanker Hohn sein, wenn sie ihr Umfeld im Homeoffice sieht. So ist dann Schule. 🙁
Richte ihr trotzdem alles Gute aus bitte! 🙂
Gruß aus Lippe! Ein Wahnsinn
Tut mir echt leid und zeigt ein systemisches Problem zwischen Homeoffice und den Leuten, die noch vor Ort malochen. Die Gehälter wurden nicht angepasst und so passiert es, dass die Homeofficejobber wie Hasi viel mehr verdienen als Lehrer, die auch noch in Präsenz arbeiten und für die meisten Fahrtwege zwischen 15,20,30,45 Min. anstehen, oder?
Jaa Abitur, alles in Präsenz, nichts geht digital, 41 Stunden contra 35.
Wünsche dir trotzdem ein angenehmes und erholsames Korrekturwochenende.
Viele hier verstehen sowas ja nicht.
Eure Peti
“Hatten gestern eine Kollegin, die geweint hat, fuhr zur Schule, fand keinen Parkplatz und ihr Wagen wurde dann abgeschleppt.”
Unerhört! Zeigt aber nur, dass Lehrer immer noch zuviel verdienen. Deutschlandticket sollte reichen!
oder gleich ins Homeoffice gehen.
Klügere Wahl 😉
deshalb:
4-Tage Woche
30% Homeschooling, online-Unterricht
DB&GK digital
Gehälter 17 % rauf
Tankrabatt
Die HO-Trolle der Kultusministerien sind wieder aktiv, indem sie den Lehrerberuf lächerlich machen. Vielen Dank für garnichts.
Meine Güte, kann der Ersteller seinen Agenten mal bitte optimieren? Das ist ja armselig, was der leistet. Ich will doch wenigstens Spaß haben, wenn ich solchen Botmist schon lesen muss.
Jaaa, vor allem bei PetraOWL schafft er es nicht, einen glaubhaften, in sich schlüssigen roten Faden durchzuziehen.
Neulich war Hasi noch von irgendwo runtergesprungen – Petra hatte ihm den Laufpass gegeben, nachdem er gefeuert worden war, weil seinen Job die KI übernommen hatte und er nur noch ungepflegt auf dem Sofa rumlungerte.
Sie hat dann Schnucki kennengelernt, den aufstrebenden Schlagerstar, der demnächst ganz groß rauskommt. Die Homestory in der Bunten mit Fotos der beiden von Petras Blümchenterasse war auch schon im Kasten.
Und jetzt doch wieder Hasi? Im Homeoffice? Ich dachte der hatte einen Job als Kabelträger in Schnuckis Schlagershow in Aussicht?
Ich blick da nicht mehr durch. Sehr unglaubwürdig, das Ganze.
nur mal so: SOL, Lehrer*in sitzt am Rand und kann Fragen beantworten.
Ist an Gesamtschulen im Stundenplan und schweißtreibender als Fachunterricht. Jedenfalls wenn man möchte, dass die SuS auch etwas tun.
Ich weiß, dass das auch anders geht. Musste mir einen Teil meiner DAZ-Schüler*innen immer zusammenklauben, weil die nicht freiwillig kamen. Und da DAZ in die SOL-Stunden gelegt wurde, musste ich in diesen Stunden nach ihnen forschen. Tja, da saß die Lehrkraft mit privatem Handy am Rand, hätte vielleicht Fragen beantworten können, wenn denn jemand eine gehabt hätte… Hatten sie nicht, lagen z.T. auf den Tischen, mit dem Handy in der Hand, spielten Karten. Chillig für beide Seiten. Für so etwas werde ich nicht bezahlt!!
Hinzu kommen dann noch die Klagen, dass die armen SuS ja so überlastet sind mit viel zu vielen SOL-Aufgaben, die sie in den dafür angesetzten Stunden nicht schaffen, und dann zu Hause…
Ab welchem Alter und wie kann man denn “valide” aufteilen? Oder gar nicht?
War da nicht neulich irgendetwas mit 21-22, was die Gehirnentwicklung angeht?
Sogar bis 25.
Kommt vermutlich auf verschiedene Faktoren an, u.a. auch auf das biologische Geschlecht.
Der Druck entsteht vor allem durch Eltern, die ihr Kind in eine Schulform zwingen wollen, die nicht passt. Es gibt schon jetzt ausführliche Betatungsgespräche zwischen Eltrrn und Grundschullehrern, und vorher auch schon halbjährliche Elternsprechtage. An Austausch mangelt es nicht.
Wer der Meinung ist, dass Heterogenität eine Schulkasse vor allem bereichert, kann gerne mal für eine Weile in einer Grundschulklasse mit 30 Kindern hospitieren. Ich weiß schon lange nicht mehr, wie ich den verschiedenen Ansprüchen vor allem mit Integration und Inklusion gerecht werden kann. Und: Nein, wir haben bei uns keine multiprofessionellen Teams.
“Der Druck entsteht vor allem durch Eltern, die ihr Kind in eine Schulform zwingen wollen, die nicht passt.“
Der Anteil Eltern, die ihre Kinder bei der Schulwahl überfordern, scheint in Bayern weniger groß zu sein als in anderen BL, denn in BY wechseln nur ca. 73% der SuS mit den nötigen Notenschnitten dann auch tatsächlich auf ein Gymnasium.
Auch der Anteil SuS an Gymnasien, die bei den IQB-Tests nicht die Regelstandards für den mittleren Schulabschluss erfüllen, ist in den anderen Bundesländern wesentlich höher .
Auch in Bundesländern in denen nach der 6. Klasse eine sogenannte “Abschulung” von SuS mit unzureichendem Leistungsstand erfolgt, erfüllen wesentlich mehr 9. Klässer an Gymnasien nicht die Standards.
Abschulung nach der Orientierungsstufe?
Lächerlich !!!
Findet doch gar nicht mehr statt!
Und zwar weil die Realschulen z.B. ihre 5.Klassen randvoll machen, nach der 6 nicht an Hauptschulen (gibts ja eh kaum noch) oder “Gemeinschaftsschulen” abgeben, die ebenfalls ihre 5.Klassen randvoll machen und ebenfalls gar keine Kapazitäten für die Aufnahme von “gescheiterten Gymis” haben, was dann bedeutet, dass die Unterstufenkoordination den KuK, die defizitäre Noten erteilen, explizit auffordern, noch mehr zu fördern.
Diese Kinder sind dann bis zum Ende der Sek1 Dauerthema in allen Noten- und Prognosekonferenzen – werden im Zweifelsfall irgendwie in den nächsten Jahrgang mitgenommen und quasi durch die Schule getragen.
Das Schulsystem selbst übt erheblichen Druck im Übertrittsverfahren auf die Kinder aus:
Es verlangt bis zu 33 oder 34 Leistungsnachweise von Okt bis Apr!
Alles was Recht ist, das ist schon unanständig!
Das gehört zurückgefahren!
Bayrisches Problem, hausgemacht.
Ganz genau, um sich auch ganz, ganz ganz sicher zu sein auf welche Schulform das Kind wirklich passt qausi jede Woche zwischen Okt bis Apr 1 Leistungsnachweis.
Der Probendruck durch die Schulen entlädt sich dann bei den Kindern in den Wochen danach.
Kann man schön beobachten was das mit den Kindern macht…
Und am Ende kommen schwer zu vermitteln Problemfälle wie Söder, Dobrindt, Scheurer etc. dabei heraus.
Anscheinend taugt das bayrische Bildugswesen doch nicht so viel.
Sie wissen doch, “Nur die Harten kommen in den Garten”. In Bayern “aufs Gymnasium”.
Das finden hier auch die meisten Forist*innen, weshalb es wahr sein muss.
“Nur die Harten kommen in den Garten”. In Bayern “aufs Gymnasium”.
Zumindest gibt es in der 9. Klasse Gymnasium in Bayern deutlich weniger SuS, die nicht mal die Regelstandards für den MAS schaffen als in Bundesländern mit anderen Maßnahmen beim Übertritt nach der GS.
Man kann es aber je nach individueller Ansicht auch besser und gerechter finden, wenn 43% diese Standards nicht schaffen als wenn es nur 12,5% sind.
In wie vielen Fächern erfolgen denn diese Leistungsnachweise?
“Das gehört zurückgefahren!“
Wenn man den Artikel liest, scheint der BLLV die Anzahl der Leistungsnachweise eher gegenteilig zu beurteilen.
“nicht sinnvoll auf die Ergebnisse weniger Prüfungen in drei Fächern reduzieren.“
Gibt auch Schulen da läuft der Übertritt mit 18 oder 19 Proben, vielleicht meint er die 😉
24 oder 25 Leistungsnachweise laut Grundschullehrern völlig ausreichend
33 oder 34 und damit 30% Differenz zu den niedrigsten ist schon obszön unanständig.
Wo ist das denn der Fall? Bei meinen Kindern waren es 18 Proben in Klasse 4, darunter z.B. auch eine Hörprobe, wo sie einfach einen Hörtext gehört haben und Fragen dazu beantworten mussten.
Ich war Lehrer (= Wissensvermittler, Erzieher und Berater) und kein Lerncoach. Dieses Wort ist für mich eine Beleidigung!!!
Vielleicht sollte das auch „Lärmcouch“ heißen? Man weiß es nicht…
Sehr gute Bemerkung; der Lärmpegel in den Schulen soll heutzutage – auch bedingt durch offene Unterrichtsformen – relativ hoch sein.
“Die Kritik erhält zusätzliche Brisanz, weil sie von einem Verband kommt, der selbst die Grundschulen vertritt.”
Der bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband vertritt nicht DIE Grundschulen.
Nichtmal die bayerischen.
Vielleicht behaupten die das.
Aber fragen Sie doch mal an 10 Grundschulen nach. Sie werden überrascht sein.
Ich kann schon verstehen, dass die Welt komplex ist und man nicht x Einzelmeinungen berücksichtigen kann – da sind Verbände natürlich prima, das reduziert so wunderbar die Komplexität.
Und MAN kann auch sagen: Wer sich nicht organisiert, hat halt keine (sehr laute) Stimme, das ist Demokratie.
Aber kann bzw. sollte ein Medium mit journalistischem Anspruch und dem Namen “news for teachers” das?
Vielleicht Verbandsgläubigkeit etwas reduzieren und mal so richtig old school recherchieren, das wäre doch was. Nix für ungut.
Statt von “Selektion” könnte man auch von “Allokation” sprechen, aber Ersteres transportiert natürlich die gewünschte Konnotation mit der Praxis von Massenmördern.
“Bildungsforscher weisen seit Jahren darauf hin, dass Übergangsempfehlungen stark von sozialen Faktoren beeinflusst werden. Dazu gehören Bildungsnähe der Eltern, regionale Schulstrukturen oder unterschiedliche Erwartungen an bestimmte Schularten.” Da werden doch alle anderen Wege ausgeklammert, die Schülern außerdem noch zur Verfügung stehen. Ein klassisches Beispiel sind Schüler mit Migrationshintergrund: Da reichen die Deutschkenntnisse oft nicht für den Übertritt, aber wenn man dann später an die Unis schaut, dann trifft man sie wieder. Sie konnten einen der vielen anderen Wege für sich nutzen. Krau schrieb in einem seiner Artikel, Studien zur Abhängigkeit des Schulerfolgs von den sozialen Faktoren seien mit Vorsicht zu genießen. Denn die Chancengerchtigkeit eines Bildungswesens könne nicht nur am Gymnasialübertritt festgemacht werden. Dass ein Wechsel später stattfinden kann, spricht ebenfalls nicht gegen das Übertrittsverfahren, denn Schüler können aus sehr vielen verschiedenen Gründen die Schulform wechseln, Gründe, die mit der Schule oft gar nichts zu tun haben. Was die Unterschiede in den Regionen angeht, da denke ich, dass verbindlich vorgegebene Aufgabenpools diese beseitigen können, weil Lehrkräfte dann stärker an den Stoff und an das Anforderungsniveau gebunden sind. “Stattdessen fordert der Verband stärker gemeinsame Entscheidungsprozesse zwischen Lehrkräften, Eltern und Kindern.” Wie gut das funktioniert, zeigt eine Rückmeldung aus Baden Württemberg: Da wird vom Philologenverband schon seit längerer Zeit gefordert, doch endlich den Elternwillen abzuschaffen, denn, so die Begründung, auf das Gymnasium kämen reihenweise Kinder, die nicht dorthin gehören würden und wieder zuückgeschickt werden müssten.
“Da reichen die Deutschkenntnisse oft nicht für den Übertritt, aber wenn man dann später an die Unis schaut, dann trifft man sie wieder.”
Und was soll dann der Umweg – außer sozial zu trennen? Warum müssen Migrantenkinder, die offenbar das Potenzial für ein Studium haben, denn auf eine andere Schulform, nur weil die Deutschkenntnisse nicht reichen? Wieso kann man dann diese Deutschkenntnisse offensichtlich an anderen Schulformen vermitteln, aber nicht am Gymnasium? Und wie viele bleiben mit dem Umweg auf der Strecke?
Diese Argumentation wirft schon einige Fragen auf.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Weil richtige GY eher ein klassisches Sprachprofil mit Lateinisch oder Altgriechisch bevorzugen – und eben keine Deutschförderung, ganz zu schweigen von Deutsch als Zielsprache für Minderheiten.
Ein witziges Selbstverständnis. Wir sind zwar eine öffentliche Schule, wollen aber den Schülern kein Deutsch beibringen.
Eben, ausreichende Kenntnisse der Unterrichtssprache in Schrift und Wort vorausgesetzt.
“Und wie viele bleiben mit dem Umweg auf der Strecke?”
Das hängt von den jeweiligen Bundesländern ab.
Bei den SuS ohne deutsche Staatsangehörigkeit ohne mind. ESA waren es 2024 zwischen 11,6% bis 38,1%.
Oha! Das schreit ja nach Handlungsbedarf, wie im Artikel beschrieben!
Ich hätte allerdings keinen Bedarf, dass diese Quoten in Bayern auf Werte wie z.B. in BW steigen würden und schon gar nicht auf Werte wie in SH, TH oder ST.
Könnten Sie Ihre Quelle bitte verlinken? Danke!
Einer höflichen Bitte komme ich gerne nach:
https://www.insm.de/bildungsmonitor-2025/integration/schulabbrecherquote-auslaender
Interessant finde ich auch, dass diese Quoten in Bundesländern mit niedrigem Anteil an SuS mit Migrationshintergrund besonders hoch sind.
“Ein klassisches Beispiel sind Schüler mit Migrationshintergrund”
Hier auf n4t wurde erst kürzlich über eine Studie berichtet, bei der die Wissenschaftler keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Migrationshintergrund und Art des Schulabschlusses erkennen konnten.
„Es ist nicht so, dass Kinder immer dort bleiben, wo sie jetzt hinplatziert werden“, sagte Fleischmann im Gespräch mit Radio Oberland. Die hohe Zahl späterer Schulwechsel zeige vielmehr, dass die Entscheidungen häufig nicht dauerhaft trügen. Der Verband schreibt ausdrücklich von „zu vielen Fehlentscheidungen“.
Ich habe den Eindruck, dass man innerhalb einiger Wochen in der 5./6. Klasse einen Eindruck haben kann, wer es zum erweiterten Sek I-Abschluss und in die Oberstufe schaffen wird.
Es geht dabei auch nicht um punktuelle Leistungen in einer Arbeit, sondern um Indikatoren wie Arbeits- und Sozialverhalten sowie Organisationsfähigkeit.
Wer kennt nicht von Kollegen Aussagen wie “Das wäre für mich ein toller Realschüler” oder “Sie ist nicht herausragend, aber sehr fleißig und wird sicher … schaffen.”?
Wenn man die Schüler über Jahre begleitet, wie an Gesamtschulen üblich, sieht man, dass solche Einschätzungen meist passen.
Aspekte der Persönlichkeit wie Motive sind oft in der Grundschule schon stark gefestigt. Warum sollten also Grundschullehrkräfte, die “ihre” Kinder über Jahre mit vielen Stunden pro Woche begleiten, nicht ein gutes Gefühl dafür haben, was ein Kind erreichen kann?
Das Problem ist doch eher, wenn Eltern den Einschätzungen von Lehrkräften nicht vertrauen und die Kinder dann in ungeeignete Schulen schicken.
Glauben? Es ist wissenschaftlich nachgewiesen.
Wir handeln wider besseren Wissens gegen die Bildungsbiografie unserer Kinder, da helfen auch nicht unbelegte Phantasien, Gymnasiast*innen wären zu doof, um zwei weitere Jahre in der Grundschule zu bestehen
“Es ist wissenschaftlich nachgewiesen.”
Stimmt. Zumindest wurde hier auf n4t über eine Studie berichtet, dass Kinder mit ähnlichem Kompetenzlevel an gymnasialen Schulformen höhere Lernzuwächse erreichen als an nichtgymnasialen Schulen. .
Sie sind doch für individuelle Förderung.
Also warum sollte ein Schüler noch länger als nötig auf niedrigerem Niveau rumdümpeln und in seinen Fähigkeiten zwei Jahre nicht optimal gefördert werden, wenn es auch anders ginge?
Den massiven Unterschieden kann man in der Grundschule kaum gerecht werden, also wird sich eher nsch unten orientiert.
Niedersachsen hatte vor Jahren die 5./6. Klasse als Orientierungsstufe, in der zumindest einige Fächer in äußerer Differenzierung (G-/E-Kurse) unterrichtet wurden.
Das wäre ein Kompromiss aus gemeinsamem Lernen im Klassenverband und individueller Förderung.
Dann macht es halt nach der 6ten.
Eine Mitarbeitervertreterin fordert Mehrarbeit für die Berufsgruppe, die sie vertreten will…
Die in Deutschland recht frühe Aufteilung hat im EU-Vergleich überhaupt keinen Beleg dafür erbracht, dass wir dadurch in Sachen Bildung die Nase vorn haben. Zudem gibt die Haushaltslage in Bund und Ländern keinen Grund zum Optimismus dafür, dass aktuell und künftig vordergründig in die Bildung investiert werden wird. Fazit: gemeinsames Lernen aller Schüler bis Klasse 10!
“dass wir dadurch in Sachen Bildung die Nase vorn haben.”
Wenn Sie mit “wir” die Bundesländer meinen, die weder Sachsen noch Bayern heißen, dann wäre das wohl so.
Mit “wir” meine ich das aktuelle deutsche Bildungssystem im Vergleich zu anderen EU-Länder… Zwischen Sachsen und Bayern muss man auch noch diffenzieren. Bayern benötigt das G9-Gymnasium, Sachsen lediglich das G8. Die Schüler aus Sachsen sind damit eindeutig schlauer.
“meine ich das aktuelle deutsche Bildungssystem im Vergleich zu anderen EU-Länder”
Ich kenne nur 16-Bundesländer mit 16 Bildungssystemen.
ich weiß auch wie SuS aus Sachsen und Bayern bei IQB im Vergleich zum Schnitt der DE-16 abschneiden und wie die anderen EU-Länder bei PISA im Vergleich zu DE-16 stehen.
“Bayern benötigt das G9-Gymnasium, Sachsen lediglich das G8. “
Müssten nach Ihrer Logik dann 9. Klässer an Gymnasien aus BL mit G8 dann nicht höhere Werte erzielen als die Pendants aus BL mit G9?
Deutschland war mal eine Bildungsnation, mit gegliedertem Schulsystem. Trotz aller Verschlimmbesserungen haben unsere Schüler immer mehr Anschlussprobleme in Ausbildung und Uni.
Woher nehmen Sie dann den Beleg, dass es zielführend ist, alle Schüler – ungeachtet ihrer Potentiale und Leistungen – gemeinsam zu unterrichten?
“Deutschland war mal eine Bildungsnation” – wann denn?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das Problem ließe sich auf zwei Arten problemlos lösen:
A) Einheitsschule mit einheitlichen Abschlüssen. Daraus folgen Eignungstests an Hochschulen und Ausbildungsstätten, die sehr viel stärker sieben als das heutige System mit Inhalten, die privat zusätzlich gepaukt werden müssen.
B) Viel stärker siebender Unterricht in der Grundschule, damit ab spätestens Ende Klasse 3 klar ist, welche Schulform maximal drin ist. Die Lehrpläne von ungefähr 1990 sollten dafür reichen, notfalls 1980.
Und was wollen Sie mit den Schülern machen, die Sie aussieben?