KMK vereinbart ein paar gemeinsame Standards – und nennt das „historisch“

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MAINZ. Seit Jahren wird in Deutschland darüber gestritten, welches Bundesland vermeintlich bessere Schulen oder das «beste» Abitur hat. Die Kultusminister der Länder haben nun vereinbart, dass es mehr Einheitlichkeit geben soll – ein bisschen.

Ein Hauch von Gemeinsamkeit weht durch die Bildungsrepublik Deutschland. Foto: Shutterstock

Schulausbildung und Schulabschlüsse in Deutschland sollen in den kommenden Jahren deutlich vergleichbarer werden. Die Kultusminister der Länder (KMK) verständigten sich am Donnerstag nach jahrelangen Verhandlungen auf einen Vertrag für eine bessere Zusammenarbeit im deutschen Bildungssystem mit einheitlicheren Linien. Die Ministerinnen und Minister der 16 Länder beschlossen bei einer Videokonferenz eine entsprechende «Ländervereinbarung». Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Stefanie Hubig (SPD) und die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) sprachen von einem «historischen Tag» für die Bildung in Deutschland.

Das Papier, das noch von den Ministerpräsidenten der Bundesländer unterzeichnet werden muss, soll das 56 Jahre alte «Hamburger Abkommen» zur «Vereinheitlichung auf dem Gebiete des Schulwesens» ablösen. Es beschreibt Grundsätze und Ziele der Zusammenarbeit der Länder. «Im Hamburger Abkommen» waren unter anderem gemeinsame Regeln der Länder zur gegenseitigen Anerkennung von Schulabschlüssen, zu Schulferien, den Schularten und der Anerkennung von Lehramtsabschlüssen festgelegt.

Schüler sollen bei länderübergreifendem Schulwechsel „bruchlos“ ihre Bildungslaufbahn fortsetzen können

In der neuen Vereinbarung sichern sich die Länder unter anderem zu, «durch geeignete Maßnahmen» dafür zu sorgen, dass Schüler bei einem länderübergreifenden Schulwechsel «ihre Bildungslaufbahn bruchlos fortsetzen können». Ein wesentlicher Punkt sind die Abituraufgaben. Hier wollen sich die Länder dazu verpflichten, eine bestimmte Anzahl der Aufgaben aus einem gemeinsamen, länderübergreifenden Pool zu entnehmen.

Eingerichtet werden soll außerdem eine «Ständige wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz». Dieses in früheren Planungen auch «Bildungsrat» genannte Gremium soll die Länder in Fragen der Weiterentwicklung des Bildungswesens unter anderem mit Blick auf eine bessere Vergleichbarkeit beraten.

DIE PLÄNE IM EINZELNEN:

GRUNDSCHULE: Für Kinder, die in die Grundschule kommen, sollen einheitliche Standards für sprachliche und mathematische Kompetenzen und entsprechende Förderung gesetzt werden. Dafür soll die KMK gemeinsam mit der Jugend- und Familienministerkonferenz eine Empfehlung erarbeiten. Die Länder wollen sich zudem auf einen Gesamtstundenrahmen und einen Mindeststundenumfang in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachunterricht in der Grundschule verständigen. Die Vermittlung der Schreibschrift wird betont, ebenso ein einheitlicher Rechtschreibrahmen.

NACH DER GRUNDSCHULE: Im sogenannten Sekundarbereich I – also den ersten Jahren nach der Grundschule – soll das Namenschaos in Deutschland geordnet werden. Hier gibt es in jedem Land andere Bezeichnungen: Hauptschule, Realschule, Mittelschule, Regelschule, Oberschule oder Stadtteilschule. «Zur Erhöhung der Transparenz und damit Akzeptanz prüfen die Länder die Möglichkeit einer einheitlicheren Namensgebung für die Schularten», heißt es im Beschluss der KMK. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) konkretisierte am Donnerstag, dass es um einen Namenszusatz gehe, so dass sofort ersichtlich wird, welcher Abschluss sich hinter welchem Schulnamen verbirgt. Zudem sollen einheitliche Regelungen im Sekundarbereich I zur Wochenstundenzahl der Fächer und Lernbereiche im Pflicht- und Wahlpflichtunterricht geschaffen werden.

ABITUR: Die Länder verpflichten sich dazu, dass ab 2023 die Hälfte der Aufgaben für die Abi-Prüfungen in Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch aus gemeinsamen Aufgabenpools kommen soll. Das soll ab 2025 dann auch für Biologie, Chemie und Physik gelten. Solche gemeinsamen Aufgabenpools gibt es jetzt schon für Deutsch, Mathe, Englisch und Französisch. Allerdings gibt es bisher keine Pflicht, daraus auch Aufgaben zu verwenden.

Weil die Abitur-Note zu einem großen Teil von den Leistungen vor den eigentlichen Prüfungen abhängt, soll zudem bis 2023 eine genaue Anzahl «verpflichtend zu belegender und in die Gesamtqualifikation einzubringender Fächer einschließlich ihrer Gewichtung» festgelegt werden. «Wir wollen nicht, dass an einem Tag überall in Deutschland dasselbe Abitur geschrieben wird», sagte Hubig. Aber es gehe um mehr zentrale Elemente beim Abitur. News4teachers / mit Material der dpa

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5 KOMMENTARE

  1. In Mathe gibt es 3 Aufgaben zu lösen. Wie macht man davon 50% bundeseinheitlich? Ich sehe schon, es wird mal wieder alles umgekrempelt. Und juchhu, RLP schreibt Abitur zu einem völlig anderen Zeitpunkt als alle anderen.

  2. Da bin ich ja mal gespannt, wer diese Standards in Anlehnung an die Besonderheiten eines jeden Schulstandortes erarbeiten wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Mitglieder der Jugend- und Familienministerkonferenz methodisch und didaktisch so aufgestellt sind, dass dabei ein qualitativ hochwertiges Produkt herauskommt. Chance vertan!!!

  3. Ergebnis zu Aufwand ist wie immer beim KMK ausgefallen.
    Wie sagte schon Heinz Erhard:
    Würden alle Berge der Welt, zusammen getragen und übereinandergestellt,
    und wäre am Fuße diese Massivs, ein großes Meer, ein gewaltges und tiefs,
    und würde dieser Berg dann in dieses Meer rein stürzen,
    das würd spritzen.

  4. Wie groß soll der Aufgabenpool eigentlich werden und aus wie vielen Aufgaben können die Schulen dann auswählen?

    Wie sehen die gemeinsamen Mindeststandards aus? Mit Bremen 2020 hätte ich meine Probleme, mit Bayern 1990 weniger. Allerdings müsste selbst Bayern dann seine Abiturquote aufgrund des geforderten Niveaus deutlich senken, Bremen, NRW & co könnten sich dann an eine mehr als Halbierung einstellen.

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