Studie: Schulerfolg hängt eng mit dem Freizeitverhalten zusammen – Musik und Sport sind der Schlüssel

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KÖLN. Kinder, die regelmäßig Sport treiben, zum Musikunterricht gehen und maximal zwei Stunden täglich Medien nutzen, sind in der Schule deutlich besser als andere. Dies zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Ob ein Kind bei Alleinerziehenden, in klassischen Familienkonstellationen oder in Patchworkfamilien aufwächst, spielt dagegen für die schulischen Leistungen kaum eine Rolle.

Musizieren am Nachmittag hilft Kindern offenbar enorm beim schulischen Lernen. Foto: Shutterstock

Digitalisierung, sich verändernde Familienstrukturen, unterschiedliche Erziehungsstile: Die Lebensumstände der Kinder von heute sind mit denen ihrer Eltern und Großeltern kaum noch zu vergleichen. Doch was bedeuten die veränderten Umstände für die Leistungen der Kinder in der Schule oder für ihre sozialen Fertigkeiten? Um diese Zusammenhänge herauszufinden, hat das IW das Nationale Bildungspanel nach den Lebenslagen und den Kompetenzen der Viertklässler durchforstet – die Viertklässler wurden ausgewählt, weil der Lernstoff und die Lebenssituationen der Kinder ab der fünften Klasse in hohem Maße davon abhängen, welche Schulform sie besuchen.

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Die Faktoren im Einzelnen:

Das Geschlecht: Dieses Kriterium zeigt das für Deutschland bekannte Bild, wonach Mädchen im sprachlichen Bereich besser abschneiden und Jungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich die Nase vorn haben. Dieses Ergebnis beruht auf Kompetenztests im Jahr 2016, in denen der Anteil von richtigen Antworten in den Fächern Mathematik, Lesen und Rechtschreibung ermittelt wurde. Hinsichtlich der sozialen Fertigkeiten und der Konzentrationsfähigkeit wurden die Lehrer befragt, wie sie ihre Schüler einschätzen – und die Lehrer bescheinigten den Mädchen in beiden Bereichen deutlich bessere Ergebnisse als den Jungen.

Der Migrationshintergrund: Anders als allgemein angenommen, spielt der Migrationshintergrund allein keine große Rolle für die Leistungen der Viertklässler. Zwar zeigen die Zahlen, dass Migrantenkinder in Sachen Konzentrationsfähigkeit und sozialen Fertigkeiten etwas besser und bei den Leistungstests in Mathematik, Lesen und Rechtschreibung etwas schlechter abschneiden als Kinder ohne Migrationshintergrund. Die Unterschiede sind allerdings statistisch nicht signifikant.

Die Familienkonstellation: Auch hier fördert die Statistik ein überraschendes Ergebnis zutage: Für die Leistungen der Viertklässler macht es kaum einen Unterschied, ob sie bei beiden leiblichen Eltern, bei Stiefeltern, in einer Patchworkfamilie oder bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen. Stark negative Auswirkungen hat allein das Aufwachsen in einer Pflegefamilie – was sich mit den häufig problematischen Verhältnissen im Haus der leiblichen Eltern erklärt.

Der sozioökonomische Hintergrund: Die Entwicklung der Kinder steht in einem engen Zusammenhang mit dem Bildungsstand der Eltern. Dies ist nicht allein auf angeborene Fähigkeiten zurückzuführen, sondern erklärt sich auch mit einer besseren Förderung der Kinder in bildungsnahen Haushalten. Positive Auswirkungen auf die Konzentrationsfähigkeit der Kinder hat auch das Haushaltseinkommen der Familie. Eine Erklärung dafür ist, dass höhere Einkommen oft mit Ehrgeiz und Durchhaltevermögen einhergehen und sich die Kinder an diesen elterlichen Eigenschaften orientieren.

Die Freizeitgestaltung: Während der Umfang des Schulbesuchs – halbtags oder ganztags – kaum mit der Entwicklung der Kinder zusammenhängt, spielt die Freizeitgestaltung eine große Rolle Kinder, die mehrmals in der Woche in ihrer Freizeit Sport treiben, regelmäßig zum Musikunterricht gehen und in ihrer Freizeit lesen, sind nicht nur besonders gut in Deutsch und in Mathe, sondern können sich auch besser konzentrieren als ihre Mitschüler.

Bei der Mediennutzung gilt: Wenn Kinder täglich höchstens zwei Stunden Fernsehen schauen oder am Computer spielen, hat das positive Auswirkungen auf die schulischen Leistungen. Wer deutlich mehr Zeit mit Medien verbringt – vier Stunden oder mehr – bekommt von den Lehrkräften deutlich schlechtere soziale Fähigkeiten bescheinigt als Schüler mit maßvollem Medienkonsum.

Ob ein Kind mit seinen beiden leiblichen Eltern, bei einem alleinerziehenden Elternteil oder in einer Patchworkfamilie aufwächst, hat dagegen kaum Auswirkungen auf die Leistungen in Deutsch und Mathematik sowie die Konzentrationsfähigkeit. „Allerdings sehen wir einen deutlichen Zusammenhang zwischen den schulischen Leistungen und dem Bildungsstand der Eltern“, sagt Studienautor Wido Geis-Thöne. „Das lässt sich nicht nur mit angeborenen Fähigkeiten erklären. Diese Kinder werden meist auch besser gefördert.“

Bessere Ausstattung für Ganztagsschulen gefordert

Aus den Studienergebnisse lässt sich ableiten, dass Ganztagsschulen gezielt Sport und Musikunterricht anbieten sollten. Wichtig sind außerdem ruhige Orte, an denen die Kinder sich zurückziehen und lesen können. „Um die Schulen flächendeckend gut auszustatten, brauchen wir mehr Personal und vor allem mehr finanzielle Ressourcen“, sagt Geis-Thöne.

Hier lässt sich die Studie herunterladen.

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Gastbeitrag: Was vielen Kindern zusehends fehlt, ist ein klarer erzieherischer Rahmen – und das bekommt die Schule zu spüren

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6 KOMMENTARE

    • Ausschlaggebend an Sport und Musik wird zu großen Teilen das Elternhaus sein,
      denn es sind bestimmte Eltern, die ihre Kinder entsprechend unterstützen und animieren und ihnen Musik ermöglichen.
      Selbst die regelmäßige Teilnahme an außerunterrichtlichen Sporteinheiten, Training oder Turniere, erfordert von Eltern ein gewisses Maß an Engagement.

      Nichtsdestotrotz hat dieses Freizeitverhalten, also Sport und Musik an sich, sicherlich auch einen Anteil an kognitiven und sozialen Fähigkeiten.

  1. Bei Sport und Musik lernen die Kinder soziale Kompetenzen, Durchhaltevermögen, Konzentration, Teamgeist. Meist muss man viel Geld dafür bezahlen (Musikschule) – also sind das auch oft Kinder, deren Eltern sich das leisten können und die Zeit (Fußball findet oft an den Wochenenden statt – da haben nicht alle Eltern Lust, die Kleinen stundenlang zu begleiten) dafür opfern. Das Praktizieren von Musik/Lernen von Instrumenten soll gut sein fürs mathematische Denken. Sagt man.

    • “Bei Sport und Musik lernen die Kinder soziale Kompetenzen, Durchhaltevermögen, Konzentration, Teamgeist.”

      Das sehe ich auch so. Nur mit einer Einschränkung: Der Teamgeist ist nicht immer gefragt bzw. eingeschränkt, wenn jemand ein Soloinstrument wie z.B. Klavier lernt.
      Ebenso finde ich den Teamgeist z.B. bei Leichtathletik und Fußball fragwürdig. Gerade die Schüler, die in Leichtathletik sind, können einen krankhaften Ehrgeiz entwickeln – das habe ich selbst schon bei meinen Schülern erlebt. In Fußball kommt es auf den Trainer an, oft werden da nur die Besten eingesetzt und es geht ums Gewinnen (durch die Zusammenarbeit der Besten, die Schwächeren werden in die Ecke gedrängt und ein Stück weit “fertig” gemacht). Der soziale Umgangston ist auch nicht immer förderlich. Wenn ich so die Schüler beobachte, die bei uns im örtlichen Fußballverein sind: Viele geben wieder auf, weil das eben dort so ist und es ihnen den Spaß an dieser Sportart verdirbt.
      Von welchen Sportarten man immer Positives hört, sind paradoxerweise die Kampfsportarten, weil es dort offensichtlich fair zugeht und die Gegner respektiert werden. Auch andere Sportarten wie Turnen fallen diesbezüglich nie negativ auf.

      In vielen Grundschulen Bayerns wird die Musik gefördert. Wir und auch Schulen der Umgebung haben Bläsergruppen, wo sowohl die Kinder Einzelunterricht haben als auch im Blasorchester der Schule spielen. Ebenso gibt es Gitarrenunterricht, Blockflötenunterricht, Percussionunterricht und Unterricht in Streichinstrumenten, oft in Gruppen und manchmal zusätzlich Einzelunterricht. Das scheint irgendwie bezuschusst zu sein, denn es ist für die Eltern leistbar. Das Instrument ist meistens geliehen.

      “Sport nach 1” ist ebenso ein Projekt, das es in vielen Grundschulen gibt. In der Zusammenarbeit mit Sportvereinen bieten Übungsleiter eine zusätzliche sportliche Betätigung nach dem Unterricht an, die bezahlt wird.

  2. Doch. Klavier fördert auch Teamgeist. Meine Tochter spielt Klavier seit sie 5 ist. Sie hat regelmäßig an Wettbewerben teilgenommen z.B.als Begleitinstrument von Querflöten mit wechselnden Soloeinlagen. Da muss man ganz schön zusammenarbeiten. Sogar bei der praktischen Abiturprüfung tritt das Klavier nicht nur allein an und man muss sich bei dem Teil der Prüfung der mit einem oder mehreren Partnern stattfindet, auf die anderen verlassen können. Meine Tochter spielt vier – und sechshändig (mit anderen natürlich) Sogar 8händig geht.

  3. Kinder die Hobbies haben, können sich für etwas begeistern. Diese Begeisterungsfähigkeit lässt sie sicher auch in der Schule besser sein. Wenn Kinder keine Hobbies haben, können sie sich auch für nichts begeistern – wie soll das dann in der Schule funktionieren??? Außerdem verlangen Sport und Musik Ausdauer, Disziplin, Übung, Kreativität – alles Dinge, die auch in der Schule nützlich sind.

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