KMK-Studie zeigt auf: Lehrkräfte trugen in weiten Teilen der Pandemie ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko

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BERLIN. Nach langem Zögern hat die Kultusministerkonferenz endlich eine von ihr in Auftrag gegebene Studie zum Infektionsgeschehen an Schulen veröffentlicht – kommentarlos. Das Schweigen der Kultusminister liegt offenbar darin begründet, dass die Ergebnisse der Untersuchung dem Postulat der angeblich „sicheren Schulen“ in der Pandemie deutlich widersprechen: Lehrkräfte haben über weite Zeiträume der Corona-Krise ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko gegenüber der übrigen Bevölkerung getragen. Bei Schülern scheint das zunehmend auch der Fall zu sein. Und: Schulschließungen sind ein effektives Instrument in der Pandemiebekämpfung. News4teachers fasst die Ergebnisse der Studie der Universität Köln und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in zwei Teilen zusammen. Im Folgenden: Teil 1.

Die Schulen sind sicher? Diese Behauptung der Kultusminister lässt sich nach der Studie nicht mehr halten. Das Foto zeigt Coronaviren unter dem Elektronenmikroskop (gelb eingefärbt). Foto: NIAID, Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Die Studie mit dem so schlichten wie bezeichnenden Titel „Covid-Schulen“ basiert nicht auf eigenen Datenerhebungen der (unbenannten) Autoren, sondern trägt auf 226 Seiten den Stand der Forschung zusammen – kann also als verifiziertes Wissen gelten. Allerdings: „Unter Vorbehalt“, wie die beteiligten Wissenschaftler betonen. Die Datenlage ist unsicher, weil insbesondere in den Spitzen viele Infektionen von den Gesundheitsämtern nicht mehr nachvollzogen werden konnten. Stichproben in Schulen wurden nicht eigens genommen. Als Erscheinungsdatum der Studie wird der Oktober 2021 genannt. Ein erster Zwischenbericht war bereits im August von der KMK veröffentlicht worden – allerdings erst, nachdem Journalisten nach dem Papier recherchiert hatten, wie News4teachers berichtete.

Zum Infektionsrisiko von Lehrkräften heißt es in dem Bericht: „Im Verlauf der 2. Welle und auch zu Beginn der 3. Welle war das Infektionsrisiko von LehrerInnen in vielen Bundesländern deutlich höher als das der Bevölkerung in der vergleichbaren Altersgruppe. Das Infektionsrisiko der LehrerInnen im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung ist dann in den meisten Bundesländern im Rahmen der 3. Welle im Vergleich zur 2. Welle gesunken und lag in der Folge auf ähnlichem Niveau wie das allgemeine Bevölkerungsrisiko. Diese Trends sind grundsätzlich sowohl durch erhöhte Testung auch schon vor der Impfkampagne, verbesserte Umsetzung von Hygieneregeln in den Schulen als auch durch die einsetzende Impfkampagne zu erklären.“ Das Infektionsrisiko für Lehrkräfte verdreifachte sich, nachdem von Distanz- auf Präsenzunterricht umgestellt wurde.

Infektionsrisiko der Schüler: „Das Infektionsrisiko von SchülerInnen sowohl aus den Landkreis- und Bundeslanddaten der KMK als auch aus den im Arbeitspaket 3 erhobenen Daten lag eher selten (z. B. im Rahmen der 2. Welle) oberhalb des Bevölkerungsrisikos. Im Rahmen der 3. Welle ist das Infektionsrisiko von SchülerInnen im Vergleich zur zweiten Welle deutlich zurückgegangen. Dies kehrt sich ab Sommer 2021 um, vermutlich weil die Impfabdeckung bei SchülerInnen niedriger und die Testerfassung besser war als bei der übrigen Bevölkerung.“ Unerwähnt bleibt: Davor war die Testerfassung wahrscheinlich deutlich schlechter, weil Kinder bei Infektionen seltener Symptome zeigen.

Das könnte auch einen weiteren Effekt erklären: „SchülerInnen in Grundschulen haben ein geringeres Übertragungsrisiko als SchülerInnen an weiterführenden Schulen. Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter.“

Zusammenfassend erklären die Autoren – „unter Vorbehalt“ unsicherer Datenlage: „Die Übertragung von SARS-CoV-2 in Schulen findet statt, sowohl von Personal auf Personal, von Personal auf SchülerInnen, von SchülerInnen auf Personal als auch von SchülerInnen auf SchülerInnen. Das Risiko einer Übertragung für das Personal ist höher als für SchülerInnen. Schulpersonal übertragt das Virus eher auf SchülerInnen als umgekehrt. Sowohl das stattgehabte als auch das Infektionsrisiko nach Ausbrüchen oder Einzelfällen beim Schulpersonal in Schulen ist abhängig vom Infektionsgeschehen in der Bevölkerung sowie von Maßnahmen, die in Schulen zur Senkung des Infektionsrisikos stattfinden.“

Wo sich Schüler und Lehrkräfte anstecken: „Ansteckungen durch Infektionen von SchülerInnen und LehrerInnen sind sowohl in der Schule als auch im Haushaltskontext relevant Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Exposition als Kontaktperson zu einem Fall zu werden, liegt bei unter 4% für Kontakte im schulischen Umfeld verglichen mit über 15% bei Kontakten im Haushalt. Dies ist weitgehend unabhängig davon, ob es sich bei den infizierten Menschen um SchülerInnen oder LehrerInnen handelt. Das Risiko für Kontakte aus dem Haushalt, zu einem vom Gesundheitsamt erfassten Fall zu werden, hat sich im Verlauf der Pandemie erhöht, während dieses Risiko für Kontakte in der Schule sich nur wenig geändert hat, auch zu Zeitpunkten, in denen Teststrategien eingeführt wurden und neue Varianten dominant wurden. Der Großteil der sekundären Infektionen nach einer Infektion im Schulkontext erfolgt dabei in den Haushalten der infizierten SchülerInnen oder LehrerInnen. Andererseits findet aber der Großteil der Kontakte von infizierten SchülerInnen und LehrerInnen in den Zeiten, in denen die Schulen geöffnet sind, in der Schule statt.“

Maßnahmen zur Senkung des Infektionsrisikos in Schulen: „Eine Maskenpflicht ist einer der Faktoren, die mit einer deutlichen absoluten sowie (im Vergleich zur Bevölkerung) relativen Infektionsrisikoreduktion sowohl bei SchülerInnen als auch bei LehrerInnen im Landkreis einhergeht. Dieses Ergebnis besteht in unserer Analyse auch fort, wenn weitere Parameter, wie die Impfquote, die Auslastung der Schulen, Teststrategien, Urbanität des Landkreises sowie Deprivation des Landkreises einbezogen werden. Weiterhin spielt auch die Impfquote unter Erwachsenen für Reduktion des Infektionsrisikos in Schulen eine relevante Rolle. So haben Landkreise mit hoher Impfquote in der allgemeinen Bevölkerung ebenfalls verringerte Infektionsrisiken bei SchülerInnen und bei LehrerInnen.

Die von evidenzbasierten Leitlinien empfohlenen Maßnahmen wurden von Seiten der Länder nach Veröffentlichung unterschiedlich umgesetzt. Es zeigt sich eine deutliche Variation in der Interpretation und Umsetzung der von der S3-Leitlinie empfohlenen Maßnahmen. Diese Variabilität in der Umsetzung der Leitlinie hat sich in den Monaten September und Oktober noch verschärft.“

Weiter heißt es: „Wir fanden zwei Übersichtsarbeiten zu den Auswirkungen von schulischen Maßnahmen auf die SARS-CoV-2-Übertragung in Schulen und in der Bevölkerung. Nicht-pharmazeutische Maßnahmen in Schulen wie das Tragen von Mund-Nasen-Schutz, Händehygiene, Abstandhalten und Lüften sind in Deutschland und international bereits weit verbreitet und effektiv. In Bezug auf organisatorische Maßnahmen wurde insbesondere gezeigt, dass Gesichtsmasken, Handhygiene und allgemeine physische Distanzierung die Übertragung von SARS-CoV-2 reduzieren.

Maßnahmen zur Reduzierung von Kontakten, wie z. B. gestaffelte Ankunft, schrittweise Wiedereröffnung und Wechselunterricht, zeigten in Modellierungsstudien ebenfalls Wirkung auf die effektive Reproduktionszahl und die Anzahl der Infektionen. Strukturelle Maßnahmen umfassten Veränderungen, die die physische Distanzierung erleichterten, wie z. B. die Aufteilung des Schulhofs, der Abstand zwischen den Schulbänken sowie unterschiedliche Belüftungssysteme. Hier wurde ebenfalls festgestellt, dass die Übertragung von SARS-CoV-2 in der Schule reduziert wurde. Drittens wurden Überwachungsmaßnahmen in Bezug auf Tests und Rückverfolgung von Fällen und Kontakten bewertet. (…) Ein häufiges Screening auf SARS-CoV-2 in Schulen kann dazu beitragen, Schulen offen zu halten und über das aktuelle Infektionsrisiko bei SchülerInnen und Personal zu informieren.“

Welche Rolle spielen Schulen im gesamten Infektionsgeschehen? „Der Beitrag der Kontakte in der Schule zur Übertragung in der Gesamtbevölkerung ist keine statische Größe und schwankt im Rahmen der Pandemie Der Beitrag, den Kontakte mit in der Schule infizierten Menschen am Gesamtgeschehen in der allgemeinen Bevölkerung haben, hat sich über die Zeit verändert. Dies galt auch innerhalb der 3. Welle, in der wir den Beitrag in Infektionsmodellierungen zwischen 5 und 12% schätzen. Dieser Beitrag steigt seit KW 33 deutlich an und wird in den nächsten Wochen vermutlich über das Maximum der 3. Welle steigen.“

Was die Wissenschaftler empfehlen: „Schulen sollten Teststrategien beibehalten und Hygienemaßnahmen entsprechend der S3-Leitlinie in Abhängigkeit von der lokalen Infektionssituation zumindest bis Ende Frühjahr 2022 aufrechterhalten, inklusive Maskenpflicht und wie in der S3-Leitlinie empfohlen bei sehr hoher infektionsepidemiologischer Lage auch inklusive Verkleinerung von Lerngruppen.“ News4teachers

Hier geht es zu Teil 2 des Berichts.

Hier lässt sich die vollständige Studie herunterladen.

Die KMK schweigt zum Skandal um vertuschte Studienergebnisse – und erklärt stattdessen die Schulen für sicher

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75 KOMMENTARE

    • [Neulich im Mittelalter …]

      „Auf Geheiß Ihrer Majestät wir allen kundgetan:
      Der Narr des Volkes mög‘ uns mit seiner Präsenz belustigen. Er darf umherschreiten auf dem Forum mit Kapp‘ und Glöckchenschuhen, aber er hat sein vorlaut Maul zu halten, so ihm sein Halse lieb ist. Nun geh er!“

      Kling, kling, kling, klingkling, kling …

  1. War doch jedem klar. Das Forum von N4T quillt ja seit mehr als einem Jahr von genau diesem Thema über.

    Die KMK weis genau wie gefährlich der Arbeitsplatz Schule für LuL und SuS ist.

    Trotzdem nimmt er das Risiko für Leib und Leben der SuS und LuL billigend in Kauf und speist alle Beteiligten mit billigen Parolen von sicheren Schulen, dreisten Lügen, den Statements einzelner Schwurbel-Experten oder Interessengruppen (z.B. Kinderärzte) oder einfach mit Maulkörben ab.

    Warum?
    – Die Interessen der (Spenden)Lobby müssen durchgesetzt werden.
    – Schutzmaßnahmen kosten Geld.
    – Man ist von Seiten der KMK werden bereit Arbeit zu investieren noch ist man bereit Verantwortung für irgendwelche unpopulären Maßnahmen zu übernehmen.

    Wie kann das gehen?
    – SuS haben keine Lobby und sind keine Wähler.
    – Eltern glauben die Parolen lieber als die Mühen von Distanzunterricht auf sich zu nehmen.
    – Lehrer sind Beamte und somit weitgehend der Willkür der Landvögte der KMK ausgeliefert.
    – Offensichtlich gibt es werden von Seiten der Bundes- oder Landesregierungen, noch von den Gerichten ein Interesse oder die Möglichkeit dem Handeln der KMK einen Riegel vor zu schieben.
    – Eine spätere Haftung für eventuelle Sterbefälle oder Gesundheitsschuhen ist nicht zu erwarten.

    Also ist die Gefahr für SuS und LuL, die hier nachgewiesen wird, eigentlich scheißegal.

    Das eine erhebliche Gefahr besteht weis jeder der 1+1 zusammenzählen kann.

    Das Problem ist eher, dass die Verantwortlichen von der Gefahr nichts wissen wollen, weil es wichtigeres gibt als die Gesundheit von LuL und SuS.

    • Genau so sieht es aus….mir ist zwar – anders als Fassungslos – das Lachen tatsächlich beim Lesen des Artukels vergangen….aber mein Kopfschütteln hinsichtlich dieser Unverfrorenheiten eignet sich dazu, sich mit einem Schleudertrauma zu versorgen.

        • @Dil Uhlenspiegel

          Ich brauche unbedingt diese verdammt lustigen Glöckchen …
          Die werden wohl auch wieder nicht von der „bösen Dienstkönigin“ (die mit der Zickzack-Krone) gestellt!

          • Lieber Pit, Dils Glöckchen passen auch ganz wunderbar und die anstehende Weihnachtszeit….denn, wie heißt es so schön….
            “kling Glöckchen klingelingeling…
            Kling Glöckchen kling.
            Lasst mich rein, ihr Kinder
            Für mich da macht das Sinn da.
            Öffnet euch für COVID…
            Sonst funzt die Seuche so ned.
            Kling Glöckchen klingelingeling
            Kling Glöckchen kling!“

        • Lieber Dil, hast du die Glöckchen an deiner Kappe oder auf den Schuhspitzen….und das, was wir hier „hören“ ist dein Versuch ganz weit wegzulaufen? 🙂

    • Nur VOR dem Posten EIN BISSL die RS checken – danke…
      Es geht stellenweise an\über die Verstehensgrenze
      Inhaltlich ist dem nichts hinzuzufügen…

  2. Und wir lüften uns krank – eine zwar scheinbar billige, letztendlich aber zu Schulschließungen führende Maßnahme.
    Aber das stört keinen, sollen sie sich halt wärmer anziehen, die verwöhnten Lehrkräfte und SchülerInnen oder zwischendurch ein paar Kniebeugen machen …

  3. Vor 10 Tagen:
    FFP2 Masken verhindern Infektionen!
    Jetzt: SuS, LuL sind besonders gefährdet, Schule offensichtlich nicht so sicher!
    WER hätte das nur gedacht??? Das kommt soooo überraschend!!!!
    Die armen KMs!!!
    WAS MÜSSEN SIE DA HÖREN!!!
    WAS MÜSSEN SIE DER GESELLSCHAFT JETZT VERMITTELN?!???
    Dass SIE SELBST mit ihrem Verhalten TREIBER der Pandemie waren, ja sogar noch SIND.

    Ich bin jetzt schon auf die neuen Ausreden/ Erklärungsversuche und damit ein weiteres Märchen aus Absurdistan gespannt.

    • Liebe Trulla, leider werden diese Märchen nicht mit den Worten „Es war einmal – in einem fernen Land…“ beginnen…denn dann könnten wir die Hiffnung haben, dass sich in Zukunft etwas ändert…sondern diese Märchen werden mit den Worten beginnen „Wir werden unseren Kurs beibehalten, denn bislang sind wir dich gut damit gefahren“ ( wobei mit dem „wir“ sich die KuMis selber meinen und auf keinen Fall ein kollektives Wir hinsichtlich der Bevölkerung gemeint sein wird)

  4. Also bleibt alles wie es ist.
    Denn auf dem Papier gibt es ja Abstand, Desinfektionsmittel, Waschbecken mit Handseife, querlüftungsfähige Räume egal bei welche Temperatur und natürlich Schüler, die die ganze Zeit die Masken ordentlich tragen.

  5. Studie bringt nicht das gewünschte Ergebnis? Und man muss dafür bezahlen?
    Das wäre hier nicht passiert!

    Dil & Uhlenspiegel GmbH (Gemeinheit mit beschränkter Bodenhaftung) – närrisch guter Service seit 1300 mit Geld-zück-Garantie.

      • Ja freilich! Wir formieren ein Expertenteam, tingeln durch die Länder, studieren emsig, bieten Reden feil und tun so „wahre“ Wunder der Wohltätigkeit!

          • @Marie

            Au fein, da hänge ich mich mal dran. 🙂
            … und aus diesen Büros heraus bieten wir die „Ware“ Wunder an.

            Ich habe schon meine Kiepe voll.
            Oder … STOP … !
            Gut, dass ich noch mal rasch nachgeschaut habe: Ich habe doch nur die Schnauze voll. Sorry.

            Aber das Büro mit Raumluftfilteranlage nehme ich dennoch gerne.
            Natürlich auch den Kaffeevollautomaten „deluxe“ und den Designer-Relax-Sessel.
            Nee, ist nicht nötig, das weiß ich doch! – Aber den Grundlos-Neidern und Lehrer-Bashern will ich vor Weihnachten auch noch mal eine Kleinigkeit bieten.
            🙂

  6. Ich lese leider nicht sehr viel aus dieser Studie heraus, was irgendwie zu einem Umdenken von Seiten der KMK führen müsste. Auch die Medien (Süddeutsche, FAZ,…) tun das nicht, sondern geben vor allem Zitate von Dötsch wieder, der als Kinderarzt an dieser Studie beteiligt war und dessen Ansichten man ja nun schon länger kennt. Schulschließungen o.ä. nur im Zusammenhang mit allgemeinem Lockdown für alle, kaum Zahlen über dem Durchschnitt der Restbevölkerung, was Infektionsrisiken angeht, Testungen, Hygienekonzepte, Lüften – also alles wie gehabt. Omikron spielt in der Studie noch keine Rolle, aber wir wissen ja, was kommt: Bestätigung der bisherigen Vorgangsweise – SCHULEN BLEIEBN AUF! No wind of change! Wenn man sich die Rosinen aus dieser Studie nicht hätte herauspicken können, um sie der Bevölkerung zu präsentieren, wäre sie sicher in der Schublade gelandet. So läuft das. Alles schick.

  7. „Schulen sind kein Treiber der Pandemie
    Das Infektionsrisiko in Schulen ist deutlich niedriger als im häuslichen Umfeld. Das belegt eine Studie im Auftrag der Kultusministerkonferenz. Schließungen dürfe es also nur im absoluten Notfall geben.“

    https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/corona-studie-schulen-sind-kein-treiber-der-pandemie-17685905.html

    So liest sich das in der FAZ. Titel und Untertitel stellen natürlich gerade jetzt dieses Mantra wieder in die Öffentlichkeit, wo Omikron naht und das Thema Distanzunterricht wieder auf die Tagesordnung kommen wird. Was bisher nicht mal bei Inzidenzen von 2000 und mehr zum Umdenken geführt hat, wird möglicherweise bei Omikron unumgänglich sein.

    • Sehr geehrte Leseratte,

      der Bericht in der FAZ ist abstrus. Der Begriff „Treiber der Pandemie“ kommt in der gesamten Studie nicht ein einziges Mal vor.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

    • Die Folgerung in der FAZ ist komplett sinnbefreit.

      Während das Risiko in den Schulen für alle SuS in etwa gleich ist, sind die Unterschiede im häuslichen Umfeld extrem variabel. Da haben wir den Corona-Leugner-Haushalt, der jede Woche eine Party mit lauter Ungeimpften in ungelüfteten Innenräumen feiert, und da haben wir die vorsichtige Familie, deren Eltern im Homeoffice arbeiten und die seit Monaten alle Kontakte vermeiden. Für erstere ist die Schule wirklich ein sicheres Umfeld, für letztere aber ein Hochrisikogebiet.

      Das Problem der ganzen Pandemie ist die unterschiedliche Wahrnehmung der Gefahr. In vielen Bereichen, vor allem aber im häuslichen Umfeld, kann man so leben, wie es zur eigenen Gefahrenwahrnehmung passt. Schule hingegen zieht alles zwangsweise gleich. Für die Coronaleugner sind die Maßnahmen in den Schulen übertrieben, für die vorsichtigen Familien sind sie absolut unzureichend. Dieses Problem ist nur durch Aufhebung der Präsenzpflicht lösbar, denn man wird es NIE schaffen, die Menschen auf ein einheitliches Maß an Risikobereitschaft zu zwingen.

      • Aber genau das ist doch das Problem in der Berichterstattung! Ob abstrus oder nicht, ob wir 1000x sagen, dass dies die Realität nicht widerspiegelt (Süddeutsche bläst übrigens in das gleiche Horn!) – it`s out there. Und nichts kann es wieder zurücknehmen, da man nur selektiv liest, weil selektiv berichtet wird. Also bleiben nur die von den KM gewollten Rosinen und alles darf bleiben wie gehabt. Nie wieder Distanzunterricht oder weiterer Schutz, um diesen zu verhindern. Nichts. Nach außen alles richtig gemacht. Nix zu meckern, Bevölkerung mit Studie ruhig gestellt. Die „Abers“ bleiben ungelesen, es sei denn, man macht sich die Mühe. Wird nicht geschehen. Also – Schulen auf und durch!

      • @Dil Uhlenspiegel

        Wie steht es um die Lese-Verstehens-Kompetenz der FAZkes?
        Stirnrunzeln ist angebracht, aber nur kurz.
        Dann lieber in den Modus „Schulterzucken“ übergehen, dass erspart einem unnötige Falten auf der Stirn …

        • Eben. Neulich erst wurde ich in Klasse 6 auf 35 geschätzt … gut ok, ich war wieder ein klein wenig behilflich bei der Ergebnisfindung ihrer wohltuenden Studie bzgl. Gefährdung des Lehrkörpers durch Alterung.

      • Nee, die machen ja Zeitung. Artikel schreiben beruht ja nicht auf Lesekompetenz. Und als zeitungsmacher eine Studie selbst auswerten …
        Ja wozu gibt es die Arbeitsteilung. Das machen selbsternannte Experten, wozu hat man denn die auf der payrole?

        • Maul halten & klingklingdoppelkling
          Endlich habe ich eine nachvollziehbare Erklärung für den Begriff „Maulschelle“.

          Hurra, lebenslanges Lernen – oder wie der Franzose sagt: „longlife learning“ – funktioniert:) Wozu also die Präsenzpflicht?

  8. Hinweise zum Effekt der „ersten Schulschließungen“ (!) liegen noch nicht vor.

    „Darüber hinaus werden Schulschließungen als Zeichen der Ernsthaftigkeit der Epidemie wahrgenommen und können persönliche Einschränkungen verstärken (37). Die verfügbare Evidenzsynthese beschreibt Schulschließungen aus dem ersten Teil der Pandemie, so dass Hinweise zum Effekt von Schulschließungen oder -öffnungen bei verstärkten
    Kontaktreduktionsmaßnahmen in Schulen oder zu späteren Zeitpunkten der Pandemie bei
    verminderter Akzeptanz vieler Kontaktreduktionsmaßnahmen in der Bevölkerung noch nicht
    vorliegen.“ (Seite 12 Abschlussbericht Okt. 2021)

    Aktuell läuft Teil 4 hochtourig und bald 5 mit Omikron, aber zu Teil 1 noch nichts konkretes.

      • Aber bitte zwischendurch die Pupillenreaktion testen. In Zweifelsfällen Experten hinzuziehen. Vielleicht kommen die Beobachter als Hirntote ja noch als Organspender in Frage.

        • So wird das nix mit dem Narhalla Marsch – immer dieses atonale Geklingel. Kauf Dir lieber Dil endlich einen Schellenbaum, damit kommtst Du auch rechtsaußen im Lager der Telegramm-User ziemlich gut an.

          Tschingderassa bumm und im Gleichschritt auf die ITS:)

          Nicht dass ich Dich rechtsaußen vermuten würde. Aber ich stelle mir das so vor wie damals in Hameln – Du vorne weg und die „Ratten“ hinterher – vor allem aber aus der „Stadt“ raus. (Im Osterzgebirge ist genug Platz …)

  9. Ich glaubs einfach nicht:
    „Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Exposition als Kontaktperson zu einem Fall zu werden, liegt bei unter 4% für Kontakte im schulischen Umfeld verglichen mit über 15% bei Kontakten im Haushalt.“

    Das Kind steckt sich in der Schule an (4%) und binrgt den Virus nach Hause. Dort steckt es dann Mama, Papa und Geschwister an (15%)

    Schlußfolgerung: Die meisten Infektionen finden im Haushalt statt und Schulen sind Hygienefilter.

    • Joo, würden Luftfahrtkonstrukteure die Zahlen so putzelig durcheinander interpretieren, es würden viele, viele Zimmer frei.

      Da denkt man doch gleich an Seiteneinsteiger, oder geht’s nur mir so?

    • sic est.

      Geschwister gehen zur Schule, stecken weitere Kinder an. Diese gehen dann auch nach Hause und stecken ihre Familie an.
      Fertig ist das diffuse Infektionsgeschehen in häuslichen Bereich, wie es das RKI schon letztes Jahr geschrieben hat. dass dieses häusliche Infektionsgeschehen oft durch Familie mit Kindern rauschte, war für niemanden ein ernstzunehmender Hinweis.

      Schule hat also daran natürlich keinerlei Anteil, weil Kinder sich nicht anstecken… was letztes Jahr bestätigt wurde durch keinerlei Testung derselben.
      Heute sind die Schulen einfach nur sicher.

    • Sehr geehrter Herr Stark,

      wir ziehen keine Schlussfolgerung – wir zitieren (anders als die FAZ) ausführlich aus der Studie, was unseren Leserinnen und Lesern eigene Schlussfolgerungen erlaubt. Die Titelzeile in der FAZ „Schulen sind keine Treiber der Pandemie“ – ohne Anführungszeichen geschrieben, also als Wahrheit verkauft! – ist unseriös, wie sich leicht anhand der Zitate erkennen lässt. In der 239 Seiten langen Studie taucht der Begriff „Treiber der Pandemie“ nicht einmal auf, auch in der Negation nicht. Es handelt sich offenbar um Wunschdenken der Kultusminister, das hier den Spin der Redakteurin bestimmt hat.

      Herzliche Grüße
      Die Redaktion

  10. … [viele, viele Tagesmeilen weiter] klong, klunck, klong, klapper – Huch! Da tut sich ein wahrer Abgrund auf. Die Erd‘ ist doch eine Scheibe!

    • Ey echt jetzt…?
      Eine sog. „Scheibenwelt“ àla Terry Pratchett….wie geil ist das denn?

      Dann ziehe ich nach Angh Morpok ….oder wie das Kaff heißt und gehe bei einem der Zauberer in die Lehre …oder besser noch:

      Ich arbeite mit dem mittlerweile etwas müden Tod zusammen und passe auf, dass er die Uhren immer richtig aufzieht und entsprechend der Erfordernisse die Richtigen von zuhause abholt.

      Wer nix richtiges schafft, der / die kann auch eher abberufen werden.

      • @Andre Hog

        Da hast du aber einen Nerv bei mir getroffen, sodass ich mich tatsächlich auch mal wieder zu einem Kommentar aufraffen kann. 🙂 Danke dafür!
        Die KMK sind dann die Revisoren der Realität, also die grauen Eminenzen im Hintergrund der Scheibenwelt, die kein eigenes Ich besitzen (sie lösen sich auf und werden erstetztz, sobald sie ein Ich-Bewusstsein entwickeln) dafür sorgen, dass alles streng nach ihren Vorstellungen läuft. Sieht man ja sehr gut, sobald einer abtritt tritt ein anderer an seine Stelle, der genau den gleichen Dumfug weiterführt wie sein Vorgänger.

        „Ihr Ziel ist es, alles zu erfassen und zu quantifizieren, um die Revision abzuschließen und Ordnung zu haben. Da das Leben komplex ist und mehr darstellt als die Summe seiner Teile, stellt es für sie einen Störfaktor dar. Ein Mensch ist für sie erstmal nicht mehr als nur ein paar Liter Wasser und etwas organischer Dreck. Mit seinen Gefühlen, Ängsten, Sehnsüchten und Phantasien ist er jedoch nicht recht zu quantifizieren.“
        (https://www.ankh-morpork.de/index.php?seite=2600&title=Revisoren)

        Diese netten Gesellen agieren völlig unisono und sind, wenn sie mit der echten Realtiät des komplexen menschlichen Zusammenlebens konfrontiert werden, völlig überfordert. Einmal versuchen sie sogar die Zeit anzuhalten, damit sich nichts mehr verändern kann und zerstören so fast das Raum-Zeit-Kontinuum.

        Das erinnert mich stark an unsere Obrigen, die das mit der Zeit in punkto Schule ja schon ganz gut geschafft haben, indem sie seit Jahren nicht in die Bildung investieren, sieht man gut an vielen maroden Bildungsstätten. Mal sehen, wie lange das System das noch aushält, bevor es implodiert.

        Terry Pratchett ist für mich ein abendlich wiederkehrender Quell der Freude und Entspannung in meinem inzwischen deprimiertren und deprimierendem Alltag. 🙂

        • Liebe Mein Senf,
          Was für eine wunderbare Forrschreibung….ich glaube, ich muss mich nochmal in meiner Terry Pratchett-Sammlung tummeln….da werden bestimmt noch weitere Similaritäten offenkundig.

      • Das Kaff heisst Blödes Kaff. Und Angh Morpork Ankh-Morpork. Die haben da wenigstens eine intelligente Regierung, hart aber effektiv.

        • @Klugscheisser

          Und Dank des intelligenten, weitsichtigen aber harten Patriziers gibt es dort zugelassene Gilden. …..
          Da kann man völlig legal einen Assasinen dingen…….

  11. Am besten wir schließen auch direkt die Krankenhäuser (können vielleicht auf Fernbehandlung umgestellt werden.) Das Infektionsrisiko der Pflegekräfte ist vielleicht auch leicht höher als der Restbevölkerung.
    Ach vermutlich das der Kassierer*innen auch. Also Supermärkte auch zu.
    Ab und zu mal kurz darüber nachdenken, dass nicht nur LuL einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.
    Ja und es ärgert mich auch, wenn so getan wird, als gäbe es das Risiko nicht.

    • Ich weiß, ich wiederhole mich, aber vergleichen Sie doch bitte die Infektionsschutzmaßnahmen in Pflegeheimen und Supermärkten mal mit denen in Schulen (die Krankenhäuser sind bei dem Vergleich eh außen vor). Na, fällt was auf???

    • Nicht zu vergessen, die Polizisten…

      Alle diese Personen sind über Stunden mit ca 25 Personen auf kleinstem geschlossenen Innenraum, und bei Fensterlüftung mit ca 12 bis 15 Grad Arbeitstemperatur gesegnet, und arbeiten sitzend.

      Japp, Ihr Post zeugt vom tiefen Nachdenken. Was für ein Glück wir haben, erneut so etwas lesen zu dürfen, wie es bestimmt schon 50 Personen vor Ihnen gepostet haben.

      Und nun wollen wir in Ruhe weiter jammern, danke.

    • Ab und zu mal kurz darüber nachgedacht und gefunden:
      Da fehlt was in dieser Betrachtung, Vergleichbarkeit und Arbeitsschutzmaßnahmen. Aber ist jetzt vollends egal, Omikron wird (es) richten.

    • @Peter Eckartz

      Also gut, hier kommt ein bissl Aufmerksamkeit für Sie, lieber @Peter Eckartz:

      Und was fällt uns bei „Supermärkte“ ein? – Richtig: Abstand möglich, Abstand wird i.d.R. von den Kunden eingehalten (obwohl die sich bewegen).

      Und was fällt uns bei „Kassier*innen“ ein? – Richtig: Abstand gesichert! (u.a. durch das Laufband für Waren)
      Noch was? – Jaaaaa klaaaaar, wieder richtig: Plexiglas-Abtrennungen! Und die fehlen in den allermeisten Schulen.
      Waaaas? Noch was? – Jaaaaa klaaaaar, schon wieder richtig: Belüftung mittels technischer Geräte (,weil im Supermarkt die großen Glasfronten auch nicht zum Lüften gemacht sind). Und die fehlt in den allermeisten Schulen.

      Ach so:
      Frische Äpfel und Birnen für weitere Vergleiche dieser Güteklasse erhalten Sie im Supermarkt Ihres Vertrauens.
      😉

      Ja und es ärgert mich NICHT MEHR, wenn so getan wird, als gäbe es das erhöhte Risiko in Schulen – übrigens ebenso in Kitas! – nicht .
      Ich hoffe auch mal für mich auf den Abstumpfungseffekt, denn so viele Hobby-Experten, die können nicht irren. Nein nein nein! Das geht doch gar nicht! Das kann jeder Kreisliga-Fussball-Trainer oder -Schiedsrichter bestätigen.
      (Ich versuche mich jetzt auch mal im „Whataboutism“, hänge aber noch auf dem Einsteigerlevel fest – sorry.)

    • Respekt für dieses Sammelsurium an logischen Fehlschlüssen in nur sechs Sätzen:

      (a) Eine falsche Analogie, denn: Lehrer ≠ Pflegekräfte. Sie vergleichen hier Äpfel mit Birnen, die Definientia der Lehrerprofession sind nämlich nicht die Definientia des Berufs eines Krankenpflegers… könnte man aber auch wissen.

      (b) Eine Relativierung: „[…] (d)as Infektionsrisiko […] ist vielleicht auch leicht höher als der [sic] Restbevölkerung […]“… „vielleicht“……… „leicht höher“……………………… ist klar.

      (c) Zwei reductiones ad absurdum: „Am besten wir schließen auch direkt die Krankenhäuser (können vielleicht auf Fernbehandlung umgestellt werden.)“; „Also Supermärkte auch zu.“

      (d) Einmal Whataboutism: „Ab und zu mal kurz darüber nachdenken, dass nicht nur LuL einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind.“ OK, eigtl. sind die Punkte (a) bis (c) auch bereits tu quoque-Varianten. Ungeachtet dessen: Keine Sorge lieber Peter, machen wir. Unsere Schüler, deren Angehörige, das Schulpersonal und über all jene auch den Rest der Bevölkerung haben wir im Blick, da uns bewusst ist, dass Schulen eben keine „Hygienefilter“, keine „Bremsscheiben“ der Pandemie sind, sondern eben „Drehscheiben“ derselben – danke!

      Deshalb zu Ihren sechs Sätzen: Sechs, setzen!

  12. Liebe „Schreiberlinge“, lieber Dill,
    Ihr habt heute meinen Tag gerettet und mich aus einer tiefen, vorweihnachtlich- coronalen Depression geholt.
    Mit herzlichem klingeling-Dank!

  13. Lieber Dil, bekomme das Klingeln nicht mehr aus meinem Gehörgang…..könnte es ein Tinnitus sein, der mir schon seit vielen Monaten einen Spagat zwischen dem, was ich höre und dem, was ich denke, beschert?
    Irgendwie ein Dauerton, recht schrill, möchte ich sagen.
    Meine HNO-Ärztin empfahl mir zu versuchen, ihn willentlich auszublenden
    Klappt nicht. 🙁

    • Liebe Mary-Ellen,
      Angeblich hilft es, wenn man sich eine halbvolle Plastikwasserflasche an die Rübe haut…hab ich mal in soner OnlineWerbung gesehen…sah irgendwie putzig aus.

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